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Geschichte der Mobilitätsdrehscheibe

Ein Blick auf die technischen und städtebaulichen Entwicklungen ist wichtig, weil sie zur Stadtgeschichte Augsburgs gehören und bei der Planung für ein heute funktionierendes Verkehrskonzept bedacht werden wollen.

Als der Hauptbahnhof in den Jahren 1843 bis 1846 gebaut wurde, lag er vor den Toren der Stadt. Inzwischen ist die Stadt zwar über den Hauptbahnhof hinausgewachsen, es bleibt aber eine Tatsache, dass die Entfernung vom historischen Stadtmittelpunkt zum Hauptbahnhof groß ist. Andererseits ist der Bahnhof der älteste in einer deutschen Großstadt und muss als historisches Gebäude erhalten werden, was nur möglich erscheint, wenn man ihn den heutigen Verkehrsverhältnissen anpasst.

Am Hauptbahnhof hängt zu viel, als dass man ihn einfach verlegen könnte. Schon seit 1840 fahren Bahnen zwischen Augsburg und München. Augsburg liegt an der Magistrale Paris - Budapest, die für Hochgeschwindigkeitszüge ausgebaut werden soll. Viele Regionalbahnen kreuzen sich im Augsburger Hauptbahnhof. Zwar wurde von der Bahn der Fernverkehr nach Norden etwas ausgedünnt, doch wird der Regionalverkehr ab 2008 nach und nach zum S-Bahn-ähnlichen Regio-Schienen-Takt ausgebaut. Sprich: Die zentrale Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt bleibt dem Augsburger Hauptbahnhof auch in Zukunft.

Auch der Königsplatz wird seine zentrale Rolle als innerstädtischer Umsteigepunkt kaum los. Zur Zeit des Baus des Augsburger Hauptbahnhofs war Augsburg noch wie eine mittelalterliche Stadt ummauert. Um zum Hauptbahnhof zu gelangen, musste man die Mauern niederreißen. Auch das Gögginger Tor? wurde abgebrochen und an dieser Stelle entstand der heutige Königsplatz. Es dauerte nicht lange, bis zwischen Innenstadt und Hauptbahnhof repräsentative Gebäude errichtet wurden und neue Stadtviertel entstanden. Als Verbindung zwischen Innenstadt? und den neuen Vierteln diente immer schon der Königsplatz. Hier trafen sich die Augsburger von 1914 bis 1977 am so genannten Pilz, dem zentralen Treffpunkt inmitten der Straßenbahnhaltestellen.

Seit 1977 ersetzte dann das Umsteigedreieck den Pilz. In den letzten Jahren wurde die Straßenbahnflotte Augsburgs nach und nach modernisiert und neue Niederflurbahnen ersetzen die alten Züge. Damit spitzte sich die Situation am Umsteigedreieck immer mehr zu, denn auf die langen Niederflurbahnen heutiger Bauweise ist das alte Umsteigedreieck nicht ausgelegt. Auch fehlen dort schlicht Gleise, wenn die Linie 6 in Betrieb geht, weshalb der Königsplatz dringend umgebaut werden muss.

Im Juli 2008 wurden der Regierung von Schwaben die Planfeststellungsunterlagen für den Hauptbahnhof übergeben. Damals rechnete man damit, nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens durch die Regierung von Schwaben Ende des Jahres 2010 mit dem Umbau des Hauptbahnhofs beginnen zu können. Das Ende der Bauarbeiten schätzte man auf Ende 2014.

Am 20. Februar 2009 kam es im Stadtrat zu einer zwei Stunden dauernden Debatte, deren Ergebnis zusammengefasst lautete, dass man die guten Ideen des Ideenwettbewerbs schnell umsetzen müsse, um die Mobilitätsdrehscheibe nicht zu gefährden. Ein Problem des Bahnhofsumbaues wurde noch nicht geklärt: Soll der untertunnelte Hauptbahnhof einen breiteren Mittelbahnsteig bekommen oder nicht. Während die Bahn und die Stadtwerke dagegen waren, weil er nichts bringe, da aus Augsburger Straßenbahnen nur rechts ausgestiegen werden könne, sprach sich der Baureferent Gerd Merkle? dafür aus: Man könne die Straßenbahnen ja umrüsten oder bei Neuanschaffungen auf rechte und linke Ausstiege achten. Für diese teurere Lösung sprachen sich auch Augsburger Behindertenvertreter aus.

