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Hessing-Kliniken

Augsburger Kliniken, die auf Friedrich Hessing zurückgehen

Allgemeines

Die Hessing-Kliniken werden getragen von der Hessing-Stiftung. Beide gehen auf Friedrich Hessing zurück.

Geschichte

Friedrich Hessing eröffnete 1868 am Jakobertor seine erste orthopädische Heilanstalt, die er schon ein Jahr später in das ehemalige Landgerichtsgebäude in Göggingen verlegte. Aus diesen Anfängen wuchsen die Hessing-Kliniken.

Viele Erfindungen des Autodidakten führten zum Erfolg seiner Kliniken, obwohl er von manchen etablierten Ärzten kritisch betrachtet und z. T. bekämpft wurde. Die Heilungserfolge der Hessing-Kliniken sprachen für sich. Bis 1903 sollen etwa 60.000 wohlhabende Patienten in die Hessing-Kliniken gekommen sein, manche aus Peru, Amerika und Ägypten. Auch der Schriftsteller Max Brod war Kurgast in Göggingen. Vorwürfe wie Geheimniskrämerei oder Kurpfuscherei konnten dem egozentrischen und zielgerichteten Charakter Friedrich Hessings nichts antun.

Weil Hessing glaubte, dass auch das Umfeld zur Heilung beiträgt, ließ er rund um seine Kliniken Parkanlagen anlegen. Er ließ eine Burg bauen, weil er hoffte, Kaiser Wilhelm würde sich von ihm seine verkrüppelte Hand behandeln lassen. Außerdem baute er eine neugotische Kirche; sie war die erste ökumenische Kirche Augsburgs und die Patienten konnten sie von ihren Krankenzimmern aus erreichen. Auch das Kurhhaus Göggingen ging auf ihn zurück, ein Theater für seine Patienten. In den Jahren 1880 bis 1893 ließ Friedrich Hessing von Jean Keller die Orthopädische Klinik mit eleganten Gebäuden ausstatten. Neben den genannten sind ein Gästehaus zu erwähnen, eine Wandelhalle, verschiedenen Ökonomiegebäude und eine Milchkuralpe.

Nachdem Friedrich Hessing 1918 gestorben war, gingen seine Einrichtungen an die Hessing-Stiftung über. Das wirtschaftliche Überleben der Kliniken nach dem Ersten Weltkrieg war nicht einfach, denn die Welt hatte sich gewandelt und die betuchten Gäste blieben in Göggingen aus.

Die Hessing-Kliniken überlebten auch den Zweiten Weltkrieg und wurden in den Jahren 1954/55, 1959-1962 sowie von 1980-1995 erneuert. Während dieser Sanierungen fiel ursprüngliche Bausubstanz den Abrissbaggern anheim. Und in den letzten Jahren erlebten die Hessing-Kliniken einen großen Aufschwung, was den Neubau einiger Einrichtungen auf dem Klinikgelände zur Folge hatte.

2017 feierte das Hessing Förderzentrum in Augsburg seinen 50. Geburtstag. Bildung, Therapie und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen – dieser Aufgabe hat sich das Hessing Förderzentrum in Augsburg verschrieben.

Details

An den Hessing-Kliniken werden pro Jahr etwa 1.800 Endoprothetikoperationen durchgeführt, die jeweils etwa eine Stunde dauern (Stand 2011).

Hessingpark

Neben der Straßenbahnlinie 1 liegt eine Kolonnade, die Teil der Hessingstraße? ist und die Wellenburger Straße mit der Butzstraße verbindet. Gleich daneben liegt der Hessingpark. Am südwestlichen Rand des Parks steht ein eigenartiges Gebäude, die "Hessingburg".

Die Kolonnade des Parks ist in den Jahren 1896-1899 entstanden und war früher größer. Früher führte sie ganz um den Hessingpark und endete auf der untersten Burgterrasse. Der Rest der Kolonnade ist durch vier Pavillons gegliedert, von denen die beiden äußeren geschwungene Hauben und die in der Mitte Zeltdächer haben. Früher waren die Kolonnadendecken mit Schablonenmalerei verziert. Die frühere nördliche Kolonnade lag zwischen dem Ärztehaus, einem kubischen Bau mit Walmdach, Eckturm und Risaliten, und der "Alten Klinik". Der Ärztebau wurde 1890/1900 errichtet. Sein Eckturm ist mit einer geschuppten Zinkblechhaube gedeckt.

