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Geschichte der Augsburger Maximilianstraße

Die Maxstraße von der Antike bis ins Mittelalter

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Die Maximilianstraße ist sicher spätantiken Ursprungs. Sie wird als Friedhofs- und Wallfahrtsweg zum Grab der hl. Afra in Urkunden bezeichnet, verband also den ältesten Teil der Siedlung um den Perlach im Norden mit Sankt Ulrich und Afra im Süden. Wahrscheinlich aber ist sie sogar noch älter und geht auf die erste Zeit der römischen Niederlassung im Jahr 15 v. Chr. zurück. Denn schon kurz nach der Stadtgründung legte man eine Straße von Augsburg nach Italien an, die Via Claudia Augusta. Diese Straße nahm zumindest um den Moritzplatz herum den Weg der heutigen Maximilianstraße, danach führte sie über die heutige Dominikanergasse über den Predigerberg.

Im frühen Mittelalter diente die Straße quasi als Rückgrat für den Ausbau der Stadt Augsburg zwischen Dom? und Sankt Ulrich und Afra - wenn man die Verlängerung über Karolinenstraße und Hohen Weg mitberücksichtigt. So wird die Straße im Zusammenhang mit einer Palmsonntagsprozession, die der hl. Ulrich? führte, im Jahr 973 erwähnt.

Das 11. und 12. Jahrhundert brachte der Straße eine Verdichtung der Besiedelung entlang des Pilgerweges zum Grab der heiligen Afra. In den nächsten Jahrhunderten zogen vor allem Kaufleute hierher und so entwickelte sich die Straße immer mehr zum Sitz der Augsburger Oberschicht.

Die Prachtstraße von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert siedelten sich die Reichen und Schönen an der Maximilianstraße an und die Bürgerhäuser von Patriziern, Bankiers und Kaufleuten wurden erbaut. Weil der Bauplatz an dieser Straße recht teuer war, blieben die Fassaden oft recht schmal: die Häuser wurden weit nach hinten gebaut hinaus gebaut und neben den langen Gebäuden breiteten sich schöne Innenhöfe aus. Ein typisches Beispiel dafür ist das Schaezlerpalais, wenn auch aus späterer Rokokozeit. Oder das Boschhaus? mit seinem dreigeschossigen Arkadenhof oder das Goßnerhaus? am Herkulesbrunnen. Im 18. Jahrhundert wurde es Mode, dies Fassaden an der Maximilianstraße zu bemalen, doch sind heute so gut wie keine Bemalungen mehr vorhanden.

Bis ins 19. Jahrhundert hatte die Maxstraße weniger den Charakter einer Straße als den einer Folge von Plätzen. So gab es zwischen dem Rathaus und dem Moritzplatz den Brotmarkt, daran schlossen sich der Holzmarkt und der Weinmarkt an. Zwischen diesen Plätzen markierten der Augustusbrunnen, der Merkurbrunnen und der Herkulesbrunnen die Trennungen.

Besonders wichtig war der Weinmarkt. So hieß die Maximilianstraße früher auch. Dieser Markt bot immer wieder die Fläche für große Spektakel und wichtige öffentliche Ereignisse. Der Name ergab sich aus der Tatsache, dass dort Wein verkauft wurde. Auch das städtische Siegelhaus? mit dem angrenzenden Wein- und Salzstadel? stand dort. Eingelagert wurden hier vor allem Südtiroler, Neckar- und Frankenweine.

Auf dem Weinmarkt verlieh Kaiser Maximilian II.? an den Kurfürsten August von Sachsen? im Jahr 1566 die Regalien. 1632 leisteten hier die Augsburger vor Gustav II. Adolf von Schweden? den Treueschwur.

Den Weinmarkt prägten viele repräsentative Bauten, die hier errichtet wurden, etwa das Schaezlerpalais, die Fuggerhäuser oder das Roeck-Haus. 1732 wurde neben den Fuggerhäusern der palastartige Gasthof zu den drei Mohren? errichtet. Hier logierten die adligen Besucher Augsburgs. Man rühmte sich "Fürstenherberge" zu sein.

