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Färberturm

ein historisches Zeugnis der Augsburger Kattunmanufakturen

Allgemeines

Früher, zu Zeiten des Booms der Textilindustrie hatte Augsburg viele Färbertürme. Heute existiert nur noch dieser etwa 17 Meter hohe Turm auf dem ehemaligen Gelände der Augsburger Kammgarnspinnerei. Wie das ehemalige AKS-Areal gehörte er zuletzt der Fuldaer Schäfflerbachstraße Grundbesitz GmbH, die das Gelände entwickelte. Er liegt an der Schaefflerbachstraße? und hat eine eigene Straßenbezeichnung Am Färberturm.

Der Augsburger Färberturm ist ein wichtiges Denkmal handwerklicher Tuchbearbeitung und eine das Textilviertel aufwertende Nachnutzung als Sitz eines Vereins und offenen Treffpunkts. Vor allem die ehemalige Bürgermeisterin? Eva Leipprand setzkte sich immer wieder persönlich für den Färberturm und die Identitätsentwicklung im Textilviertel ein.

Geschichte

Errichtet wurde der Färberturm um 1760. 1763 kaufte Georg Jacob Koepf? das Gelände mit dem Färberturm und aus dem Jahr 1771 ist eine Zeichnung des Turms und Geländes von Lorenz Rugendas? erhalten.

1772 ging der Färberturm in den Besitz Johann Heinrich Schüles? über, der das Gelände als "Obere Bleiche" kaufte, dann auch in den der Kattundruckerei Mathias Schüle?, ab 1836 gehörte der Färberturm wohl der Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG. Das Gelände, auf dem der Färberturm steht, nannte man zu diesem Zeitpunkt "Zitz-Bleich". Von "Bleichen" sprachen die Augsburger damals, wenn sie Freiflächen vor den Toren der Stadt bezeichnen wollten, auf denen Kattune getrocknet werden konnten. Allerdings ist nicht ganz sicher, ob der Begründer der AKS, Friedrich Merz?, damals wirklich den heute noch stehenden und 1809 von Hörman noch einmal gezeichneten Färberturm kaufte, denn auf einem Stadtplan des Jahres 1832 von F. X. Kusterer ist eine "Schülesche Bleich" am Malvasierbach, also im Norden Augsburgs eingezeichnet.

Die Ablösung des natürlichen Trocknens bedruckter Kattunstoffe begann in großem Stil etwa um 1840. Das natürliche Trockenen hatte nämlich mehrere Nachteile. Zum einen war man von der Witterung abhängig: Bei Regen und in ungünstigen Jahreszeiten konnte nicht im Freien getrocknet werden. Zum anderen schrumpften die zum Trocknen ausgehängten Tücher durch die Sonnenstrahlen. So war es verständlich, dass sich ein in Frankreich erfundenes industrielles Trocknungsverfahren durchsetzte. Johann Gottfried Dingler hatte es schon 1818 in seinem "Magazin für die Druck-Färbe- und Bleichkunst", das in Augsburg erschien, beschrieben und propagiert. Man errichtete jetzt Trockenhäuser, die mit Öfen beheizt wurden und ein raffiniertes Lüftungssystem hatten.

Ab 1850 nutzte man deshalb den überflüssig gewordenen Färberturm als Pferdestall und Lagerraum, später lange als Ziegenstall, bevor man seine historische Bedeutung würdigte. Es kam also zu vielfältigen Nutzungen und Nutzungsänderungen, wodurch der Bau aber nur unwesentlich in seiner Substanz verändert wurde.

Im Mai 2012 brannte der Färberturm in der Schäfflerbachstraße?. Dabei brannten nur Balken im Dachstuhl des Gebäudes, das denkmalgeschützt ist, weshalb der Schaden gering blieb.

Im Juli 2013 beschloss der Augsburger Bauausschuss? den Färberturm zu sanieren und der Bürgeraktion Textilviertel? zu überlassen, damit im Turm ein Bürgerhaus entstehen kann. Damit bekam auch der Verein Bürgeraktion Textilviertel? selbst ein Zuhause. Man wollte damals im Färberturm vor allem textiles Brauchtum pflegen, hatte der Verein doch eine Untergruppe namens "Die Augsburger Textilmotten", die sich im Turm zu Handarbeiten treffen und auch handarbeitliche Kurse anbieten wollten. Auch Vorträge zum Textilviertel und eine kleine Ausstellung zum Thema Industriearchitektur waren geplant. Um die Pläne zu realisieren, überließ der AKS -Investor, der keine Verwendung für das Gebäude hatte, den Färberturm der Stadt Augsburg.

2015 wurde bekannt, dass die Sanierung vollständig aus Fördermitteln und aus zweckgebundenen Investorenleistungen finanziert werden konnte und damit den städtischen Haushalt nicht belastete. Das Sanierungskonzept sah vor, die historische Substanz von 1795 wieder neu zu präsentieren und die neuen Räume in einem innerhalb des Turms platzierten Kubus zu verpacken. Durch die Treppen im Turm sollte das Historische erlebbar und auf sinnvolle Weise mit dem Modernen verbunden werden. Die Bürgeraktion Textilviertel? als zukünftige neue Hausherrin sollte damit ein multifunktional nutzbares Kleinod für die Vereinsarbeit bekommen. Das neue Raumkonzept sollte auch eine Nutzung durch Dritte zulassen und einen neuen Veranstaltungsort im Viertel schaffen. Über der Vereinsebene sollte ein Multifunktionsraum geschaffen werden, der für textil-bezogene soziale und kulturelle Aktivitäten wie Ausstellungen, Lesenachmittage oder Vorträge genutzt werden sollte. Die darüber liegende Ebene wollte einen Blick aufs Turminnere bieten, aber durch die Fenster auch auf das umgebende Textilviertel.

Details

Der Färberturm hat einen rechteckig gemauerten Sockel mit einem zweigeschossigen Holzaufbau, darüber ein Walmdach. Unterhalb des Giebels verliefen auf jeder Seite des damals unverbretterten Färberturms horizontale Holzstangen, um die gerade in den Kattundruckereien bedruckten Textilien hier zum Trocknen aufzuhängen. Die Originalkonstruktion des Färberturms ist noch als vorindustrielle Technologie zu sehen.

Über dem abschließenden Galeriegeschoss steht das Dach stark über. Der rechteckige Grundriss hat in etwa die Maße 10 x 7 Meter. Zuunterst befindet sich ein etwa 2,5 Meter hoher Sockel. Darauf ruht eine nach außen verbreiterte Zimmermannskonstruktion, in der kleine Luken für Licht und Luft sorgen, auch in dem südlichen einläufigen Treppenhaus.

Wie schon geschrieben war das Galeriegeschoss früher offen und die Färber konnten ihre zu trocknenden Stoffbahnen über Stangen hängen, die durch Konsolen gestützt waren. Früher waren im Inneren Zwischengeschosse, in denen man diverse Gegenstände lagerte.

Lage


Weblinks


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