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Goldener Saal

Der Goldene Saal ist ein Prunksaal im Rathaus und eine besondere Sehenswürdigkeit Augsburgs, die besichtigt werden kann. Ursprünglich war er als Versammlungsraum für die 300 Mitglieder des Großen Rats? vorgesehen. Er befindet sich im überhöhten Mittelbau des Rathauses mit seinen unterschiedlich genutzten Hallen im dritten Geschoß. Der Saal ist stützenlos und beansprucht zwei Mezzaningeschoße, was allein schon seine Bedeutung klarstellt.

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Der Saal kann als ein Höhepunkt deutscher Innenraumgestaltung während der Renaissance bezeichnet werden und sollte während einer Städtereise nach Augsburg auf jeden Fall auf dem Besuchsprogramm stehen. Seinen Namen hat der Saal übrigens von seinem reichhaltigen Goldschmuck.

Allgemeines

Die Fläche des Saales beträgt 552 Quadratmeter, die Höhe 14 Meter. Damit nimmt der Goldene Saal drei Stockwerke ein. Der Goldene Saal ist fast 33 Meter lang und über 17 Meter breit. Die Saaltüren sind 5 Meter hoch und 2,20 Meter breit. Der Saal fasst 420 Sitze oder 650 Menschen im Stehen, bei einer Bewirtung sind 280 Sitzplätze mit Stehflächen möglich. Es gibt ein Rednerpult, einen Konzertflügel und acht Podestteile mit dem Maß 1 x 2 Meter.

Im Gegensatz zu anderen Gebäudeteilen des Rathauses wurde der Goldene Saal erst 1643 fertig gestellt. Bei der prächtigen vergoldeten, früher aus Nussbaum geschnitzten Kassettendecke, den vielen Deckengemälden, Wandfresken und Portalen keine Überraschung. Stand die Kassettendecke unter dem Generalthema der Weisheit (Sapientia), so waren die Wandflächen des Saales mit vielen Gemälden heidnischer wie christlicher Kaiser (insgesamt 16 an der Zahl) und vergoldeten Reliefs bedeckt. Verantwortlich für die Innengestaltung des Goldenen Saales war Matthias Kager, der sich für die prunkvolle Innendekoration durch den Dogenpalast in Venedig anregen ließ. Die Bildmotive des Raumes ließ Matthias Kager nach Vorlagen des Jesuiten Matthäus Rader? und Vorzeichnungen durch Peter Candid? erstellen. Das zentrale ovale Mittelbild der Sapientia als wichtigste Herrschertugend wird von seitlichen Rundbildern umrahmt, die Architektur und Kriegskunst personifizieren. Diese seitlichen Rundbilder werden ebenfalls gerahmt, durch je vier Ovale mit den Personifikationen von Fleiß, Arbeit, Frömmigkeit, Wissen, Redlichkeit, Wohlstand, Heilkunst und Gerechtigkeit. Ganz am äußersten Rand der Decke kann man auch 24 Emblemata, erkennen, mit denen die Sinnsprüche berühmter Personen illustriert werden. Es ist also nicht falsch zu sagen, dass das Bildprogramm des Goldenen Saals von den beiden Leitmotiven "Kaisertum" und "Moral" bestimmt wird.

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Zweck des Goldenen Saals sollte die Ausrichtung von Reichstagen sein. Doch der Dreißigjährige Krieg führte zur Verlegung der Reichstage? nach Regensburg?, so dass der Goldene Saal nie in seiner gedachten Funktion glänzen konnte. Nach seiner Fertigstellung wurde der Saal deshalb überwiegend als Versammlungs- und Empfangssaal der Stadt genutzt, wofür er einen würdigen Rahmen abgibt.

Vermutlich war der 1574 bis 1577 neu ausgestattete Dogenpalast in Venedig für Matthias Kager ein Vorbild. Jedenfalls scheinen die "italienischen" Formen der Wandfresken und der Nussholzdecke darauf hinzuweisen. Während in Venedig aber szenische Dioramen gezeigt werden, arbeitet Kager wie die Augsburger Fassadenmalerei der Zeit mit einer reichen Scheinarchitektur. Die Wandfresken sind in Groteskzone und Architekturzone aufgeteilt. Erst darüber setzt das Gebälk der Decke an.