1771 wird der Weinmarkt als "Königliche Straße" bezeichnet. 1809 reißt man das Siegelhaus?, den Weinstadel und den Salzstadel? ab, denn diese Häuserzeile hatte den Straßenzug bis dahin immer geteilt. Damit entstand nun ein Straßenprospekt, der Sankt Ulrich und Afra im Süden als Blickfang bot. Erst jetzt benannte man den Weinmarkt in Maximilianstraße um - nach dem bayerischen König Maximilian I. Joseph?. Ab dem Rathaus erhielt die Straße bis zum Dom Unserer Lieben Frau den Namen seiner Gemahlin Karoline (Karolinenstraße. Nun nutzte man die obere Maximilianstraße, die durch den Abriss sehr breit geworden war, für Märkte, etwa für die Frühjahrsdult.

Nach 1800 zogen viele Angehörige der Oberschicht, die bislang hier in der Maxstraße gewohnt hatten, in andere Augsburger Stadtviertel? um und liebten es, sich z. B. in der Fugger- oder in der Kaiserstraße niederzulassen, die heute Konrad-Adenauer-Allee heißt. Das bedeutete einen Wechsel der sozialen Schicht in der Straße. Weniger reiche Menschen, die jetzt hier einzogen, konnten sich oft nicht den Umbau bestehender Häuser oder gar einen Neubau leisten, so dass eine bauliche Stabilität eintrat, die auch heute noch gepflegt wird und dazu führte, dass die patrizischen und großbürgerlichen Wohngebäude der Straße aus der Renaissance und dem Barock? hier erhalten blieben. Eine große Ausnahme bildet ein auffälliges Jugendstil-Gebäude, das 1904/05 an der Einmündung zur Hallstraße errichtet wurde.

Die Maxstraße im 20. Jahrhundert

Bei dem schweren Luftangriff im Februar 1944 kam die obere Maximilianstraße relativ ungeschoren davon, jedoch wurden das Rathaus, der Perlachturm und die Fuggerhäuser schwer getroffen. Auf der westlichen Straßenseite traf es das giebelständige Geschäftshaus von Johann Georg Kiesow mit einem Flacherker, der von Atlanten getragen wurde. Glücklicherweise wurde der neogotische Kopfbau auf der anderen Straßenseite, der die östliche Häuserzeile abschließt, nicht zerstört. Im 19. Jahrhundert hatte hier das Fotoatelier Joseph Albert, später das von Carl Jochner seinen Sitz. Das viergeschossige Haus hat schöne Polygonalerker.

Als man 1955 die 1000-Jahr-Feier der Schlacht auf dem Lechfeld beging, taufte man die kleine platzartige Erweiterung der Maximilianstraße vor der Ulrichskirche Ulrichsplatz. 1957 änderte man die Benamung der Straße: Jetzt wurde der Kaiser Maximilian I.? zum "Namenspatron". Es war der Kaiser, der sich gern in Augsburg aufhielt und den man deshalb auch "Bürgermeister von Augsburg" nannte. 1992 sperrte man den Bereich zwischen Moritzplatz und Perlachturm für den Individualverkehr und bezog diesen Teil der Straße in die Fußgängerzone ein.

In den 1980er Jahren bot die Maximilianstraße wenig Gastronomie.

Ab 1990 wählten immer mehr Kneipen und andere gastronomische Angebote den Standort Maxstraße. In den 1990er Jahren versuchten unterschiedliche Stadtregierungen den Verkehr in der Maxstraße zu regulieren (Plan einer "Herkulesgarage", Verschlüsse der Straße per "Stöpsel" etc.). Seit damals gab es bis heute auch immer wieder Runde Tische zur Maxstraße oder es nahmen sich Initiativen oder Bürgervereinigungen wie Forum Augsburg lebenswert?, Architekturforum?, Aktionsgemeinschaft Maximilianstraße? oder IG Junge Innenstadt? des Themas an.

Die Eventstraße ab der Jahrtausendwende

Bis 2004 galt die bayerische Sperrstunde auch in der Maxstraße.

Im Jahr 2008 kam die Augsburger Maximilianstraße als nächtliche Partymeile nach Ausschreitungen und ständigen Verschmutzungen ins Gerede. Die Grünen? z. B. forderten mehr Kontrollen und Sperrzeitverkürzungen. Vor allem der damalige Ordnungsreferent Walter Böhm? von der CSU machte sich für die Verkürzung der Sperrzeiten stark, konnte sich am Ende jedoch nicht durchsetzen, nicht einmal in den eigenen Reihen. Die Argumente gegen eine Verlängerung der Sperrzeiten waren z. B., dass sie zu mehr Discotourismus und damit mehr Unfällen führen würden, dass der Reiz des großstädtischen Nachtlebens entfalle, dass die Anziehungskraft der Augsburger Partymeile auf anreisende Münchener, denen die Atmosphäre hier zusagt, entfalle usw.

