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Harburg

Harburg ist u. a. eine Stadt im Landkreis Donau-Ries im Regierungsbezirk Schwaben nahe Augsburg; Postleitzahl 86655; Vorwahlen 09080 und 09085; Kfz-Kennzeichen DON oder NÖ

Allgemeines

Die bayerisch-schwäbische Stadt Harburg hat etwa 73 Quadratmeter Fläche bei knapp 5.500 Einwohnern, was eine Bevölkerungsdichte von etwa 75 Einwohner pro Quadratkilometer bedeutet. Sie liegt etwa 440 Meter über Meereshöhe und zwischen Nördlingen? und Donauwörth im Tal der Wörnitz?. Von Augsburg nach Harburg fährt man mit dem PKW über die B 2 in etwa einer dreiviertel Stunde.

Bekannt ist Harburg vor allem durch die markante und interessante Burg Harburg, die über der Stadt auf einem Berg steht. Daher rührt auch der Name der Stadt. Er hat zwei Teile: Neben „Burg“ auch „Har“. Der Bestandteil „Har“ rührt vom Althochdeutschen „horo“ her, was Sumpf oder Moor bedeutet. Die Harburg ist also eine Burg über einem Moor oder Sumpf. In alten Urkunden ist von Harburc, Horeburch oder Horburc die Rede. Harburg liegt an einem der reizvollsten Punkte des Nördlinger Rieses, dem Durchbruch der Wörnitz? durch die felsigen Ausläufer des Schwäbischen und Fränkischen Juras, die sich hier schroff einander gegenüber liegen. Die hoch über der Stadt gelegene Harburg hat als einzige von vier Reichsburgen, die früher im Ries standen, den Dreißigjährigen Krieg unzerstört überstanden.

Heute hat Harburg viele Ortsteile: Brennhof, Brünsee, Bühlhof, Ebermergen, Egermühle, Eisbrunn Großsorheim, Harburg, Harthof, Heroldingen, Hoppingen, Katzenstein, Kratzhof, Listhof, Marbach, Mauren, Möggingen, Mündling, Obere Reismühle, Olachmühle, Ronheim, Salchhof, Schrattenhofen, Sonderhof, Spielberg und Untere Reismühle.

Geschichte

Mittelalter

Erstmals erscheint der Name Harburg bei Mathilde de Horeburc, der Gemahlin des Grafen Kuno von Lechsgmünd? im Jahr 1093. Ob „Horeburc“ wirklich das heutige Harburg oder die Burg Harburg meinte, ist unklar. Alte Dokumente sprechen auch von einem Dienstmannengeschlecht von Gosheim und Horiburch und von einem Dominus Otto de Gosheim sive Horburch.

Die Burg Harburg ist erstmals erwähnt in einem Bericht Heinrichs, des Sohnes Konrads III., aus dem Jahr 1150. Darin schreibt er von seinem Sieg über Welf VI. und nennt die Harburg „castrum nostrum“. Sie war also entweder Reichsgut oder gehörte dem Herzog von Schwaben?. Auch danach gehörten Ort und Burg den Hohenstaufen, bis Konrad IV. 1251 den Ort („civitas“) ohne die Burg Harburg, aber mit der Burg Gosheim? und anderem Besitz an den Grafen Ludwig V. von Oettingen verpfändete. 1290 erschien erstmals der Reichsadler im Siegel der Gemeinde. Im Lauf der nächsten Jahrzehnte folgten weitere Verpfändungen, schließlich auch die Burg Harburg 1299. 1407 erfolgte die letzte Verpfändung und weil die Hohenstaufen sie nicht mehr einlösen konnten, verblieben Ort und Burg Harburg fortan beim Haus Oettingen. Kaiser Sigismund bestätigte das 1418 ausdrücklich. Harburg wurde für die Oettinger Grafen nun bis 1549 zu ihrer Residenz.

Reformationszeit

Schon 1524 schlug die Reformation in Harburg, das bis heute überwiegend evangelisch ist, Wurzeln. Der damalige Graf Karl Wolfgang war Anhänger Martin Luthers. Er residierte in Harburg und führte auf seinem Besitz, den Ämtern südlich der Eger?, die Reformation ein. 1524 bestellte er den evangelischen Pfarrer aus Heidenheim? Paul Warbeck als Hofprediger nach Harburg und erklärte die Harburger Schlosskirche zur ersten evangelischen Kirche Harburgs und der Umgebung. In der Schlosskirche begrub die Linie Oettingen-Oettingen ihre Mitglieder, bis sie 1731 ausstarb.

