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Geschichte des Christkindlesmarktes zu Augsburg

Spätmittelalterlicher Lebzeltermarkt

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Das Rathausprotokoll erwähnt den Augsburger Christkindlesmarkt zum ersten Mal im Jahr 1498. Damals nannte man ihn noch "Lebzeltermarkt". Etwa zehn Lebzelter-Buden drängten sich auf dem Rathausplatz. Die Lebzelter (auch "Lebküchner" genannt) stritten sich damals über die Budenbelegung, weshalb der Stadtrat schlichtend eingreifen musste. Lebzelter waren Lebkuchenbäcker, die auf dem Lebzeltermarkt ihre Lebkuchen, die oft mit Motiven von Rittern oder schönen Frauen verziert waren, an den Mann bringen wollten. Solche Lebkuchen waren seit dem 12./13. Jahrhundert immer beliebter geworden. Ihr Handwerk ist heute ausgestorben und es gibt so gut wie keine Spuren mehr. Weder führt ein Augsburger Konditor seine Tradition auf das Lebzelterhandwerk zurück noch ist ein Zunfthaus vorhanden. Selbst die Lebkuchenform, die früher verwendet wurde, hat sich geändert. Früher hatten sie eine typische Rautenform, die aber nur noch ältere Menschen kennen. Allerdings sind im Maximilianmuseum diese früheren Formen an Hand von ein paar geretteten Lebzelter-Modeln, mit denen die Lebkuchen-Motive eingepresst wurden, noch zu studieren.

Übrigens waren Lebzelter keine armen Leute. Man weiß, dass die Vorsteher des Handwerks in angesehenen Augsburger Stadtteilen wohnten, dass zwei davon aus Regensburg? stammten und eingeheiratet hatten. Ihr Wappen war ein Motiv mit Honig, dem Süßstoff der damaligen Zeit für Kuchen und Gebäck.

Drei oder vier Tage vor Weihnachten begann damals der Verkauf der süßen Backwaren. Die Lebzelter boten den unverzichtbaren Lebkuchen und anderen Weihnachtssüßigkeiten auch Wachskerzen an, denn sie verarbeiteten alle Bienenprodukte, weshalb sie nicht zur Zunft der Bäcker, sondern zur Zunft der Kramer und Buchbinder gehörten.

1498 müssen die Lebzelter untereinander einen solchen Streit bekommen haben, dass er am 22. Dezember Inhalt einer Ratssitzung wurde. Es ging um die Budenbelegung, bei der keine Einigkeit hergestellt werden konnte und sich manche Lebzelter benachteiligt fühlten. Der Rat der Stadt legte daraufhin fest, dass die Stände in Zukunft verlost werden sollten. Darüber hinaus bestimmte man, dass die Buden von der Stadt gestellt werden und alle gleich sein sollten.

Aufschwung ab der Reformationszeit

Einen besonderen Aufschwung für die Weihnachtsmärkte in Deutschland - auch für den Augsburger - brachte die Reformation. Martin Luther führte nämlich ein, dass die Kinder "vom heiligen Christkind" am 24. Dezember beschenkt wurden und nicht mehr vom Nikolaus am 6. Dezember oder von St. Martin am 11. November, wie es damals noch Brauch war. Damit bürgerte sich zunächst bei den Evangelischen, dann auch bei den Katholiken die heutige Tradition ein, was zu einer Sortimentserweiterung der Weihnachtsmärkte führte.

Bis 1538 herrschte in Augsburg offiziell noch der Brauch des "Lebzeltenstreichens". Wegen Auswüchsen musste ihn der Rat damals verbieten. Er scheint jedoch inoffiziell noch länger verbreitet gewesen zu sein, wie ein Bericht um 1600 zeigt. Um was ging es? Aus dem Bericht geht hervor, dass am Tag der "Unschuldigen Kindlein" (28. Dezember) junge Burschen mit Ruten umherzogen und Jungfrauen auf die Waden schlugen oder - so hieß es damals - "um den Lebkuchen" strichen, wobei nicht eindeutig geklärt ist, was genau "um den Lebkuchen streichen" bedeutete. Angeblich sollte dieser Brauch den Geschlagenen oder "Gestrichenen" Glück bringen, die jungen Burschen erwarteten für ihre derbe Behandlung sogar noch einen Lebkuchen als Geschenk von den Mädchen.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Krippen, die in Italien schon früher en vogue waren, in Augsburg auf dem Weihnachtsmarkt eingeführt.

