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Fugger-Kapelle

eine von den Fuggern gestiftete Kapelle in der evangelischen Kirche Sankt Anna, die auch heute noch der katholischen Kirche gehört; nördlich der Alpen soll die Fugger-Kapelle der erste Bau sein, der vom Geist des Humanismus und der Renaissance durchdrungen ist; geplant war sie als Grablege von Jakob Fugger, Ulrich Fugger? und Georg Fugger?.

St.-Anna-Kirche Augsburg - Hauptaltar
Hauptaltar der St.-Anna-Kirche Augsburg; zentrale Fronleichnamsgruppe/Beweinungsgruppe, die Putti auf der Marmorbalustrade vor der Kapelle und die Chorgestühlbüsten von Hans Daucher - Fugger Kapelle auf westlichen Ende der Anna-Kirche 2007. By JD (selbst fotografiert von JD) [CC-BY-SA-2.0-de, GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Allgemeines

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Vielleicht ist die Fugger-Kapelle der bekannteste Teil des Baus von Sankt Anna. Anders als andere Augsburger Kapellen, in denen Fugger bestattet waren, handelt es sich bei der Fugger-Kapelle nicht um eine Reihenkapelle, sondern um eine Querhauskapelle, die den gesamten Westchor der Kirche Sankt Anna einnimmt. Ähnliche Kapellen der Renaissance finden sich z. B. in den Familien- und Grabkapellen von Santa Croce in Florenz (von 1430) oder in der Kapelle der Medici in San Lorenzo Florenz (1520). Das Besondere der Fugger-Kapelle in Augsburg ist jedoch, dass sie den Westchor der Kirche bildet. Auffällig ist auch der Marmor-Fußboden. Drei große Bögen öffnen sich zum Langhaus und zwei Abseiten, überspannt von einem kunstreichen Kleeblattgewölbe. Die oberen Wandzonen sind durch dreiteilige Rundbogenfenster und ein Rundfenster durchbrochen, im unteren Bereich hat man Marmor verarbeitet und ihn mit feinen Profilierungen versehen.

Die Fugger-Kapelle bildet den erhöhten westlichen Abschluss des verlängerten Mittelschiffs von Sankt Anna. Sie ist zwar in den Kirchenbau von Sankt Anna integriert, jedoch in sich selbständig und zudem in exponierter Lage. Das liegt wohl daran, dass sie Albrecht Dürer als Westchor der Kirche Sankt Anna plante, den die bedeutendsten deutschen Maler und Bildhauer der Zeit gestalten sollten.

In der Nordwand ist eine spätgotische Malerei zu erkennen, die ein Rankenwerk vor einer zinnenbekrönten Scheinmauer darstellt. Die Malerei stammt aus der Zeit um 1400 und gehört zu einem Privathaus, das ganz offensichtlich in den Bau der Renaissance-Kapelle einbezogen wurde.

Bis heute weiß man nicht genau, wer der Baumeister dieser Kapelle war. Es gibt einen aquarellierten Riss mit dem Monogramm SL, das wohl für Sebastian Loscher? steht. Die Bauausführung gemäß diesem Riss schreiben viele Forscher Jakob Zwitzel? zu, der ein Schüler des Augsburgers Burkhard Engelberg? war. Auch Hans Hieber? (um 1470-1522) könnte ausführender Baumeister gewesen sein. Den plastischen Schmuck der Kirche soll der Bildhauer Adolf Daucher? geschaffen haben, eventuell auch Hans Daucher.

Jakob Fugger hat die Fugger-Kapelle wie auch die Fuggerei aus dem so genannten "Konto für Gott" finanziert. Damit hoffte er, sich sein Seelenheil im Himmel zu sichern. Die Grabkapelle der katholischen Fugger in der protestantischen Kirche Sankt Anna ist heute eine der großen Sehenswürdigkeiten Augsburgs, die erst 1521 offiziell niedergelegte religiöse Stiftung besteht bis heute. Die jüngere Forschung geht davon aus, dass sich Jakob Fugger mit diesem wegen seiner Pracht viel bewunderten, aber auch heftig kritisierten Bau nicht nur sein Seelenheil sichern wollte, sondern auch seine Erhebung in den Adelsstand vorzubereiten versuchte. Außerdem wollten sich Fugger mit diesem innovativen und einzigartigen Bauwerk wohl von den Augsburger Patriziern und anderen reichen Familien in der Stadt absetzen. Möglicherweise sollte die Kapelle auch den Namen der Fugger nach dem Vorbild italienischer Stifter verewigen (Memoria-Gedanke).