Geschichte

Es war der Münchener Jesuitenpater Matthäus Rader?, der das Ausstattungsprogramm des Goldenen Saals erdachte, das dann der Protestant Matthias Kager in den Jahren zwischen 1619 und 1622 ausführte. Dazu empfahl sich Matthias Kager, weil er schon 1605 die Fassade des Weberhauses gestaltet und 1615 zum Stadtmaler ernannt worden war.

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Nach der Einweihung des Goldenen Saals versammelten sich hier am Beginn jeder Sitzungsperiode die etwa 300 Mitglieder des Großen Rates?.

Als 1653 die Wahl Ferdinand IV.? in Augsburg stattfand, geschah das im Goldenen Saal und die Abgesandten und Kurfürsten wurden in den Fürstenzimmern und Amtsstuben des Rathauses einquartiert. Als am 9. Januar 1690 Eleonore Magdalena Theresia, die Frau Kaiser Leopolds I.? gekrönt wurde, hielt man im Goldenen Saal ein Festmahl ab. Zu Ehren Josephs I.? gab es am 14. Januar 1690 ein Krönungsbankett im Goldenen Saal.

Auch die Versammlungen zum Reichstag von 1713 fanden im Goldenen Saal statt.

Als die Familie Mozart Augsburg im Jahr 1763 besuchte, besichtigte sie auch den Goldenen Saal, der großen Eindruck auf sie machte.

Am 25. Juli 1792 kamen die Kaiserin Maria Theresia von Bourbon-Neapel? und ihr Mann Kaiser Franz II.? sowie Erzherzog Josef zu Besuch nach Augsburg. Begrüßt wurden sie im Goldenen Saal.

Die Stadt Augsburg verlieh dem Reichskanzler Otto von Bismarck? am 8. Februar 1891 die Ehrenbürgerrechte. Der Festakt mit dem Geehrten fand am 26. Juni 1892 im Goldenen Saal statt.

Im Juni 1914 besuchte der letzte bayerische König, nämlich Ludwig III.? Augsburg; zu seinen Ehren wurde ein Festbankett im Goldenen Saal abgehalten.

Bis 1944 war die Prunkdecke des Saales mit 27 Ketten am Dachstuhl aus Holz aufgehängt. Die Renovierung nach dem Krieg führte zu einer Befestigung an einer Stahlsteindecke. Das an der Decke verwendete Blattgold hat 23 1/2 Karat. Während früher massive Nussholzbretter die Decke bildeten, sind es heute Tischlerplatten, die mit drei Millimeter starken Nussbaumfurnieren verleimt wurden. Kleinere Schnitzelemente hat man aus Lindenholz gefertigt.

Mit dem Rathaus fiel auch der Goldene Saal 1944 den Bombenangriffen der Engländer zum Opfer. Viele Jahrzehnte blieb der Saal nach dem Krieg ein würdeloses Provisorium: statt der prächtigen Kassettendecke wurde eine einfache Holzdecke eingezogen, die Portale waren schlichte Holztüren, die Wände waren weiß verputzt und auf dem Fussboden hatte man eine Asphaltdecke ausgebreitet. Bis in die 1960er Jahre nutzte man diesen Saal als Ausstellungsraum.

1957 schrieb die Stadt einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Raumes aus. Die Vorgaben: Der Raum sollte nicht nur eine Rekonstruktion des Früheren sein, aber "wie früher das Wesen und die Würde der Stadt zum Ausdruck bringen". Eingereicht wurden 36 Entwürfe, doch konnte keiner überzeugen, weil sie angeblich zu stark in die bestehende Raumstruktur eingegriffen hätten. Heute sind wir froh, dass sich die 1950er-Jahre-Gestaltungsideen nicht durchsetzen konnten.

Nach längerer Beratung über die vollständige Wiederherstellung des Goldenen Saals wurde im Jahr 1978 ein internationales Kolloquium aus Denkmalpflegern, Kunsthistorikern und Architekten des In- und Auslandes einberufen. Aufgrund der Empfehlungen dieses Kolloquiums beschloss der Stadtrat noch im gleichen Jahr die schrittweise Rekonstruktion des Goldenen Saals. Erst damals und mit Blick auf die 2.000-Jahrfeier 1985 hatte die Stadtspitze den Mut, die Renovierung des Goldenen Saales anzugehen. Viele Spendengelder und 17 Jahre waren nötig, um den Goldenen Saal nach historischen Bildern und Plänen fast wieder so herzurichten, wie er war. Komplett abgeschlossen wurden diese Arbeiten nach einem Zwischenschritt zum Stadtjubiläum 1985 im Grunde erst 1996, als der Goldene Saal offiziell im originalgetreuen Zustand wieder der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Die Rekonstruktion des Goldenen Saales leitete Alois Machatschek in den 1980er und 1990er Jahren.

