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Franzosenhof

ein ehemaliges Augsburger Landgut in Kriegshaber

Allgemeines

Der Franzosenhof liegt in der Ramsbergstraße? im Stadtteil Kriegshaber. Er hat zwei Gebäude: Nr. 19 ist das Herrenhaus, Nr. 19a das Gesindehaus. Die Gebäude sind großzügig. Als Baumeister wirkte Franz Gelb?, dem wahrscheinlich auch die Hugenottenhäuser? in Siebenbrunn zuzuschreiben sind.

Das Herrenhaus des Franzosenhofs hat drei Geschoße und ein Mansardendach mit kreisrund geöffneten Gauben. Das Mansardengeschoß wurde an den Schmalseiten hochgemauert. Es hat sieben Fensterachsen und ist durch ein Traufgesims gegliedert, das außen herumläuft. So wirkt das Herrenhaus wie ein Schloss, ein Eindruck, der zur Bauzeit durch einen Park mit einem künstlichen Weiher, neben dem ein Pavillon stand, verstärkt wurde. Die Räumlichkeiten bekamen viel Sonne durch große Fenster.

Parallel zum Herrenhaus steht der Stall mit einer Scheune. Dort ist Augsburgs einziges Bohlendach zu finden. An den Stall mit Scheune schließt sich das Gesindehaus an. Dort wohnten zur Entstehungszeit und lange darüber hinaus die Bediensteten der Bauherren.

Geschichte

Das Herrenhaus des Augsburger Franzosenhofs wurde wohl um 1780 gebaut. Wahrscheinlich von Hugenotten (französische Anhänger des Calvinismus), die nach Augsburg geflohen waren. Daher kommt wahrscheinlich auch der Name des Anwesens. Das ehemalige Herrenhaus des Landguts wurde 1999 saniert. Auch das Gesindehaus geht auf die Zeit um 1780 zurück. Seine Sanierung währte von 1999 bis 2002. In beiden Fällen übernahm das Architekturbüro Ferrara? die Planung der Sanierung. Zur Zeit der Entstehung befand sich der Landsitz auf freiem Feld zwischen Augsburg und dem Ort Alt-Kriegshaber, der damals noch nicht zu Augsburg gehörte.

Kurz vor 1800 lagerten etwa 40.000 französische Soldaten rund um Augsburg über einen längeren Zeitraum. Damals wurde der Franzosenhof von den Franzosen beschlagnahmt und als Quartier für das Militär genutzt. Möglicherweise geht der Name Franzosenhof für den Bau auch auf diese geschichtlichen Ereignisse zurück, zumal in Kriegshaber noch das Zollhaus Kriegshaber und die Markgrafenstraße an die Zeit der französischen und österreichischen Besatzung erinnern.

1812 kaufte die Bankiersfamilie Schmid den Franzosenhof. Dessen Oberhaupt Paul von Schmid? war auch ein angesehener Augsburger Industrieller. Er starb 1824. Danach kam das Anwesen immer mehr herunter. 1854 ist als Besitzer des Franzosenhofs ein Fabrikdirektor Langloth eingetragen. 1867 gab das Kataster den Landarzt Georg Schärtl als Eigentümer an, der das Gut am 30. August 1862 erwarb. Er soll für seine Praxis im Parkweiher des Franzosenhofs Blutegel gezüchtet haben. Aus gem Kataster von 1892 geht hervor, dass der Privatier Josef Langenmaier am 30. April 1878 den Franzosenhof übernahm. Am 22 Oktober 1903 wird als Besitzerin seine Tochter Maria Langenmaier festgestellt - mit einem Hälfteanteil ihres Ehemanns Georg Steppich.

Der Gartenpavillon soll noch bis in die 1920er Jahre gesondert bewohnt gewesen sein. Die Familie Langenmayer erweiterte den Franzosenhof nach dem Ankauf um eine Kalkbrennerei, die bis 1945 arbeitete. Ende der 1920er Jahre wurde aus dem zweistöckigen Gartenpavillon, zu dem die Bewohner von Kriegshaber „Rapunzelturm“ oder "Kugelhaus" sagten, weil das Dach spitz zulief, ein Vereinsheim der Katholischen Jugendvereine von Kriegshaber, das der Maler Karl Radinger?, der sich später als Kirchenkünstler einen Namen machte (Arbeiten in der Stadtpfarrkirche in Kriegshaber und Meitingen, Pièta im Ehrenmal für die Gefangenen auf dem Friedhof von Kriegshaber), innen und außen bemalte. Ab etwa 1930 wird das Gut als Bauernhof Steppich bezeichnet, obwohl Georg Steppich um 1940 starb und Maria Langenmaier noch bis 1961 lebte.

