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Geschichte des Bezirks Schwaben

Altes Reich

1806 endete das Heilige Römische Reich deutscher Nation und seine politischen wie verwaltungsmäßigen Strukturen. Bis dahin hatte es einen Reichstag, das Kurfürstenkollegium und Reichskreise gegeben, die auf dem Reichstag? von Augsburg 1500 (1512) eingerichtet worden waren. Seit 1555 waren die Reichskreise für die Reichsexekution zuständig und ab 1681 bildeten sie die Basis für die Reichskriegsverfassung. Der Schwäbische Reichskreis hatte vier Bezirke: Baden, Württemberg, Konstanz und Augsburg]]. Seit 1549 tagte er regelmäßig in Ulm. Unter anderem erhob er die Reichssteuern, stellte das Reichsheer auf, überwachte den Landfrieden, kümmerte sich um die Armenpflege, die Sicherheit, die Ernährungslage, den Straßenbau und den Vollzug der Reichsgesetze.

Napoleonische Zeit

Napoleon ließ 1802 in den linksrheinischen Gebieten, die an Frankreich gefallen waren, die Departementsverfassung (Departement Donnersberg) einführen. Das Departement war beratendes Organ des Conseil generale, der die Aufgabe der Steueraufteilung und Rechnungsprüfung hatte und Vorschläge zur Weiterentwicklung der Region vortrug.

1815 fiel die Pfalz wieder an Bayern. Neben dem Code Napoleon blieb auch der Conseil generale (1816) erhalten (bis 1820). Zwischen 1816 und 1820 gab es mit dem "Generalrat", der nur im Rheinkreis Bayerns existierte, den ersten Vorläufer des "Bezirks". Dort, links des Rheins, schuf man 1820 das Amt des Landrats, das nicht mit dem heutigen politischen Amt zu verwechseln ist. Dies gab den Anstoß, diese Organisation 1828 im übrigen Bayern einzuführen.

Aber der bayerische Weg zur Errichtung der Bezirke war schwierig. In Montgelas’ Ansbacher Memoire von 1796, dem Grundsatzdokument für die Staatsreform in Bayern, spielte der Gedanke der Selbstverwaltung noch keine Rolle. Das stand im Gegensatz zu den Stein/Hardenberg’schen Reformen in Preußen (1806/07). Es war der Minister Montgelas, der die Vorläuferinstitutionen des Bezirks Anfang des 19. Jahrhunderts ins Leben rief und ihnen schon früh die Verantwortung für die psychiatrischen Einrichtungen und die Behinderteneinrichtungen übertrug. Diese Verantwortung nehmen die Bezirke auch heute noch wahr.

In der Konstitution vom 1. Mai 1808 begegnete eine regionale Vertretung auf Druck Napoleons, ebenso im Verfassungsentwurf von 1814/15, ohne allerdings umgesetzt zu werden. In die Verfassung von 1818 wurde nur die gemeindliche Selbstverwaltung aufgenommen.

Einführung des Landrats in Bayern

Erst durch ein Gesetz vom 15. August 1828 führte man den Landrat auch im rechtsrheinischen Bayern ein. Damit kam es zu einer regionalen politischen Vertretung auf der Ebene von Regierungsbezirken. Vierzehn Tage dauerte die erste Sitzung des Oberdonaukreises?, der die Vorgängerorganisation des heutigen Bezirkstags Schwaben? war. Das Landrätegesetz war ein Kompromiss. Auf der einen Seite entsprach der ständische Aufbau des Gremiums konservativen Staatsvorstellungen (Grundbesitz, Adel, Kommunen, Kirche), auf der anderen Seite hatte er Aufgaben wie in dem Pfälzer Modell.

In der ersten Ständeversammlung beantragte Gutsbesitzer Franz Josef Abendanz aus Wallerstein? am 24. Februar 1819 in der Kammer der Abgeordneten erstmals die Einrichtung von Bezirken. Doch sein Antrag scheiterte an der Reichsrätekammer. Ähnliche Anträge scheiterten in den Jahren 1822 und 1825. Grund dafür war, dass die Adelskammer um ihre Privilegien, die Abgeordnetenkammer um ihre Kompetenz fürchteten. Dazu kam, dass sich König Ludwig I.? nach einer anfänglichen liberalen Phase seine königliche "Selbstherrschaft" nicht durch eine Volksvertretung einschränken lassen wollte.

19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert

1837 wurden die Bezirke, die bis dahin nach Flüssen benannt waren, durch König Ludwig I.? nach den Namen der Stämme benannt. Er wollte damit "die Erinnerung an die erhebende Vergangenheit mit der Gegenwart durch fortlaufende engere Bande ... verknüpfen, die alten geschichtlich geheiligten Marken der Uns untergebenen Land möglichst wieder herstellen".

