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Heilig-Geist-Spital

älteste städtische Einrichtung Augsburgs zur Versorgung von Kranken und Alten, letztes Bauwerk des Stadtbaumeisters Elias Holl

Allgemeines

Das Augsburger Heilig-Geist-Spital liegt am Roten Tor und damit im ersten Stadtbezirk (Lechviertel östliches Ulrichsviertel) bzw. im Planungsraum I (Innenstadt). Es ist in seiner schlichten Architektur von hoher städtebaulicher Bedeutung. Die Vierflügelanlage wurde als Altersheim verwendet, in das man sich einkaufen konnte und das eine kleine Krankenstation hatte.

Heute ist das Gebäude vor allem deshalb bekannt, weil das Gebäude die Augsburger Puppenkiste und das Augsburger Puppentheatermuseum beherbergt. Übersehen wird meist, dass auch Ateliers?, eine Tagespflege? und Seniorenwohnungen im Heilig-Geist-Spital beheimatet sind.

Am Heilig-Geist-Spital wird deutlich, dass der Stadtbaumeister Elias Holl nicht nur für die Reichen in Augsburg baute, sondern ein Architekt für alle Augsburger war. Die unregelmäßige Vierflügelanlage mit Innenhof war seine letzte Bauaufgabe.

Geschichte

Möglicherweise geht die Einrichtung auf eine Gründung des heiligen Ulrich? (923 bis 973) zurück. Schon 1150 ist es bezeugt, dann wieder um 1240. Bekannt ist, dass damals eine Laienbruderschaft das Spital betreute, das in der Wagenhals-Vorstadt? vor dem Roten Tor lag. Als man diese Vorstadt um 1370 aus wehrtechnischen Gründen abriss, hat man das Spital hinter die Stadtmauer verlegt. Damals beherbergte es etwa 250 Insassen und diente vor allem der Versorgung von alten Menschen. In Mehrbettzimmern wurden die Armen untergebracht. Wer dem Spital nach seinem Tod seinen Besitz hinterließ war ein so genannter "Einkaufspfründer" und bekam eine eigene Kammer im Spital.

Die Kapelle des Heilig-Geist-Spitals wurde 1623 von Elias Holl geplant, nachdem er die Arbeiten am Roten Tor abgeschlossen hatte. Die Arbeiten am Westflügel des Heilig-Geist-Spitals wurden jedoch erst in den Jahren 1626 bis 1631 von seinem Nachfolger Jörg Höbel? durchgeführt. Aus hygienischen Gründen hatte schon die Planung Elias Holls die Überbauung des Brunnenbachs vorgesehen.

Als man 1648 im Westfälischen Frieden für die freie Reichsstadt? Augsburg die Parität beschloss, hatte das auch Auswirkungen auf das Spital, denn die evangelisch-lutherische Gemeinde Sankt Ulrich erhielt jetzt das Nutzungsrecht für die Kapelle des Spitals. Man gründete die Heilig-Geist-Spital-Stiftung, die eine paritätische Verwaltung hatte. Diese Stiftung verlor beim Reichsdeputationshauptschluss? im Jahr 1803 ihr Vermögen und ihren Landbesitz in der Region Augsburg.

Im Zuge der Säkularisation hat man die Heilig-Geist-Kapelle auf zwei südliche Joche verkleinert. Der nördliche Kapellenteil wird seit 1948 von der Augsburger Puppenkiste genutzt. Die Enteignung der Kirche führte zwar 1808 zur Säkularisierung des Gebäudes an sich, doch nutzte die paritätische Hospital-Stiftung das Gebäude weiterhin als Spital.

In den Jahren 1966 bis 1968 hat man die Gebäude auf Initiative der Altaugsburggesellschaft? instandgesetzt.

Nachdem das Architekturbüro Schrammel? von 1998 bis 2001 das Heilig-Geist-Spital erneut sanierte, zog 2001 auch das Augsburger Puppentheatermuseum in die Räumlichkeiten ein.