Einzelne Bauten

Hessingburg

Die so genannte Hessingburg wurde 1899 von Karl Albert Gollwitzer? im Auftrag von Friedrich Hessing als Gästehaus errichtet. Der Grundriss ist L-förmig, die Rückfront asymmetrisch und einfach gegliedert. Zum Park hin öffnet sich eine Schaufront mit drei turmförmigen Anbauten und drei Terrassen mit Zinnenbalustraden, die übereinander gestaffelt sind. Vor den unterschiedlichen Fensterformen liegt zentral davor eine Wassergrotte. Im Inneren der Hessingburg liegt im Erdgeschoß ein Gartensaal, der mit bunt verglasten Fenstern in Jugendstilformen ausgestattet ist. Im Südtrakt liegt das Haupttreppenhaus mit den Zugängen zu den ehemaligen Gästezimmern. Die phantastischen Bauformen werden als "Rothenburger Stil" bezeichnet, weil sich Rothenburg ob der Tauber mittelalterlich erhalten hat. Allgemeiner könnte man im Fall der Hessingburg auch von Stileklektizismus sprechen, jedenfalls erscheint die Hessingburg als Sammelsurium verschiedener architektonischer Stilrichtungen.

Was war der Sinn der Hessingburg? Friedrich Hessing ließ das Gebäude für Kaiser Wilhelm II. in der Hoffnung errichten, dass er sich bei ihm in Behandlung begeben würde, denn der Kaiser hatte einen verkürzten Arm. Eine Behandlung hätte sich mehrere Monate hingezogen, weshalb ein entsprechendes Gästehaus für den Kaiser angebracht erschien. Zwar kam der Kaiser nie zur Behandlung in die Hessingburg, dafür aber seine Frau Auguste Victoria, die sich einen Knöchel brach und Friedrich Hessing den Bruch behandeln ließ. Neben ihr wurden viele Adelige, Reiche oder sonst bekannte Personen in der Hessingburg behandelt, wie etwa Max Brod, der Freund Franz Kafkas. Er weilte 1890 hier.

Ging man in den 1990er Jahren rechts an der Hessingburg borbei auf den Parkplatz, konnte man noch zwei Gebäude betrachten, die seit Jahren verfielen: die ehemaligen Hessing-Werkstätten. Hier wurden die orthopädischen Geräte und das Inventar der Klinik hergestellt. Heute liegt an ihrer Stelle die Geriatrische Rehabilitationsklinik, die auf die Bedürfnisse alter Menschen zugeschnitten ist. Von dem alten Gebäudekomplex ist nur ein Wasserkraftwerk über der Singold übrig geblieben (Wasserkraft Hessing Stiftung), das auch heute noch Energie erzeugt.

Die Alte Klinik

Von den alten Hessing-Kliniken ist noch der erste Bau, die so genannte "Alte Klinik" gut erhalten. Sie blieb nach ihrer Umnutzung durch Friedrich Hessing 1869 im Äußeren weitgehend erhalten und ist auch als ehemaliges Landgericht Göggingen bekannt.

Die Neue Klinik

Die "Neue Klinik" wurde in den Jahren 1887-1889 errichtet. Architekt war Jean Keller. Es handelte sich ehemals um drei zweigeschossige Flügel mit einer Eingangs- und einer Liegehalle, einem Speisesaal und einem angebauten Wintergarten. In den Jahren 1954-1961 riss man einen Seitentrakt komplett ab. Die zwei übrigen Seitentrakte wurden 1986 saniert. Man kann noch Fassaden der Neorenaissance? -Fassaden mit kräftiger Gliederung erkennen, die etwas an das Zeughaus erinnern.

Anstaltskirche Sankt Johannes

Noch gut erhalten ist die 1890-1893 gebaute Anstaltskirche Sankt Johannes. Der russische Zar hatte mit seiner Spende den Bau möglich gemacht. Andere meinen, es sei unwahrscheinlich, dass Zar Nikolaus die so genannte „Anstaltskirche“ für Protestanten und Katholiken gestiftet habe. Wahrscheinlicher sei, dass das Kirchlein durch Gelder finanziert wurde, die man durch die Behandlung von Mitgliedern der Zarenfamilie und des russischen Adels verdiente. Eingeweiht wurde die Saalkirche mit ihrem mehreckigen Chor im Osten und einem offenen Dachturm mit geschwungener Haube im Westen 1906. Die Kirche hat drei Eingänge: einen von der Klinik aus, einen von der Wellenburger Straße aus und einen von der im Westen liegenden Parkanlage aus. Die letzteren Eingänge sind mit Vorhallen überdacht.

