Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | G | Gosen, Theodor von


Gosen, Theodor von

Philipp Theodor von Gosen; ein aus Augsburg stammender Bildhauer und Medailleur

Leben und Wirken

Philipp Theodor von Gosen wurde am 10. Januar 1873 in Augsburg geboren, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte.

Theodor von Gosen studierte von 1892 bis 1899 an der Kunstakademie in München bei Wilhelm von Rümann. Anschließend arbeitete er als freier Bildhauer und freundete sich mit dem Bildhauer Adolf von Hildebrand an. Er übte großen Einfluss auf von Gosen aus und ist dafür verantwortlich, dass sich der Augsburger Künstler von dem zeittypischen Gründerzeitstil entferne. Von Hildebrand vertrat einen Neoklassizismus, der an die griechische Antike und die Florentiner Renaissance anknüpfte, woraus sich um die Jahrhundertwende die für München charakteristische, nach dem Ersten Weltkrieg fortgeführte Sonderform des Jugendstil-Neoklassizismus, der sich Ende der 1920er Jahre zu einem archaisierenden Neoklassizismus wandelte.

In der Nachfolge von Hildebrands schuf Theodor von Gosen in der Zeit der Begegnung mit dem großen Münchener Künstler Schmuckstücke und dekorative Kleinbronzen. Ab 1897 stellte er regelmäßig im Münchener Glaspalast und auf den Ausstellungen der Berliner Sezession aus. Ebenfalls 1897 schloss er sich der Bewegung zur Förderung und Erneuerung des Kunstgewerbes an, die von Bernhard Pankok, Bruno Paul und Richard Riemerschmid gegründet worden war. Ebenfalls 1897 trat er den Münchener Vereinigten Werkstätten für Kunst und Gewerbe bei, eine eigene Werkstatt eröffnete er 1899.

1898 fertigte Theodor von Gosen das Modell für ein ganzfiguriges Portrait Heinrich Heines, dessen 100. Geburtstag man irrtümlich erst 1899 feierte. Die Bronzestatuette des 1797 in Düsseldorf geborenen und 1856 in Paris gestorbenen Schriftstellers gestaltete von Gosen als Sitzmotiv, das er aus der Welt feudaler Fürstenportraits übernahm. Ein schlichter, geradliniger Stuhl, auf dem Heine sitzt, und die Kleider des Schriftstellers gemahnen an die Zeit des Vormärz, als Heinrich Heine zu den bekanntesten deutschen Autoren gehörte. Heine ist als schöpferischer Mensch konzipiert, der die verändernde Kraft des Geistes repräsentiert. Das idealistische Pathos bürgerlicher Standbilder der Zeit vermisst man hier. Von Gosen stellt den Dichter bei der Arbeit, beim Nachdenken dar, als ob er beim Schreiben innehält, um eine gute Formulierung zu finden. Die Heine-Plastik wurde 1902 in einer Ausstellung der Berliner Sezession gezeigt. Gegossen hatte sie August Brandstetter, München, aus Bronze. Sie ist 43,9 Zentimeter (mit Plinthe) hoch, mit Birnbaumsockel 77,9 Zentimeter – und schwarz patiniert. Theodor von Gosen zeigte mit seinem ohne Auftrag entstandenen Heine-Zimmerdenkmal auf der einen Seite, dass ihm der Dichter trotz Kritik an dem „undeutschen“ Juden wichtig war und er zu den liberalen Künstlern des damaligen Deutschland gehörte. Andererseits war ihm klar, dass ein Denkmal für Heinrich Heine im öffentlichen Rahmen damals nicht zu verwirklichen war, auch wenn er sich gegen nationale Borniertheit wandte.

Heine-Theodor von Gosen 1913
Das Zimmerdenkmal Heinrich Heines 1913 auf der Großen Berliner Kunstausstellung. By Theodor von Gosen [Public domain], via Wikimedia Commons

Hans Poelzig berief Theodor von Gosen 1905 an die Breslauer Kunstakademie. Dort leitete er als Professor die Werkstätten für Bronzegießerei sowie Ziselier- und Treibarbeit. Ebenfalls in Breslau engagierte er sich verstärkt im Bereich der Großplastik und schuf unter anderem für Breslau verschiedene Denkmäler und Bauplastiken. Anerkannt wurde er für die brillante technische Ausführung seiner Werke. Man lobte auch den „stilvollen und materialgerechten Naturalismus, der besonders prägnant in seinen Bildnisbüsten zum Ausdruck kommt.

