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Fünfgratturm

Auch Fünffingerlesturm. Ein ehemaliger Augsburger Wehr- und Torturm, der unter Denkmalschutz steht.

Fünffingerlesturm Augsburg © Eva Stuhlmüller

Allgemeines

Der Fünfgratturm wird im Volksmund auch Fünffingerlesturm genannt. In früheren Zeiten sprach man auch von "Fünf gerat". Der Ausdruck Grat ist mit "Gräte" und "Rückgrat" verwand und bezeichnet in der Architektur eine Dach- oder Gewölbekante, an der zwei Dach- oder Gewölbeflächen aufeinandertreffen und gemeinsam eine Außenecke bilden. Auch einen Dachfirst bezeichnet man als Grat. Man könnte im Fall des Augsburger Fünfgratturms auch einfacher davon sprechen, dass er fünf Spitzen hat, an jeder Ecke eine kleine Turmspitze und dann noch die große Spitze in der Mitte. Noch genauer spricht man von vier runden Scharwachttürmen und einem hohen Zeltdach. Eine eigenartige und nicht oft vorkommende Turmform. Die Scharwachttürme fußen auf vier Kragkonsolen.

Nach Norden gibt es einen Blendbogen, der Teil des Durchgangs in Nord-Südrichtung ist. Dies und die Unregelmäßigkeit seines Grundrisses lassen sich mit dem Verlauf der früheren Stadtmauer erklären. Der Fünfgratturm gehörte zu den vielen Türmen, die zwischen den Haupttürmen und den Stadttoren standen.

Der Turm steht nördlich des Jakobertors auf dem Weg zum Oblatterwall und war Teil der östlichen Stadtmauer Augsburgs um die Jakobervorstadt. Im Erdgeschoß hat der Turm ein niedriges Tonnengewölbe. Über dem Erdgeschoß erheben sich drei Geschoße, die mit Leitern zu erreichen sind. Sie sind teilweise ausgebessert. Die Wachstube hat einen Kamin. Im dritten Stockwerk kann man ein Wandfresko bewundern. Allerdings ist der Turm bei Veranstaltungen nur bis zum ersten Stockwerk zugänglich.

Sowohl Augsburger wie Touristen freuen sich an dem romantischen Erscheinungsbild des Turms, der sich im Wasser spiegelt, von Bäumen umstanden sich im Grün erhebt.

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Geschichte

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Errichtet wurde der Turm wahrscheinlich 1454, auf jeden Fall aber um 1455. Benutzt wurde er von den so genannten Scharwächtern?. Die Scharwächter? patrouillierten durch die Stadt und sorgten dafür, dass die Augsburger ruhig schlafen konnten. Der Turm wurde zusammen mit einem am späteren Oblatterwall gelegenen Turm als "pinnati turres" bezeichnet.

Der Fünfgratturm diente bis in die Zeit um 1600 als Torturm. In Friedenszeiten wurde der Turm wohl als Werkstatt oder Lager verwendet. Weil es im Inneren nur eine einfache Treppe bzw. Leiter gab, konnte der Turm nicht gut genutzt werden, was wahrscheinlich auch zu dem guten Erhaltungszustand heute führte.

In den Jahren 1867/68 wurde rings um den Fünfgratturm die an dieser Stelle niedrige Stadtmauer abgerissen. Seitdem steht der Turm einsam in der Stadtlandschaft.

Im Jahr 1901 legte der Architekt Karl Gollwitzer? Pläne vor, wie der Stadtgraben von der Kahnfahrt? um den Oblatterwall bis fast zum Jakobertor als Hafen ausgebaut werden sollte. Laut diesen Plänen hätten am Fünfgratturm Donauschiffe anlegen sollen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm als Teil der Altstadt? zerstört. 1948 folgte eine Grundinstandsetzung mit der Wiederherstellung des Daches. Weitere Sanierungen folgten in den Jahren 1973 und 1974. 1974 hat man die Dächer mit handgestrichenen Mönchs- und Nonnenziegeln gedeckt.

2006 wurden die Holzböden im Turm erneuert und eine hölzerne Innentreppe nachgerüstet. Dadurch wurden alle vier Ebenen des Turmes begehbar.

