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Geschichte der Augsburger Puppenkiste

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte der Augsburger Puppenkiste beginnt schon 1938. Damals sah der spätere Gründer Walter Oehmichen in Düsseldorf, seiner Heimatstadt, "Gevatter Tod" in einem Marionettentheater und seit damals trug er den Plan in sich, ein Marionettentheater zu gründen. 1940 war Oehmichen als Soldat in Frankreich. Dort entdeckte er in einem Quartier ein altes Puppentheater, mit dem er seine Kameraden unterhielt. Das Schnitzen von eigenen Figuren lernte er später von einem Soldaten im Lazarett. Schon als Schauspieler an den Städtischen Bühnen Augsburgs eröffnete er am 15. November 1942 in der Familienwohnung in der Donauwörther Straße ein Puppentheater, doch wurde die Wohnung samt kleinem Theater in der Februar-Bombennacht 1944 zerstört.

Nach dem Krieg ging Walter Oehmichen mit Hilfe seiner Familie und vieler Freunde und Bekannten erneut an die Umsetzung seines Marionettentheater-Traums. Man fertigte Puppen, den Bühnenwagen, die so genannten "Faulenzer", an denen man die Marionetten aufhängen kann, das Spielgerüst - aber immer noch fehlte ein Theaterraum. Dann "entdeckte" Walter Oehmichen das Heilig-Geist-Spital, in dem damals das städtische Statistikamt untergebracht war. Nach einem Gespräch war der damalige Amtsleiter damit einverstanden, dass dort in einem geeigneten Raum das Marionettentheater Premiere feierte. In der ersten Zeit war es Walter Oehmichen, der die Puppen führte, seine Frau Rose nähte die Kostüme und die Tochter Hannelore schnitzte die Figuren.

Die Anfänge

Eröffnet wurde die Puppenkiste von Rose und Walter Oehmichen am 26. Februar 1948 in der Spitalgasse im ehemaligen Heilig-Geist-Spital. Die erste Inszenierung war das Märchen "Der gestiefelte Kater". Damit begann der märchenhafte Ruhm dieses berühmtesten deutschen Ensembles seiner Art. Angeblich betrug der Schwarzmarktpreis für eine Eintrittskarte damals eine Zigarette pro Platz. Alles ging sehr provisorisch zu. Die Zuschauer sollen auf Biergartenstühlen gesessen sein, vor dem Rathaus habe man zwei Leuchter gefunden, die der Beleuchtung des Auditoriums dienten und die Bühne habe man mit selbstgefertigten Strahlern beleuchtet. Die Premiere soll ein großer Erfolg gewesen sein. In alten Überlieferungen liest man, dass sich zu Beginn der Vorstellung Kasperl beim damaligen Theaterleiter Walter Oehmichen beschwert habe, dass er keine Rolle im Stück erhielt.

1950 wurde die erste Kabarett-Inszenierung aufgeführt. Seitdem gibt es jedes Jahr eine neue Kabarett-Inszenierung. Schon in den 1950er Jahren begann man damit, auch literarische Werke für die Marionettenbühne zu adaptieren. Mit der Uraufführung des "Kleinen Prinzen von Saint-Exupéry am 25. Februar 1951 gelang der Puppenkiste der endgültige Durchbruch.

Die Puppenkiste macht Karriere

Am 21. Januar 1953 trat die Augsburger Puppenkiste zum ersten Mal im Fernsehen auf. Das war nur wenige Wochen nach der ersten Ausgabe der Tagesschau. Es waren "Peter und der Wolf", die damals noch live abgefilmt in Schwarzweiß über den Bildschirm flimmerten. Gesendet wurde damals aus dem Studio des ehemaligen Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) in Hamburg, wobei die Kamera direkt vor die Bühne gestellt wurde – ohne Schnitte und Tricks. Bis 1960 folgten viele Live-Sendungen, während man danach zahlreiche Serien für das Fernsehen produzierte, die auch im Ausland Augsburg bekannt machten. Jim Knop und Lukas der Lokomotivführer, Urmel aus dem Eis, Bill Bo oder Kater Mikesch hießen die großen Erfolge der 1960er Jahre.

1966 wurde zum ersten Mal das erfolgreichste Stück der Augsburger Puppenkiste aufgeführt: Räuber Hotzenplotz. Dieses Stück steht auch heute noch unverändert auf dem Spielplan.

