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Evangelische Heilig-Kreuz-Kirche

eine evangelische Kirche in Augsburg, die neben ihrem katholischen Gegenpart steht und der erste protestantische Kirchenbau in Augsburg war

Augsburg Ichnographicae Alte Ev Kreuzkirche
Die alte Evangelische Creutz-Kirche mit der darbey stehenden Catholischen Kirchen, aus: J. J. Kraus: Ichnographicae atque scenographicae delineationes templi Cruciani Evangelici Augustani. Das ist: Wahre und eigentliche Abbildung der alten Evangelischen Kirchen zum H. Creutz in Augsburg ..., wie auch der heutigen auf den alten Platz weit herrlicher und schöner neu-erbauten Evangelischen Kirchen. Zum andernmahl aufgelegt und vermehret und von M. S. H. mit wohlgefaßten Versen gezieret. Anjezo aber auf ein neues mit viel Sinnbilder außgezieret worden durch Johann Ulrich Kraußen. Augsburg 1703; von Unbekannt (Zisska & Schauer) [Public domain], via Wikimedia Commons

Allgemeines

Augsb Evang Heilig Kreuz Suedseite
Augsburg, Evangelische Heilig-Kreuz-Kirche, Südseite 2010; von Alois Wüst (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Die evangelische Kirche Heilig Kreuz ist die einzige Augsburger Kirche, die einen trapezförmigen Grundriss hat. Völlig untypisch für eine evangelische Kirche ist ihre schmuckvolle Ausstattung. Die Giebelfassade grüßt den Eintretenden mit Voluten und einem dominierenden Giebelreiter über drei Geschoßen und drei Portalen.

Betritt der Besucher die Kirche, steht er in einem hohen Saal mit Emporen, einer Kassettendecke und einem nach Westen gerichteten Chor. Kunsthistoriker sind der Meinung, dass Chor und Orgelempore die Fuggerkapelle von Sankt Anna in barocker Weise spiegeln.

An der Nordwandseite der Kirche ist das Werk "Taufe Christi" von Jacopo Tintoretto erhalten. Wann es Tintoretto schuf, ist unsicher. Möglicherweise wurde es von einem Schüler vollendet.

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Innenansicht der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche Augsburg 2009. By Otto Schemmel (Self-photographed) [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche ist auch heute noch für viele Menschen ein geistliches Zuhause ist. Die reiche künstlerische Ausstattung des Kirchenbaus fasziniert Besucher aus der ganzen Welt und die von Fachleuten gerühmte Akustik macht das Gotteshaus über das ganze Jahr zu einem Konzertraum nationaler und internationaler Künstler.

Geschichte

1143 errichteten die Augsburger an der Stelle der heutigen evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche ein Spital, das eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Kreuzes besaß. In den Jahren 1159/60 übertrug der Augsburger Bischof Konrad von Hirscheck? die Kapelle und das Spital den Augustiner-Chorherren?, die aus Hammel? bei Augsburg kamen. Aus deren Klosterkirche entwickelte sich die heutige Katholische Heilig-Kreuz-Kirche. An der Stelle der heutigen evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche in Augsburg stand die Sankt-Ottmar-Kapelle?. Sie ging auf das Jahr 1210 zurück und diente zunächst als Friedhofskapelle auf dem Klostergelände. Ursprünglich trug sie den Namen Katharinenkapelle, wurde als Leutekirche im Pfarrhof benutzt und irgendwann in Sankt-Ottmar-Kapelle? umbenannt. 1445/50 errichtete man an ihrer Stelle einen Neubau. Jetzt trug die Kirche offiziell den Namen Sankt-Ottmar-Kapelle?. Sie diente dem Stift als Predigthaus.

1511 besuchte Martin Luther auf der Rückreise von Rom das Kloster der Augustiner-Chorherren? und als er 1518 mit Kardinal Cajetan in Augsburg sprach, übernachtete er zeitweise in dem Augustiner-Chorherrenstift?. Das sind zwei Gründe, die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche zu den Augsburger Lutherstätten zu zählen.

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Evangelische Heilig-Kreuz-Kirche Innenansicht mit Blick auf den Ausgang 2003; von Richard Mayer (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

1525 wollten die evangelisch gewordenen Bürger? Augsburgs neben der katholischen Kirche von Heilig Kreuz ein eigenes Gotteshaus. Daraufhin teilte ihnen der Stadtrat zunächst die ehemalige Ottmarskapelle? zu, die man schon bald in "Heilig Kreuz" umbenannte. In ihr hielt man reformierte Sonntagsgottesdienste. 1561 verzichtete das Augustiner-Chorherren? -Stift bei Katholisch Heilig Kreuz auf seine früheren Rechte, woraufhin die Protestanten die übernommene Kapelle erweiterten.

Das Restitutionsedikt? führte dazu, dass am 8. August 1629 die Augsburger Protestanten wieder aus ihren Kirchen vertrieben wurden und evangelisch Heilig Kreuz sogar 1630 unter dem damaligen Probst der Augustiner-Chorherren? abgerissen wurde. Bis 1653 besaßen die evangelischen Gemeindemitglieder nun keine eigene Kirche mehr.

Im Dreißigjährigen Krieg wendete sich das Blatt, als Gustav Adolf? mit seinen Truppen in Augsburg einzog. Die Protestanten bekamen ihre Gotteshäuser wieder. Für die ehemalige Ottmarskapelle? erhielten sie die Katholische Heilig-Kreuz-Kirche. Allerdings räumten die Schweden? 1635 Augsburg wieder, nachdem Gustav Adolf? 1632 gefallen war. Jetzt zogen wieder die kaiserlichen Truppen in Augsburg ein und diese vertrieben die Protestanten erneut aus der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche. 1648 erhielten die Augsburger Protestanten das Gelände zurück, auf dem sich zuvor ihre Gemeindekirche befand.

Dieses ständige Hin und Her nervte den damaligen evangelischen Pfarrer Thomas Hopfer? (1618 - 1678) so sehr, dass er 1648 eine Bettelreise durch ganz Europa unternahm und Geld für einen evangelischen Neubau von Heilig Kreuz sammelte. Unter anderem spendeten der dänische König Friedrich III. von Dänemark und andere evangelische Adlige und hochgestellte Personen für die Augsburger Kirche. Die schwedische Königin Christine, die Tochter von König Gustav Adolf II., der 1632 Augsburg einnahm, spendete 5.000 Gulden aus ihrem Privatvermögen.

In den Jahren 1652/53 erichtete der Kistler? Johann Jakob (I) Krauss? den Neubau. Er schuf eine freihängende bemalte Holzkassettendecke, die für den saalartigen Charakter der Kirche sorgt. Diese evangelische Heilig-Kreuz-Kirche konnte am 24. Oktober 1653 als typisch evangelische Predigtkirche eingeweiht werden und steht bis heute.

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Evangelische Hl.-Kreuz-Kirche Augsburg 2006. By User:Recla M? (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

1703 überstand Evangelisch Heilig Kreuz unbeschadet das Bombardement der französisch-bayerischen Belagerer im Spanischen Erbfolgekrieg.

Nach der Säkularisation diente die Kirche Evangelisch Heilig-Kreuz zunächst ab 1805 als Lager für kaiserlich-österreichische Kriegsgefangene. Sogar Lagerfeuer sollen in dieser Zeit in der Kirche entfacht worden sein, weil die Gefangenen bei winterlichen Temperaturen froren. Ab dem 9. Oktober 1805 hatten Napoleons Soldaten etwa 1.200 österreichische Kriegsgefangene in evangelisch Heilig Kreuz eingesperrt. Zur Erinnerung an dieses Ereignis enthüllte man in evangelisch Heilig Kreuz am Vorabend des Friedensfestes 2015 eine einfache Gedenktafel. An der Enthüllungszeremonie nahm der Urenkel des österreichischen Kaisers Franz Josef I., Erzherzog Markus Habsburg-Lothringen, teil. Die Gedenktafel, eine Stiftung der Heiligkreuzlerin Friederike Walter, wurde am Aufgang zur Empore angebracht. Nach der Gefangenenunterbringung nutzte man den Bau bis 1814 als Heu- und Strohmagazin, erst dann wieder als Kirche. Erstaunlich, dass die Kirche diese Zeiten relativ unbeschadet überstand.

