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Geschichte der Heilkunst in Augsburg

Allgemeines

Im Goldenen Saal zeigen Deckengemälde in allegorischer Weise menschliche Tugenden und Eigenschaften, die für den Wohlstand einer Stadt wichtig sind. An höchster Stelle steht dabei die Weisheit, weshalb sie in der Mitte des Goldenen Saals dargestellt ist. Südöstlich von diesem Mittelbild kann man aber gleich eine Frauengestalt sehen, die für die Heilkunst steht. Die Frauengestalt trägt einen Askulapstab und Heilkräuter und steht in einer Apotheke.

Das Deckengemälde zeigt damit deutlich, welch hohes Ansehen die Ärzteschaft, die Medizin, die Heilkunst zur Zeit der Erbauung des Rathauses durch Elias Holl in Augsburg hatten.

Blüte der Medizin im 16. Jahrhundert

Die Stadt Augsburg blühte im 16. Jahrhundert nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in vielen anderen Bereichen des Lebens, eben auch in der Medizin, in der Ärzte der Reichsstadt Meilensteine der Medizingeschichte gesetzt hatten.

Einer dieser Meilensteine war die Medizinalordnung, die 1512 erlassen wurde. Damit ist sie die älteste Ordnung dieser Art in Deutschland. Sie blieb mit einigen Verbesserungen bis ins Jahr 1801 gültig, als man das Medizinalwesen der Stadt von Grund auf neu ordnete. Das Hauptanliegen dieser Medizinalordnung war es, Kurpfuschern das Handwerk zu legen. Aufgrund dieser Medizinalordnung hatten die Augsburger Ärzte das freie Praxisrecht und wirkten in vielfältigen Einrichtungen mit - etwa im Rahmen der Armenfürsorge in Spitälern.

Der berühmte Heiler und Arzt Paracelsus, einer der frühen naturwissenschaftlich interessierten und forschenden Mediziner, ließ in Augsburg 1536 die ersten zwei Bände seines Werkes zu den Wundarzneien drucken. Das war ein Jahr nach der Pest, die auch in Augsburg schlimm wütete. Zusammen mit dem Stadtarzt Wolfgang Thalhauser? und anderen Augsburger Medizinern propagierte er hier die Naturerforschung, die sich an wissenschaftlichen Maßstäben orientieren sollte, was damals nicht immer Anklang fand. Vor allem wollten diese Ärzte die Praxis und die Forschung miteinander verbinden, ein moderner Gedanke.

Die Augsburger Apothekenordnung, die 1564 erlassen wurde, beeinflusste viele folgende Gesetze zum Thema Apotheken.

Im 16. Jahrhundert fanden in Augsburg viele Reichstage statt. Meist waren diese politischen Zusammenkünfte auch Anlass für gleichzeitig stattfindende "Consultationes von hochgelehrten Medicis", wie es die Augsburger "Medizinalordnung" von 1582 ausdrückt.

Der Leibarzt von Kaiser Karl V., Andreas Vesalius? hielt sich in Augsburg gleich mehrere Jahre auf und rief hier die Vorläufer medizinischer Symposien und Kongresse ins Leben, die er "Instructiones pro medicis" nannte. 1564 folgte mit dem Collegium Medicum Augustanum die erste Standesvertretung der deutschen Ärzteschaft, die sich auch um die Kombination von Lehre, Praxis und Forschung verdient machte.


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