Während der Zeit des Dritten Reiches wurden die katholischen Vereine aufgelöst, so dass sich in dem Rundbau ein Uniformschneider einmieten konnte. 1955 war der Gartenpavillon so baufällig geworden, dass man ihn für eine Wohnbebauung abriss. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde die Kalkbrennerei der Steppichs/Langenmaiers zerstört und so führte die Familie den Franzosenhof als Bauernhof weiter.

1998 war der Franzosenhof in äußerst schlechtem Zustand. Dennoch „entdeckte“ Georg Brandl im Oktober des Jahres den Bau und ermittelte eine Erbengemeinschaft als damalige Eigentümerin des Anwesens. Sie konnte und wollte den ehemals so prachtvollen Bau nicht erhalten, so dass er akut gefährdet war. Die Familie Brandl kauften das Gebäude im Dezember 1998 und begannen mit den Sanierungsarbeiten. Der Franzosenhof wurde Heim für die Familie, Sitz der Firma Delta Wohnbau GmbH? und 2002 zog in die Remise die Firma Motiv Management? und richtete darin Büros und Seminarräume ein.

Im Januar 2002 wurde die Sanierung durch eine Urkunde und Förderung aus dem Friedrich-Prinz-Fond? ausgezeichnet.

Um 2010 produzierte die Bekleidungsfirma manomama im Franzosenhof Textilien.

Details

So, wie die Reste des Anwesens Franzosenhof heute erhalten sind, gehen sie auf den Bauzustand um 1810 zurück. Zum Beispiel ein verschindeltes Treppenhaus, das sich rückseitig als selbständiger Baukörper abzeichnet. Nur im östlichen Eingangsbereich ist das Herrenhaus durch eine einschiffige Tonne unterkellert. Ein Aquarell von Thomas Weber? aus dem Jahr 1818 zeigt, dass sich das Herrenhaus bis heute fast unverändert erhielt. Allerdings müssen damals die verputzten Schmalseiten des Mansardgeschosses durch Schindeln verblendet gewesen sein. Und auch die beiden abgebildeten Kamine mit ihren großen Köpfen sind den Zeitläufen zum Opfer gefallen. Und: Damals betrat man das Herrenhaus im Osten noch durch einen schönen Obstgarten.

Insgesamt hat der Franzosenhof in Augsburg eine Wohnfläche von 500 Quadratmetern bei einer Nutzfläche von 550 Quadratmetern. Das Grundstück weist 2.200 Quadratmeter, zwei Wohneinheiten und eine Gewerbeeinheit auf.

Im Franzosenhof Augsburg stehen Räumlichkeiten für unterschiedliche Zwecke zur Verfügung. Neben kleineren Büroräumen im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss lädt vor allem der große Saal im Dachgeschoss dazu ein, hier Veranstaltungen durchzuführen. Im Erdgeschoss steht optional eine Cafébar bzw. ein Speiseraum zur Verfügung. Hier können Workshops, Kurse, Tagungen, Vorträge und Geschäftstreffen stattfinden. Neben Business-orientierten Veranstaltungen bieten sich die vorhandenen Räume auch für künstlerisch- und bildungsmotivierte Vorhaben an (z.B. Lesungen, Dia-Vorträge oder Ausstellungen) an. Büroräume und Arbeitsplätze sind auch für Kurzzeitmieter nutzbar (tageweise, wochenweise oder monatsweise Anmietung).

Die Gebäude des Franzosenhofs umschlossen hufeisenförmig einen geräumigen Hof. Es gab früher neben dem Herrenhaus, der Remise und dem Gesindehaus noch verschiedene Stallungen, einen Stadel mit Walmdach, ein Wasch- und ein Schlachthaus. Das, was von dem Franzosenhof übrig ist, steht wie viele andere Bauwerke in Kriegshaber unter Denkmalschutz?.

Heute sind leider viele Gebäude und der Weiher verschwunden.

Adresse

Vermietungen Franzosenhof durch:
Georg Brandl
Ramsbergstraße? 19
86156 Augsburg

Tel. 0821/4557780
E-Mail: info(@)franzosenhof.de


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