1814 wurde Evangelisch Heilig Kreuz eine Filialkirche von Sankt Anna, doch stellte man die selbständige Pfarrei Heilig Kreuz schon 1840 wieder her. 1873 feierten die Protestanten von Heilig Kreuz am 18. Juli den ersten Augsburger Kindergottesdienst.

1938 erhielt die heutige Heilig-Kreuz-Straße ihren Namen nach der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche.

In der Bombennacht im Februar 1944 konnte die Kirche durch das mutige Eingreifen von Pfarrer Friedrich Westermayer und Diakon Oskar Irrgang gerettet werden.

1955 hatte die Pfarrei zwei Pfarrstellen und Ende 1997 zählte man fast 1.700 Gemeindemitglieder.

In den Jahren 1979 bis 1981 erfolgte eine grundlegende Renovierung der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche. Am 22. März 1992 konnte man die neue Rensch-Orgel einweihen und vom 30. September bis 26. Oktober 2003 feierte die Gemeinde das Kirchweihjubiläum unter dem Motto "350 Jahre Evangelisch-Lutherische Heilig-Kreuz-Kirche - eine europäische Friedenskirche".

Details

Das Kircheninnere

Augsburg Evangelisch Heilig Kreuz Orgel
Orgel in der Evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche Augsburg 2008; von Hans-Jörg Gemeinholzer (Eigenes Werk) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Die Orgel der evangelischen Heilig-Geist-Kirche ist ein Werk der Firma F. Steinmeyer aus Oettingen?. Ihr Gehäuse stammt aus den Jahren 1730/31. Über der Orgel ist das Hauptbild der Kirche zu sehen. Es stammt von Johann Georg Bergmüller, der es 1730 schuf, und stellt die Gaben des Heiligen Geistes dar: Glaube, Liebe und Hoffnung. Auch die weiteren Deckengemälde und der leichte Stuck stammen von Johann Georg Bergmüller.

Die Kirchenkanzel stammt von Ignaz Wilhelm Verhelst. Er griff dabei auf einen Entwurf von Johannes Esaias Nilson? aus dem Jahr 1762 zurück. Zu den Seiten der Kanzel sind zwei Gemälde angebracht, die Johann Heinrich Schönfeld? 1665 schuf. Neben diesen Werken sind weitere Gemäldeschätze aus dem 17. und 18. Jahrhundert in der Kirche aufbewahrt, etwa von den Künstlern Stephan Werner, Johann Heiss, Johannes Spillenberger, Ernst Philipp Thoman von Hagelstein oder Friedrich Sustris.

Die Kirche ist mit einer Kassettendecke und einem echten Tintoretto sowie vielen anderen bemerkenswerten Barockgemälden ausgestattet. So sollte man besonders die achtzehn Bilder der Empore beachten. Man schreibt diese Grisaillearbeiten und die Emporenbrüstung gewöhnlich dem Maler Matthäus Gundelach (1566 - 1654) zu, doch wurden sie möglicherweise von Matthias Strasser vollendet. In der Kirche fällt außerdem eine Wanduhr auf, die 1730 erneuert wurde.

Das Dach des Kirchenschiffs ist einmalig. Weil der Grundriss der Kirche die Form einer unregelmäßigen Raute hat, musste man beim Bau 1653 jeden Balken individuell herstellen. Außerdem hat man hier schon sehr früh Gewindeschrauben verwendet.