Vor der Sondersitzung des Stadtrates am 22. Juli 2009 zur Mobilitätsdrehscheibe hatte sich die Stadtregierung aus CSU und PRO Augsburg auf folgende Eckpunkte verständigt:

In der Maximilianstraße soll eine Straßenbahn verkehren und es soll ein Verkehrs- und Gestaltungskonzept für die Straße entwickelt werden. Die Hallstraße soll verkehrsberuhigt werden. Auch die Konrad-Adenauer-Allee und die Fuggerstraße sollen teilweise verkehrsberuhigt werden. Ein Bebauungsplanverfahren und ein Verkehrsgutachten soll prüfen, ob die Schießgrabenstraße, die Halderstraße und die Schaezlerstraße gegenläufig befahren werden können. Nach dem Ideenwettbewerb zum Königsplatz sollen die Ergebnisse umgesetzt werden. Das bedeutet, dass er autofrei werden soll, das Gleisdreieck vergrößert wird und zu fällende Bäume ersetzt werden sollen. Der Hauptbahnhof soll so umgebaut werden, dass die Straßenbahn unter ihm verkehrt und ein zweiter Tunnel Fußgängern die Möglichkeit gibt, ins Thelottviertel? zu gelangen, was zu behindertengerechten Verteilerebenen unter dem Bahnhof führt.

Am 29. Juli 2010 berichtete die Süddeutsche Zeitung?, dass die CSU und Pro Augsburg neue Pläne für das 230-Millionen-Projekt vorantreiben wollten (Königsplatz -Umbau ohne Autos und ohne von der CSU im Wahlkampf 2008 versprochenen Tunnel), aber auf erbitterten Widerstand vor allem in den eigenen Reihen stießen. Die Mobilitätsdrehscheibe diene innerparteilichen Gegnern von OB Dr. Kurt Gribl dazu, ihn zu bekämpfen.

Am 30. Juni 2011 äußerten sich die GRÜNEN besorgt darüber, dass ein damals stattfindender Machtkampf in der CSU die Mobilitätsdrehscheibe gefährden könnte. Anlass waren Äußerungen von von Hohenau? als Präsident des "Bundes der Steuerzahler" in den Tagen zuvor. Von Hohenau? hatte zum wiederholten Mal seine Thesen präsentiert, ohne das Bürgervotum beim Thema Mobilitätsdrehscheibe zu berücksichtigen. Es könne nicht sein, dass wegen eines Streits um Einzelinteressen und parteipolitischen Ränke-Spielen so große und wichtige Projekte wie der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs gefährdet würden. Kurt Gribl, der damalige OB? müsse für klare Verhältnisse sorgen, auch wenn die Gegner der Mobilitätsdrehscheibe offensichtlich an Einfluss innerhalb der CSU gewönnen.

Ab 20. März 2012 fuhren die Straßenbahnen und die Buslinien? in Augsburg anders, denn ab diesem Zeitpunkt galt der Ersatzplan für Bus und Straßenbahn während der knapp zweijährigen Umbauphase des Königsplatzes. So lange wurde das swa-Kundencenter? der Stadtwerke Augsburg am zentralen Umsteige-Knotenpunkt während des Umbaus, dem Moritzplatz untergebracht. Die Straßenbahnlinie 64 fuhr während dieser Zeit über den sogenannten „Manzù-Bogen“ als Verbindung der Gleistrassen in der Fugger- und Bürgermeister-Fischer-Straße.

Alle Straßenbahnlinien fuhren während der Umbauphase über Moritzplatz, Maximilianstraße und Milchberg. Um Behinderungen zu vermeiden, fuhren die Straßenbahnen im 7,5-Minuten-Takt. Wichtiger zweiter Umsteige-Knotenpunkt wurde in dieser Zeit das Rote Tor. Die Äste der Straßenbahnlinien 1 aus Göggingen und 3 aus Stadtbergen / Pfersee wurden jeweils bis zum Königsplatz durch die Ersatzbuslinien B1 und B3 bedient. Die Ersatzbusse verkehrten im 5-Minuten-Takt. Die Linie 2 fuhr weiterhin von Augsburg-West nach Haunstetten Nord, allerdings vom Dom kommend über die Maximilianstraße und den Milchberg zum Roten Tor. Die Linienäste 1 von Lechhausen und 3 von Haunstetten-West wurden am Moritzplatz zur durchgängigen Linie 13. Die Linien 6 von Friedberg -West und 4 von Augsburg-Nord wurden am Moritzplatz zur durchgängigen Linie 64 verknüpft.

