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Ernst-Reuter-Platz

Ein Augsburger Platz, der nach dem früheren SPD -Bürgermeister von Berlin benannt ist.

Allgemeines

Den Ernst-Reuter-Platz erreicht man entweder über die Fuggerstraße, die Grottenau oder über einen Durchgang der Nordmauer des Stadtmarkts. Auch über die Anna-Passage kann man auf den Platz gelangen. Er liegt also in der Innenstadt? von Augsburg und bietet mit dem Ernst-Reuter-Parkhaus neben der Annagarage eine ideale Parkmöglichkeit, falls man in der Innenstadt Besorgungen oder Erledigungen zu tätigen hat.

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Geschichte

Im Mittelalter befanden sich auf dem heutigen Ernst-Reuter-Platz wohl Gärten nahe liegender Patrizierhäuser. Belegt ist die Nutzung des Geländes als Gärten von Patrizierhäusern für das frühe 16. Jahrhundert, als es keine jüdische Gemeinde mehr in der Stadt gab.

Archäologen vermuteten lange, dass sich in römischer Zeit hier ein Kastell befand. Doch dann fand man im Jahr 2006, als hier in Vorbereitung des Baus der Neuen Stadtbücherei archäologische Grabungen unter dem Platz durchgeführt wurden, ein altes Gräberfeld, in dem die Gebeine nach Osten ausgerichtet waren und keine Grabbeigaben gefunden wurden. Die Augsburger Stadtarchäologie? glaubte damals, dass es sich um Funde aus dem 4. oder 5. Jahrhundert handele. Der damalige Stadtarchäologe Sebastian Gairhos? war der Meinung, dass hier entweder sehr arme Menschen oder Christen begraben wurden. Andere allerdings vermuteten in den Funden Überreste eines jüdischen Friedhofs, da der Platz im Hochmittelalter in unmittelbarer Nähe zur Judengasse lag. Gegen Gräber aus der Römerzeit spricht, dass die Römer ihre Toten verbrannten und gegen christliche Gräber, dass sie meist aufgrund ihrer Grabbeigaben als christlich identifiziert werden können. Gegen die Deutung der Funde als jüdische Gräber kann man vorbringen, dass es in der Nähe des Judenviertels im Mittelalter einen als „Judenkirchhof“ bezeichneten Friedhof gab, der in Urkunden und Karten aufscheint. Allerdings liegt er an anderer Stelle und ist er Ende des 13. Jahrhunderts belegt. Es könnte also durchaus sein, dass die Augsburger Juden ihre Toten früher am heutigen Ernst-Reuter-Platz in der Nähe der Judengasse bestattet haben.

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Vor 2009 wurde der Ernst-Reuter-Platz von dem Ernst-Reuter-Parkhaus dominiert. Auf den verbliebenen Freiflächen waren ebenfalls Parkmöglichkeiten ausgezeichnet, die den Platz sehr unwirtlich erscheinen ließen, ihn für manchen Augsburger zu einem "Schandfleck" in der Innenstadt machten. Hier stauten sich früher regelmäßig Autos auf der Suche nach einem Parkplatz oder es bildeten sich lange Warteschlangen vor dem Ernst-Reuter-Parkhaus. Ansonsten war hier nur eine Geschäftsstelle des ADAC? und mit dem Tivoli? ein Kino zu finden, das den Charme der 1950er Jahre versprühte. Viele Jahre lang wurde im politischen Augsburg darüber diskutiert, was mit dem Platz geschehen sollte.

In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das Ernst-Reuter-Parkhaus saniert und die Neue Stadtbücherei auf dem Ernst-Reuter-Platz errichtet.

Im September 2009 besuchte Edzard Reuter, der Sohn von Ernst-Reuter und ehemalige ehemalige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, Augsburg und sprach mit dem neu nach Augsburg berufenen Historiker Prof. Dr. Philipp Gassert? in der Stadtbücherei auf Einladung des Augsburger Presseclubs? über dessen Einsichten aus der Zeitgeschichte und seine Einschätzung der Situation in Europa und Deutschland. Den Aufhänger für Reuters Einladung bot die Tatsache, dass der Platz, auf dem die Stadtbücherei steht, nach seinem Vater benannt ist.

Details

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Der Name dieses Augsburger Platzes geht auf Ernst Rudolf Johannes Reuter (* 29. Juli 1889 in Apenrade, Provinz Schleswig-Holstein; † 29. September 1953 in Berlin) zurück, der ein deutscher Politiker und Kommunalwissenschaftler war. Er wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf, wandte sich aber während seines Studiums dem Sozialismus zu. 1912 trat er in die SPD ein und betätigte sich als Journalist und Redner für die Partei. Im Ersten Weltkrieg geriet er in Kriegsgefangenschaft, wo er sich den Bolschewiken anschloss und nach der Oktoberrevolution als Volkskommissar in Saratow unter Wolgadeutschen wirkte. 1919 trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein, aus der er 1922 ausgeschlossen wurde, nachdem er von August bis Dezember 1921 Generalsekretär dieser Partei war. Nach dem Ausschluss ging er in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD), 1922 wieder zur SPD. Als ihr Mitglied wurde er 1926 Berliner Stadtrat für Verkehr, wechselte 1931 nach Magdeburg und wurde dort Oberbürgermeisters, bis ihn die Nazis seines Amtes enthoben und zweimal in ein Konzentrationslager einsperrten. 1935 ging er ins türkische Exil. Nach dem Krieg kehrte Ernst Reuter 1946 nach Berlin zurück und amtierte als Stadtrat für Verkehr und Versorgungsbetriebe. Er war der wichtigste SPD -Politiker im Nachkriegs-Berlin. Die Berliner Blockade sorgte dafür, dass er zum Oberbürgermeister der Westsektoren gewählt wurde. Damit errang er auch international Bekanntheit als Repräsentant von Berlin. Politisch war ihm die Gründung eines westdeutschen Staates und eine enge Bindung West-Berlins an die Bundesrepublik wichtig.

Schon bald nach dem überraschenden Tod Reuters setzte eine starke Erinnerungskultur in Deutschland ein. Bereits am 1. Oktober 1953 wurde in Westberlin ein Platz nach ihm benannt. Viele weiter deutsche Städte, darunter auch Augsburg, folgten diesem Vorbild.

Der große Vorplatz der Neuen Stadtbücherei auf dem Ernst-Reuter-Platz weist einen roten Asphaltbelag auf, wie ihn der Architekt der Bücherei gegen Widerstände geplant hatte. Die Farbe bezieht sich auf das Terrakotta-Rot des Bibliothekseingangs. Im Sommer bietet der Vorplatz beim Lesecafé der Augsburger Stadtbücherei einen idealen Anlaufpunkt, um seinen Einkaufsbummel zu unterbrechen und die Menschen zu beobachten, die ihren Weg zum Stadtmarkt oder in die Bibliothek suchen.

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Lage


Weblinks


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