Während der Bauernkriege blieb es in Harburg ruhig, es scheinen sich kaum Harburger dem bäuerlichen Rieshaufen angeschlossen zu haben. Das lag wohl an den guten Lebensverhältnisse im damaligen Harburg. Große Bauern gab es nicht, die meisten Einwohner waren Handwerker und gleichzeitig Kleinlandwirte. Man hatte sein Auskommen und war zufrieden. Viele bäuerlichen Forderungen betrafen Harburg nicht. Die Einwohner waren nicht leibeigen, was ihnen Graf Wolfgang 1495 in der so genannten Harburger Ehehaft bestätigt hatte, Angeln in der Wörnitz? war erlaubt und es gab den bürgerlichen Wald „Karab“, an dem jeder Hausbesitzer einen Anteil hatte. Auch das Hauptrecht als Abgabe an die Obrigkeit hatte in Harburg keine Gültigkeit. So ließ Graf Karl Wolfgang in Harburg nur einen der Bauernanführer, Josef Hafner von Hausen? hinrichten, unternahm sonst jedoch nichts gegen seine Untertanen.

Graf Karl Wolfgang zu Oettingen berief 1539 alle Pfarrer seines Herrschaftsgebietes nach Harburg und beriet mit ihnen über die Einführung der evangelischen Lehre. Weil die Mehrheit der Pfarrer für die Reformation votierten, erfolgte noch im gleichen Jahr die Einführung der Augsburger Konfession in Harburg.

Als 1546/47 der Schmalkaldische Krieg wütete, waren auf oettingisch-oettingischem Gebiet bei Kriegsbeginn alle Pfarrstellen mit protestantischen Geistlichen besetzt. Graf Karl Wolfgang blieb neutral und trat dem Schmalkaldischen Bund nicht bei. Im Oktober 1546 erreichte die Armee Kaiser Karls das Nördlinger Ries und die Schmalkaldener besetzten im September 1546 die Harburg gegen den Willen Graf Karl Wolfgangs, der sich, weil er neutral bleiben wollte, mit seiner Familie nach Lauingen abgesetzt hatte. Nach der Kapitulation der Schmalkaldischen besetzten die Kaiserlichen die Burg Harburg und plünderten auch den Markt Harburg. Allerdings wurden Orte im Umfeld schlimmer behandelt. Abgesehen von Plünderungen bei der Besetzung des Marktes beliefen sich die Kosten, die für Verpflegung und Futter für die Pferde während des ganzen Krieges angefallen waren, auf etwa 2500 bis 3000 Gulden für Harburg. Nachdem das Schmalkaldische Bündnis zerschlagen und der Krieg beendet waren, entmachtete man die protestantischen Regenten und ersetzte sie durch katholische. Graf Karl Wolfgang war bereits im Dezember 1546 abgesetzt worden, obwohl er sich immer neutral verhalten hatte. Er starb 1549 auf der Burg Harburg. Ohne leibliche Erben wurde 1550 seinen Brüdern sein Erbe übertragen. Jetzt fiel Harburg an die katholischen Grafen Friedrich und Wolfgang. Sie führten 1550 in der Marktkirche Harburg wieder den katholischen Gottesdienst ein. Die beiden verbannten oettingischen Grafenbrüder konnten erst nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 in ihre Herrschaftsgebiete zurückkehren. So konnte Ludwig der XV. die Reformation fortsetzen – auch im Gebiet seines verstorbenen Bruders Karl Wolfgang. Damit wurden in den Jahren 1555 bis 1557 alle Orte im Nördlinger Ries wieder evangelisch, die vor dem Schmalkaldischen Krieg evangelisch waren. 1555 erhielt Harburg mit Quirinus Kleesattel wieder einen evangelischen Pfarrer. Jetzt blieb Harburg dauerhaft protestantisch.

1570 wird erstmals ein Rathaus in Harburg urkundlich erwähnt.

Da die Schlosskirche auf Burg Harburg zunächst als Pfarrkirche gedient hatte, wurde für die Bewohner im Tal von Graf Gottfried zu Oettingen-Oettingen die Barbarakapelle errichtet. An ihre Stelle trat 1612 die Barbarakirche, die man zur Pfarrkirche erhob. Die Schlosskirche war also die älteste Kirche in Harburg. Man hatte sie dem Erzengel Michael geweiht. So, wie sie heute erhalten ist, geht sie auf den Umbau von Fürst Albrecht Ernst II. in den Jahren 1720/21 zurück. Für die evangelische Kirchengeschichte in der Region interessant ist darüber hinaus die Tatsache, dass Harburg von 1564 bis 1806 Sitz erst gräflicher, dann fürstlicher Spezialsuperintendenten war, die sich dann von 1806 bis 1851 königlich-bayerische Dekane nannten. 1851 verlegte die Evangelische Kirche das Dekanat nach Ebermergen?.

