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Freilichtbühne

eine Augsburger Bühne im Freien am Roten Tor, die organisatorisch zum Theater Augsburg gehört

Freilichtbühne Augsburg © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Allgemeines

Die Augsburger Freilichtbühne hat mit dem Roten Tor, den Wallanlagen? und dem Heilig-Geist-Spital im Hintergrund eine unnachahmliche malerische mittelalterliche Kulisse. Geschaffen worden ist dieses Kulissen-Ensemble von dem Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl, damals natürlich noch nicht als Freilichtbühne. Die Augsburger Freilichtbühne wurde aber im westlichen Wallgraben des Roten Tors vor der Kulisse der um 1543 entstandenen Bastei angelegt.

Die Spielstätte hat mehr als 2.100 Sitzplätze und wird von Mitte Juni bis Ende Juli mit Opern, Operetten und Musicals bespielt. Zudem finden Gastspiele und Konzerte hier statt. Es handelt sich um die größte Freilichtbühne Süddeutschlands?.

Schon von Anfang an war die Freilichtbühne eng mit dem Theater Augsburg verbunden. In den letzten Jahren haben die Künstler des Stadttheaters, des Opernchors und des Philharmonischen Orchesters im Prinzip das Programm alleine gestaltet.

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Geschichte

Die Anregung zu der Freilichtbühne kam von Otto Falckenberg?, einem Direktor der Münchener Kammerspiele?. Auch der damalige Leiter des Verkehrsvereins (heute Regio Augsburg Tourismus GmbH, Hans Alfred Steib? hatte daran einen großen Anteil. Er hatte nämlich schon 1928 nach dem Salzburger Vorbild von Hugo von Hofmannsthal vor Sankt Ulrich und Afra Freilichtspiele veranstaltet. Aufgeführt wurde der "Jedermann". Im Mai 1929 beschloss der Augsburger Stadtrat den Wallgraben am Roten Tor zu einer Freilichtbühne umzubauen. An diesem Beschluss hatte auch der Bürgermeister Friedrich Ackermann? große Verdienste. Bezahlt wurde die Errichtung der Freilichtbühne aus Mitteln des Friedrich-Prinz-Fonds?.

Noch im Jahr 1929 wurde die Bühne als Sommerspielstätte des Theaters Augsburg eröffnet. Man sprach von den "Augsburger Festspielen im Amphittheater vor dem Roten Tor". Das erste Stück am 3. August 1929 war das Nachfolge-Christi-Spiel von Max Mell, bei dem Otto Falckenberg? Regie führte. Ein paar Tage später führte man noch Ludwig van Beethovens "Fidelio" auf. Die München-Augsburger Abendzeitung? nannte die Freilichtbühne damals die schönste Freilichtbühne Deutschlands.

Allerdings war das Projekt in den Folgejahren nicht von finanziellem Erfolg gekrönt, so dass man die Aufführungen auf der Freilichtbühne wieder einstellte. 1932 taten sich Künstler der Städtischen Bühnen? zusammen und wagten auf eigene Rechnung neue Aufführungen auf der Freilichtbühne, was ankam.

Zur Zeit des Dritten Reichs wurden auf der Freilichtbühne nationale Weihespiele, aber auch Opern und Schauspiele aufgeführt. Man spielte in dieser Zeit in jeder Saison bis zu einem Dutzend Stück. Selbst Richard Strauss besuchte 1936 Augsburg und dirigierte auf der Freilichtbühne die "Elektra". Für die Nationalsozialisten? waren die Aufführungen auf der Freilichtbühne so genannte "reichswichtige Spiele". Man propagierte die Freilichtbühne Augsburg als Schauplatz der "Volksgemeinschaft" und engagierte große Sänger in dieser Zeit, um die Freilichtbühne aufzuwerten. Ab 1940 kam es aufgrund des Krieges trotzdem zu Spielunterbrechungen. Erst ab 1946 begann man wieder mit jährlichen Aufführungen auf dem Augsburger Sommerparkett.

Die 1950er und 1960er Jahre waren auf der Freilichtbühne die Zeiten großer italienischer Opern, Stars aus Verona traten gerne hier auf. Die letzten Jahrzehnte warteten vermehrt mit Operetten, Opern und Musicals auf. Aber auch Rock- und Popgruppen traten hier auf oder kämpften um Musikpreise.

2009 feierte man 80 Jahre Freilichtbühne in Augsburg. Im gleichen Jahr hatte ein Gutachten für den Bühnenboden Einsturzgefahr eruiert, worauf in einer Dringlichkeitsverfügung des Oberbürgermeisters? die Sanierung angeordnet wurde.

Im August 2011 trat Suzi Quatro in der Freilichtbühne auf. Bis dahin hatte sie mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft und lag damit nach Madonna und Britney Spears mit ihren Verkäufen.

2013 inszenierte der Regisseur Manfred Weiß das Musical „Hair“ auf der Freilichtbühne mit etwa 110 Mitwirkenden. Das Musical stammt von 1968 und drückt den Mythos der 68er-Bewegung aus. Wochenlang war an der Wehranlage am Roten Tor ein bunter Regenbogen zu sehen, Symbol für Flowerpower und Hippies. Es war ein starker Besuchermagnet. Dank guten Wetters zählte man so viele Besucher wie nie zuvor.

