Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Unterkunft und Sehenswürdigkeiten | Museen | Fugger und Welser Erlebnismuseum


Fugger und Welser Erlebnismuseum

auch Fugger-und-Welser-Erlebnismuseum; ein Museum im Augsburger Domviertel, das sich den Handelsdynastien der Fugger und Welser widmet; nicht zu verwechseln mit dem Fuggerei-Museum.

Allgemeines

Das Museum widmet sich der Familiengeschichte der Fugger und der Welser, ihren Kontakten, ihren Besuchern, der Baugeschichte ihrer Fuggerhäuser, den Fuggerschlössern?, ihrem Wirtschaftsimperium, ihrem kulturellen Wirken. Neben der Geschichte der Fugger und Welser beleuchtet das Museum im Äußeren Pfaffengässchen? vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen der bedeutendsten Augsburger Kaufmannsfamilien des späten 15. und des 16. Jahrhunderts. Weitere Themen sind ihre gesellschaftlichen Netzwerke, Kommunikationsstrukturen und Handelsbeziehungen sowie ihre Rolle bei der beginnenden Globalisierung. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Erfolgsfaktoren, welche die Fugger und Welser reich werden ließen und ihnen am Ende einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherten.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th85---ffffff--fugger-und-welser-erlebnismuseum-foto-rudolf-morbitzer-2.jpg.jpg

Das Museum ist interaktiv gestaltet: ein virtueller Jakob Fugger macht Besucher mit seiner Familie und der Zeit, in der er lebte, bekannt. Das Museum gewährt damit einen Blick in Augsburgs "Goldene Zeit", als reiche Kaufmannsfamilien die Geschicke der Stadt lenkten, ein Blick, der so zuvor in keinem Augsburger Museum in dieser Form möglich war. Untergebracht ist das Fugger und Welser Erlebnismuseum in einem passenden Gebäude: dem Wieselhaus, einem Bau aus der Zeit der Renaissance, der möglicherweise u. a. Eigentum von Markus Welser? war.

Das Fugger und Welser Erlebnismuseum ist ein Museum anderer Art, als erwartet: Modernste Museumstechnik sorgt dafür, dass die Geschichte der beiden Familien, Augsburgs sowie wichtiger Handelszentren und Handelswege erlebbar wird. Textstelen präsentieren – leicht verständlich und mit vielen Bildern – wissenschaftlich fundiert historische Fakten. Erzählt wird, wie die Fugger und Welser (neben anderen Augsburger Handelshäusern) durch Baumwoll- und Barchenthandel reich wurden und als Montanunternehmer agierten, zu Bankiers für Kaiser, Könige und Päpste wurden und Handelsexpeditionen nach Indien und Südamerika finanzierten.

Ergänzt werden die Texte durch zahlreiche interaktive, multimediale Erlebnisstationen, bei denen Anfassen ausdrücklich erwünscht ist. Ein paar Beispiele: In einem Nachbau der Goldenen Schreibstube? belauschen Besucher die Kaufherren Jakob Fugger den Reichen und Bartholomäus V. Welser? bei einer Geschäftsbesprechung. Die beiden Protagonisten bewegen sich dabei wie lebendig durch den Raum. Lebendig werden auch die Figuren eines Gemäldes beim Augsburger Geschlechtertanz: Die High Society des 16. Jahrhunderts unterhält sich nicht nur über die neuesten Tanzschritte aus Italien, sondern klatscht und tratscht freiherzig über Politik und Religion. Mithilfe interaktiver Computertechnik gehen Besucher an einem Handelstisch als Kapitän, Matrose oder Pirat auf Seereise und trotzen Stürmen und Seeungeheuern. Ein "Entdeckerguckkasten" entführt in die damals gerade entdeckte "Neue Welt" und macht mit den "new gefunden mensch" und mit El Dorado bekannt.