Die Buslinie 22 und 23? bedienten die Innenstadt? und hielten am Hauptbahnhof in der Bahnhofstraße und am Königsplatz in der kurzen Bahnhofstraße. Die Buslinien 29?, 30? und 31? in Hochzoll fuhren durch die Anpassung an den Linientakt der Straßenbahn auch an Schultagen im 15-Minuten-Takt statt im 10-Minuten-Takt. Die Buslinie 32? fuhr statt über die Maximilianstraße über Rotes TorTheodor-Heuss-PlatzKonrad-Adenauer-Allee und verstärkte die Verbindung HauptbahnhofKönigsplatzRotes Tor. Die Linien 33 und 41 fuhren nur noch bis Rotes Tor, um Überlastungen der Strecken in der Innenstadt? zu vermeiden. Die Buslinie 42 verband als direkte Stadtteilverbindung Pfersee mit Göggingen im 30-Minuten-Takt. Die Nachtbuslinien? wurden in der Innenstadt? anders geführt. Zentraler Abfahrtspunkt wurde der Moritzplatz. Die Nachtbuslinie 90? (neu Nachtbuslinie 97?) endete in Göggingen. Bei allen Buslinien? veränderten sich die Abfahrtszeiten wegen der Anschlüsse an die Straßenbahn und zum Teil neuer Wegführungen.

Ab dem 12. November 2012 wurden im Innenstadtbereich andere Fahrwege und neue Haltestellen eingeführt. Damals verlagerte sich die Bautätigkeit am Königsplatz in den Bereich Fuggerstraße / Konrad-Adenauer-Allee. Das bedeutete, dass die Bahnsteige N und M für die Busse der Linien B3, 32 und 43 wegfielen. Nach Freigabe des Verkehrs am Kaiserhofknoten wurden für diese Linien die Bahnsteige S und R in der Schaezlerstraße. eingerichtet.

Richtung Rotes Tor wurde die Haltestelle Königsplatz S am LEW-Gebäude stationiert, Richtung Hauptbahnhof hielten die Busse vor der Postbank?.

Die Strecke der Buslinien B3, 32 und 43 führte weiter über die Schießgrabenstraße?, in der die Haltestellen Theodor-Heuss-Platz F (stadtauswärts) und Theodor-Heuss-Platz G eingerichtet wurden, über die Eserwallstraße zum Roten Tor und wieder zurück.

Die Linie B1 fuhr trotz der freien Kaiserhofkreuzung weiter über den Hauptbahnhof, um ihn mit dem damaligen Umsteigeknoten Moritzplatz zu verbinden. Allerdings hielten die Busse der Linie B1 Richtung Göggingen nun in der Bahnhofsstraße (Bahnsteig M). Richtung Moritzplatz blieb es bei dem Halt an Bahnsteig D auf dem Bahnhofsvorplatz?. Diese Haltestellen galten auch für die Nachtbusse der Linie 97.

Vom 12. November bis 17. November 2012 wurden wegen des Umbaus der Einmündung Bismarckstraße / Theodor-Heuss-Platz die Busse der Linien 35, 41 und 92 umgeleitet. Von der Haltestelle „Prinz-Karl-Viertel“ kommend, wurden die Fahrzeuge über Hochfeld und Eserwallstraße zum Roten Tor und wieder zurück geführt. Vor der Einmündung der Alpenstraße wurde die Ersatzhaltestelle „Alpenstraße“ eingerichtet. Die Haltestellen „Bismarckbrücke“ und „Theodor-Heuss-Platz“ wurden nicht angefahren. Die Buslinie 43? wurde ebenfalls durch die Hochfeldstraße geleitet.

Am 27./28. November 2014 stellte die Ausschussgemeinschaft Dringlichkeitsanträge, um die Kosten der Mobilitätsdrehscheibe, insbesondere des Umbaus des Hauptbahnhofs in Erfahrung bringen zu können. Nachdem sie acht Monate lang keine Antwort auf ihre Dringlichkeitsanträge erhielt, stellte sie am 14. Juli 2015 erneut einen Antrag an den damaligen Oberbürgermeister? Dr. Kurt Gribl - unter anderem mit folgenden Inhalten:

Im Oktober 2016 bekam die Stadt Augsburg für ihre politischen Entscheidungen zum Projekt der Mobilitätsdrehscheibe Augsburg (MDA) und der damit verbundenen Aufwertung des öffentlichen Verkehrs vom Fahrgastverband PRO Bahn den damals erstmals verliehenen Bayerischen Fahrgastpreis. Der Fahrgastverband lobte, dass nach der künftigen Fertigstellung des Hauptbahnhofs kürzere und barrierefreie Umsteigewege geschaffen und neue Straßenbahnlinien? geplant und umgesetzt würden. Auch hinsichtlich einer nachhaltigen Stadtentwicklung und der Lebensqualität spiele der Hauptbahnhof als Kern der Mobilitätsdrehscheibe Augsburg eine wichtige Rolle. Das Konzept und der erfolgte Umbau des neuen Königsplatzes fanden ebenfalls Anerkennung.

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