Am 22. Januar 2009 legte eine Vereinigung von Geschäftsleuten, Immobilienbesitzern, Architekten und Anwohnern einen Fünf-Punkte-Katalog für die Straße vor, worin vor allem gefordert wurde, dass man die Straße architektonisch aufwerten solle.

Von der Interessengemeinschaft Junge Innenstadt? kamen im Juli 2009 verschiedene Forderungen bezüglich der Maximilianstraße:

  • Einführung eines städtischen Ordnungsdienstes: Ja.
  • Vorziehen der Sperrzeit: Nein.
  • Aufstellen größerer Mülleimer und Einführung eines zusätzlichen Reinigungsdienstes, der von den anliegenden Gastro-Betrieben bezahlt werden soll.
  • Besucherparkverbot an den Hauptbetriebstagen.
  • Bau von zusätzlichen am Tag versenkbaren Toiletten wie in Köln.
  • Aufhebung des Außenverkaufsverbots für Speisen ab 1 Uhr, aber Außenverkaufsverbot für Getränke ab 1 Uhr.
  • Keine Verkehrssperrung für die Hallstraße.

Anfang August 2009 stellte die Stadt das Konzept einer Max-Patrouille vor, um zwischen Mittwoch und Samstag gegen Lärm und Schmutz in der Stadt vorzugehen. Die Max-Patrouille setzt sich aus vier bis sieben städtischen Ordnungshütern zusammen, die nächtlich zwischen 20 und 6.30 Uhr für die Einhaltung von Regeln auf der Maxstraße sorgen sollen. Danach kosten unter anderem Wildpinkeln, Wegwerfen von Müll etc. Geld, wenn die Max-Patrouille auf solche Vergehen stößt. Mit der Polizei wurde eine Sicherheitspartnerschaft vereinbart.

Ein 2010 eingeführter Kneipenstopp in der Maxstraße sollte verhindern, dass die Straße noch mehr zur Augsburger "Ballermeile" wird, wie sie es in Ansätzen nächstens schon war. Im Sommer 2010 überlegte Walter Böhm?, der damalige Ordnungsreferent?, darüber hinaus die Sperrstunde in der Maxstraße wieder einzuführen, obwohl dies nur einige Anwohner wünschten.

augsburg.tv-Beitrag September 2011 zum so genannten "Störerbeschluss" des damaligen CSU -Ordnungsreferenten Dr. Ullrich Volker

Anfang Mai 2011 tagte der Baukunstbeirat zum Thema Maxstraße, genauer gesagt zum Bebauungsplan Nr. 470 „Beiderseits der Maximilianstraße“. Er konstatierte zwei Dinge: Zum einen, dass nach zwei Wettbewerben, nach einer Planungswerkstatt „Innenstadt und Mobilität“, einer Expertenrunde „Architekturwerkstatt Maximilianstraße“ und nach einer Vielzahl von Beiträgen aus allen gesellschaftlichen Kreisen das Thema ausgiebig diskutiert wurde. Zum anderen, dass es keinen Entschluss geben wird, der alle Einzelinteressen berücksichtigen kann. Deshalb verzichtete der Baukunstbeirat auf konkrete Vorschläge, denn die „perfekte“ Lösung gebe es nicht.

Eine "Klägergemeinschaft Nachtruhe" forderte im Juni 2011 eine Sperrzeit von 1 bis 6 Uhr nachts, ein Tempolimit, das permanent überwacht werden sollte sowie Halteverbote in der Maxstraße. Sie klagte gegen die Stadt Augsburg beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof?.

Seit Jahren wurde eine Tramlinie durch die Maxstraße diskutiert. Sie war Bestandteil eines Bürgerbegehrens, dessen Intentionen bei der Aufstellung des Bebauungsplans „Beidseits der Maximilianstraße“ mit eingeflossen sind, der im Juli 2011 beschlossen wurde. Darin wurde u. a. festgelegt, dass es eine Straßenbahn im Linienbetrieb durch die Maximilianstraße geben sollte. Zuvor gab es eine entsprechende Infoveranstaltung der Stadt hierzu.

Im September 2011 begann die Umgestaltung der Maxstraße, um den historischen Straßenzug aufzuwerten. Auf der Westseite der Straße begann man mit der Erneuerung und Verbreiterung der Gehwege auf eine Breite von sieben bis acht Metern. Erster Bauabschnitt war der Bereich Apothekergässchen bsi zur Katharinengasse. Dabei wandelte man die Schrägparkplätze in Längsstellplätze um, wodurch knapp 200 PKW-Stellflächen von etwa 220 Plätzen verloren gingen.

