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Frühjahrsdult

Auch Osterdult und Georgidult genannt; das Pendant zur Herbstdult. Ein Markt, der um Ostern zwischen Jakober- und Vogeltor in der Jakobervorstadt entlang der Jakobermauer? abgehalten wird. Üblicherweise sind die Verkaufsbuden zwischen 10.00 Uhr und 19.00 Uhr geöffnet.

Allgemeines

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Die Frühjahrsdult hat eine lange Tradition und zieht jedes Jahr etwa 200.000 Besucher aus Augsburg und Schwaben an. Das Freiluft-Einkaufshaus ist unvergleichlich malerisch, wie es sich zwischen den beiden mittelalterlichen Stadttoren an der alten städtischen Verteidigungsmauer mit seinen Buden und Imbissständen entlang zieht. Hier mischt sich der Duft von Gewürzen und Bonbons, von Kernseife und Schafswolle, von ökologisch hergestelltem Käse und Bohnerwachs. Durch die Luft schwirren die lautstarken Verkaufsargumente der Händler, die ihre Waren - ein Mikro umgehängt - dem staunenden oder belustigten Publikum feil bieten.

Man findet hier Nützliches und Überflüssiges, Dinge, nach denen man schon lange gesucht hat, weil sie fast nirgends mehr verkauft werden, und Gegenstände, die aus einem anderen Jahrhundert übrig geblieben scheinen.

Wer die Frühjahrsdult besucht, sollte sich Zeit nehmen. Es gibt Exotisches zu entdecken. Besonders schön ist das Schlendern auf der Frühjahrsdult, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen über die Buden legen und zaghafte Schatten aufs Kopfsteinpflaster malen. Am Wochenende ist immer sehr viel Gedränge und der Voyeur kann die unterschiedlichsten Menschentypen studieren. Wer´s etwas geruhsamer mag, dem seien die Morgenstunden an Werktagen empfohlen.

Der Begriff Dult

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"dult" bedeutete im Althochdeutschen Fest oder Feier, auch Kirchenfest. Manchmal ist auch von "tult" die Rede. Möglicherweise leitet sich der Begriff auch von "indultum" ab, was "Ablass" bedeutet. Wurde im Mittelalter ein Kirchenfest gefeiert, meist zu Ehren eines Heiligen, so hat man um die Kirche herum oft auch Verkaufsstände aufgebaut und Waren verkauft. Das gilt auch für Ablassmärkte, zu denen fromme Pilger kamen, die natürlich auch verköstigt werden mussten oder denen fleißige Händler ihre Waren anboten. Gleich, welche Begriffsherleitung man bevorzugt: Im Laufe der Zeit veränderte der Begriff seine Bedeutung und spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts wurde unter "Dult" der "Jahrmarkt" verstanden. Und auf Jahrmärkten können Waren jeglicher Art verkauft werden.

Geschichte

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Die Geschichte der Frühjahrsdult muss im Zusammenhang mit der Geschichte der Herbstdult gesehen werden. Denn: Augsburg besitzt zwei Dulten. Paul von Stetten? schreibt, dass schon Kaiser Otto I. im Jahr 967 die Herbstdult besucht habe. Er "blieb daselbst so lang, als der Jahrmarckt, so um Michaelis gehalten wird, gewähret". Das bedeutet, dass zumindest die Herbstdult in Augsburg schon älter als 1.000 Jahre ist.

Die hier zur Rede stehende Oster- oder Frühjahrsdult wird zwar zu dieser Zeit wahrscheinlich auch schon bestanden haben, ist aber erst im Stadtrecht von 1276 zusammen mit der Herbstdult, damals noch "Sankt Michels Messe" als "Ostermarkt" erwähnt. Dieser "Ostermarkt" wird als eine Tuchmesse beschrieben, die anfangs kaum überregionale Bedeutung hatte. Wie sich der Übergang von der kleinen Tuchmesse zum Jahrmarkt mit einem breiten Warenangebot vollzog, ist nicht genau zu eruieren, doch gestaltete er sich vermutlich fließend.

Beide Augsburger Dulten wurden bis ins 19. Jahrhundert hinein auf der Maximilianstraße und den Seitengassen veranstaltet. Bekannt ist, dass schon in frühester Zeit auf den Dulten Schausteller auftraten. So wird von Feuerschluckern und Spielleuten berichtet, die Theater spielten, als Gaukler auftraten, Kuriositäten oder lebende Tiere aus fernen Ländern präsentierten. Ein Kupferstich von Johann Elias Ridinger? zeigt nachweislich das erste Rhinozeros, das in Deutschland je auftrat, im Zusammenhang mit einer Dult im Jahre 1748. Im 19. Jahrhundert zählten auch Karussells und Kleinkunstbühnen zur Ausstattung der Augsburger Dulten.

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Im 19. Jahrhundert entstand zu Dultzeiten in der Hallstraße an der Hallhofmauer ein Vergnügungspark oder das, was wir heute Rummel, Kirmes, Jahrmarkt nennen. Das ging aber nicht lange gut. Die Anwohner beschwerten sich über die damit verbundene Lärmbelästigung und so trennte man im Jahr 1878 die Volksbelustigung von dem Warenmarkt, der eigentlichen Dult. Damit davon in Zukunft niemand mehr belästigt wurde, verlegte man das Spektakel auf den Kleinen Exerzierplatz?, den heutigen Plärrer, an den damaligen Stadtrand.

Nicht viel später, verlegte man auch die Dulten aus der Innenstadt?: 1883 verlegte man die Herbstdult, 1885 die Frühjahrsdult in die Jakobervorstadt. Dies geschah aus verkehrstechnischen Gründen, denn damals verkehrte die Straßenbahn zwischen dem Perlachturm und dem Ulrichsplatz und dem regelmäßigen Betrieb dieser Bahn stand natürlich das Gedränge auf den Dulten in der Maximilianstraße hemmend im Weg.

Seit 1951 lassen sich die beiden Dulten an der Stelle lokalisieren, an denen sie heute stattfinden: zwischen Jakober- und Vogeltor.

Laut Aussagen von Händlern auf der Dult waren die 1980er und 1990er Jahre sehr gute Verkaufsjahre, während in der Gegenwart der Cent genauer angeschaut und mehrmals umgedreht wird, bevor man ihn ausgibt. Was aber auch heute noch gut auf der Dult geht, ist Qualitätsware.

Details

Traditionell hat der „Billige Jakob“ am Vogeltor seinen Stand, wo er lautstark seine Waren anpreist. Ab Mitte der 1970er Jahre kam der Dult-Marktschreier mit seiner Frau aus der Gegend von Straubing? über mehrere Jahrzehnte nach Augsburg.

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