Nähert man sich der Kirche, kann man folgende Unterteilung feststellen: Die Sockelzone mit Segmentbogenfenstern und genutetem Verputz hebt sich von dem mit Lisenen gegliederten Bereich darüber deutlich ab, der hohe Rundbogenfenster aufweist. Im Äußeren erinnert der Bau von Jean Keller an das Barock?. Das Innere jedoch ist neugotisch gestaltet. Wir stellen ein dreijochiges Kreuzrippengewölbe fest, das auf Dienstbündeln aufsetzt. Der etwas erhobene Chor hat eine gemalte Maßwerkdecke. Am Chorbogen sind die Evangelisten mit ihren Attributen dargestellt. Die Überschrift verkündet: "Ich bin das Brot des Lebens / Wer zu mir kommt, der wird nicht hungern und wer an mich glaubt, der wird nimmermehr dürsten. Joh. 6.35." Die Wände sind prächtig mit geschnitzten Paneelen ausgestattet und von Ornamenten geschmückt. An einer Seitenwand ist zu lesen: "Wirk, so lang es Tag ist. So wie die Tür sich willig öffnet, wehrt dir den Eingang nicht, schließ auf dein Herz und lasse Jesus Christus ein! Mach auf dein Herz!"

Dekorierte Fließen aus Steinzeug schmücken den Boden. An der Nordwand der Anstaltskirche Sankt Johannes ist ein Barbara-Relief aus Franken zu sehen, das um 1520 entstand.

Der Gögginger Glasermeister Leo Eichleitner? (1854-1917) schuf die Glasmalereien, die jedes Fenster der Kirche zieren. Im Chor kann man die heilige Barbara und eine andere Heilige ohne Attribut erkennen. Links am Chorbogen ist die Kanzel mit ihrem Schalldeckel angebracht. Auf dem Schalldeckel zeigen Engel die Symbole von Glaube, Liebe und Hoffnung, den christlichen Grundtugenden. Im Chor selbst steht ein Altarschrein mit einer zentralen Kreuzigungsgruppe, Petrus, Paulus und Gottvater. Das wirkt etwas überladen.

Sehr dominant wirken in der Kirche die Orgelempore und eine Loge, die sich über dem Eingang von der Klinik aus befindet. Beide weisen geschnitztes Maßwerk auf, das virtuos geschnitzt und zerklüftet wirkt. Allerdings ist der Balkon über dem Kapellenausgang zur Klinik nicht mehr echt. Der originale Balkon war aus Holz, heute ist er aus Kunststoff nachgebildet, wobei man an der Empore Abgüsse abnahm und sich an ihr bei der Gestaltung leiten ließ. Grund für die Rekonstruktion war ein Brand nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner die Hessingklinik besetzt hielten.

Die Anstaltskirche Sankt Johannes ist eine Simultankirche und deshalb sowohl von Katholiken wie Protestanten zu nutzen. Weil die Kirchenbänke mobil und ihre Sitzflächen aufklappbar sind, können auch Kranke in Rollstühlen oder Betten am Gottesdienst teilhaben. Die Stühle der Anstaltskirche Sankt Johannes soll der große Orthopäde Friedrich Hessing selbst nach ergonomischen Anforderungen entworfen haben.

Erst 1961 wurde eine schmiedeeiserne Kolonnade im Anschluss an die Anstaltskirche entfernt. Sie umgab einen kleinen Park mit zwei Pavillons.

Wasserkraftwerk Hessing-Stiftung

Das Wasserkraftwerk der Hessing-Stiftung ist der letzte Rest von Gebäuden der Hessing-Kliniken, die früher neben dem Hessingpark an der Singold lagen. Diese orthopädischen Werkstätten und Ökonomiegebäude riss man im Lauf der Zeit ab, zuletzt 1993 die Werkstattgebäude von 1892.

Neuere Bauten

Adresse

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