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Fabrikschloss

eine ehemalige Produktionsstätte der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg; Werk III – "Proviantbach"; eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Bayerns

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Augsburger Fabrikschloss im Januar 2015 - (©) by Martin Wolf

Allgemeines

Geht man die Reichenbergerstraße? entlang, sieht man schon von weitem des so genannte "Fabrikschloss", das heute von verschiedenen Gewerben und als Bürogebäude genutzt wird. Ehemals war es eine Textilproduktionsstätte der Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg, die das Fabrikschloss als eines ihrer vier Werke in Augsburg betrieb. Wer vor dem Gebäude steht, kann sich schnell denken, warum diese Fabrik von den Augsburgern Fabrikschloss genannt wurde. Ihre wilhelminische Bauweise lässt das ehemalige Spinnereigebäude wie ein Schloss wirken. Man sieht dem Augsburger Fabrikschloss an, dass sich hier der Stolz auf den technischen Fortschritt und die eigene Leistungsfähigkeit in aufwendiger Architektur manifestiert. Der Eisenbetonbau mit seinen drei markanten Ecktürmen hat eine Fassade aus rot-gelben Blankziegeln, deren weiten Fensterflächen durch Lisenen und Gesimse gegliedert und von Balustraden gekrönt werden. Beim Fabrikschloss handelt es sich um einen Ziegelbau mit einem Sockelgeschoss und drei Stockwerken. Die drei Ecktürme überragen die vier Geschosse. Neben der Nutzung von Dampfkraft lieferte hauptsächlich die Wasserkraft die benötigte Energie von bis zu 400 kW.

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Das Fabrikschloss wartet mit hohen Räumen, prächtigen Fenstern und sichtbaren genieteten Stahlstützen und –trägern auf. So wirken die Innenräume heute wie Lofts.

Auf der Südseite des Fabrikschlosses liegt das so genannte Batteurgebäude. Es wurde gleichzeitig mit dem Fabrikschloss gebaut und entspricht ihm im Baustil und Charakter. Ein Batteurgebäude diente der Vorbereitung der Baumwolle zur Bearbeitung. Zunächst öffnete man die Baumwolle mit dem "Wolf", dann wurde sie im so genannten Batteur verwirbelt und geschlagen, um die eigentliche Baumwolle von ihren Verunreinigungen zu trennen. Im Erdgeschoss des Batteurgebäudes befindet sich heute eine Vinothek, in den beiden oberen Etagen das Trainingszentrum von Kieser?. Von den ehemals vorhandenen Weberei-Flachbauten in ähnlicher Architektur ist nichts mehr erhalten. Erhalten sind heute nur noch Teile des ehemaligen Fabrikgebäudes und des ehemaligen Wohnquartiers (Proviantbach-Quartier?).

Die Bezeichnung "Fabrikschloss" geht nicht auf die Beschäftigten der Werksanlage zurück. Diese sprachen nur vom "Werk Proviantbach" oder vom "Werk III". Die Bezeichnung wurde zuerst von Historikern oder Architekten in ihren entsprechenden Publikationen benutzt und bürgerte sich nach dem Niedergang der Augsburger Textilindustrie? ein.

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Geschichte

Bevor das Fabrikschloss gebaut wurde, hatte die Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg an dieser Stelle schon 1877/83 eine Weberei in Betrieb genommen. Zunächst errichtete das Schweizer Architekturbüro Séquin & Knobel mit Hilfe der Augsburger Baufirma Thormann & Stiefel (thosti)? daneben 1895/98 eine weitere Weberei für 640 Webstühle. Architekt war Carl Arnold Séquin-Bronner, der nach manchen Quellen in der Firma Thormann & Stiefel (thosti)? gearbeitet haben soll. Mit dem Neubau war die Weberei zum größten Websaal Deutschlands geworden. Gleichzeitig errichteten die genannten Firmen einen Spinnereihochbau für über 42.000 Spindeln, das so genannte Fabrikschloss (Werk III). Auch hier begannen die Planungen 1895. Um den hohen Spinnereibau erstellen zu können, musste Thormann & Stiefel (thosti)? italienische Maurer als Streikbrecher anheuern, weil um die Jahrhundertwende in Augsburg ein großer Maurerstreik herrschte.

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Bis 1942 stand auf dem Gelände von Werk III noch eine Hausmeisterei, ein mehrstöckiges Gebäude, in dem sogar ein Turnsaal und eine Kantine untergebracht waren.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Websäle zerstört. Erst Mitte der 1960er Jahre baute man sie teilweise wieder auf. 1988 erlaubte die Stadt Augsburg vor der Ostfassade des Fabrikschlosses den Bau eines Einkaufszentrums, das die Gesamtwirkung des Industriedenkmals stark beeinträchtigte. In den 1980er/90er Jahren verdiente der damalige Eigentümer des Augsburger Fabrikschlosses sein Geld mit der Unterbringung von Asylanten?, die er auf einer Etage der Fabrik zusammenpferchte. Denn die Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg, ehemals das bedeutendste Textilunternehmen Süddeutschlands? musste 1989 Konkurs anmelden.

1994 umzäunte man das Gelände des Fabrikschlosses und ließ die darin untergebrachten Asylbewerber von einem privaten Wachdienst beaufsichtigen. Besucher der Asylbewerber wurden dazu gezwungen, sich mit ihrem Ausweis identifizieren zu lassen und mussten einen Besuchsgrund angeben, um eingelassen zu werden. Auch auf angrenzendem Gelände brachte man Asylbewerber unter: Container dienten als Unterkunft, etwa 12 Quadratmeter wurden mit zwei bis vier Menschen belegt, die Container wie das Fabrikschloss umzäunt. Die hygienischen Verhältnisse wurden von Asylbefürwortern immer wieder kritisiert. Ursprünglich war das Fabrikschloss nur als Provisorium für die Asylbewerber geplant, doch zog sich die Unterbringung hier bis 1997 hin.