Geschichte

Bis 1944 gab es in den so genannten Badstuben der Fuggerhäuser ein Fuggermuseum. Wegen der Luftangriffe auf Deutschland wurden die Bestände des Museums in das Fuggerschloss Babenhausen? ausgelagert – allerdings nicht alle rechtzeitig. So wurde die sehr wertvolle Musikaliensammlung, die schon in Kisten verpackt auf den Abtransport wartete, zusammen mit den Fuggerhäusern selbst in der Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 zerstört. Erst 1955 war man im Fuggerschloss Babenhausen? soweit, dass die Objekte des früheren Augsburger Fuggermuseums der Öffentlichkeit gezeigt werden konnten.

Dass das Wieselhaus mit dem Fugger und Welser Erlebnismuseum im heutigen Glanz erstrahlt, ist der Idee des Tourismusdirektors Götz Beck zu verdanken: Die Regio Augsburg Tourismus GmbH betreibt heute das Museum. Bei der Verwirklichung wurde Beck maßgeblich durch Gerd Mordstein, den früheren Leiter des städtischen Wohnungs- und Stiftungsamts, unterstützt.

Die Pläne für ein neues Erlebnismuseum mit der Fuggerthematik in Augsburg wurden der Öffentlichkeit im Februar 2008 bekannt. Zuvor war schon geplant worden, das Fuggermuseum wieder in den Fuggerhäusern zu präsentieren. Man plante für eine "Erlebniswelt" etwa zwei Millionen Euro auszugeben. Drei von vier Innenhöfen der Fuggerhäuser sollten Teil des Museums werden.

Ebenfalls im Februar 2008 gab der Stadtrat sein Okay für das Projekt – jetzt aber war vorgesehen, das Museum im historischen Wieselhaus unterzubringen. Die veränderten Pläne sahen vor, das Museum im Fuggerschloss Babenhausen? parallel weiter zu betreiben. Das neue Museum im Wieselhaus sollte von der Stadt Augsburg mit 150.000 € unterstützt werden.

Planungen von 2009 gingen davon aus, dass die Sanierung des Wieselhauses etwa 1,9 Mio. € kostet, außerdem schätzte man, dass 250.000 € für die Ausstellung selbst zu investieren seien. Geplant wurden ein Café, ein Aufzug und Seminarräume im Haus, um das Gebäude als Museum nutzen zu können. Auch sollten die Arkaden des Baus freigelegt und verglast werden.

Die Bauarbeiten an dem Haus waren sehr aufwändig und gingen nur langsam voran. Erst im August 2011 konnte mit dem Aufbau eines Aufzugsschachts für einen barrierefreien Zugang begonnen werden, doch die Arbeiten konnten wegen archäologischer Forschungen im historischen Boden, der für den Aufzug ausgehoben werden musste, nur in Abschnitten erledigt werden. 2011 wurden 400.000 Euro für die Innenausstattung des Museums und etwa zwei Millionen Euro für die Sanierungskosten des Gebäudes veranschlagt.

Ab Juni 2014 beriet der Münchner Wirtschaftshistoriker und Welserexperte Dr. Peter Geffcken wissenschaftlich bei der Erstellung der Texte zur Geschichte auf den Ausstellungsstelen. Ebenfalls ab Juni 2014 wurden diese Texte von Verleger Martin Kluger (context verlag Augsburg), der sich mit zwei Museen in der Fuggerei und sieben Büchern zum Thema Fugger in die Materie eingearbeitet hatte, konzipiert und verfasst. Das über mehrere Jahre erarbeitete gestalterische Konzept des Museums stammte von Designer Ilja Sallacz (Liquid, Agentur für Gestaltung), die Ausstattung übernahm Ullrich Styra (Deko+Design), für die interaktive Ausstellungstechnik zeichnete der Kemptener Historiker und Informatiker Dr. Maximilian Kalus (Auxnet) verantwortlich. Mit dem Interesse der Fugger und Welser an der Musik der Renaissance befassten sich Prof. Johannes Hoyer und Stefanie Bilmayer-Frank.