Dreißigjähriger Krieg

Den nächsten großen Einschnitt für Harburg brachte der Dreißigjährige Krieg?. Mit der Besetzung des Schellenbergs durch die Schweden 1632 kam der Krieg ins Nördlinger Ries und die Grafschaft Oettingen. Damit begann für Harburg und seine Umgebung das schrecklichste Kapitel seiner bisherigen Geschichte. Damals war Amtmann auf der Harburg Andreas Häberlein, der seinem in Oettingen residierenden Herrn, Graf Ludwig Eberhard und dann dessen Sohn Graf Joachim Ernst regelmäßig berichtete. In der Angst vor den Schweden flohen viele Bewohner der umliegenden Dörfer nach Harburg, brachten ihr Vieh auf der Burg in Sicherheit oder versteckten es in den Wäldern ringsum. Amtmann Andreas Häberlein berichtete von gewaltsamen Einquartierungen, von Viehdiebstahl, Plünderungen der Orte und ihrer Kirchen und Vernichtung der Feldfrüchte. „Rohrbach, Schafhausen, Durneckh, Oppertshofen und Prachstatt sein alle von straiffenden Truppen betroffen und sehr verwiest worden, dass in meinem ganzen Land nit ein Bauernhof vorhanden, der were verschont geblieben", schrieb Häberlein. Im April 1632 waren die Schweden gekommen, nach einem Jahr war das Harburger Umland ausgeraubt und verwüstet – ohne Rücksicht auf die Religion. 1634 entwickelte sich zum Schicksalsjahr Harburgs, denn jetzt rafften Seuchen die Menschen hin. Mehr als 460 Menschen starben im Lauf des Jahres an der Pest. Der Harburger Bürgermeister schrieb im Oktober 1634, einen Monat nach der Schlacht bei Nördlingen?: „in dem markht befunden sich uf 108 Bürgershäuser, darunter in 28 Wittiben, 14 Häuser ganz ausgestorben, 1 Bürger hinweggezogen, 3 Häuser sambt Griesthorturm abgebrannt, und sterben noch täglich 6, 8, 10 Personen." Die Burgen Niederhaus und Alerheim wurden 1634 zerstört, die Flochberg und Wallerstein 1648. Nur die Burg Harburg entging damals den Kriegszerstörungen. Der Markt Harburg verlor zwischen 1618 und 1648 mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung.

1671 zogen fünf jüdische Familien nach Harburg. Graf Albrecht Ernst I. zu Oettingen-Oettingen nahm sie in seinen Schutz auf, worauf sich eine bedeutende jüdische Landgemeinden des 18. und 19. Jahrhunderts in Bayern entwickelte, die 1707 schon 25 jüdische Familien und um 1739 bereits 51 jüdische Haushalte aufwies. Die ersten Juden in Harburg waren Vertriebene aus dem Gebiet um Höchstädt. So z. B. Moses Weil, der am Marktplatz (Nummer 5) sein Wohnhaus errichtete, das mit seinem geschwungenen Giebel noch heute erhalten ist. Ein Ghetto entwickelte sich hier nie, über die ganze Stadt verstreut lebten Juden. Besonders in dem Straßenzug Egelsee, wo um 1700 der kaiserliche Proviantfaktor Simon Oppenheimer sein Haus errichtete, 1754 die Synagoge, im 19. Jahrhundert die jüdische Schule und ein großbürgerliches Haus der Familie Nebel errichtet wurden.

18./19. Jahrhundert

1731 erbte die Linie Oettingen-Wallerstein, die 1774 gefürstet wurde, Ort und Burg Harburg, die in der Zwischenzeit zu einem stattlichen Schloss ausgebaut worden war, weil die evangelische Linie Oettingen-Oettingen ausgestorben war. Die neue Herrscherlinie richtete in Harburg ein Oberamt und eine Fronfeste ein. Zuvor waren die Grafen und Fürsten von Oettingen-Oettingen und ab 1731 die Grafen und Fürsten von Oettingen-Wallerstein Gerichtsherren in Harburg und konnten auf ihrem Herrschaftsgebiet die niedere und die hohe Gerichtsbarkeit (Blutgerichtsbarkeit) ausüben. Für die Vollstreckung der Todesstrafe gab es in Harburg zwei Hinrichtungsplätze: die Richtstatt, auch Rabenstein genannt, für die Hinrichtung mit dem Schwert und das Hochgericht, den Galgen, für die Hinrichtung mit dem Strang. Dieser Galgen befand sich links der Straße nach Nördlingen? am Fuß des Hühnerberges. Die Richtstatt befand sich zuerst am Ortsrand außerhalb des Tiefen Tores an der Straße nach Nördlingen?. 1785 verlegte man sie zum Hochgericht am Galgenberg verlegt.