Im Sommer 1969 fanden im Foyer der Augsburger Puppenkiste die Dreharbeiten zur TV-Serie "Urmel aus dem Eis" des Kinderbuchautors Max Kruse statt.

Die künstlerische Leitung des Hauses ging 1973 an den Schwiegersohn Walter Oehmichen, Hans-J. Marschall, über.

Nach dem Tod von Rose Oehmichen im Jahr 1985 wurde die Tochter Hannelore Marschall-Oehmichen Eigentümerin der Augsburger Puppenkiste.

Nach dem Tod der Gründergeneration

Bis 2010

1992 wurde Klaus Marschall?, der Enkel von Walter Oehmichen, Chef der Puppenkiste.

1997 erschien der Kinofilm „Die Story von Monty Spinnerratz“ und wurde von 900.000 Zuschauern besucht. Bis zu diesem Jahr zählte man in der Puppenkiste Augsburg mehr als 3 Millionen ZuschauerInnen.

In der Spielzeit 2007/2008 kamen fast 5.000 Besucher mehr als in der Spielzeit zuvor. Insgesamt waren es ca. 96.000 Besucher. 2008 feierte die Augsburger Puppenkiste ihr 60-jähriges Bestehen.

2009 schlossen der FC Augsburg und die Augsburger Puppenkiste eine enge Kooperation. In der Bundesliga erklang seitdem nach den FCA-Toren in der SGL arena? die Tormelodie "Eine Insel mit zwei Bergen". Ein weiteres Element der Kooperation ist seitdem die Übergabe einer Marionette an die Gastmannschaft bei der Platzwahl durch den Mannschaftskapitän. Auch FCA-Vereinsmitglieder profitieren von der Kooperation. Denn Mitglieder des FCA erhalten als Besucher im Puppenkisten-Museum ermäßigten Eintritt.

Am 5. Juni 2009 fand in Bad Kreuznach die Uraufführung von "Urmels große Reise" statt, einem neuen Theaterstück in offener Spielweise nach Motiven aus Max Kruses Kinderbüchern. Das Besondere: auf der Bühne stand zentral eine Kiste, die sich wie ein Bilderbuch aufklappte. Kurz darauf wurde im Museum für Puppentheaterkultur Bad Kreuznach die Ausstellung "60 Jahre Augsburger Puppenkiste" eröffnet, die bis 13. September 2009 zu sehen war - mit über 100 Exponaten der Puppenkiste.

Vom 26.10. bis zum 15.11.2009 fand eine dreiwöchige Tournee der Augsburger Puppenkiste in Japan statt. Fünf Puppenspieler um Theaterleiter Klaus Marschall waren mit dabei und führten das neue Stück "Urmels große Reise" bis zu dreimal täglich auf.

Im Rahmen der Sonderausstellung "Helden der Kinderzimmer - Literatur und Puppenspiel" war am 27. Januar 2010 der bekannte Kinderbuchautor Paul Maar zu Gast in der Augsburger Puppenkiste und las vor Kindern aus seinen Werken.

2011 bis 2020

Anfang 2011 startete der ADAC? das Verkehrssicherheitsprogramm "Mit Jim Knopf sicher zur Schule". Mit Warnwesten bekleidet gehen dabei ABC-Schützen in Gruppen jeweils mit Begleitung eines Erwachsenen zum Unterricht. Mit der Aktion wollte sich der ADAC? für einen gefahrlosen und umweltgerechten Schulweg stark machen. "Die zeitlose Kinderbuchfigur Jim Knopf steht für Cleverness, Ideenreichtum und Verantwortungsbewusstsein. Eigenschaften, die der ADAC auch für den täglichen Schulweg buchstäblich von Kindesbeinen an vermitteln und fördern möchte", sagte Projektleiter Alexander Kreipl bei der Vorstellung des Programms.

Am Freitag, den 30. August 2013 lief zum ersten Mal die neue Muppet Show auf bayerisch: Schwein Christl, eine Marionette aus der Augsburger Puppenkiste, und Hund Toni waren die Gastgeber im neuen Comedy-Talkformats im Bayerischen Fernsehen?.

Die Augsburger Puppenkiste, das Augsburger Puppentheatermuseum Die Kiste und der FCA riefen am 1. Oktober 2016 die aktive jeweilige Fanszene zum ersten Mal zu einem Traditionstag im Rosenaustadion auf. Dank der Augsburger Puppenkiste und des Augsburger Puppentheatermuseums konnten die kleinen Fans den Kasperl der Augsburger Puppenkiste als FCA-Fan basteln, sich mit dem bekannten Kasperl fotografieren lassen oder an einem Gewinnspiel teilnehmen.