Entstanden ist dabei ein frühes Zeugnis der kulturellen Symbiose von Renaissance und Augsburger Traditionen. Die vielschichtige Symbolik von Raum und Ausstattung verweist auf Ruhm, Vergänglichkeit und Totengedächtnis. Maßgeblich bestimmte wohl Albrecht Dürer (1471-1528) die Planungen zur Grablege, aber der Stil der Ausstattung verweist auch auf regionale Künstler, die allerdings nicht archivalisch fassbar sind. Darüber hinaus ist die Fugger-Kapelle ein Zeugnis der Memorialkultur von europäischem Rang, das "in der Baukunst seiner Zeit nördlich der Alpen weder unmittelbare Vorläufer noch Nachfolger" hatte (Bushart).

Geschichte

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Schon um 1506 beschlossen die Brüder Georg?, Ulrich? und Jakob Fugger, bei der 1321 gegründeten, nach einem Brand 1461 bis 1464 wieder aufgebauten und in den Jahren ab 1487 erweiterten Karmeliterklosterkirche (jetzt Sankt Anna) eine Gedächtnis- und Grab-Kapelle der Kaufmanns- und Adelsfamilie zu stiften, die über die Grenzen Augsburgs hinaus europaweite Bedeutung erlangt hatte.

Schon um 1506 soll Albrecht Dürer maßgeblich in die Planungen der Kapelle einbezogen worden sein. Aus stilistischen Gründen ist auch die Mitarbeit von Adolf? und Hans Daucher, Hans Burgkmair d. Ä. Jörg Breu d. Ä.? und Hans Hieber? anzunehmen.

Es gibt zu der Fugger-Kapelle eine Stiftungsurkunde. Sie ist zwar undatiert, aber durch ein Revers des Priors Johannes Fortis? und des Konvents vom 7. April 1509 (nach anderen Quellen 4. April 1509) lässt sich die Stiftung auf 1509 datieren. Dazu kommt eine Bulle von Papst Julius II.? vom 19. November 1509, die ebenfalls das Jahr 1509 als Stiftungsjahr der Kapelle beweist. Von beiden Dokumenten liegen nur Abschriften des 18. Jahrhunderts vor.

Die Orgel der Kapelle wurde von dem kaiserlichen Orgelbauer Jan von Dobrau aus Böhmen im Jahr 1512 geschaffen.

1512 wurde die Kapelle samt ihrer Dekoration vollendet, was die Jahreszahl MDXII in den Kartuschen unterhalb der Seitenfenster beweist. Die Weihe auf den hl. Leichnam, die Jungfrau Maria und den hl. Matthäus fand jedoch erst am 17. Januar 1518 statt, nach anderen Quellen erst am 23. August 1518.

1548 ging die ehemalige Karmeliterkirche an die Protestanten in Augsburg über, allein die Fugger-Kapelle blieb katholisch, weil die Fugger weiterhin für den Unterhalt der Kapelle sorgten.

1558/60 wurde ein schmiedeeisernes Gitter von Thomas Geyger? als Abgrenzung gegen den übrigen Raum von Sankt Anna eingebaut.

Wiederum die Fugger ließen 1581 die Figurengruppe auf dem Altar, von vielen auch "Fronleichnamsgruppe" genannt, in die neu erbaute Markuskirche? der Fuggerei übertragen.

Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt die Zeichnung der Kapelle von Johann Weidner?, die heute in der Fürstlich Fugger-Glöttschen Kunstsammlung in Kirchheim? aufbewahrt wird. Auf sie gehen viele Rekonstruktionsversuche der Kapelle zurück.