1908 wählte man ihn zum 1. Vorsitzenden des neu gegründeten Künstlerbund Schlesien, was er bis 1932 blieb.

1913 schuf Theodor von Gosen den Amor auf dem Pegasus, ein Standbild auf der Promenade am Nikolaus-Kopernikus-Park (ehemals Zwingerpark) in Breslau. Die Skulptur war zunächst Teil einer Ausstellung auf dem Gelände der Breslauer Jahrhunderthalle. An den heutigen Standort auf der Breslauer Promenade kam es am 19. Juni 1914. Die Skulptur ist zwei Meter hoch und stellt den Liebesgott Amor dar, der auf einem mythischen Pegasus mit kurzen Flügeln reitet. Das Standbild wurde aus Bronze hergestellt und steht auf einem rechteckigen Sockel aus Muschelkalkstein mit einer Granitschwelle. Auch dieser Guss wurde durch August Brandstetter in München ausgeführt. Ursprünglich hielt die Amorfigur in der linken Hand einen Bogen und in der rechten Hand einen Pfeil. Die Augen des Pferdes bestanden aus Rauchquarz (Rauchtopas), die des Amors aus Marmor und Rauchquarz.

Wrocław, Pomnik Amora na Pegazie - fotopolska.eu (78471)
Amor zu Pferde von Theodor von Gosen, fotografiert von Neo[EZN] / fotopolska.eu [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Von 1919 bis zu seinem Tod war Theodor von Gosen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Berlin, Sektion für die Bildenden Künste.

1933 hielt Theodor von Gosen in einem Manuskript fest, wie er die Münchener Jahre erlebte, in denen er hier studierte, das Theater- und Konzertleben genoss und mit Musikern wie Max Reger oder Zeichnern der satirischen Zeitschrift „Simplicissimus“ zu tun hatte.

Von Gosen starb am 30. Januar 1943 in Breslau, wurde aber auf der Fraueninsel? neben seinem Freund, dem Maler Johann Drobek, beigesetzt. Danach siedelte sich seine Familie am Chiemsee an. Sein 1913 in Breslau geborener Sohn Markus von Gosen wurde ebenfalls Künstler und schuf Mosaiken, Drucke und Glasmalereien. Auch Hannah von Gosen, die 1914 geborene Tochter des Kunstprofessors, schlug eine künstlerische Karriere als Textilkünstlerin und Grafikerin ein. Sie starb 2013 im Alter von 98 Jahren in Prien?.

Werke in Auswahl

Das Werk Theodor von Gosens ist inhaltlich vom Historismus beeinflusst, formal orientiert es sich jedoch am Naturalismus. Seine Figuren leben, ohne banal zu wirken, was auf die Klarheit im Stil griechischer Plastiken zurückzuführen ist. Theodor von Gosen dekorierte nie, sondern gliederte, formte einen Gestaltzusammenhang – egal ob im Anmutigen oder Monumentalen. Plaketten und Medaillen gestaltete er fast archaisch.

  • 1897: Statuette eines Geigers, Bronzeskulptur
  • 1898 Zimmerdenkmal Heinrich Heines. Als Dauerleihgabe der Letter-Stiftung heute im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg.
  • 1903 erste Max-Reger-Büste von Gosen, dem Reger zum Dank das avantgardistisches Streichquartett d-moll op. 74 widmet
  • 1913 Reiterdenkmal der Lützower Jäger (Muschelkalk) in Zobten am Berge (poln.:Sobótka)
  • 1914 Statue Amor auf dem Pegasus reitend, Breslau, erhalten; acht Engelfiguren an der Kanzel der Kathedrale St. Johannes der Täufer, Breslau (aus Muschelkalk und Serpentin)
  • 1921 Beethoven-Denkmal in Mexico City
  • 1926 Silbergussmedaille auf die 100-Jahrfeier der Verlegung der Universität von Landshut nach München; Silber-, Bronzeguss, 85 mm; Vorderseite Pallas Athene, Rückseite Brunnen mit Figuren
  • 1931 Büste Ernst Lohmeyer, Greifswald
  • 1932 Medaille zum 75. Todesjahr des Dichters Eichendorff
  • 1934 Justitia in Breslau, Putto (Bronze) im Rathaus Breslau an der Treppe zur alten Kanzlei; Büste Max Reger, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, und Sigmund, Statue am neuen Münchner Rathaus
Amor na Pegazie
Amor zu Pferde von Theodor von Gosen, fotografiert im Mai 2005 by Bonio [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Weblinks


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | G | Gosen, Theodor von


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis