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Friedberger Straße

eine der wichtigsten Augsburger Straßen; gehört mehreren Augsburger Stadtbezirken und Planungsräumen an: zunächst dem 3. Stadtbezirk (Bahnhofs- und Bismarckviertel) und damit dem Planungsraum I (Innenstadt) mit der Postleitzahl 86161; zweitens (ab Hausnummer 11) dem 30. Stadtbezirk (Wolfram- und Herrenbachviertel) und damit dem Planungsraum XI (Spickel - Herrenbach) mit der Postleitzahl 86161; drittens dem 24. Stadtbezirk (Hochzoll-Nord?) und damit dem Planungsraum XII (Hochzoll) mit der Postleitzahl 86163

Allgemeines

Die Friedberger Straße wird täglich von mehr als 28.000 Fahrzeugen frequentiert und führt vom Augsburger Stadtzentrum Richtung Friedberg. Als B 300 führt sie über Friedberg zur Autobahn in Richtung München, als B 2 führt zweigt sie vor der Friedberger Augsburger Straße stadtauswärts rechts in die Meringer Straße? ab, die über Kissing, Mering, Merching (Landkreis Aichach-Friedberg), Althegnenberg?, Hattenhofen?, Mammendorf?, Fürstenfeldbruck?, Puchheim?, Germering? (Landkreis Fürstenfeldbruck) nach München führt.

Die Friedberger Straße ist eine der lautesten Straßen in Augsburg, obwohl hier für mehr als drei Mio. Euro lärmschluckender Asphalt verbaut wurde. Und die Friedberger Straße ist eine gesichtslose und triste Ausfallstraße Augsburgs.

Seit des Baus der Straßenbahnlinie 6 beschweren sich die Autofahrer, die auf die Friedberger Straße angewiesen sind, vor allem im Berufsverkehr über tägliche Staus auf der Straße. Dort soll es wie in der Augsburger Straße von Friedberg-West? täglich Staus bis zur AIC 25? und auf den Straßen geben, die auf die Friedberger Straße einmünden. Dazu kommt ein enormer Schleichverkehr für die Bewohner von Hochzoll-Süd?.

Geschichte

Im Juli 1920 fuhr zum ersten Mal die Straßenbahnlinie 6 vom Perlach durch die Friedberger Straße zur Afrabrücke ("Hochzoller Lechbrücke"). Die Nationalsozialisten? verlängerten diese Straba-Linie im Frühjahr 1934 bis an die Ecke Friedbergerstraße / Zugspitzstraße.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Friedberger Straße ihr Gesicht weit mehr geändert als viele andere Augsburger Straßen. Noch nach dem Krieg standen rechts und links der Straße ein- oder zweistöckige Häuser. Sie wurden nach und nach immer mehr durch mehrstöckige Geschäfts- oder Wohnbauten ersetzt, in denen die Bevölkerung verdichtet wurde.

Ende der 1950er Jahre baute man die Friedberger Straße um. Dabei fällte man die Straßenbäume und entfernte die Vorgärten der Häuser. Nach Abschluss der Arbeiten im Oktober 1960 waren auch die Gleise der Straßenbahnlinie 6 entfernt. Busse bedienten bis Dezember 2010 allein die Haltestellen in der Friedberger Straße, bis die Stadtpolitiker entschieden wieder eine Tramlinie durch die Friedberger Straße rollen zu lassen und damit die Straßenbahnlinie 6 wieder auflebte.

An der Ecke zur Meringer Straße? stand ein kurfürstliche Zollhaus. Es war ein Überbleibsel aus der Zeit vor der Eingliederung Augsburgs in das Königreich Bayern?. Das kurfürstliche Zollhaus (Erbauungszeit vermutlich nach dem Dreißigjährigen Krieg, da der Vorgängerbau niederbrannte) wurde 1831 abgetragen. Es diente seit "ewigen" Zeiten den bayerischen Herzögen und Kurfürsten zur Erhebung des Warenzolls an ihrer Grenze. Als die Grenze 1806 fiel, versteigerte der Staat das überflüssige gewordene schlossartige Gebäude, das als die Wiege Hochzolls angesehen werden muss. 1831 erfolgte sein Abriss.