Eröffnet wurde das Museum Ende September 2014 mit einem Festakt im Goldenen Saal und einem Tag der offenen Tür im "Fugger und Welser Erlebnismuseum". Etwa 1550 Besucherinnen und Besucher zählte man am Eröffnungswochenende, wobei nur jeweils 180 Besucher gleichzeitig das sanierten Wieselhaus im Äußeren Pfaffengässchen? betreten durften. Unter den rund 400 Besuchern des Festakts im Goldenen Saal vertraten Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen samt Gemahlin und Freifrau Dr. Stefanie von Welser die beiden namensgebenden Familien. Bis zur Eröffnung des Fugger und Welser Erlebnismuseums mussten mehr als drei Millionen Euro aufgewendet werden.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th85---ffffff--fugger-und-welser-erlebnismuseum_eroeffnung_2014_1martin-kluger.jpg.jpg https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th85---ffffff--fugger-und-welser-erlebnismuseum_eroeffnung_2014_2martin-kluger.jpg.jpg

Das Fugger und Welser Erlebnismuseum im Augsburger Wieselhaus war schon wenige Tage nach seiner Eröffnung im Oktober 2014 Drehort für ein fünfköpfiges Fernsehteam der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Korean Broadcasting System (KBS). Die TV-Journalisten bewegten sich zwei Tage lang auf den Spuren des Augsburgers Matthäus Schwarz? und der Renaissance in Augsburg. Schwarz, der Hauptbuchhalter Jakob Fuggers "des Reichen" und seines Neffen und Nachfolgers Anton Fugger, hatte das deutschlandweit für diese Zeit einzigartige "Trachtenbuch" angelegt. Sein Buch mit Zeichnungen zu den Moden der Renaissance in Augsburg war ein Thema in einem zweiteiligen, zweimal je einstündigen Dokumentarfilm mit dem Titel "Mode vom Mittelalter bis zur Gegenwart". Das erhaltene "Trachtenbuch des Matthäus Schwarz" wurde von Künstlern wie Narziß Renner? und einem Mitarbeiter der Werkstatt Christoph Ambergers illustriert. Aus dem "Trachtenbuch" stammt auch die berühmte Darstellung Jakob Fuggers „des Reichen“ in der Goldenen Schreibstube?, die in Augsburg auf einer Ausstellungswand im Fugger und Welser Erlebnismuseum zu sehen ist. Im Fugger und Welser Erlebnismuseum gab der Münchner Historiker Dr. Peter Geffcken, Spezialist für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Augsburgs vor 1550 sowie wissenschaftlicher Berater bei den historischen Inhalten des Museums, der in Berlin lebenden südkoreanischen Journalistin Chi-Suk Kim ein Interview. Themen waren die Männermoden der Renaissance sowie die Kleider, Schuhe und Schleier von reichen und armen Augsburgerinnen, von Nonnen, Stiftsdamen und "Hübschlerinnen". Das römisch-deutsche Reich und die Reichsstadt? Augsburg kannten zahlreiche Kleidernormen und auch Verbote, die insbesondere die Standesunterschiede betonen und der Prunksucht Einhalt gebieten sollten. Speziell das Tragen von goldenen Ketten und Ringen, Pelzen und golddurchwirkten Stoffen war im Augsburg der Renaissance streng geregelt, so Dr. Peter Geffcken. Doch daran gehalten haben sich die reichen Augsburger häufig nicht – vor allem der Goldschmuck der Fugger sprengte alle Normen. Wie man sich Renaissancemode in der Fuggerstadt vorzustellen hat, demonstrierten Mitglieder des Vereins Augsburger Geschlechtertanz? für das TV-Team im Handwerkerhof? vor den Wassertürmen im Wasserwerk am Roten Tor.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th93---ffffff--filmteam-kbs-suedkorea_2014_c-by-martin-kluger.jpg.jpg

