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Fest des Krönens

ein ehemaliges Augsburger Schulfest, an dem Lehrer und Schüler teilnahmen

Allgemein

Beim ursprünglichen Fest des Krönens an der Augsburger Domschule? überreichte der Domscholaster? jedes Jahr am Pfingstfest dem ältesten Pfründner? des Domkapitels? eine "Krone". Diese Krone war ein aus Blumen geflochtener Kranz. Nach der Krönung folgte ein Umzug der Domschüler. Ihnen voraus ging der bekrönte Domherr, indem er den Kranz mit beiden Händen voraustrug und Geld unter die Anwesenden verteilen ließ.

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Ramon Casas i Carbó [Public domain], via Wikimedia Commons

Geschichte

Das Fest des Krönens wurde wohl im ausgehenden Mittelalter zum ersten Mal an der Augsburger Domschule? gefeiert.

Auch am späteren protestantischen Gymnasium bei Sankt Anna hielt der Brauch des Krönens Einzug, wie wir aus einem Diarium der Schule von 1648 erfahren. Darin wird geschildert, wie der damalige Gymnasiallehrer Tobias Kriegsdorffer von seinen Schülern gekrönt wurde. Für die Unkosten des ausgiebig gefeierten Festes kamen damals die Eltern der Schüler auf.

Danach fehlen uns etwa hundert Jahre Überlieferung. 1768 berichtet "Das Augspurgische Jahr einmal", eine Schrift, die jährliche Veranstaltungen in Augsburg auflistete, für den Mai über das Krönungsfest. Unsicher ist jedoch, ob das Fest nur an Augsburger Gymnasien oder auch deutschen Schulen? gefeiert wurde.

Im 18. Jahrhundert wurde das "Krönen" auf die Augsburger Elementarschulen übertragen.

Aus der Zeit um 1800 ist uns eine Gehaltsaufstellung protestantischer Augsburger Schulhalter erhalten, in der wieder vom Fest des Krönens die Rede ist. Für die Schulordnung von 1803 ist das Krönungsfest eine alte Augsburger Gewohnheit. Es heißt dort: "Auch soll es, wie bisher, bei der alten Gewohnheit des Krönens und der Rüthen, zu einiger Verbesserung ihrer Einkünfte, sein Verbleiben haben."

1864 erwähnt Anton Birlinger in seinem Schwäbisch-Augsburgischen Wörterbuch den Krönungsbrauch bei den Protestanten, wo er etwa drei Wochen vor dem Rüthenfest im Juli eines Jahres stattfand. Er schildert zunächst einen Gottesdienst, nach dem sich die Schüler im Schulzimmer aufgestellt und den Lehrer nach seiner Rückkehr aus dem Gottesdienst mit breiten Bändern umwickelt und mit einem Kranz bekrönt haben. Die Kinder machten dann der Lehrerfamilie Geld- und Naturaliengeschenke, bevor gemeinsam gefeiert wurde. Als Abschluss machte man einen gemeinsamen Spaziergang am Nachmittag.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verlieren sich die Spuren des Augsburger Krönungsfestes und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Fest ganz verloren gegangen.

Details

Das Fest des Krönens sollte den Lehrer bzw. Schulhalter für seine Arbeit ehren und auszeichnen. In seinen letzten Jahrhunderten bildete es eine wichtige Einnahmequelle für Augsburger Pädagogen, wie Aufstellungen der Gesamteinkünfte von Augsburger Lehrern ergeben. Oft waren die von den Kindern von ihren Eltern mitgebrachten Geld- und Naturaliengeschenke recht erheblich und bildeten einen festen Posten in der Einkünfterechnung von Lehrern.

Weblinks


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