Details

Theodor Fischer Rathaus zu Augsburg 1886
Schnittzeichnung des Rathauses mit dem Goldenen Saal. Theodor Fischer, 1886. By de:Theodor Fischer (1862-1938) [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Programm der Ausstattung steigert sich - wie auch bei anderen Sälen des 16. Jahrhunderts - von unten nach oben. Ganz unten sehen die Besucher die geometrischen Formen des Marmorfußbodens. Es schließen sich Wandmalereien mit Groteskenfeldern an, dann folgen die Kaiserdarstellungen und die Kartuschen mit den alttestamentarischen und heidnischen Heldinnen, um schließlich in der reich ausgestalteten Nussholzdecke den Gestaltungshöhepunkt zu erreichen.

Kassettendecke

Die Kassettendecke des Goldenen Saals ist nicht nur der Höhepunkt des Gestaltungsprogramms dieses Raumes, sondern auch des Rathauses an sich. In diese Kassettendecke sind Leinwandbilder eingepasst, die Matthias Kager nach Entwürfen von Peter Candid? gearbeitet hatte. In der Mitte der Triumphzug der Sapientia als Personifikation der Weisheit und ikonografisches Highlight der Ausstattung.

Vor der Zerstörung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg hing die Kassettendecke an 27 Ketten am Dachgebälk des Rathauses.

Deckenbilder

Es gibt insgesamt zehn Deckengemälde mit Groteskornamentik. Der Augsburger Kunstmaler Hermenegild Peiker? hat sie neu gemalt. Schon 1960 schuf der Würzburger Kunstmaler Oskar Martin-Amorbach? die elf Einzelbilder an Hand alter Farbfotografien.

24 Quadratmeter misst das Ovalbild in der Mitte, das die Sapientia (Weisheit) darstellt. Auf einem Band steht: PER ME REGES REGANT ("Durch mich herrschen die Herrscher."), ein alttestamentarischer Bibelspruch. Mit anderen Worten: Die Weisheit soll für die Herrschenden die wichtigste Tugend sein. Durch das Bibelwort wird eine Verbindung zur Funktion des Rathauses geschaffen. Die um das Mittelbild angeordneten Oval- und Rundbilder führen diesen Grundgedanken weiter und verweisen auf die Aufgaben guter Regenten, die Tugenden von Bürgern? und ein gut bestelltes Gemeinwesen.

Das westliche Rundbild stellt die "Architectura" dar. Neben ihr ist Elias Holl, der Baumeister des Rathauses, mit einem Grundriss und einem Zirkel erkennbar. Im Bild zur Architektur sieht man einen Holzkran mit einem Laufrad. Er wurde nachgebaut und manchmal schon bei Bürgerfesten aufgestellt. Im Spruchband liest man: CIVITATES CONDUNTUR ("Städte werden gegründet.").

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Um dieses westliche Rundbild sind vier Ovalbilder gruppiert, die Frauengestalten darstellen. Die eine symbolisiert das Streben nach Wissen. Ihr Spruch lautet: IUVENTUS SAPIT ("Die Jugend findet Geschmack am Wissen."). Die nächste Frauenfigur steht für die Fruchtbarkeit: CIVES PROPAGANTUR ("Die Bürger wachsen und vermehren sich.") kann man auf ihrem Spruchband lesen. Auch der Fleiß wird durch eine Frau dargestellt: NEMO OTIOSUS ("Niemand sei müßig!") warnt sie. Und die letzte Frau steht für die Frömmigkeit: CAELUM APERITUR ("Der Himmel öffnet sich.") meint sie.

