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Högg, Clemens

SPD –Mitglied, bayerischer Landtagsabgeordneter?, Begründer der Arbeiterwohlfahrt in Neu-Ulm? und Augsburg

Hoeggmarke
Clemens Högg auf Spendenmarke der Augsburger SPD. By Alois Wüst (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Leben und Wirken

Jugend und Erster Weltkrieg

Geboren wurde Clemens Högg am 20. November 1880 in Bad Wurzach (heute Baden-Württemberg) als uneheliches Kind einer Dienstmagd, die jedoch später einen Tagelöhner heiratete, der wie ein Vater für Clemens war.

Nach der Schulzeit in der Volksschule absolvierte Clemens Högg eine Ausbildung zum Schmied. Schon in der Lehre schloss er sich der Gewerkschaft Deutscher Metallverband in Ulm an, wo er 1908 Vorstand wurde. Noch vor diesem Jahr trat er der SPD Ulm bei. Nach seiner Gesellenprüfung ging Högg auf Wanderschaft und lernte die Not und die Gesellschaft der Arbeiter im Ruhrgebiet kennen. Anschließend zog Clemens Högg nach Ulm und arbeitete bis zum Kriegsbeginn 1914 in der Ulmer Pflugfabrik Eberhardt. In Neu-Ulm? gründete er 1911 einen Ortsverein der SPD und zog 1913 auch dorthin, um Rosa Krözinger am 5. Juli des Jahres zu heiraten, die eine Tochter mit in die Ehe brachte und ihrem Mann später drei Buben gebar. Von 1911 bis 1914 war Högg Vorsitzender der Neu-Ulmer SPD.

Während des Ersten Weltkrieges musste der Schmied zunächst zur Artillerie in Neu-Ulm? einrücken, doch 1916 und 1917 musste er in der MAN in Augsburg zwangsverpflichtet arbeiten. In dieser Zeit lernte er die ersten Augsburger Mitglieder der SPD kennen.

Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Clemens Högg am 12. Januar 1919 in den Bayerischen Landtag? gewählt, wo er sich mit Sozial- und Agrarpolitik befasste. Daneben bekleidete Högg in Neu-Ulm? das Amt eines zweiten Bürgermeisters (Juli 1919 – März 1920), engagierte sich aber ab 1919 gleichzeitig als Politiker in Augsburg. Er hatte sich während der Novemberrevolution 1918 gegen eine Räterepublik in Neu-Ulm? und Ulm ausgesprochen und war für eine parlamentarische und soziale Demokratie eingetreten, was ihm Kritik der Ultralinken, aber auch Anerkennung derjenigen einbrachte, die Übergriffe und Unruhen fürchteten. Auch im April 1919, als in München für ganz Bayern die Räterepublik ausgerufen wurde, lehnte er das ab – zunächst in Neu-Ulm?, dann auch in Krumbach.

1920 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Augsburger SPD gewählt und arbeitete danach als hauptamtlicher Parteifunktionär im Bezirk Schwaben. Mit seiner Familie zog er im März 1920 nach Augsburg um. Zunächst wohnte die Familie in der Lindenstraße 16 1/3, ab 16. September 1921 in der Spichererstraße? 10. Höggs Büro war zunächst in Litera F 280-203, wo auch der Bildungsverein der Textilarbeiter residierte.

Im März 1922 initiierte Clemens Högg die Gründung von Ortsverbänden der Arbeiterwohlfahrt in Neu-Ulm? und Augsburg. In Augsburg waren Babette Zeeb, Bertha Opolka und Käthe Frickinger an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt beteiligt.

Weil er rednerisch begabt war und Menschen überzeugen konnte, wählten die Stimmkreise Augsburg II und Illertissen den engagierten Sozialdemokraten auch 1924 in den Bayerischen Landtag?. Ebenfalls 1924 wurde Clemens Högg zum Vorsitzenden der Augsburger Arbeiterwohlfahrt gewählt. Drei Jahre später gründete er den Bezirksverband Schwaben der Arbeiterwohlfahrt. Bis zur Auflösung der Arbeiterwohlfahrt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten? 1933 blieb Clemens Högg in Augsburg ihr Vorsitzender.

1927 zog die Familie Högg in die Metzstraße? 37 um.

1928 gingen die Arbeiterwohlfahrt? und die SPD räumlich zusammen und verlegten ihre Büros in das Volkshaus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds, das die Augsburger „Rotes Haus“ nannten. Hier hatte auch Clemens Högg seinen Arbeitsplatz.

Im Mai 1930 kaufte Clemens Högg in Mickhausen einen Bauernhof mit etwa 15.000 Reichsmark Spendengeldern, den er zum Kindererholungsheim umbauen ließ, wo Kinder aus armen Familien Ferien machen konnten.

Noch 1933 schrieb Clemens Högg, dass die Arbeiterwohlfahrt mit Spenden von etwa 12.000 Reichsmark ungefähr 3.800 Augsburgern in ihrer Not helfen konnte.

Clemens Högg war während seiner Augsburger Jahre beliebt und genoss hohes Ansehen und Autorität, nicht nur in seiner eigenen Partei. Damit dass er dem NSDAP- und SS-Mitglied Hans Loritz als Ausfahrer der Augsburger SPD –Zeitung Augsburger Volkszeitung? kündigte, machte er sich diesen Mann zum Feind.