Im Fugger und Welser Erlebnismuseum interviewte die südkoreanische TV-Journalistin Chi-Suk Kim den Münchner Historiker Dr. Peter Geffcken zur Augsburger Kleidermode im goldenen Augsburg der Renaissance. Ganz rechts: Luciano Cho, Direktor der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Korean Broadcasting System. Augsburg 2014. Foto: Martin Kluger / Regio Augsburg Tourismus GmbH

Mit einem in der Reihe "Die Fugger und die Musik" feierte das Fugger und Welser Erlebnismuseum im Oktober 2015 sein einjähriges Bestehen. Unter anderem war ein Lieblingsstück Kaiser Karls V.? zu hören, der sich oft in Augsburg aufhielt. Vor dem Konzertabend referierte der Augsburger Historiker Dr. Wolfgang Wallenta zum Thema "Die Bedeutung der Fugger und Welser für Augsburg, Europa und die Welt". Unter anderem stellte Wallenta die Bedeutung des Fugger‘schen Montangeschäfts vor. Von 1494 bis 1547 dauerte der „ungarische Handel“. Der Reingewinn betrug mehr als zwei Millionen Gulden. Allein zwischen 1526 und 1529 förderte die Fuggerfirma in der Slowakei 267.000 Zentner Kupfer. Ein Ochse kostete damals rund 12 Gulden, für einen Gulden konnte man mit rund 500 Litern Bier feiern. In Feierlaune geriet Tourismusdirektor Götz Beck beim Blick auf die Besucherstatistik des von der Regio Augsburg Tourismus GmbH betreuten Museums: Es fehlte nur noch wenig zu dem für das erst bis Ende 2015 angestrebte Ziel von 25.000 Museumsgästen.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th85---ffffff--innen-fugger-und-welser-erlebnismuseum-foto-norbert-liesz.jpg.jpg

Im September 2016 fand an zwei Tagen jeweils von 19 – 24 Uhr die Veranstaltung "Nachts im Museum" statt. Dabei konnten die Besucher im Fugger und Welser Erlebnismuseum verschiedene Kurzführungen, Renaissance -Musik live und eine Bildanalyse mit den neuesten Erkenntnissen zum Geschlechtertanz erleben. Die Gewandeten der Tanzgruppe (Augsburger Patrizier-Tanz und Geschichte) der Interessengemeinschaft Historisches Augsburg hatten keine Mühen gescheut und schlüpften mit enormem Engagement in die Rollen von Patriziern aus der Vergangenheit, während sie bei Apfelpunsch durch Maskentanz, Tänze aus der Renaissance und lebenden Bildern den Rahmen der Museumsnacht gestalteten. In verschiedenen Führungen konnten die Besucher außerdem viel über Heilkräuter und Gewürze aus fremden Ländern, die Handelsrouten der Fugger und Welser, Arbeit und Vergnügen im 16. Jahrhundert und allgemein über das Leben zur Zeit der Renaissance in Augsburg erfahren.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th96---ffffff--nachts-im-museum_regio-augsburg-tourismus-gmbh_2016.jpg.jpg

Details

Die verschiedenen Geschosse des Gebäude befassen sich mit unterschiedlichen Themen der Ausstellung. Neben der Geschichte der Fugger und Welser wird auch auf die Geschichte von Johann Wiesel? eingegangen. Einzelne bespielhafte Themen sind:

