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Gignoux, Anna Barbara

die bedeutendste Kattunfabrikantin Augsburgs im 18. Jahrhundert; bezeichnet als Handelsfrau und Sizfabrikantin

Leben und Wirken

Anna Barbara Gignoux wurde am 16. September 1725 in Augsburg geboren. Zunächst hieß sie Anna Barbara Koppmairin, denn sie war die älteste Tochter des Augsburger Goldschlagers Andreas Koppmair und seiner Ehefrau Maria Barbara Gizalin.

1748 heiratete sie Johann Friedrich Gignoux (1724 – 1760), den jüngeren der beiden Söhne von Jean François Gignoux (1691–1761), einem Formschneider, der 1719 aus Genf nach Augsburg zugewandert war.

Nachdem 1760 ihr Ehemann und Kattunmanufakturbesitzer gestorben war, übernahm Anna Barbara Gignoux den florierenden Betrieb ihres Mannes als Alleinerbin. Das war für Anna Barbara Gignoux kein Problem, denn schon während ihrer zwölf Jahre dauernden Ehe mit Johann Friedrich Gignoux hatte sie in der Manufaktur mitgearbeitet und kannte alle bedeutenden Firmengeheimnisse wie etwa das Ansetzen der Farben. Ihr verstorbener Mann hatte sie in Übereinstimmung mit dem Augsburger Recht bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Sohnes zur alleinigen Leiterin der Manufaktur eingesetzt.

Schon im November 1760 heiratete Anna Barbara Gignoux ein zweites Mal. Ihr zweiter Mann kam aus Ludwigsburg, war Kaufmann und hieß Georg Christoph Gleich. Allerdings hatte der sie vor der Heirat über seine Vermögensverhältnisse getäuscht und nach der Eheschließung versuchte er seiner Frau die Leitung der Manufaktur zu entziehen. Dabei unterstützten ihn der Handelsherr und Bankier Johann Conrad Schwarz sowie Carl Heinrich Bayersdorf. So erreichte Gleich 1762 die Zurücknahme der Scheidungsklage seiner Frau, indem ein "gütlicher" Vergleich erzwungen wurde. Obwohl das Recht auf der Seite von Anna Barbara Gignoux stand, konnte Gleich aufgrund der damaligen patriarchalischen Denkweise und der familiären Vernetzung mit einigen für die Entscheidungsfindung wichtigen Augsburger Amtsträgern seine Interessen zum Teil durchsetzen.

Weil aber Georg Christoph Gleich Erfahrungen im Kattundruck fehlten, benötigte er zur Fortführung der Manufaktur die Fachkenntnisse seiner Frau. So sprach schon der Prozess bzw. der geschlossene Vergleich Anna Barbara Gignoux die technische Leitung der Manufaktur zu. Ihr Mann kümmerte sich wohl wenig um die Kattundruckerei, denn er betrieb mit verschiedenen Partnern mehrere nicht sehr erfolgreiche Parallelfirmen.

1764/65 ließ er das Gignoux-Haus gegen den Willen Anna Barbaras durch den Baumeister Leonhard Christian Mayer als großes Manufakturgebäude im Augsburger Lechviertel errichten. Schon bald jedoch konnte Gleich die Kredite nicht mehr bedienen. Allein dem Bankier und Kaufmann Benedikt Adam von Liebert? musste er 200.000 Gulden zurückzahlen. Georg Christoph Gleich musste Konkurs anmelden und floh im Herbst 1770 vor den Folgen seines Bankrottes aus Augsburg. Seine Frau ließ er mit den beiden Kindern aus der ersten Ehe und der gemeinsamen Tochter in Augsburg zurück.

Anna Barbara Gleich stand nun den Gläubigern allein gegenüber. Es gelang ihr, sich mit ihnen zu vergleichen. Die Manufaktur durfte sie im Namen ihrer Kinder weiterführen. Ab 1771 übernahm sie wieder die Leitung der Kattunfabrik und baute sie zur drittgrößten Kattunmanufaktur Augsburgs aus. Selbst die im Konkurs verlorenen Liegenschaften konnte sie zurück erwerben, darunter auch das heute so genannte Gignoux-Haus, in dem die Manufaktur untergebracht war.

Obwohl Anna Barbara schon bald nach der Flucht ihres zweiten Mannes den Namen Gignoux wieder führte, konnte sie erst 1779 die Scheidung von Gleich, der sich lange Jahre in Großenhain bei Dresden aufhielt, erreichen.

Weil der vom Vater als Erbe eingesetzte Sohn Johann Friedrich 1777 mit nur 22 Jahren starb, führte Anna Barbara Gignoux die Manufaktur bis zu ihrem Tod weiter.

Anna Barbara Gignoux verstarb am 11. September 1796 in Augsburg.

Sonstiges

Am Gignoux-Haus hat die Stadt Augsburg eine Gedenktafel für Anna Barbara Gignoux anbringen lassen. Auf ihr wird sie als Gönnerin des Malers Joh. Esaias Nilson, des Schriftstellers Christian Daniel Schubart und der Mozarts dargestellt. Auch Johann Wolfgang von Goethe soll ein Freund gewesen sein. Im Sommer 1761 hielt sich auch Giacomo Casanova in Augsburg auf, also in der ersten Phase der innerehelichen Auseinandersetzung um die Leitung der Manufaktur. Manche meinen, zwischen beiden habe eine Verbindung bestanden.

Bisher lässt sich aber keine der Verbindungen oder Freundschaften wissenschaftlich beweisen, was aber nicht heißt, dass nicht doch Kontakte bestanden. Der Schwager Anton Christoph Gignoux pflegte z. B. als Leiter des collegium musicum? Umgang mit Leopold Mozart. Anna Barbara könnte die Mozarts also gekannt haben. Dass sie aber eine Gönnerin war, lässt sich nicht belegen. Auch das enge Verhältnis zu Schubart, das aus einem diesem fälschlich zugeschriebenen Huldigungsgedicht auf Anna Barbara Gignoux abgeleitet wird, ist fraglich.

Die eigentliche Lebensleistung von Anna Barbara Gignoux bestand darin, als Frau in der damaligen Zeit erfolgreiche Kattunfabrikantin gewesen zu sein. Das entspricht auch ihrem Selbstbild, denn immer wieder betonte sie ihr handwerkliches Können und stellte sich gegen den "Wahn als ob die Frauens=Personen nicht im Stand wären, einer Cotton=Fabrique vorzustehen". Paul von Stetten d. J.?, Augsburg-Historiograph und Zeitgenosse Anna Barbaras, schrieb in seiner Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte, dass die Friedrich Gignouxische Fabrik, welche durch ein Frauenzimmer, Frau Anna Barbara Gleich, Wittwe des sel. Friedrich Gignoux, mit vieler Ehre fortgeführet wird, der berühmten Schüle'schen Manufaktur sehr wenig oder nichts nachstand.

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