Im Februar 1932 wurde Clemens Högg in die Kampfleitung der „Eisernen Front“ in Augsburg gewählt. Die „Eiserne Front“ war ein 1931 gegründeter Zusammenschluss der Weimarer Kräfte, die sich für die Erhaltung der Demokratie einsetzen: SPD, Reichsbanner und Gewerkschaften?. In der Kampfleitung ging es darum, den Saalschutz politischer Veranstaltungen zu sichern, die von den Nationalsozialisten? gesprengt werden sollten.

Verfolgt von den Nazis

1933 verlor Clemens Högg mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten? am 29. April sein Mandat im Bayerischen Landtag?.

Ein Tag nach den letzten „freien“ Reichstagswahlen, am 6. März 1933, schrieb Clemens Högg noch einen Artikel für die Schwäbische Volkszeitung?, in dem er konstatierte: „Unsere Gesinnung kann uns niemand rauben.“ Die Zeitung druckte auch Flugblätter, die Clemens Högg bei ihr in Auftrag gegeben hatte, was am 15. März 1933 zur Beschlagnahmung des Verlagsgebäudes in der Rosenaustraße 40 durch die Nationalsozialisten? führte. Clemens Högg war nun Parteiarbeit nur noch in der Illegalität möglich. Doch weil ihnen der engagierte Sozialdemokrat Högg schon lange missliebig war, verhafteten ihn Augsburger Nationalsozialisten? am 22. März 1933 und inhaftierten ihn im Augsburger Gestapo-Gefängnis? (Am Katzenstadel) bis Juli 1933 als „marxistischen Volksschädling“. Am 13. Juli gelang Högg die Flucht aus dem Gefängnislazarett in seine Heimat Bad Wurzach, doch wurde er dort am 10. August wieder verhaftet. Andere Quellen berichten statt von einer Flucht von einer Entlassung Clemens Höggs im Juni. Nach diesen Quellen soll am 19. Juni 1933 von zwei Augsburger SS-Leuten in seiner Wohnung (Metzstraße? 37) ein Attentat verübt worden sein, das er jedoch überlebte.

Wieder einig sind sich alle Quellen, dass die Nationalsozialisten? ihn im August 1933 in das Konzentrationslager Dachau einsperrten, wo er bis Oktober 1934 litt. Schon dort kündigte ihm Hans Loritz Rache an. Noch im Sommer 1933 meinte Clemens Högg in einem Gespräch mit Eugen Nerdinger?, dass der Nazi-Spuk bis Weihnachten des Jahres ausgestanden sei.

Nachdem er im Oktober 1934 aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen worden war, arbeitete Clemens Högg in verschiedenen Berufen, u. a. als Versicherungsagent der Basler Lebensversicherungen, in der Windenfabrik Schober und als Seifenvertreter. Mehrmals wurde Clemens Högg bis 1939 im Gestapo-Gefängnis? (Am Katzenstadel) eingesperrt.

Weil er Kontakt zu Parteigenossen wie Bebo Wager und zu den so genannten „Revolutionären Sozialisten“, einer Widerstandsgruppe, hielt, nahmen die Nationalsozialisten? Clemens Högg am 22. September 1939 wieder fest und lieferten ihn in das KZ Oranienburg-Sachsenhausen ein. Zu verdanken hatte er das seinem aus Augsburg stammenden Feind Hans Loritz, der ihn „angefordert“ hatte. Dort ließ ihn Hans Loritz, der damals Lagerleiter war, 18 Monate in eine Beton-Einzelzelle verbringen (nach anderen Quellen 28 Monate), in der Clemens Högg weder ausgestreckt liegen noch aufrecht stehen konnte. Der lichtlose Raum ließ ihn langsam erblinden und die Quälerei führte zu einer Beinamputation.

Im Februar 1945 verbrachte man die Lagerinsassen von Oranienburg-Sachsenhausen in das KZ Bergen-Belsen, weil die Ostfront immer näher rückte. Dort starb Clemens Högg am 11. März 1945, ohne dass man die genauen Todesumstände kennen würde. Möglicherweise starb er an Hungertyphus.

Ehrungen

Die Augsburger Arbeiterwohlfahrt? betreibt das Clemens-Högg-Haus? in der Römerstraße? 50, das frühere Krankenhaus Göggingen?. Im Eingangsbereich der Einrichtung für psychisch Kranke erinnert eine Wandplastik an Clemens Högg.

In Pfersee trägt die Höggstraße seinen Namen.

Auf dem Westfriedhof gibt es einen Gedenkstein für die KZ-Opfer aus Augsburg, der dort 1948 aufgestellt wurde und auf dem auch der Name von Clemens Högg eingemeißelt ist.

Auch Neu-Ulm? ehrt das KZ-Opfer seit dem 25. Juli 1983 mit dem Clemens-Högg-Weg. Und ab 1988 trug ein Sozialzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Neu-Ulm? einige Jahre den Namen „Clemens-Högg-Haus“, doch besteht die Einrichtung heute nicht mehr.

Weblinks


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