Im vorigen Jahrhundert erging es dem neuen Zollhaus, einem harmonischen neobarocken Bau, der 1916 von Stadtbaurat? Otto Holzer für die Erhebung der städtischen Staßenmaut geschaffen worden war, ebenso. 1970/71 erfolgte nach der Räumung von 1968 der komplette Abriss, plante man damals doch die Meringer Straße? an dieser Stelle zu verbreitern, was bis heute nicht geschehen ist.

Noch in den 1990er Jahren stand in der Grüntenstraße? 51a das so genannte "Kontrolleurshaus". 1818 war es von Georg Bößel aus Rohrbach? im Nördlinger Ries vom Schwabhofbauern gekauft worden, der es 1808 erworben hatte, nachdem es beim Abriss des Hochzollschlösschens? erhalten blieb. Die Familie Bößel bewirtschaftete das Anwesen in der Grüntenstraße? 51a sechs Generationen lang. Erst in den 1990er Jahren brach man das wohl älteste Haus Hochzolls ab. Die mächtigen Kellergewölbe, die Stuckdecke im ersten Stock: alles perdu und von einer mittelgroßen Wohnanlage im Stil der damaligen Scheußlichkeit abgelöst, die mehr Geld einbrachte als der Erhalt historischer Bausubstanz.

Im Sommer 2008 zählte man etwa 45.000 Fahrzeuge pro Tag in der Friedberger Straße. Mehr als 35 Mal im Jahr wurden die zulässigen Grenzwerte für Feinstaub in der Straße überschritten. Die Stickstoffwerte waren ebenfalls zu hoch, wie die Regierung von Schwaben erhob. Jedes zweite Auto in der Straße hatte damals ein überörtliches Ziel. Durch ein intelligentes Verkehrsmanagement und die Linie 6 wollte man es schaffen, durch Reduzierung des innerörtlichen Verkehrs das Verkehrsaufkommen in der Friedberger Straße zu reduzieren. Dazu kamen Maßnahmen wie der Ausbau des Knoten Blücherstraße / Kurt-Schumacher-Straße?, die Große Ostumgehung / AIC 25 zur Stätzlinger Straße, der Bau der Querspange AS 1, der Anschluss der AIC 25 zur A 8 (Anschlussstelle Derching?) und die Sechsspurigkeit der A 8 zwischen Augsburg-West und Dasing.

In der Friedberger Strasse fanden im Januar 2011 Vorarbeiten statt, um Versorgungsleitungen auszutauschen und zwischen der Siebentischstraße und dem Alten Heuweg? Flüsterasphalt aufzutragen. Im August 2011 wurden die Arbeiten abgeschlossen.

Im Oktober 2016 gab die Dirk Schaefer Grundbesitz GmbH? bekannt, das Gebäude Friedberger Straße 5 gegenüber der Hochschule Augsburg abreißen zu wollen und falls die Baugenehmigung erteilt wird, 2017 mit dem Bau eines fünfstöckigen Gebäudes beginnen zu wollen. Der Bauträger wollte neben drei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoß mehr als 100 Ein-Zimmer-Apartments in den verbleibenden Stockwerken schaffen. Die Wohnungen sollten sowohl an Studenten wie Arbeitnehmer vermietet werden.

Details

Friedberger Straße 125: Früher stand hier das Grägelsches Haus?. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte man das Gebäude erst einmal. Man entfernte allen Schmuck und stockte das ehemals zweistöckige Haus um eine Etage auf. Dann verkleidete man es "modern" durch eine nichtssagende glatte Fassade. Heute steht hier ein Wohn- und Geschäftshaus, das keinen Blick wert ist.

Friedberger Straße 140: Hier stand ehemals das "Gasthaus Fürst". Es verstand sich Ende des 19. Jahrhunderts als Bahnhofsrestauration und hatte einen Biergarten, der bis zum dahinter liegenden Bahndamm reichte. Sommers konnte die Gäste unter hohen Kastanien ihr kühles Augsburger Bier genießen. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich hier ein Lebensmittelmarkt, der das früher beliebte Augsburger Einkehrziel vergessen ließ. Und heute steht an dieser Stelle ein nichtssagendes Wohn- und Geschäftshaus im drögen Stil der übrigen Straße.