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Zum Teil wurden die Asylbewerber nach der Schließung des Fabrikschlosses als Unterkunft in den Gebäuden Proviantbachstraße 15 und 17 und einer neuen Unterkunft in der Flakkaserne? (Neusässer Straße 206) einquartiert. Dort konnten etwa 320 Asylbewerber und etwa 100 Aussiedler wohnen. Die hygienischen Verhältnisse waren hier zwar besser, doch wirkte der drehbare Durchgang mit Wärterhäuschen eher als Eingang zu einem Gefängnis denn als Zugang zu einer Flüchtlingsunterkunft.

1997 bekam der damals junge Architekt Dieter Rehberger den Auftrag zur Restaurierung des im Stil der Neo-Renaissance? erbauten Fabrikschlosses. 1997 bis 1999 wurde das Fabrikschloss grundlegend saniert und renoviert. Bei dieser Sanierung versuchte man die historische Bausubstanz mit allen charakteristischen Merkmalen und Details weitgehend zu erhalten. Dieter Rehberger entschied sich deshalb im Inneren Eisenträger sichtbar zu lassen, neue Versorgungsleitungen über Putz zu legen und Parkettfußböden einzulassen statt zu versiegeln.

Im Frühjahr 1998 wurde westlich des Fabrikschlosses ein Obi-Baumarkt? errichtet, dem im Osten der 1999 eröffnete Großmarkt Real folgte. Nicht verschwiegen werden sollte, dass in den beiden Jahren u. a. die Shedhallen des Fabrikschlosses abgerissen wurden. 2005 eröffnete Boesner im Fabrikschloss eine Direktverkaufsfläche von 2700 Quadratmeter. Im September 2013 mussten 20 regionale Bands ihre Probenräume im Fabrikschloss aufgeben, weshalb sie eine Petition für mehr Bandübungsräume an die Stadt Augsburg übergaben.

Details

Der Bau des Fabrikschlosses wirkt sehr einheitlich. Die Ziegelfassadengliederung mit den geschosshohen Fenstern hat eine klassische Wirkung, wozu die Lisenengliederung nicht wenig beiträgt. Interessant ist die unterschiedliche Anordnung der verschiedenfarbigen Ziegel und des verwendeten Natursteins. An den Fenstern hat man die roten Ziegel z. B. radial angeordnet und so für eine besondere Licht- und Schattenwirkung gesorgt. Aber auch an anderen Stellen des Gebäudes betonen rotgebrannte Ziegeln bestimmte Architekturglieder.

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Wo der Beton zu sehen ist, weil er die Baumassen verklammert, hat man ihn handwerklich scharriert. Die glatte Betonoberfläche wurde mit einem Scharriereisen (Flachmeißel) gleichmäßig und parallel aufgeschlagen, wodurch eine linienartige Struktur entstand, die der Oberfläche Tiefe und Profil gibt.

Leider ist heute kaum mehr eine freie Sicht auf das bedeutende Industriedenkmal möglich. Zusätzlich verhunzen Werbewände, Tafeln und Großparkplätze rund um das Fabrikschloss den verbliebenen Anblick.

Im Süden steht das Batteurgebäude heute einzeln und wie ein Block. Nördlich des über einem hakenförmigen Grundriss errichteten Fabrikschloss-Hauptgebäudes lagen früher die eingeschossigen Weberei-Shedbauten. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten verschiedene An- und Umbauten dazu, dass der bauliche und stilistische Zusammenhang nicht mehr klar erkennbar war. Heute gibt es die Shedbauten nicht mehr.

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Die offene Vierflügelanlage auf ihrem unregelmäßigen Grundriss hat über einem niedrigen Sockelgeschoss drei Hauptgeschosse in Eisenbetonkonstruktion, die mit Blankziegeln verblendet wurde. Die hohen Geschosse werden von gebündelten Hallenfenstern regelmäßig durchbrochen, begleitet von pfeilerartigen Lisenen und verkröpften Gesimsbändern. Die Fenster wirken wie Fensterwände, da sie kaum Platz für das Mauerwerk lassen. Abgeschlossen werden sie oben durch ein Konsolgebälk, eine Blendbalustrade und ein Flachdach.

Während die Südseitenflanke des Fabrikschlosses schmal ist, erstreckt sich die Ostflanke auf einer längeren Distanz. Drei Treppenhaustürme sorgen für Akzente. Jeder hat ein Attikagschoss mit vertieften Kompartimenten und Fensterformen, die auf die Augsburger Bautradition zurückgehen.

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Im Westen des Fabrikschlosses liegt das freistehende Turbinenhaus am Proviantbach (Proviantbachstraße 30).

Vermarktet wird das Fabrikschloss heute vom Fachmarktzentrum Proviantbach GdbR, Untere Jakobermauer? 11, Tel. 0821/502570, Fax. 0821/5025730. Diese Firma vermietet und verpachtet Flächen von 500 bis 1200 Quadratmeter, insgesamt 45000 Quadratmeter, die als Büros, für Einzel- und Großhandel, Dienstleistungen und gemischte Büro- und Gewerbeflächen verwendbar sind.

Adresse

Proviantbachstraße 70


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