Das östliche Rundbild zeigt die Wehrhaftigkeit im Bild einer "Minerva Bellona". Ihr Leitspruch ist: HOSTES ARCENTUR ("Die Feinde werden abgewehrt."). Auch um dieses Bild gruppieren sich vier Ovalbilder mit Frauen. Zum einen ist da die Heilkunst, die hofft: PROCUL PARCAE ("Fern seien die Parzen (Todesgöttinen)!"), sprich: der Tod soll sich nicht zeigen. Die Redlichkeit (BONA FIDE, Auf Treu und Glauben), die Gerechtigkeit (BONUS RIDET MALUS PLORAT, Der Gute lacht, der Böse weint) und der Wohlstand (OMNIA ET UBIQUE, Alles und überall) sind die weiteren Frauengestalten, die zu sehen sind. Das Bild BONA FIDE wird durch das Abmessen von Stoffballen verdeutlicht, eine Werbung für Augsburger Webereierzeugnisse an prominenter Stelle.

Die seitlichen Deckenkartuschen bilden 24 Devisen des Hauses Österreich nach Francesco Terzio ab. "Plus ultra" z. B. ist das Motto Karl V.? ("Darüber hinaus". In den Sprenggiebeln der Scheinarchitektur tragen Eroten mühsam schwere Festons und sind dabei für die Betrachter erheiternd.

Goldener Saal (Augsburg) 3936
Die Decke des goldenen Saals im Augsburger Rathaus am 27. Oktober 2012 © Jörgens.mi / , via Wikimedia Commons

Portale

Es gibt im Goldenen Saal zwei Portale, ein südliches und ein nördliches. Über dem südlichen kann man in großen Lettern alle Kaiser lesen, die zur Zeit des Rathausbaues herrschten. Außerdem sind die Augsburger Bauherren hier verewigt. Über dem nördlichen Eingang befindet sich ein Gemälde von Hans Rottenhammer?, das von dem Augsburger Kunstmaler Hermenegild Peiker? nach Farbfotos erneut gemalt wurde. Das Bild ist allegorisch zu verstehen und zeigt eine thronende "Augusta" mit dem Reichsadler, die Augsburger Wasserläufe Lech, Wertach, Singold und Brunnenbach. Die ABUNDANTIA, eine Frau mit Ährenkranz und Füllhorn, versinnbildlicht den Überfluss und Wohlstand der Stadt. Eine Kartusche über dem Bild trägt die Inschrift: S.P.Q.A. FIERE CURAVIT ANNO P.C.N. MDCXX ("Senat und Volk von Augsburg ließen dies 1620 nach Christus bauen.").

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Das Bild wurde nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert, denn es war im Februar 1944 mit der anderen Ausstattung des Saales verbrannt. Was man heute über dem Nordportal des Saales sieht, ist schon eine zweite Rekonstruktionsversion, denn die erste Version aus dem Jahr 1964 hatte nicht die richtigen Maße. Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich das Bild im Aufbau des nördlichen Hauptportals. Hans Rottenhammer? hatte es nach einem Entwurf von Peter Candid? geschaffen. Augusta als Sinnbild der Stadt Augsburg thront auf einer Mauerkrone. Mit ihrer linken Hand stützt sie sich auf das Augsburger Stadtwappen, mit der rechten Hand zeigt sie den Stadtpyr?. Neben den Augsburger Flüssen sieht man auch noch zwei Putti, die ein Wappen mit dem Reichsadler? halten.

Wandfresken

Auch die Wandfresken des Goldenen Saals wurden durch das Bombardement der Stadt im Februar 1944 bis auf wenige Teile zerstört. Zum Glück hatte man 1943 kurz vor der Zerstörung noch Farbdiapositive von dem Raum angefertigt, die man auch bei der Rekonstruktion der Wandfresken einsetzte. Gleich nach der Zerstörung des Rathauses sicherte und säuberte man die Reste der Wandfresken und stellte in den folgenden Jahren die Innenausstattung provisorisch wieder her. Ein echte Rekonstruktion der Wanddekorationen des Saals erfolgte - wie im Fall der sonstigen Innenausstattung - jedoch erst in den 1980er und 1990er Jahren.