Etwas später, in der Barockzeit, wurde es üblich Kinder mit Puppen oder Spielzeug aus Ton zu beschenken. Aber auch Weihnachtskrimskrams und kulinarische Leckereien fanden immer öfter ihren Weg in die Marktbuden.

Im 19. Jahrhundert beteiligten sich immer mehr Wirte am Weihnachts(markt)geschäft und veranstalteten Basare in ihren Wirtsstuben und -sälen. Begeistert wurden diese Basare angenommen, denn sie gaben den Besuchern die Möglichkeit sich nicht nur innerlich ein wenig aufzuwärmen. Damals nahm der Augsburger Weihnachtsmarkt wohl die heutige Form an.

Wieder auf dem Rathausplatz

Nicht immer fand der Augsburger Christkindlesmarkt vor dem Perlachturm und dem Rathaus statt. Es gab Zeiten, in denen die Augsburger ihren Weihnachtmarkt auf den verschiedensten Plätzen, ja sogar in Außenbezirken der Stadt abhielten. Erst seit 1963 ist er immer auf dem Rathausplatz aufgebaut.

Von 1985 bis 2000 war eine historische Straßenbahn als "Christkindltram" im Advent in der Innenstadt? unterwegs.

Im Jahre 2008 wurde die alte Tradition der "Augsburger Märchenstraße" wiederbelebt. Animierte Figuren in dekorierten Schaufenstern der Geschäfte rund um den Christkindlesmarkt zeigten in diesem Jahr in zehn Bildern das Märchen "Der Nussknacker".

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Im Jahr 2011 belebten die Stadtwerke Augsburg die Tradition der adventlichen "Christkindltram" nach mehr als zehnjähriger Pause neu.

Im Dezember 2011 kritisierten die Die Grünen in einer Pressemitteilung, dass es auf dem ganzen Christkindlesmarkt keine einzige Bio-Bratwurst und nur wenig regionale Produkte gebe. Am besten sei es, auf dem Christkindlesmarkt und auf dem Plärrer einen verpflichtenden Anteil von 30 Prozent Bio-Lebensmitteln einzuführen. Dieser Anteil gelte seit einem Beschluss im Jahr 2007 bereits für alle städtischen Einrichtungen in Augsburg.

2011 gab es mehr als 350 Bewerbungen von Schaustellern und Verkaufsbuden für den Augsburger Christkindlesmarkt, von denen aber nur 140 zugelassen werden konnten, davon etwa 80 Prozent aus dem Raum Augsburg?. Neu waren der „Augsch-Burger“, eine Bratwurstschnecke mit Sauerkraut, und die Augsburger Weihnachtskugel mit zwei verschiedenen Motiven des Augsburger Christkindlesmarktes.

2012 wurde zum ersten Mal die so genannte "Christkindlesmarkt-Tasche" in einer Auflage von 2.500 Taschen zu je vier Euro angeboten. Sie zeigte ein Bild des Augsburger Christkindlesmarkts und den Standplan.

2014 erwähnte geo.de den Augsburger Christkindlesmarkt unter den Top Ten der deutschen Weihnachtsmärkte. Die "historisch ansprechende Kulisse für diesen Weihnachtsmarkt" wurde vom Hamburger Redaktionsteam ebenso lobend erwähnt wie das einmalige Augsburger Engelesspiel.

Auch 2015 erlangte der Augsburger Christkindlesmarkt einen Award. Ein Freizeitportal zählte den romantischen Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus zu den Top Ten in Bayern. Um insbesondere Bustouristen und nicht-bayerischen Besuchern die Auswahl unter den Weihnachtsmärkten zu erleichtern, hatte das Reise- und Freizeitportal TouriSpo.com den zehn schönsten vorweihnachtlichen Märkten Bayerns einen Award verliehen. Der Augsburger Christkindlesmarkt war mit dabei. Damit stand der Christkindlesmarkt neben Tourismusmagneten wie dem Nürnberger Christkindelsmarkt, dem Christkindlmarkt in München, dem Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis in Regensburg oder dem Inselchristkindlmarkt auf der Fraueninsel im Chiemsee. Am Augsburger Weihnachtsmarkt fanden die Tourismusexperten vor allem den überdimensionalen Adventskalender in der Rathausfassade und die Konzerte der 23 Weihnachtsengel auf dem Rathausbalkon erwähnenswert.

Weblinks


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