1818 brach man das schmiedeeiserne Trenngitter im Zuge der wohl nach Plänen von Johann Michael Voit? (1771-1846) durchgeführten Umgestaltung ab. Damals verschwanden auch die Altarmensa und die Marmorbalustrade. Gleichzeitig erhöhte man den Fußboden gegenüber dem Mittelschiff, verdeckte die Epitaphien durch Leinwandblenden, nahm die Orgelflügel ab und beseitigte die Stuckrosetten an Arkaden und Gewölben.

1921/22 versuchte man bei Renovierungsarbeiten den alten Zustand vor der Umgestaltung von 1818 weitgehend wieder herzustellen. Unter anderem führte das zur Rekonstruktion der Altarmensa und der umlaufenden Marmorbalustrade sowie zur Rückführung der Altarfiguren von der Markuskirche? an den alten Platz in der Fugger-Kapelle.

Bei einem Bombenangriff am 25./26. März 1944 wurde die Fugger-Kapelle schwer getroffen und nach ersten Sicherungsmaßnahmen begann man erst im Herbst 1948 mit der Schadensbehebung.

Details

Außenbau, Arkaden, Netzgewölbe

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Von außen ist von der Fugger-Kapelle nicht allzu viel zu erkennen: nur durch größere Fenster und das Fuggerwappen unterhalb der Giebelspitze als westliche Erweiterung von Sankt Anna. Im Innern ist die Fugger-Kapelle gut proportioniert, ein lichter Raum am Ende des Mittelschiffs von Sankt Anna. Bis zum umlaufenden Gesims ist alles mit Marmor verkleidet und stellenweise vergoldet, die Pfeiler und das Gebälk fein profiliert. Der Fußboden ist aus verschiedenem Marmor zusammengesetzt und von einer Marmorbrüstung mit sitzenden Putten umgeben, die wohl Hans Daucher um 1530 schuf. Weil ihre Bedeutung ungeklärt ist, deutet man sie als Sinnbilder des Ruhmes und der Vergänglichkeit. Hans Dauchers? Puttenfiguren aus der Fuggerkapelle in St. Anna haben bekamen im Juli 2017 eine neue Heimat im Maximilianmuseum. Zum Schutz und dauerhaften Erhalt der von Hans Daucher geschaffenen, weltberühmten Figuren aus Kalkstein wurden die Originale aus dem Eigentum der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen? damals als Leihgabe an das Augsburger Maximilianmuseum übergeben. Die neue Präsentation der originalen Putten im Maximilianmuseum wurde durch die Stadtsparkasse Augsburg sowie die Kurt und Felicitas Viermetz-Stiftung? ermöglicht. Nachdem 2001 bereits ein Putto aus der St. Anna-Kirche gestohlen worden war und die Putti, die im Eigentum der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen St. Anna-Stiftung sind, als Unikate mit ihrem hohen Wert auf der Brüstung der Fuggerkapelle in St. Anna nicht mehr adäquat versichert werden konnten, fanden Gespräche mit der Stadt Augsburg statt. Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger betonte bei der Übergabe der Leihgaben an die Stadt Augsburg die Bedeutung der Putten für die Grablege der Familie in St. Anna und deren Geltung als national wertvolles Kulturgut. Die als Meisterwerke der deutschen Renaissanceskulptur heute zu den hervorgehobenen Sehenswürdigkeiten in Augsburg zählenden sechs pittoresken Puttenfiguren bekrönten schon seit dem 16. Jahrhundert die Brüstung der Fuggerkapelle in St. Anna. Um das beeindruckende Erscheinungsbild des Ensembles zu bewahren, veranlassten die Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen zudem die Aufstellung hochwertiger Repliken in der Fuggerkapelle, indem sie die Kosten in Höhe von 60.000 Euro trugen. Der intensive Prozess der komplizierten Reinigung, Abformung und Übergabe fand in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten statt und ermöglicht nun der Öffentlichkeit die Besichtigung der Originale im Augsburger Maximilianmuseum.

Aber zurück zur Fugger-Kapelle selbst. Der Fußboden zeigt Rosetten sowie das Wappen (Lilien) und das Handelszeichen der Fugger (Dreizack und Ring). Darunter befindet sich die Gruft mit vier Grabkammern. Ebenfalls aufwändig ist das rosettenförmig figurierte Rippengewölbe mit seinen Stuckrosetten, den stilisierten Lilien und einer gold- und silbergefassten Muttergottesscheibe am Schlussstein.