Zum Schutz der Anwohner forderten die GRÜNEN im Mai 2012 als ersten Schritt ein konsequentes Autoverbot in der Maxstraße in den Nachtstunden. Der Autoverkehr sei die Lärmquelle Nummer eins in der Maxstraße, weshalb ab 22.00 Uhr nur noch Autos von Anliegern in der Maxstraße zugelassen sein sollten.

Im Sommer 2012 wurden die Gehwege auf beiden Seiten der Straße gerichtet: vom Herkulesbrunnen bis zum Moritzplatz, dann Richtung Süden. Ausgespart wurde der Platz um den Brunnen, da hier die Straßenbahn während des Umbaus des Königsplatzes verkehrte. Die Stadt Augsburg erließ den Wirten in der Maxstraße die Kosten für die Außenbestuhlung (etwa 700 Euro), weil die Sanierung länger dauerte als geplant, weil auf der östlichen Straßenseite zehn historische Kellergewölbe die Arbeiten behinderten, die zu nahe an die Oberfläche der Straße reichten. Sie mussten erst saniert werden, um den neuen Straßenbelag tragen zu können. Wirte klagten, dass sie durch die sommerlichen Baumaßnahmen viel von ihrem Umsatz verloren.

Im Juni 2012 verlangte die Stadt Augsburg von den Wirten der Straße, Tische wegen der Barrierefreiheit nur noch mitten auf den Gehweg zu stellen. Tische dürfen nicht mehr an einer Hauswand stehen. Zwischen Außengastronomie und Hauswand müssen drei Meter Abstand sein. Der Abstand zu den Parkplätzen auf der Fahrbahn muss einen Meter betragen. Die Stadt wollte so die Maxstraße zu einer Flaniermeile ohne Hindernisse machen. Vor allem Blinde und Sehbehinderte brauchen einen durchgängig freien Weg entlang der Häuserwände.

In einer Bauausschusssitzung? am 20. September 2012, als es um das Konzept für die Außengastronomie in der Maxstraße ging, wurde die Ausgangslage geschildert und Bezug genommen auf den Plan „Beidseits der Maximilianstraße“. Man verwies auf die dort festgelegten planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Straßenbahn im Linienbetrieb. In der folgenden öffentlichen Diskussion über die Straßenbahn in der Maxstraße rückte die Stadtregierung von ihr ab.

Im Februar 2013 begannen die Stadtwerke Augsburg mit Vorarbeiten zur Neugestaltung der Maximilianstraße. Zwischen Hallstraße und Armenhausgasse zogen sie im sogenannten Relining-Verfahren neue Wasserrohre in die bestehende Wasserleitung ein. So brauchte die Oberfläche nicht auf der gesamten Leitungslänge geöffnet werden, sondern nur dort, wo Verbindungen erstellt oder die neuen Rohre eingezogen wurden.

Im März 2013 wurden Fahrradabstellplätze auf den Gehwegen eingerichtet. Dagegen forderten die Augsburger GRÜNEN, die Autoparkplätze zu Fahrradabstellplätzen umzuwidmen.

Im April 2013 sprach sich die Neue CSM für eine Sperrzeit ab 3 Uhr in der Maximilianstraße Augsburg aus, da Appelle an die Wirte, freiwillig früher zu schließen, nichts nützten.

Im Mai 2013 wurde in der Maxstraße Augsburg Tempo 20 eingeführt und durch Blitzmaßnahmen überwacht. Außerdem stockte die Stadt den Ordnungsdienst auf und führte einen Nachtbus? um vier Uhr ein.

Ende Februar 2014 führten die Stadtwerke Augsburg im Rahmen einer Vorprüfung für eine mögliche Straßenbahnlinie durch die Maxstraße zwischen Moritzplatz und Milchberg eine Baugrunduntersuchung mit Probebohrungen durch, um die Beschaffenheit und Tragfähigkeit des Untergrunds zu beurteilen.

Nach diversen Leitungsverlegearbeiten im Jahr 2016 begann Anfang September des Jahres auf der Westseite der Maxstraße der Straßenbau erneut: mit Arbeiten am Gehweg und der Fahrbahn. Der Verkehr wurde durch eine Wechselsignalanlage geregelt und bis Ende Oktober 2016 blieb die Katharinengasse unerreichbar von der Maximilianstraße aus.

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