Unterhalb des Konsolengesimses der Holzdecke zieht sich ein Puttenband entlang. Darin finden sich Kartuschen mit rhetorischen Versinnbildlichungen der dargestellten heidnischen und christlichen Kaisern, so genannte Impresen. Acht heidnischen sind acht christliche Kaiser entgegengesetzt. Am östlichen Ende der Nordwand sieht man z. B. eine Putte und die Impresen von Alexander dem Großen ("NIHIL SUFFICIT PAGANO" - "Nichts genügt dem Heiden") sowie von Gaius Julius Caesar ("VENI. VIDI. VICI." - "Ich kam. Ich sah. Ich siegte."). Cäsar gegenüber ist Karl V.? mit dem Spruch "VENI, VIDI, DEUS VICIT" ("Ich kam, sah, Gott siegte."), was seine moralische Überlegenheit gegenüber Cäsar ausdrücken soll. Und über dem Christen Karl dem Großen, der Alexander dem Großen gegenübersteht, ist zu lesen: "NIHIL DEEST CHRISTIANO" ("Dem Christen fehlt es an nichts.").

Das Saalzwischengeschoß besitzt eine Fensterreihe. Darunter befinden sich monochrome Kartuschen, die z. B. heidnische Heldinnen wie Semiramis, die Herrscherin über Assyrien, darstellen. Aber auch alttestamentliche Heldinnen wie Judith sind zwischen den Kaisern zu sehen.

Bemalung im unteren Bereich

Den unteren Bereich des Goldenen Saales schmückt eine grafisch wirkende Grisaillemalerei. Über dieser Malerei kommt plastisch wirkende Scheinarchitektur zum Tragen, die überlebensgroße Kaiserfiguren zeigt: nördlich acht heidnische und südlich acht christliche Kaiser, immer auch mit ihren Wahlsprüchen dargestellt. In den gemalten Fensterumrahmungen sieht man kleine Putten mit Blumengirlanden. Ursprünglich stammten diese Fresken von Matthias Kager. Nach der Zerstörung des Rathauses im Zweiten Weltkrieg hat Hermenegild Peiker? diese Fresken ein zweites Mal nach Vorlagen gemalt, wobei er ein paar erhaltene Reste mitverwendet hat.

Sonstiges

Die Lichtführung des Goldenen Saales aus 60 Fenstern ist nicht beschreibbar, man muss sie selbst erlebt haben, um ihre Brillanz würdigen zu können.

Heute dient der Prachtsaal der Stadt Augsburg zu Repräsentationszwecken, während sich früher hier zu Beginn einer Sitzungsperiode des Großen Rats? seine 300 Mitglieder versammelten.

Aber auch früher musste der Goldene Saal der Repräsentation dienen. 1653 quartierte man zur Wahl Ferdinands IV. zum König die Abgesandten der Kurfürsten in den Amtsstuben? und Fürstenzimmern ein, während die Wahl im Goldenen Saal stattfand. Zur Krönung der Gemahlin Kaiser Leopolds I. am 9. Januar 1690 hielt die Stadt Augsburg im Goldenen Saal ein Festmahl ab. Die Versammlungen zum Reichstag 1713 fanden im Goldenen Saal statt und als am 25. Juli 1792 Kaiserin Maria Teresia von Bourbon-Neapel mit ihrem Gatten Kaiser Franz II. und Erzherzog Josef das Rathaus besichtigte, wurden die hohen Herrschaften im Goldenen Saal von dem Stadtpfleger? Paul von Stetten? und dem gesamten Stadtrat begrüsst. Die Kaiserin ließ Patrizierinnen und andere Frauen "von Distinktion" zum Handkuss zu.

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Augsburger baten Bismarck, die Stadt zu besuchen, nachdem man ihm am 8. Februar 1891 die Ehrenbürgerwürde verliehen hatte. Das tat er zusammen mit seiner Frau am 26. Juni 1892. Er wurde im Rathaus von den städtischen Kollegien in Amtstracht, dem Armenpflegschaftsrat und der Lokalschulkommission empfangen. Auf das Wohl der Stadt soll Bismarck einen Silberbecher mit Wein geleert haben. Anschließend fand im Goldenen Saal der Festakt statt. 700 Sänger sangen die "Wacht am Rhein" und Mädchen des Stetten-Instituts verteilten Blumenkränze zu den gehaltenen Reden.

Und im Juni 1914 fand im Goldenen Saal das Festbankett anlässlich des Besuchs des letzten bayerischen Königs, Ludwig III., statt.

Wer will und das nötige Geld besitzt, kann den Goldenen Saal mieten, etwa für eine Hochzeit, ein Jubiläum oder eine Firmenveranstaltung. Es ist ein einmaliger Rahmen, dessen Wirkung sicher lange nachklingt.

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