Details

Gebäudeflügel

Das Spital erstreckt sich über verschiedene Straßen und hat die Anschriften Spitalgasse 11/15/17 sowie Beim Rabenbad 6. Am eindrucksvollsten und auch ein wenig monumental wirkt die Fassade des Hauptbaus. Sie erstreckt sich über 80 Meter an der Spitalgasse entlang. Strenge Fensterachsen und ein rundbogiges Hauptportal, das von Pilastern, Quadern und Gebälk gerahmt wird, prägen diesen Flügel. Über dem Hauptportal kann man auf einer Tafel, die von Voluten flankiert wird, die Antiqua-Bauinschrift lesen. Nur ein südlich gelegener Aufzuggiebel durchbricht die Symmetrie dieser Straßenfront.

Im Erdgeschoss dieses Hauptbaus oder Westflügels ist eine große dreischiffige Halle mit einem Kreuzgratgewölbe (39 Kreuzgewölbe) erhalten, das auf starken Pfeilern mit Stufenkapitellen ruht. Hier wurden früher kranke Frauen gepflegt, während pflegebedürftige Männer über ihnen im Obergeschoss untergebracht waren. Heute ist in der Halle die Augsburger Puppenkiste mit ihrem Foyer zu besuchen.

Heilig-Geist-Kapelle

Im Süden des Spital-Westflügel liegt die heute evangelische Kapelle des Hospitals "Zum heiligen Geist". Erst 1648 wurde sie protestantisch. Sie hat zwei Joche und ist durch eine Mauer vom Hauptbau des Heilig-Geist-Spitals abgetrennt. Am zierlichen Dachreiter und einem so genannten "Prediger-Stüblein", das ein kleiner Sakristeianbau war, erkennt man, dass die Kapelle mit dem Bau des Spitals eingerichtet wurde.

Der Innenraum hat eine Empore mit gedrehten Säulen, die um 1700 entstand. Das Gestühl ist dunkel, der Altar weist eine Inschriftenplatte auf, die Kanzel vom Anfang des 18. Jahrhunderts ist mit einer Heilig-Geist-Taube und Evangelistensymbolen geschmückt. Ein schwebender Engel wurde von der Decke abgehängt. In der Heilig-Geist-Kapelle befinden sich mehrere Tafelbilder:

  • Verkündigung
  • Anbetung der Hirten
  • Auferstehung
  • Pfingsten
  • Büßende Magdalena

Aufgrund der dunklen Farbigkeit und ihrer Malweise werden diese Bilder oft Johann Heinrich Schönfeld? (1609-84) zugeordnet, jedenfalls erinnern sie stark an ihn. Außerdem ist in der Kapelle noch ein Bild von Franz Sigrist dem Älteren? (1727-1803) erhalten, das den Titel "Predigt Johannes des Täufers" trägt. Die sonstige Innenausstattung stammt meist aus dem 18. Jahrhundert, etwa die Holzverkleidung der Altarmensa. Die Kirche gehört zu Evangelisch Sankt Ulrich, aber auch Altkatholiken? nutzten sie als Gotteshaus.

Innenhof

Besonders interessant ist der Innenhof des Spitals, den man über das Portal im Norden der Anlage (Beim Rabenbad) erreicht. Das Portal wird durch ein Gesims betont, das auf Konsolen lagert. Hier zeigte Elias Holl sein architektonisches Talent. Neben dem Portal thront ein stolzer Adler aus Stein. Gleich daneben befand sich zwischen 1949 und 2000 das Leihamt? der Stadt, weshalb viele in dem Adler einen Pleitegeier erkennen wollten.

Der Innenhof ist unregelmäßig. Der Treppenhaustrakt des Hauptbaus ragt ihn ihn hinein. Man hat den Eindruck einer starken Gliederung des Hofes, vor allem durch Blendbögen und Pilaster. Die West- und Ostseite des Innenhofs präsentieren im Erdgeschoss offene Pfeilerarkaden.

Überquert man den Innenhof, gelangt man links durch einen Bogen in den Brunnenmeisterhof und zu dem Spitalturm sowie zu den anderen Wassertürmen am Roten Tor. Man kann von hier aus aber auch zum Stadtwall gelangen.

Lage


Weblinks


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