Nach dem Jahr 2000 fasste die Altaugsburggesellschaft? den Plan, den Fünfgratturm mit einer Außentreppe besser begehbar zu machen, wogegen eine Bürgerinitiative gegen den Treppenanbau am Fünffingerlesturm gegründet wurde, die Ende 2007/Anfang 2008 ein Bürgerbegehren gegen die Pläne und zum Teil umgesetzten Vorstellungen der Altaugsburggesellschaft? ein Bürgerbegehren startete und etwa 10.000 Unterschriften sammelte.

Am 3. April 2008 entschied der Stadtrat von Augsburg jedoch mehrheitlich, dass das Bürgerbegehren unzulässig sei.

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Im Mai 2008 Baustopp der Treppe, weil das Grundstück zu klein ist und die Treppe auf den Gehweg reichen würde.

Im April 2014 schloss die neue Stadtregierung von CSU, SPD und GRÜNEN einen Umbau des Fünffingerlesturms im Sinne der Alt-Augsburg-Gesellschaft? in ihrem Koalitionsvertrag aus. Damit wurde einer Zugänglichkeit des Turms für die Öffentlichkeit eine Absage erteilt und die gebaute Außentreppe, für die von der Stadtsparkasse Augsburg laut der Augsburger Allgemeinen vom 22. April 2014 etwa 120.000 Euro gespendet wurden, überflüssig.

Details

Der Grundriss des Turmes weist Unregelmäßigkeiten auf. Dies und der Blendbogen im Norden lassen sich nur verstehen, wenn man weiß, dass hier früher die Stadtmauer verlief. Der Fünfgratturm war Teil eines ehemaligen Durchganges der Stadtmauer in Nord-Süd-Richtung.

Planung und Bau einer Außentreppe

Pro

Geht es nach der Altaugsburggesellschaft?, so soll der Fünfgratturm aus seinem Dornröschenschalf erwachen und das museale Zentrum für das Zukunftsprojekt "Augsburger Wallanlagen" werden. Wenn das nicht möglich ist, soll er zumindest zu einem "Info-Point2 werden und etwa im Sommer die Arbeitsstube eines Stadtschreibers sein oder für kleinere kulturelle Veranstaltungen genutzt werden können.

Dazu braucht es in ihren Augen eine bessere Begehbarkeit des Fünfgratturms. In einem Vortrag von Dr. Zeune vom Büro für Burgenforschung, der die historische Baudokumentation und Analyse des Fünffingerlesturms gemacht hat, kommt zum Ausdruck, dass es sich um einen gut erhaltenen und interessanten Turm handelt, dessen Erhaltung höchste Priorität haben sollte. Allerdings würde ein Bauwerk ohne Nutzung mit der Zeit verfallen und in Vergessenheit geraten. Weil man im Inneren keine Treppe bauen kann, ohne in die historische Substanz des Bauwerks einzugreifen, bleibt nur die Außentreppe, um den Turm nutz- und begehbar zu machen. Wörtlich auf den Webseiten der Altaugsburggesellschaft?: "Nach der 1964 verabschiedeten Charta von Venedig, der einzig verbindlichen Grundlage für den Umgang mit historischer Bausubstanz auf internationaler Ebene, ist ein solcher Anbau für `die Weiterentwicklung von Nutzung und Gebrauch´ eines Denkmals unerlässlich; insbesondere aber müssen `Elemente, welche dazu bestimmt sind, fehlende Teile zu ersetzen … vom Originalbestand unterscheidbar sein, damit die Restaurierung den Wert des Denkmals als Kunst- und Geschichtsdokument nicht verfälscht´."

Der Anbau einer Außentreppe wird auch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege? und der Unteren Denkmalschutzbehörde unterstützt. Nach diesen Ämtern hat das Konzept sogar Vorbildcharakter für die Behandlung anderer Augsburger Bauwerke der Stadtverteidigung.

Contra

Gegen den Bau einer Außentreppe am Fünfgratturm ist die Bürgerinitiative gegen den Treppenanbau am Fünffingerlesturm? und die Bürgerinitiative PRO Augsburg e. V.?. Argumente gegen die Außentreppe sind unter anderem folgende: Der Turm habe eine 140-jährige Nichtnutzung überstanden, er brauche keine Sanierung, die idyllische und märchenhafte Außenwirkung des Turms werde durch den Anbau gestört, der Anbau sei ein Eingriff in die denkmalgeschützte Substanz, der Turm brauche keine zusätzliche Erschließung und sei darüberhinaus für eine museale Nutzung ungeeignet. Als Alternative zu einer Außentreppe schlägt die Bürgerinitiative eine Innentreppe vor.