In den Räumen des Erdgeschosses können sich Besucher über das Wirtschaftszentrum Augsburg und die Handelsmetropole Venedig, zu Handelswegen in Europa sowie zu Seehandelsrouten nach Indien und Südamerika informieren. Außerdem über die "Neue Welt". Im ersten Obergeschoss stellt der Flur Johann Wiesel? vor. Außerdem erklärt dieses Stockwerk die gesellschaftlichen Netzwerke und Kommunikationsstrukturen der Fugger und Welser mit dem Nachbau der Goldenen Schreibstube?, der "Schaltzentrale" der Fuggerfirma. Im obersten Stockwerk findet der Augsburger Geschlechtertanz statt. Hier ist eine interaktive Station in Form einer Orgel eingebaut, in der über die Bedeutung der Musikstadt Augsburg informiert wird sowie namhafte Künstler wie Gregor Aichinger, Christian Erbach, Adam Gumpelzhaimer, Hans Leo Haßler und Orlando di Lasso, die von den Fuggern und Welsern gefördert wurden, vorgestellt werden. Im Gewölbekeller geht es um die bedeutende Rolle der Fugger und Welser in der Montanwirtschaft. Im Fugger und Welser Erlebnismuseum zieht sich die Auseinandersetzung mit der Wirtschaftsgeschichte Augsburgs und Europas zur Zeit der "kommerziellen Revolution" wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Es geht um Barchentweberei, Fernhandel, Finanzgeschäfte und Montanwirtschaft, um Innovationen in der Technik, um das eben entstehende Postwesen, um die Anfänge der Globalisierung und um den Herrschafts- und Grundbesitz der Fugger und Welser um Augsburg.

Das Museum ist also größtenteils ein Wirtschaftsmuseum, vermittelt über die Familiengeschichte der bedeutenden Augsburger Kaufmannsfamilien. Anhand der Fugger und Welser wird ein Blick auf die Wirtschaftsgeschichte geworfen, um Lehren für die Gegenwart daraus ziehen zu können, was durch modernste Medien wie z. B. 3D-Projektionen unterstützt wird. Um den Bergbau zu visualisieren gibt es ein Museumsbergwerk im Keller des Gebäudes, wo die Silber- und Kupfergeschäfte der Welser und Fugger gezeigt werden. Gerade dieses Bergwerk im Keller ist sehr lebensecht. Dem Silber- und Kupferabbau, in dem beide Augsburger Kaufmannsfamilien tätig waren, verdankten sie einen großen Teil ihres Reichtums - nicht ohne ihre Arbeiter auszubeuten und Kinderarbeit zuzulassen.

Der eingeschossige Anbau des Wieselhauses ist für die Darstellung der weltweiten Handelsbeziehungen der Augsburger Kaufleute reserviert. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes spielt die Familiengeschichte der Fugger und Welser die Hauptrolle. Im Festsaal des Obergeschosses geht es um den Geschlechtertanz, außerdem wird untersucht, wie heutzutage Wirtschaftsprojekte auf kulturellen Veranstaltungen vorbereitet werden.

Überall in den Ausstellungsräumen finden sich Erlebnisstationen, die durch RFID-Chips in Pfeffersäckchen ausgelöst werden: Die Besucher erhalten sie am Eingang. Damit können außerdem die Texte der Stationen von Deutsch auf Englisch umgestellt werden. Aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit darzustellen, ist dem Konzept der Darstellung sehr wichtig. So erfahren Besucher zum Beispiel nicht nur, unter welchen Bedingungen Bergknappen und ihre Frauen und Kinder im 16. Jahrhundert lebten und arbeiteten, sondern auch etwas über die aktuelle Situation in Bolivien, wo heute wertvolle Rohstoffe wie Zink für Batterien, Karosserien oder Salben oder andernorts Tantal und Wolfram für Elektronikgeräte gewonnen werden. Auch andere kritische Themen – wie den Sklavenhandel oder den Umgang der Europäer mit der indigenen Bevölkerung in Südamerika – greift das Museum auf. So wird Wirtschaftsgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Der Blick richtet sich nicht nur auf Reichtum und Erfolg, sondern auch auf deren Kehrseite. Der Kulturausschuss? der Stadt Augsburg wollte ein "unkritisches Museum" ausdrücklich verhindern.