Auf drei Seiten erheben sich die Arkaden des Baus auf einem quadratischen Grundriss. Westlich ist eine abschließende Blendarkade mit einem starken Mauerwerk sichtbar, die konkav ist und etwas vorgerückt wurde, was den quadratischen Grundriss verschleiert. Die Arkade zum Mittelschiff hin dient als Triumphbogen und unterscheidet sich von den Pfeilern des Mittelschiffs nur durch die italisierende Pilasterverblendung mit ihren Scheibenmotiven.

Überspannt ist der Raum durch ein farbig gefasstes Netzgewölbe aus der Spätgotik, auf dem noch Steinmetzzeichen zu erkennen sind. Die Rippen des Gewölbes sind stark profiliert und ergeben ein einheitliches System aus Sternrosette und Vierpass, weshalb man auch von "Sterngewölberippen" spricht. Das System der Rippen schließt in einem Schlussstein (Muttergottes-Büste) ab, der mit metallenen Fuggerlilien geschmückt ist. Die Wappenlilien sind in den Farben Gold und Blau auf wechselndem Grund ausgeführt. Maria ist als Himmelskönigin über dem Halbmond thronend und mit ihrem Kind dargestellt. Auf den Kappen befinden sich Marmor-Metall-Rosetten. Zum einen variieren sie das Rippensystem, zum anderen dienen sie als Archivoltenschmuck. Sehr schön, dass diese Motive auf dem Marmor-Fußboden ihre Erwiderung durch inkrustierte Rosetten mit dem Wappen der Fugger und Dreizack mit Ring als metallenen Handelszeichen finden.

St.-Anna-Kirche Augsburg - Innenansicht
Mittelschiff der St.-Anna-Kirche Augsburg 2007, mit Blick auf die Fuggerkapelle. By JD (selbst fotografiert von JD) [CC BY-SA 2.0 de, GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Epithaphe

Besonders beachtenswert ist die Epitaphwand. Sie ist konkav eingeschwungen und muss vom Gesamtraum der Kirche Sankt Anna her verstanden werden, und zwar als eine Art westlicher Chorabschluss, der polygonal gebrochen ist, vergleichbar mit den kirchenüblichen Ostchören. Auf der Wand selbst sind vier verschiedene Stein-Epitaphe eingelassen.

Die beiden inneren Epitaphe kommen aus Solnhofen. Ihre Tituli, die agierenden Putten und Delphinreiter mit den Leichnamen weisen auf Georg Fugger? und Ulrich Fugger? hin. Übrigens steht das Original dieses Epitaphs heute in der Kirche Sankt Markus? in der Fuggerei. Die Themen der Reliefs lauten "Auferstehung Christi" und "Simson erschlägt die Philister" und gehen wohl - allerdings sehr vereinfacht - auf Claireobscurblätter zurück, die Albrecht Dürer im Jahr 1510 geschaffen hat. Die beiden äußeren Epitaphe erinnern an den Initiator dieser Kapelle und Begräbnisstätte Jakob Fugger. Ihre Themen kommen aus humanistischem Gedankengut. Es sind Vergänglichkeitsallegorien; sie zeigen den Kampf Simsons gegen die Philister und die Auferstehung Christi. Wahrscheinlich gehen die beiden äußeren Epitaphien auf Entwürfe von Hans Burgkmair d. Ä. zurück.

Unter den Epitaphen ruht jeweils der in Tücher gewickelte Verstorbene, dessen Verdienste eine Inschriftenplatte mit Putten würdigt. Neben den drei Stifter-Brüdern wurden nur noch Raymund? (gest. 1535) und Hieronymus Fugger? (gest. 1528) in der Fugger-Kapelle bestattet.

In einem illusionistisch überkuppelten Raum sind Trophäenbäume zu sehen, an deren Seiten Herolde mit Wappen stehen. In der Weise venezianischer Altäre des Quattrocento schließt die Bildarchitektur des überkuppelten Raums die Blendarkade mit ein. Das Epitaph will als Nachhall der monumentalen realen Architektur verstanden sein. Im Amerbach-Kabinett (Basel) befindet sich ein Werk (Gipsabdruck), das in der Entwurfsphase der beiden Herold-Epitaphe eine wichtige Rolle gespielt hat.

Augsburg St. Anna Orgel
Orgel in der Fuggerkapelle St. Anna, Augsburg 2008. By Hans-Jörg Gemeinholzer (Own work) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Schrankflügel-Orgel

Die 1512 geschaffene Schrankflügel-Orgel der Kapelle hat ein Rückpositiv und eine Sängertribüne und erhebt sich zwischen der flach abschließenden Chorwand und der polygonalen Gedächtniswand. Die Sängertribüne ist durch eine in der Rückwand eingebaute Treppe erreichbar. Das Orgelgehäuse besitzt ein großes Flügelpaar mit Darstellungen der Himmelfahrten Christi und Marias, die dem Maler Jörg Breu dem Älteren? zugeschrieben werden. Das Flügelpaar umbaut das Rundfenster. Auf dem Bild der Himmelfahrt Christi (südlicher Seitenflügel) ist die zweite Gestalt von links ein Männerkopf mit mattgoldener Haube: Hier handelt es sich wohl um eine Darstellung von Jakob Fugger. Der links neben ihm stehende Mann ist wohl Raymund Fugger?. Er trägt einen gemusterten Mantel. Auf dem nördlichen Seitenflügel, der Himmelfahrt Mariens, hat sich am linken Bildrand wohl der Künstler selbst verewigt: Jörg Breu d. Ä.?. Er erscheint als junger Mann mit roter Mütze und lauerndem Blick. Im Flügelbild der Himmelfahrt Mariens zeigt sich darüber hinaus ein typisches Barockmotiv: Der Fuß zweier Vorderfiguren überschreitet gleich zweimal den unteren Rahmenrand.

Ebenfalls Jörg Breu dem Älteren? schreibt man die auf beiden Seiten bemalten Flügel des Rückpositivs zu. Sie haben die Erfindung und Anwendung verschiedener Musikinstrumente zum Thema. Auf einem Flügel der Orgel ist auch der Stifter Jakob Fugger verewigt. Nach der Kriegszerstörung 1944 musste die ursprünglich von Johann von Dobrau? geschaffene Orgelgehäuse rekonstruiert werden.

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An diesen Flügeln des Rückpositivs zeigt sich, welchen Stellenwert die Musik für die reichen Fugger hatte. Vier Gemälde schuf Jörg Breu der Ältere? für die zwei beidseitig bemalten kleinen Flügel der Orgel über der Grablege Jakob Fuggers „des Reichen“ und seiner älteren Brüder Ulrich? und Georg?. Breus Malereien thematisieren die Erfindung und die Verbreitung der Musik, die Notensetzung und den Gesang. Zwei Putti mit Blasinstrumenten zieren das von Albrecht Dürer entworfene Epitaph Georg Fuggers?. Und auch zwei der Putti auf der Brüstung vor der Fugger-Kapelle beziehen sich eindeutig auf die Musik: Eine der fünf steinernen Figuren Hans Dauchers liest in einem nicht näher bestimmbaren Notenblatt, der einzige später gefertigte Putto hält ein Blasinstrument in der Linken. Die Liebe der Fugger zur Musik und zur Kunst Italiens spiegelt sich in der Fugger-Kapelle unübersehbar wider: In Venedig fand Jakob Fugger schließlich das Vorbild für die Stiftung seiner Grabkapelle, italienische Architektur und Malerei inspirierte den (unbekannten) Baumeister der Fugger-Kapelle und die an ihr beteiligten Maler. Und auch die Musik, die in der Zeit des goldenen Augsburgs der Renaissance erklang, war von Italien geprägt.