Der Musical-Evergreen "My Fair Lady" war 2014 das Stück der Freilichtbühne Augsburg. Die Inszenierung von Thilo Reinhardt wurde in den Monaten Juni und Juli aufgeführt. Trotz Fußballweltmeisterschaft und sehr unbeständigem Wetter kamen 32.122 Zuschauer. Das war das drittbeste Ergebnis in den letzten 10 Jahren. Nur in den Jahren 2013 (41.806) und 2006 (41.688) kamen mehr Besucher. Insgesamt wurden über 850.000 Euro an Eintrittsgeldern eingenommen. Die Auslastung lag bei 78 Prozent. Drei Vorstellungen mussten aufgrund schlechten Wetters abgesagt werden, zwei Vorstellungen wurden nach der Pause abgebrochen.

Am 27. Juni 2015 eröffnete das Theater Augsburg die Saison auf der Augsburger Freilichtbühne mit den legendären „Blues Brothers“. Kurzinhalt: Dem katholischen Waisenhaus, in dem die Brüder Jake und Elwood Blues aufwuchsen, droht die Schließung. Binnen weniger Tage müssen 5.000 Dollar aufgetrieben werden, sonst wird das Waisenhaus geschlossen. Jake und Elwood übernehmen die Mission und sind fortan „im Auftrag des Herrn“ unterwegs: Die „Blues Brothers Band“, die in alle Winde zerstreut ist, wird zusammengetrommelt, ein großes Benefizkonzert soll die Schließung verhindern. Doch kaum sind die Brüder angekommen und das Konzert kann beginnen, warten schon die ersten Schwierigkeiten …

Im Sommer 2016 stand die Produktion "Cabaret" auf dem Spielplan der Freilichtbühne Augsburg.

Dabei hieß es: "Willkommen! Bienvenue! Welcome!" im legendären Kit Kat Club der ausgehenden zwanziger Jahre. Rauschhafte Tänze, Champagner in Strömen, die schönsten Mädchen weit und breit! In Berlin wird getanzt und gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr. Die Stimmung gleicht einem Tanz auf dem Vulkan, denn Berlin verdrängt die Zukunft: Armut, Inflation, Fremdenfeindlichkeit. Der Schatten der Nationalsozialisten? breitet sich immer bedrohlicher aus. Davon will man im Kit Kat Club nichts wissen, die Wirklichkeit bleibt vor der Tür, hier heißt es: "Life ist a Cabaret!". Das Musical wurde 1966 am Broadway uraufgeführt und mit zahlreichen Auszeichnungen prämiert.

Details

Wenn auf der Freilichtbühne gespielt wird, tragen die Straßenbahnen der Linie 3? und der Linie 2? (früher Linie 4?) besondere Flaggen, die auf die Freilichtbühnenspiele hinweisen.

Nicht jeder Sommer lässt auf lauschig-warme Sommerabende hoffen. Manchmal bedrohen leider kühlere Temperaturen die Vorstellung. Ist abzusehen, dass die abendliche Vorstellung aus Wettergründen entfallen muss, wird sie bis 17.00 Uhr abgesagt. Vorstellungen, die noch vor der Pause abgebrochen werden müssen, gelten ebenfalls als entfallen. In beiden Fällen entstehen dem Besucher keine Kosten. Bei mit Einzugsermächtigung erworbenen Karten wird der Betrag erst nach Durchführung der Veranstaltung abgebucht. Gekaufte Karten werden zurück erstattet. Das Wettertelefon informiert täglich ab 17.00 Uhr, ob die abendliche Vorstellung stattfindet: (0821) 324 1984.

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Augsburger Freilichtbühne im Januar 2015 - (©) by Martin Wolf

Normalerweise spielt man auf der Freilichtbühne hauptsächlich in den Monaten Juni und Juli. Immer wieder wird gegen den umgeleiteten Verkehr während der Spiele protestiert, immer wieder gab es finanzielle Krisen und die Freilichtbühne stand auf der Abschussliste städtischer Kulturreferenten. Bisher hat sie alles überlebt.

Sonstiges

Aufführungseinschränkungen

Im März 2016 kam durch einen Beitrag der Augsburger Allgemeinen und eine Pressemitteilung der Freien Wähler die Diskussion über Aufführungseinschränkungen auf der Freilichtbühne auf.

Die Stadt Augsburg, so hieß es, verhalte sich bei der zusätzlichen Nutzung der Freilichtbühne durch Fremdveranstalter sehr restriktiv. Hier berufe sich die Stadt auf die Einhaltung der Lärmschutzverordnung vor 22:00 unter 65 Dezibel bzw. nach 22 Uhr unter 55 Dezibel liegen zu müssen. Letzterer Wert entspreche der Lautstärke eines normalen Gesprächs. "Trotz aller Wertschätzung gegenüber freien Veranstaltern sei die Nutzung der Freilichtbühne für Fremdveranstalter in nächster Zeit aus rechtlichen Gründen generell nicht mehr möglich", stehe im Protokoll eines Gesprächs, das Lothar Schlessmann von Hello Concerts mit Oberbürgermeister? Kurt Gribl, dem Kulturreferenten? und der Theaterleitung geführt habe.