Die Thematik, dass die Renaissance mit ihren europäischen Erfolgen in Wirtschaft, Technik, Gesellschaft, Militärwesen ... jene Zeit war, in der sich die christliche von der islamischen Welt fortentwickelte, wird im Fugger und Welser Erlebnismuseum nicht beleuchtet. Doch gerade die Augsburger "Goldene Zeit" der Fugger und Welser wäre geeignet zu zeigen, wie damals die Einheit von Glauben und Wissenschaft in Europa zerbrach und damit der Westen die Grundlage für seine Dominanz in der restlichen Welt legte. Einer Dominanz, die gerade sein unmittelbarer Nachbar Islam als bedrückend und demütigend erfuhr (wirtschaftliche Ausbeutung, Kolonialisierung, Aufpfropfung christlicher Werte ...). Mit der Folge, dass seit der Dekolonialisierung der Welt die Abgrenzung der arabischen Welt, in der Glaube und Wissenschaft immer noch eine Einheit bilden, gegenüber dem Westen erstarkt. Diese Abgrenzung macht sich in Fundamentalismus und Terror Luft, ohne dass der Islam aus dem Blickwinkel des Westens bisher einen eigenen Weg in eine kreativ-positive Zukunft gefunden hätte, sondern im Gegenteil auch gegenüber asiatischen Kulturen technisch und kulturell immer stärker zurückfällt.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th85---ffffff--Fugger-und-Welser-Erlebnismuseum_2015_kinderfuehrung.jpg.jpg

Das Fugger und Welser Erlebnismuseum wendet sich mit speziellen Angeboten vor allem an junge Besucher. Mit dem Handelsbuch, das alle Kinder beim Eintritt bekommen, können sie das Haus auf eigene Faust erkunden, spannende Entdeckungen machen und knifflige Aufgaben lösen. Begleitet werden sie dabei von der animierten Figur Konrad. Außerdem sind Kinder auch im Führungsangebot der Regio Augsburg Tourismus GmbH eine Zielgruppe: Neben Führungen für Erwachsene, bei denen man Jakob Fugger, Bartholomäus V. Welser? und anderen Zeitzeugen "live" begegnet, wurden museumspädagogische Angebote für die jungen Besucher konzipiert. Im Oktober 2016 führte die Regio Augsburg Tourismus GmbH eine einmal im Monat stattfindende öffentliche Führung für Kinder ein, die jeden vierten Sonntag im Monat stattfindet. Im Museum ist Anfassen, Anhören und Ausprobieren an vielen Stationen ausdrücklich erwünscht. Für die jüngsten Besucher hat das Museum aber noch weit mehr zu bieten. Am Eingang erhalten alle Besucher Leinensäckchen mit einem Chip, über den sich interaktive Stationen auslösen lassen: Für den Nachwuchs halten die Säckchen Überraschungen parat. Es gibt auch eigens Führungen, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten. Bei der Führung "Fron und Vergnügen – Leben im 16. Jahrhundert" stehen das Leben und die Tagesabläufe der Menschen im Zeitalter der Fugger und Welser im Mittelpunkt. Am Ende kann der Nachwuchs sogar einige Renaissancetanzschritte einüben. Dem Ursprung eines Sprichworts gehen Kinder bei der Führung "Geh’ doch dahin, wo der Pfeffer wächst" nach, wobei sie historischen Handelsrouten folgen. Dabei erfahren sie, wie Kommunikationswege vor 500 Jahren aussahen und wie sich die Welt durch die Globalisierung verändert hat. Maßeinheiten des 16. Jahrhunderts lernen Kinder bei der Führung "Das Maß aller Dinge" kennen. Die Führung erklärt Maße und Währungen aus der Zeit Jakob Fuggers und Bartholomäus V. Welsers?. Gemeinsam probieren die 7- bis 12-Jährigen aus, wie der eigene Körper zur Maßeinheit wird. Mit Adam Rieses Rechenlinien können sie außerdem versuchen, wie die Kaufleute der Frühen Neuzeit zu rechnen. All diese Führungen werden turnusmäßig durchgeführt. Die Führungen werden für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren empfohlen.

