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Feldgeschworene

in Franken?Siebener“ genannt; auch in Augsburg tätig

Allgemein

Feldgeschworene gibt es neben Bayern auch in Rheinland-Pfalz und teilweise in Thüringen. Ihre Aufgabe ist die Mitwirkung an der Kennzeichnung von Grundstücksgrenzen. Sie arbeiten mit den Vermessungsämtern zusammen und setzen z. B. Grenzsteine in die richtige Position oder wechseln beschädigte Grenzsteine aus.

Feldgeschworene haben keine Vermessungsaufgaben. Diese werden von Beamten der Vermessungsämter oder von öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren wahrgenommen. Diese orientieren sich nicht an Grenzsteinen, die verschoben werden können, sondern allein dem Vermessungszahlenwerk und den daraus bestimmten Koordinaten.

Geschichte

Das Amt des Feldgeschworenen ist das älteste noch erhaltene Ehrenamt der kommunalen Selbstverwaltung in Bayern und entstand im im 13. Jahrhundert in Franken?, als dortige Gerichte erkannten, dass vor Ort Ansprechpartner in den einzelnen Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisten.

Von 1572 bis 1764 führte man in Frammersbach? im Spessart? ein so genanntes „Sechserbuch“, das eine wichtige historische Quelle zu den Feldgeschworenen darstellt.

Erst 1868 hat man das Amt auf ganz Bayern ausgedehnt.

1900 nahm das Abmarkungsgesetz den Feldgeschworenen das Recht Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen und unterstellte sie den Vermessungsämtern.

In den 1970er Jahren gab es Bestrebungen, die Feldgeschworenen abzuschaffen, doch kämpften Landtagsabgeordnete aus Unterfranken? für den Erhalt des Ehrenamtes. Noch bis Anfang der 1980er Jahre waren ausschließlich Männer Feldgeschworene.

Abmarkungsgesetz (AbmG) vom 6. August 1981 sind heute Details für die etwa 20.000 bayerischen Feldgeschworenen geregelt.

Ende 2010 führte die Stadt Augsburg auf eine Anregung des Vermessungsamts Augsburg erstmals Feldgeschworene im Stadtgebiet ein. Man legte fest, dass sieben Bürger aus den Augsburger Stadtteilen das staatliche Vermessungsamt Augsburg bei der Abmarkung der Grundstücke unterstützen sollte und vereidigte die ersten Feldgeschworenen auf Stadtgebiet feierlich im Fürstenzimmer des Rathauses.

2011 fand im Vermessungsamt Augsburg die erste Feldgeschworenentagung in der Region Augsburg statt, zu der etwa 100 Feldgeschworene und 30 Bürgermeister kamen.

Im Amtsbezirk des Vermessungsamts Augsburg gibt es heute etwa 200 Feldgeschworene.

Details

Die Feldgeschworenen sind für die Beschaffung des Abmarkungsmaterials und die Bereitstellung des Grabwerkzeugs verantwortlich. Manche pflegen das so genannte Siebenergeheimnis – vor allem in Franken?. Mit geheimen Zeichen und Markierungen wird der Punkt des zu setzenden Grenzzeichens gekennzeichnet. In einer Dienstordnung von 1868 ist dazu zu lesen: „Die Wahl der zum Belegen der Grenzsteine zu verwendenden Gegenstände ist dem Ermessen der Feldgeschworenen anheim gegeben, welche hierüber das strengste Stillschweigen zu beobachten haben. Gemäß dem abgelegten Eid haben sie das Geheimnis lebenslang zu bewahren.“ Außerdem geloben die Feldgeschworenen bei ihrer Verpflichtung in einer Eidesformel Verfassungstreue, Unparteilichkeit und Verschwiegenheit.

Der Begriff „Siebener“ rührt daher, dass früher eine Gruppe von sieben Personen in einer Gemeinde zur Regelung und Bestimmung von Grundstücksgrenzen eingerichtet wurde. Heute reicht eine Mindestzahl von vier Personen.

Selbst in Zeiten der Satellitenvermessung sind Feldgeschworene unentbehrlich, denn sie übernehmen die Mittlerrolle zwischen dem Vermessungsamt und den Bürgern und genießen dadurch besonderes Vertrauen. In begrenztem Umfang können Feldgeschworene selbständig tätig zu werden, etwa wenn sie von Eigentümern zur Sicherung oder Erneuerung eines Grenzzeichens bestellt werden. Bei Unstimmigkeiten haben sie aber keine Entscheidungsbefugnisse.

Wenn es der 1. Bürgermeister anordnet, werden von den Feldgeschworenen Grenzbegehungen durchgeführt, die auf die Erhaltung und Sichtbarkeit der Grenzzeichen, insbesondere an den Gemeindegrenzen hinwirken sollen.

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