Evangelische Gemeinde Heilig-Kreuz

In der anonymen Großstadt Großstadt Augsburg versucht die Heilig-Kreuz-Gemeinde, eine klassische volkskirchlich geprägte Gemeinde zu sein. Das bedeutet: Hier schließen sich unterschiedliche Frömmigkeitsformen nicht aus, Alt und Jung begegnen einander.

Das Gemeindeleben reicht von regelmäßigen Kirchenführungen über Familiengottesdienste, ökumenische Kinderbibeltage, Familienfreizeiten, Konfirmationsjubiläen, Fünfzig-plus-Treffen, Bibelkreise bis hin zum jährlichen Glaubensprojekt für Erwachsene. Nicht zu vergessen die üblichen Gottesdienste. In Streitheim? besitzt die Gemeinde eine Waldhütte. Zweimal im Jahr geht es zu so genannten Erlebnisseminaren und zur Pflege des Grundstücks nach Streitheim? - zusätzlich gibt es in der warmen Jahreshälfte Streitheim-Wochenenden für Gemeindemitglieder.

Auch für Jugendliche und junge Erwachsene geschieht einiges in der Gemeinde: vom Impulsabend über Workshops bis hin zu Jugendgottesdiensten - und nicht zu vergessen die Konfirmandenarbeit.

Eine Spezialität der evangelischen Heilig-Kreuz-Gemeinde ist das breitgefächerte Konzertprogramm, das von klassischer Musik bis in den populären Bereich reicht. Das Orgelprospekt der alten Baur-Schmalorgel von 1730 lässt das Herz eines jeden Orgelfreundes höher schlagen. Dahinter verbirgt sich eine von Christhard Rensch 1992 gebaute Orgel, die sich stark an die ursprüngliche Disposition von Baur-Schmahl 1730 anlehnt. Eine wunderbare Ergänzung ist der 2010 hinzugekommene Zimbelstern. Hier veranstaltete Konzerte gehören zum festen Bestand der Augsburger Musikwelt. Wer selbst musikalisch aktiv werden will, hat mehrere Möglichkeiten:

  • Offenes Singen in Heilig Kreuz: Die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche war die erste Kirchengemeinde Augsburgs mit diesem besonderen musikalischen Angebot. Inspiriert vom „Offenen Singen“ der Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben, entwickelten Kantor Heinz Dannenbauer und Pfarrer Andreas G. Ratz ein ähnliches Konzept für Heilig Kreuz. Das offene Singen ist ein unverbindliches Angebot an alle Sangesfreudigen, gleich welcher Konfession oder Gemeinde. Ohne die Zwänge eines festen Chores und ohne Angst vor Auftritten werden vor allem geistliche und weltliche Volkslieder gesungen.
  • Singkreis: Er entstand aus dem ehemaligen Kirchenchor von Heilig Kreuz und Sankt Jakob und trifft sich einmal im Monat im Gemeindesaal. Auch wenn es sich um einen gewachsenen Kreis handelt, sind Interessierte herzlich eingeladen dazu zu stoßen.
  • Greg is back – Zuhause in Heilig Kreuz: Heilig Kreuz hat einen der angesagtesten A-Capella-Chöre Schwabens: „Greg is back“. Im Februar 2011 öffnete die Gemeinde die Türen ihres Gemeindesaals für das neue Chorprojekt des Chorleiters und Arrangeurs Martin Seiler?, vielen bekannt von Cash-n-go? oder der „Augsburger A-Capella Weihnacht“ in Heilig Kreuz.

Öffnungszeiten

  • Montag bis Freitag: 10.00 - 11.00 Uhr und 15.00 – 16.00 Uhr
  • Samstag: 10.00 – 11.00 Uhr und 14.00 – 16.00 Uhr
  • Sonntag: 8.00 – 11.00 Uhr und 14.00 –16.00 Uhr

Lage

Heilig-Kreuz-Straße 7


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