Ein Renaissance-Café im Fugger und Welser Erlebnismuseum ist von Juni bis August an Wochenenden geöffnet. Von Juni bis August erhalten Besucher bei schönem Wetter Kaffee mit wertvollen Zutaten unter den Arkaden im Freien. Die Tanzgruppe „Augsburger Patrizier - Tanz und Geschichte“ der IG „Historisches Augsburg e. V.“ bietet in dieser Zeit jeweils samstags und sonntags zwischen 12 und 17 Uhr in ihren Gewändern der Bürgerlichen besondere Spezialitäten an. Sie reichen vom „Kaffee Veneziano“ über den „Kaffee der Patrizier“ bis hin zu anderen Kaffeezubereitungen, die Namen von Augsburger Bevölkerungsgruppen tragen wie „Domstädter“ oder „Kaufherren“. Zutaten sind Kardamom und Zimt, Kakao oder Schokolade sowie Mandelsirup; alles edle Ingredienzen, die durch die Kaufmannsfamilien im 16. Jahrhundert nach Augsburg kamen und zu enormen Preisen angeboten wurden. Das Café ist eine der schönsten Ruheoasen Augsburgs mit Blick in den Klostergarten St. Stephan.

Auszeichnungen

Am 23. Mai 2015 konnte Ilja Sallacz, Geschäftsleiter von LIQUID Agentur für Gestaltung den European Design Award 2015 in der Kategorie Exhibition Design für die besondere Gestaltung (Szenographie) und die Installationen des neuen Fugger und Welser Erlebnismuseums mit dem Bronze Award aus (Gold wurde nicht vergeben) in Empfang nehmen. Die Jury des European Design Awards besteht aus internationalen Designkritikern und Redaktionen von europäischen Design Magazinen. Bei der Vergabe der Awards wurden insgesamt über 1.900 Einreichungen aus 35 Ländern von der Jury inspiziert und beurteilt.

2015 wurde das Fugger und Welser Erlebnismuseum auch für den German Design Award 2016 nominiert. Es wurde in der Kategorie "Excellent Communications Design – Fair and Exhibition" mit einer "Special Mention" für die Szenografie und die interaktiven Installationen gewürdigt. Die Auszeichnung begründete die Jury wie folgt:
„Das Fugger und Welser Erlebnismuseum ist ein neues, wirtschaftshistorisches Museum, das Wirtschaftsgeschichte, zeitgemäß aufbereitet, unterhaltsam und emotional erlebbar macht. Das modern gestaltete Ausstellungskonzept setzt dabei weniger auf Exponate als vielmehr auf das spielerische Erleben und Entdecken. So machen etliche interaktive Installationen neugierig und ermuntern zur Interaktion.“ Unter anderem wurde die „Goldene Schreibstube“, in der man Fugger und Welser „leibhaftig“ begegnen und den Dialogen der beiden Konzernchefs im goldenen Augsburg der Renaissance lauschen kann, lobend hervorgehoben.

Öffnungszeiten

dienstags bis sonntags und feiertags 10–17 Uhr
Für Schulklassen wird nach Voranmeldung bereits um 9 Uhr geöffnet.
Führungen können unter der Telefon-Nummer 0821-50207-33 gebucht werden.

Das Museum verfügt über einen Personenaufzug, der den Zutritt zu allen Ausstellungsebenen ermöglicht. Im Erdgeschoss ist eine barrierefreie Toilette vorhanden.

Adresse und Lage

Fugger und Welser Erlebnismuseum
Äußeres Pfaffengäßchen? 23
86150 Augsburg

Tel: 0821/50207-0
E-Mail: info(@)fugger-und-welser-museum.de


Weblinks


Hauptseite | Unterkunft und Sehenswürdigkeiten | Museen | Fugger und Welser Erlebnismuseum


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis