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Erste Nachkriegsjahre

Zerstörungen

In Augsburg endete der Krieg mit dem Einmarsch der Amerikaner am 28. April 1945. „Augsburg nach dem Krieg: eine traditionsreiche, alte Stadt scheint ausgelöscht, Ruinen und Trümmerhaufen bestimmen das Stadtbild, ganze Straßenzüge sind verschwunden, vertraute Umgebungen existieren nicht mehr. Über 800.000 Kubikmeter Trümmerschutt, so hatte das Stadtbauamt? errechnet, müssen 1947 noch beseitigt werden. Eine Trümmerbahn wird eingerichtet, Gleise mitten durch die Stadt gelegt. Lorenzüge bringen den Großteil des Schuttes zum nahe gelegenen Rosenauhang?. Die Trümmerbahn bleibt vielen Augsburgern im Gedächtnis. Sie ist ein Symbol für den Wiederaufbau, ein Zeichen dafür, dass es aufwärts geht. Das Rosenaustadion, das auf dem Bauschutt 1951 errichtet wird, gilt vielen noch heute als wichtiges Beispiel für den Wiederaufbauwillen in der Stadt. Die Sehnsucht nach dem Neuen bestimmt die Architektur der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre. Neubau statt Rekonstruktion ist das weit verbreitete Motto. So mancher Bau wirkt aus heutiger Sicht misslungen oder fragwürdig, aber die Sehnsucht nach dem Alten entsteht eben erst viel später. Man will die Schrecken des Krieges hinter sich lassen, die klaren Linien der neuen Bauten scheinen ein willkommener Ausdruck für den Blick nach vorn ins Überschaubare und Leichte. Die Wandlung der Trümmerlandschaft in eine wieder funktionierende Stadt wird begleitet von dem entstehenden Lebensgefühl der 50er Jahre. Eine neue Welt eröffnet sich, im Innern wie im Äußeren. Nur wenige suchen nach alten Verbindungslinien. Der Blick nach vorne bestimmt das Denken und das Handeln, der zunehmende Wohlstand suggeriert Sicherheit und Freiheit.“ (Aus dem Pressetext des BR-Pressedienstes zur Dokumentation von Bettina Stummeyer über den Wiederaufbau in Augsburg, 2005, mit dem Titel: „Wie die Trümmer verschwanden“.)

Zur Zeit der friedlichen Übergabe der Stadt Augsburg an die Amerikaner waren etwa 85.000 Menschen, d. h. 40 % der Augsburger Bevölkerung, obdachlos - etwa so viele Menschen, wie das Berliner Olympiastadion fasst.

Kriegsschäden in Augsburg am 28. April 1945
 Mittelschwere Schädenin %Schwere Schädenin %Totale Zerstörungin %Gesamtzerstörungin %
Gebäude820050,9500031,0  1320081,9
Wichtige Industriebetriebe2738,62332,9912,95984,4
Wohnungen3200061,8  1242324,04442385,8

Angesichts ähnlicher Zahlen in anderen Städten Deutschlands wurde oft die Frage gestellt, ob es sich überhaupt lohnte, eine so schwer zerstörte Stadt überhaupt wieder aufzubauen. In Augsburg allerdings kam diese Frage nie zur Geltung.

Entnazifizierung

Die Entnazifizierung war nichts spezifisch Augsburgerisches, in ganz Deutschland versuchte die Besatzungsmacht alles „Nationalsozialistische“ zu tilgen. Konkret bedeutete das z. B. das Entfernen von Hakenkreuzen an Gebäuden, die Vernichtung von Nazi-Fahnen oder die Umbenennung aller Dinge, die noch an die Hitler-Zeit erinnerten. Das betraf in erster Linie Straßen und Plätze. Schon im präsentiert, die das betraf. So wurde der „Adolf-Hitler-Platz“ wieder in Königsplatz umbenannt, der „Benito-Mussolini-Platz“ bekam den Namen Kaiserplatz?, der zukünftige Name der „Braunauer Straße“ lautete Kolbergstraße?, der „Braunauer Platz“ wurde zum Nettelbeck-Platz? oder die „Brucknerstraße“ zur Mendelsohn-Straße?. Auch Schulen benannte man neu. Die „Horst-Wessel-Schule“ hieß nun Hammerschmiedschule?, aus der Hans-Schemm-Schule wurde die Hallschule?, die Andreas-Weit-Schule wurde zur Fleischerfachschule?.