In ganz Bayern gab es dann zwischen 1852 und 1919 den Landrat als Vertretungsgremium von Kreisgemeinden. In dieser Zeit besaß der Landrat also Korporationsrechte. Die ständische Gliederung des Landrats blieb bis 1919 erhalten.

Ab 1837 konnte der Landrat über 2 – 3 Prozent des Etats selbständig entscheiden. Das Selbstverständnis des schwäbischen Landrats verstand sich als Repräsentation Schwabens mit Eigenständigkeit, als Impuls- und Ideengeber für die Region. Zu den wichtigsten Aufgaben gehörten das Volksschulwesen und die Lehrerbesoldung, die Unterhaltung der Kreisirrenhäuser (1849 wurde Irsee, 1869 Kaufbeuren und 1916 Günzburg eingerichtet), der Wohnungsbau (seit 1917), der Wasserbau und der Hochwasserschutz (seit 1907) sowie die Fischereiberatung (ab 1911).

Zwischen 1919 und 1933 bezeichnete "Kreis" das, was heute mit "Bezirk" gemeint ist und Vertretungsgremium war der Kreistag. In den 1920er Jahren hatte der Bezirk fast unlösbare wirtschaftliche Probleme zu bewältigen. Das führte zu ungedeckten Haushalten und Prozessen mit dem Freistaat Bayern? um die finanzielle Ausstattung. 1919/1924 führte man die Sozialfürsorge ein (erweitert 1962/1976) und richtete 1929 die Bezirksheimatpflege ein. Das war ein wesentlicher Schritt zu einer eigenständigen Kulturpolitik. Der Bezirk stellte den ersten wissenschaftlichen Bezirksheimatpfleger in Bayern mit der Aufgabe ein, "für den inneren Menschen, für die Seele des schwäbischen Menschen, damit sie schwäbisch werde und bleibe" zu sorgen.

Das schrecklichste Kapitel der Bezirksgeschichte bildete die NS-Zeit. Die Nazis sprachen zwischen 1933 und 1945 vom Bezirksverband und dem Bezirksverbandstag. In der Nazizeit wurden die Bezirkskrankenhäuser in Kaufbeuren und Irsee? unter der ärztlichen Leitung von Dr. Valentin Faltlhauser? zu Vorreitern der Tötung von Menschen mit Behinderung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Seit 1946 spricht man von Bezirken, obwohl die Verfassung von Bayern noch von Gemeindeverbänden/Kreisen spricht. Die Bezirke als Beiräte der Regierung bestanden nach der bayerischen Verfassung? von 1946 also weiter (Art. 9 und 10), obwohl sich die bayerischen Regierungspräsidenten, der Landkreistag, der Gemeindetag und das Innenministerium? gegen die Wiedererrichtung aussprachen. Nachdem Wilhelm Hoegner 1950 bayerischer Innenminister geworden war, versuchte er die Verwaltung so weitgehend wie möglich zu demokratisieren. Unter diesem Leitmotiv konnte er die Wiedererichtung der Bezirke im bayerischen Landtag? durchsetzen und sogar die Übertragung weiterer staatlicher Tätigkeiten auf die Bezirke erreichen (Art. 51 BezO). Aber erst 1953 kam es zu einer Neukonstituierung der Bezirke. 1953 wurde eine Bezirksordnung erlassen, die das Leistungsspektrum der bayerischen Bezirke genau festlegte. Damals wurden mit der Heimatpflege auch kulturelle Aufgaben an die Bezirke übertragen. Der Grundgedanke dahinter war, dass der Mensch Kultur braucht, weil sie Identität schafft und Krisen verhindert.

Statusfragen und Probleme der Finanzausstattung blieben schwierig. Ende der 1950er Jahre führte die Stadt Augsburg mit dem Bezirk einen Rechtsstreit um die Bezirksumlage, der Bezirk Schwaben mit dem Freistaat Bayern? um die Selbständigkeit seiner Stellung.

1978 löste man den Verwaltungsverbund mit der Regierung auf. Damit erhielten die Bezirke formal die Selbstständigkeit, die sie schon zuvor praktisch z. T. wahrgenommen hatten.

Nach dem 2. Weltkrieg richtete der Bezirk die Gehörlosenschule in Augsburg (1956) sowie die Kliniken in Zusmarshausen (1980), Kempten (1986) und Augsburg (1986) ein.

2013 feierte der Bezirk Schwaben sein 60-jähriges Bestehen und stellte anstelle eines Festaktes seine Leistungen, Einrichtungen und Angebote mit einer Wanderausstellung in den schwäbischen Landkreisen vor.

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