1743 wurde der evangelische Theologe und Volkspädagoge Georg Jakob Schäblen? in Harburg geboren.

Um 1800 hatte Harburg etwa 1400 Einwohner. Mit 340 Juden lag deren Anteil damals bei etwa 30 %. Am 24. Juni 1800 belagerten französische Truppen die Burg Harburg, deren Zerstörung durch die Kapitulation der österreichischen Besatzung verhindert wurde. Dieses Ereignis wurde Anlass für das Bockfest?, das heute noch jedes Jahr an einem Sonntag im Juni begangen wird.

1806 gelangte die Stadt Harburg durch die Mediatisierung? zum Koenigreich Bayern?. Jetzt richtete Bayern in der Burg Harburg ein Justizamt ein, später ein fürstliches Herrschaftsgericht. Nach dem Übergang der hohen Gerichtsbarkeit an den bayrischen Staat gab es für die Harburger Richtstätten keine Verwendung mehr, weshalb sie 1814 abgebrochen wurden. 1848 wurde Harburg Sitz einer königlichen Gerichts- und Polizeibehörde, nachdem man das fürstliche Herrschaftsgericht aufgelöst hatte. 1849 erhob man den Markt Harburg zur Stadt und schloss sie an das bayerische Eisenbahnnetz an. Weil jüngere Juden in die großen Städte abwanderten, hatte Harburg gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine Bedeutung als jüdische Landgemeinde verloren.

1863 ließ die Stadt ihre fünf alten Stadttore abbrechen und 1889 wurde in Harburg eine Dampfziegelei gegründet, aus der das Märker-Zementwerk? hervorging.

20. Jahrhundert

1903 weihte man die katholische Herz-Jesu-Kirche in Harburg ein und 1925 das Kriegerdenkmal, während man 1930 den alten Marktplatzbrunnen abbrach. Um 1930 fanden sich nur noch wenige Juden in Harburg, vornehmlich in der weit verzweigten Familie Nebel, die für den Viehhandel in der Gegend stand. Von ihnen konnten die meisten Juden Deutschland rechtzeitig verlassen, so dass die Nazis 1939 Harburg für 'judenfrei' erklärten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg weihte man 1946 die 1945 teilweise zerstörte Steinerne Brücke nach ihrer Wiederherstellung ein. In den Jahren 1955 bis 1957 baute man einen Straßentunnel unter der Burg Harburg. 1962 erfolgte die Einweihung des renovierten und ergänzten Kriegerdenkmals und in den Jahren 1971 bis 1978 die Eingemeindung der Nachbarorte Ronheim, Brünsee-Marbach, Mündling, Hoppingen, Ebermergen, Großsorheim mit Möggingen, Heroldingen mit Schrattenhofen und Mauren.

1975 baute man eine neue Wörnitzbrücke und 1977 sanierte und erweiterte man das Rathaus Harburg. Im Juli 1985 feierten die Harburger zum ersten Mal auf der Steinernen Brücke das Brückenfest?, das seitdem jährlich stattfindet.

1992 gründete sich die Initiative „Harburg Project“, die sich mit der Erforschung und Dokumentation der Geschichte der jüdischen Familien in Nordschwaben befasst.

Das Parkdeck an der Nördlinger Straße eröffnete 1993 und ein neuer Marktplatzbrunnen wurde 1997 in Betrieb genommen.

Details

Über den Fernradweg Romantische Straße können Radler Harburg gut erreichen. Zahlreiche weitere Radwege kreuzen sich in und um Harburg. Bei den Fernwanderwegen ist Harburg u. a. der Endpunkt des Frankenweges und Etappenort des Jakobus-Pilgerwegs. Bahnhöfe gibt es in Harburg, Hoppingen und Ebermergen.

Die Stadtfarben von Harburg sind grün-weiß und stehen für Hoffnung und Reinheit.

Sehenswürdigkeiten

Weblinks


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