Eine andere Seite der Entnazifizierung war die Überprüfung aller Augsburger auf ihre Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen. Die Grundlage dafür schuf ein Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus, das am 5. März 1946 in Kraft trat.

Schon ab Oktober 1945 begannen erste Demokratisierungsschritte, indem die Militärregierung den Deutschen wieder politische Verantwortung übertrug. So wurden am 5. Oktober 1945 in Augsburg 15 ehrenamtliche Beiräte der Stadtverwaltung berufen – als Vorform des späteren Stadtrats. Am 30. Oktober erhielt die Schwäbische Landeszeitung? eine Lizenz zum Erscheinen. Vom gleichen Datum stammt ihre erste Ausgabe. Am 10. November 1945 tritt die konstituierende Sitzung der „Christlichen Union“ (später CSU Augsburg zusammen. Am 18. Oktober 1945 gründet sich die Allgemeine Freie Augsburger Gewerkschaft und am 1. Dezember 1945 kommt es zur Gründungsversammlung der Augsburger SPD. En Jahr später, am 1. Dezember 1946, könne sich die Augsburger wie alle anderen Bayern an der Wahl für den ersten Landtag des Freistaats Bayern? und am Volksentscheid über die bayerische Verfassung beteiligen. Am 26. Mai 1946 hatte schon die erste freie Stadtratswahl in Augsburg stattgefunden, an der sich fast 88 % der Wahlberechtigten beteiligt hatten.

Verkehr 1945

Noch im Mai 1945 waren die Augsburger Verkehrsverhältnisse sehr schwierig, doch gelang es schneller als gedacht, die Straßenbahn wieder in Betrieb zu nehmen. Schon im Juni 1945 konnten die Straßenbahnlinie 1, und 6 wieder verkehren. Die Linie 1 vom Hauptbahnhof bis zur Endstation in Lechhausen, die Linie 4 von der Wertachbrücke Oberhausen über den Königsplatz bis zur Endstation in Haunstetten und die Linie 6 von der Wertachbrücke Oberhausen über das Frauentor bis zur Endstation in Hochzoll.

Auch der Güterverkehr auf der Schiene kam schon ab dem 30. Juni 1945 wieder in Gang – wenn auch mit Einschränkungen. Und ab dem 7. Juli 1945 wurden in Augsburg wieder Briefe zugestellt. Ab 19. Juli 1945 konnten Beamte und Behördenangestellte sowie Personen mit einem Ausweis der IHK Schwaben wieder in der Reichsbahn fahren und ab September 1945 verkehren wieder zwei Züge täglich nach München, abends fuhr einer nach Oberwiesenfeld? und zwei verkehrten nach Donauwörth und Buchloe. Die Strecke nach Ulm endete noch in Dinkelscherben und die nach Ingolstadt noch in Schrobenhausen?. Berechtigte konnten zweimal am Tag auch nach Welden fahren.

Sonstiges

In der Zeit von 1945 bis 1956 lagen verschiedene Verbände der US-Streitkräfte in Augsburg, jedoch ohne Musikkorps. Und zwischen 1956 und 1992 war Augsburg Standort verschiedener Bundewehrverbände. Ein Musikkorps gehörte nicht dazu.

1946 wurden die Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben. In Augsburg trafen im Juni 1946 insgesamt 33 Güterzüge mit jeweils rund 1200 Personen ein; das waren rund 40 000 Menschen.

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