Altar

Der Altar der Fugger-Kapelle ist oftmals umgezogen. Es handelt sich um die erste Freigruppe einer Grablege dieser Art. Zum ersten Mal erwähnt wird der Altar im Jahr 1581 - als Bestand der Markuskirche? in der Fuggerei. 1876 transportierte man den Altar in die Kirche Sankt Ulrich und Afra und dann 1921 hierher in die Fugger-Kapelle. Der Altar ist eines der schönsten Frührenaissance-Werke in Augsburg und wird dem Bildhauer Adolf Daucher? zugeschrieben, der es in den Jahren zwischen 1512 und 1517 geschaffen haben soll. Manche sprechen gar von einem Werk, das europäischen Rang besitzt. Auf dem Altar stehen vier Personen: Maria, Johannes und ein Engel, der den Leichnam Christi präsentiert. Deshalb der Titel des Werks: "Der Leichnam Christi, dargeboten zur Beweinung". Während der mit Lorbeer als Siegeszeichen bekränzte Engel den Leib des vom Kreuz abgenommenen Christus hält, halten Maria und Johannes die Hände des Gekreuzigten, die von Wundmalen gezeichnet sind. Durch ein sanft geschwungenes Tuch werden diese vier Personen zu einer Einheit verbunden. Das Werk gehört zu den edelsten Skulpturen der deutschen Renaissance unter venezianischem und schwäbischem Einfluss, lobt das Historische Lexikon Bayerns?.

Im Sockel der Figurengruppe sind drei quadratische Reliefs eingearbeitet: "Christus in der Vorhölle", "Kreuztragung" und "Kreuzabnahme Christi" sind die Titel dieser Reliefs. Der Sockel dient auch als Predella. Die meisterlichen Predellenreliefs werden ebenfalls Adolf Daucher? zugeschrieben.

Chorgestühl, Gitter, Balustrade

Wie das Chorgestühl ursprünglich ausgesehen hat, weiß man nicht. Als man 1817 das Jubiläum der Reformation feierte, hat man den Chorbereich stark umgebaut und 1832 sogar das Chorgestühl beseitigt. Früher müssen es 16 Chorbüsten gewesen sein, die hier standen. Heute sind nur noch vier davon erhalten. Drei sind im Bodemuseum zu Berlin untergebracht und eine Chorbüste hat ihren heutigen Aufbewahrungsort im Museum of Fine Arts in Boston gefunden. Dargestellt sind biblische Personen, die aber portraithafte Züge der Erschaffungszeit tragen. An Hand der Bostoner Büste konnte man sogar nachweisen, dass sie den "Schalknarren" von Kaiser Maximilian darstellt, einen Mann namens Kunz von der Rosen. Eine Büste mit dem Portrait von Jakob Fugger verbrannte im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs.

Früher gab es in der Kirche noch ein Abschlussgitter. Das beweist eine aquarellierte Federzeichnung im so genannten Salzburger Emigrantenbuch?, das im Dekanat von Sankt Anna in der Fuggerstraße 8 aufbewahrt wird. Die Zeichnung lässt sich auf 1730 datieren und damals bestand noch ein Abschlussgitter der Fugger-Kapelle. Der Auftrag der Fugger zu diesem Abschlussgitter ging an Peter Fischer den Älteren?. Das Projekt war das bedeutendste dieser Art in Süddeutschland, wurde aber nie vollendet. Irgendwann fand das Abschlussgitter seinen Weg nach Nürnberg, wo es im Rathaus eine Verwendung fand, aber 1806 bis auf Fragmente verloren ging. Von diesem Kapellenabschlussgitter gibt es übrigens aufgrund eines Risses von Sebastian Loscher? Rekonstruktionen. Das Abschlussgitter war mit Putti geschmückt, die mit einer Kugel spielen - ein Motiv, das sich in vielen Fugger-Schlössern und -Gärten finden lässt.

Heute schließt die Fugger-Kapelle zum Hauptschiff von Sankt Anna mit einer Balustrade ab, auf der vier Putti recht ungeniert an Kugeln lehnen. Diese Brüstung ist rekonstruiert und besteht aus toskanischen Säulen. Die Putti werden Hans Daucher zugeschrieben, der sie wohl um 1530 schuf.

Vor dem Chor liegt eine Marmorgrabplatte im Boden. Sie stellt den Zugang zur Gruft dar, in der als erstes Jakob Fugger der Reiche seine letzte Ruhe fand. Seine beiden Brüder waren schon vor der Fertigstellung der Fugger-Kapelle gestorben und wurden auf den Wunsch Jakob Fuggers hierher überführt, als die Anlage fertig gestellt war.

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