Friedberger Straße 143: Ehemals das erste Schulhaus in Hochzoll. Es steht an der Ecke zur Salzmannstraße?. Das historische Gebäude wurde 1875 als erstes Schulgebäude in Hochzoll errichtet und diente vor dem Bau der Kirche Sankt Matthäus der evangelischen Gemeinde in Hochzoll als Gottesdienstort. 1876 zogen 57 Kinder in das neue Schulgebäude ein, doch schon 1879 musste man die Schule aufstocken, weil es jetzt bereits 87 Schulkinder waren, die hier ein und aus gingen. 1885 hatte die damals Friedbergerau? genannte Gegend bereits 648 Bewohner und der Druck, eine neue Schule zu errichten erhöhte sich von Jahr zu Jahr. 1918 wurden Umbauarbeiten durchgeführt und im Gebäude an der Friedberger Straße eine Lehrerwohnung eingebaut. Das war möglich, weil in der Zwischenzeit der so genannte Holzer-Bau als zweite Schule in Hochzoll errichtet worden war. In den 1980er und 1990er Jahren sah das Gebäude der ersten Hochzoller Schule an der Friedberger Straße verwahrlost aus. 2010 brachte die SPD Hochzoll die Idee auf, in dem Gebäude einen Jugendtreff einzurichten, da es bis dahin in Hochzoll keinen Jugendtreff gab. Der Jugendtreff sollte als Jugendkulturcafé eingerichtet werden. Eine Renovierung des Gebäudes wurde damals auf Kosten von 650.000 Euro geschätzt. 2012 traf der Stadtrat den Beschluss zur Sanierung der alten Schule und das "Ensemble Alte Schule", zu dem auch das Feuerwehrgerätehaus geschlagen wurde, zusammen mit dem Verein Ensemble Alte Schule e. V.? zu erhalten und als Jugend-Café umzubauen. Im Dezember 2013 wurde die Planung für das "Ensemble Alte Schule" auf kulturelle Nutzungen erweitert (z. B. wollte man ein Stadtteil-Museum einrichten). Im Januar 2014 bewilligte die Regierung von Schwaben auf Antrag der Stadt Augsburg aus dem Bund-Länder-Programm einen Zuschuss von 540.000 Euro für die Sanierung eines städtebaulich zu entwickelnde "Ensemble Alte Schule". Aus dem Verkauf der Nebengebäude Friedberger Straße 145 bis 149 wollte die Stadt Augsburg die Ko-Finanzierung zur Sanierung beitragen.

Friedberger Straße 146: Das Haus rechts neben der Kirche Sankt Matthäus dürfte eines der ältesten erhaltenen Häuser Hochzolls sein. Bevor nach dem Krieg die Neubauwelle Hochzoll überschwemmte und alle Häuser mit Gesicht hinwegspülte, dürften viele Häuser an der Friedberger Straße ähnlich ausgesehen haben. Der kleine Dachgiebel wird "Simongiebel" genannt, weil ihn und viele andere der örtliche Baumeister Simon errichtete.

Friedberger Straße 148: Sankt Matthäus

Friedberger Straße 151: Das Gebäude an der Ecke zur Karwendelstraße? war früher die Gaststätte Lutz mit ihrem "Südostend-Saal", wo sich viele Hochzoller Vereine trafen. Hier traf sich der Katholische Arbeiterverein? noch bis 1939 - obwohl die Nationalsozialisten? schon 1933 ein Vereinsverbot ausgesprochen hatten. 1935 sprach hier auf einer Versammlung des Katholischen Arbeitervereins? der Arbeitersekretär Hans Adlhoch zu seinem 25. Dienstjubiläum. In dieser Rede erwähnte er, seit der Machtergreifung schon fünf Mal verhaftet worden zu sein, was ihm, wie er sagte, eine Ehre gewesen sei. Das bekam ein Nationalsozialist? mit und denunzierte ihn, weshalb man ihn in das Konzentrationslager Dachau verbrachte, wo er 1945 an den Folgen des Todesmarsches starb. Die Gaststätte Lutz war in den 1930er und 1940er aber auch stark von Nationalsozialisten? frequentiert, denn im Südostsaal richtete die Gauleitung ein Kino ein, in dem regimeverherrlichende Filme gezeigt wurden. Schließlich war Hochzoll zu diesen Zeiten eine Nazi-Hochburg.

Lage


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