Teilweise habe sich die Stadt Augsburg auf VG-Urteile von 1989 bzw. 1991 berufen. Deren Grundlage sei aber nicht der Lärm, den die Aufführungen verursachten, gewesen, sondern der Verkehrslärm, den der Umleitungsverkehr durch die Schülestraße? verursacht hatte. Ungeachtet dieser Grundlage, wurde die Klage in zwei Fällen abgewiesen. Beide Urteile aus den Jahren 1989 (Au 3 E 89 A.758) und 1990 (Au 3 K 90 A.594) betreffen nur straßenverkehrsrechtliche Anordnungen (Umleitung wegen der Freilichtbühne). In beiden Entscheidungen wurde keine Regelung bezüglich der Anzahl der Aufführungen getroffen. Im Gegenteil hat das Verwaltungsgericht die Qualität der Freilichtbühne als "ein Ort der Muße, Entspannung und Unterhaltung" hervorgehoben und einen Verzicht auf die Aufführungen "wegen der langen Tradition auf hohen künstlerischem Niveau eine klare Absage erteilt".

Einerseits äußere die Stadt die Auffassung, die damals durchgeführten 32 Aufführungen im Jahr seien nur Gewohnheitsrecht, was durch keinen Rechtsspruch begründet sei. Außerdem hieß es, man würde die Aufführungen nicht ausweiten, weil eine Klage einer Anwohnerin "in der Luft liege". Nach dem Begründungstext in beiden erwähnten Urteilen lägen die Chancen der Stadt aber sehr gut, dass für eine stärkere kulturelle Nutzung der Freilichtbühne keine Gefahr besteht und die Stadt es auf eine Klage ankommen lassen könne. Besonders das Prozessrisiko des Umleitungsverkehrslärms sei mit dem Bau der Schleifenstraße hinfällig, weil bei Aufführung auf der Freilichtbühne der Verkehr nicht mehr durch die angrenzenden Wohngebiete geleitet werden müsse.

Die Freien Wähler vermuteten deshalb, dass die Stadt aus Haftungsgründen einer Fremdnutzung der Freilichtbühne aus dem Weg gehe, weil sie in diesem Fall längst fällige Sanierungen nicht weiter hinausschieben könnte.

Verkehrsumleitungen

Wenn auf der Freilichtbühne gespielt wird, bedeutet dies viele Umleitungen am Roten Tor, weil der Eserwall? komplett gesperrt wird und keine Parkmöglichkeiten während der Vorstellungen am Eserwall? angeboten werden. 2016 schlug die Polit-WG vor, unter Beibehaltung der Umleitungen solle zusätzlich der restliche von der Stadt kommende Verkehr über die Eserwallstraße in einer rechtsseitigen Spur einseitig mit Tempo 20 an der Freilichtbühne zur Haunstetter Straße auch während der Veranstaltungen geführt werden. Ausgeschilderte Umleitungen durch das Bismarckviertel (z. B. Hochfeldstraße und Bismarckstraße sollten entfallen. Als Begründung gab die Polit-WG an, dass es nicht nur Beschwerden wegen der Aufführungen selbst gibt, vor allem seien die Sommerabende für viele Anwohner in der Hochfeldstraße zusätzlich durch den massiven Autoverkehr während der Aufführungen und der Umleitungsdauer unerträglich geworden. Der aus der Innenstadt? kommende Autoverkehr sei in den letzten Jahren von der Eserwallstraße in die schmale Hochfeldstraße (primär Wohngebiet) umgeleitet worden. Stundenlanger Autolärm und vermehrte Abgase ließen im Wohngebiet keine lauen Sommernächte auf Terrassen, Balkonen und Vorgärten mehr zu. Die Stadt ignoriere bisher die Beschwerden der Anwohner und weise im eigenen Amtsblatt selbst weiträumige Umleitungen aus, ohne die Umleitungen durch das Wohnviertel überhaupt zu erwähnen. Die Öffnung der Hochfeldstraße erfolgte an dieser Stelle erst mit dem Königsplatzumbau und war bis dahin gesperrt. Eine Umleitung erfolgte damals durch die breitere und mit leisem Asphalt bestückte Bismarckstraße, die zudem viele Geschäfte vorhält, welche abends geschlossen sind.

Lage

Freilichtbühne Augsburg
Am Roten Tor
86150 Augsburg


  • Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnen 3 und 4, sowie Busse 23, 6, 32 und 35, Haltestelle Rotes Tor
  • Auto: Von der Autobahn A 8 kommend, Ausfahrt Augsburg Ost, Richtung Stadtmitte. Am besten man folgt der Beschilderung "Freilichtbühne am Roten Tor". Wichtig: Eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Vorstellung wird die Rote-Torwall-Straße? für den Auto-Verkehr gesperrt. Auf der Eserwallstraße besteht ab 20.15 Uhr eine eingeschränkte Parkmöglichkeit.

Weblinks


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