Entwicklungen in der Außentreppenfrage

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Auch die Stadt Augsburg sah zu Regierungszeiten von Oberbürgermeister Dr. Paul Wengert in der vorgeschlagenen Außentreppe einen "wichtigen Meilenstein für die Revitalisierung der Wallanlagen". Im März 2007 wurde deshalb in den Bauausschuss- und Stadtentwicklungssitzungen einstimmig beschlossen: Die Altaugsburggesellschaft? soll den Turm am Stadtgraben neu beleben.

In der Folge wurde deshalb am 27. Juni 2007 eine Baugenehmigung für die Außentreppe erteilt. Schon einen Monat später gründete sich die Bürgerinitiative gegen die moderne Treppe am Fünfgratturm.

Im September 2007 wurde ein Überlassungsvertrag und Nutzungsvertrag zwischen der Stadt Augsburg und der Altaugsburggesellschaft? geschlossen. Ebenfalls im September 2007 wurde vom Stadtrat ein Baustopp abgelehnt, der von Pro Augsburg, eingereicht worden war.

Im Laufe der Auseinandersetzungen um die Außentreppe und das Nutzungskonzept des Fünfgratturms hat es eine Änderung des Konzepts vom öffentlichen Museum zum nichtöffentlichen kleinen Kulturveranstaltungsraum gegeben.

Im Nutzungskonzept vom 10. Mai 2007, das mit dem Bauantrag abgegeben wurde, war die museale Nutzung und die behutsame Nutzung in Zusammenarbeit mit der Regio Augsburg Tourismus GmbH (Stadtführungen, Lesungen, kleinere Veranstaltungen im Turm) vorgesehen.

Dann heißt es im Mietvertrag mit Sanierungsvereinbarung vom 26. September 2007 nur noch, dass das historische Bauwerk erhalten und zugänglich gemacht werden soll und kulturelle und andere mit dem Bauwerk verträgliche Veranstaltungen stattfinden sollen.

Am 24. Oktober 2007 wurde festgestellt, dass es keine genehmigte Nutzung für den Turm gibt, weil der Turm damals ein Gebäude mit aufgegebener Lagernutzung, also ohne Nutzung, war. Dies wurde im November 2007 vom Bauordnungsamt? der Stadt Augsburg ähnlich gesehen: Die historische Wendeltreppe vom 2. OG ins 3. OG ist nicht verkehrssicher, eine Ausnahme kann nicht zugelassen werden. Und die Wendeltreppe darf aus Denkmalschutz-Gründen nicht geändert werden, sie gehört zur historischen Bausubstanz.

Im März 2008 fasste der Stadtrat einen Beschluss über die Zulässigkeit eines Bürgerbegehrens gegen die Außentreppe am Fünfgratturm.

Am 26. März 2008 begann die Altaugsburggesellschaft? überraschend mit dem Baubeginn der Außentreppe.

Am 22. April 2008 stellte das Bauordnungsamt? den Bau der Außentreppe ein, weil er rechtswidrig von der Baugenehmigung abwich.

Am 20. Mai 2008 versuchte der damalige Oberbürgermeister von Augsburg, Dr. Kurt Gribl, im Rahmen von Vermittlungsbemühungen die Befürworter und Gegner der Außentreppe von einer dreijährigen Projektlaufzeit mit der Außentreppe zu überzeugen. Anschließend sollte im Stadtrat über den Verbleib oder über Veränderungen an der Positionierung der Außentreppe entschieden werden. Dieser Vermittlungsvorschlag scheiterte jedoch.

Am 26. Mai 2008 wurde der auf den Gehweg ragende Stahlfinger der Außentreppe zurückgebaut.

Im September 2008 wird gerichtlich entschieden, dass der Baustopp für die Außentreppe am Fünfgratturm rechtswidrig war, wogegen die Stadt Augsburg Beschwerde einlegt.

Im Dezember 2008 schlug der damalige Oberbürgermeister Kurt Gribl einen Abriss der Treppe am Fünfgratturm vor, um der Stadt langwierige und teure Gerichtsverfahren zu ersparen. Der Abriss soll durch die Alt-Augsburg-Gesellschaft? mit Hilfe der Stadt Augsburg erfolgen.

Lage

Untere Jakobermauer? 30


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