Zu Advent 2016 kam die Weihnachtsgeschichte, gespielt mit Marionetten der Puppenkiste, in die Kinos. Über 210 Häuser in Deutschland ließen den Film von der Rolle. Die Dreharbeiten für den einstündigen Film beendete der Produzent Fred Steinbach im Oktober 2016 in Augsburg. Für die Puppenkisten-Weihnachtsgeschichte entstanden in der Werkstatt der Augsburger Puppenkiste 23 neue handgeschnitzte Puppen. Der von Klezmer Musik inspirierte Soundtrack wurde von der Augsburgerin Susanne Ortner? komponiert.

Für das Musikvideo zu seiner Single "Einer bleibt liegen" holte sich der Musiker der Band "Die Ärzte" Anfang 2017 Unterstützung aus der Augsburger Puppenkiste. Den Großteil des Clips zum Song im Westernstil bestreiteten Marionetten, darunter auch eine Puppen-Version des Musikers selbst. Regie führte dabei Florian Moch, in dessen Inszenierung "Der Zauberer von Oz" Bela B. seit 2013 als Blechmann zu hören ist.

Jubiläen

Im Juli 2011 feierte die Puppenkiste in Augsburg den 50. Geburtstag von Jim Knopf. Der kleine Pfiffikus wurde 1961 von Hannelore Marschall aus einem Stück Lindenholz geschnitzt. Anfang September 2011 ließ die Augsburger Puppenkiste den Kaschperl am Hotelturm an 100 Meter langen Fäden laufen, sprich, er wurde aus 100 Metern Höhe gespielt. Die Idee entstand, weil sowohl das Puppenmuseum Die Kiste als auch das Dorint Hotel?, das im Hotelturm untergebracht ist, ihr zehnjähriges Bestehen feierten.

Im Oktober 2011 gastierte die Augsburger Puppenkiste zum ersten Mal in der Golfregion und war in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut live in Abu Dhabi und Kuwait zu sehen.

19. November 2011: Uraufführung des Stückes „Der kleine Wassermann“. Die Bearbeitung des bekannten Kinderbuchs von Otfried Preußler für das Marionetten-Theater stammt von Martin Stefaniak, der auch die Musik lieferte. Die Figuren von Christian Blank und Jürgen Marschall wurden von Mareike Wittner kostümiert, für das Bühnenbild zeichnete Andrea Graf verantwortlich.

2011 gab es rund 440 Vorstellungen, ein Drittel für Erwachsene, zwei Drittel für Kinder. Die Auslastung betrug 96 Prozent.

2012 lief die Augsburger Puppenkiste im Fernsehen nur noch auf BR-alpha?, während der Kinderkanal Kika von ARD und ZDF im Herbst 2011 die Sendungen als nicht mehr zeitgemäß eingestuft und ausgemustert hatte.

Das deutsche Innenministerium ließ in der Augsburger Puppenkiste einen Werbefilm für das Ehrenamt drehen, mit dem vor allem Kinder und Jugendliche angesprochen werden sollten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Die aufgenommene DVD hieß „Rettet die Retter – Abenteuereinsatz im Land der Helfer“ und wurde im Januar 2013 von dem damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich erstmals präsentiert. Anschließend wurde die DVD an pädagogischen Einrichtungen in ganz Deutschland verteilt.

Das Hunderste Jazz-Konzert im Rahmen von "S-Life in der Kiste" fand am 11. März 2013 im Foyer des Theaters statt.

Ab Juli 2013 nahmen Kinderkanal, Hessischer und Bayerischer Rundfunk? die Klassiker-Aufführungen der Augsburger Puppenkiste wieder in ihr Programm auf. 2013 feierte die Augsburger Puppenkiste zudem ihr 60-jähriges TV-Jubiläum.

15 Jahre und 150 Konzerte: Seit 2002 fanden im Foyer der Augsburger Puppenkiste Konzerte verschiedenster Stilrichtungen statt, zunächst unter dem Motto "Jazz in die Kiste", seit 2007 als "S-Live in der Kiste" Veranstaltung. Das 150. Konzert in dieser erfolgreichen Reihe präsentierte man im Januar 2015 im Kulturhaus abraxas.


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