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Engelberg, Burkhart

auch Burkhard Engelberger oder Burkhard Engelberg; ein Steinmetz und Baumeister, der in Augsburg wirkte

Leben und Wirken

Burkhart Engelberg, "der viel kunstreiche Architekt", wurde 1447 in Hornberg im Württembergischen (Schwarzwald) geboren.

Wo er ausgebildet wurde, ist nicht bekannt, aber vieles deutet auf eine Lehrzeit am Oberrhein. Die erste Spur in Augsburg geht auf das Jahr 1477 zurück. Damals stellt ihn Heinrich Frieß, der Abt des Benediktinerklosters von Sankt Ulrich und Afra? für vier Groschen pro Tag als Parlier an. An einem schlecht gestützten Pfeiler des Chors der Kirche zeigte er seine Fähigkeiten.

1474 war in einem Sturm bzw. Orkan die gerade neu von ihm errichtete Basilika Sankt Ulrich und Afra eingefallen und Engelberg musste sie erneut aufbauen. Das dauerte etwa 20 Jahre. In dieser Zeit wohnte Burkhard Engelberg in einem Haus neben dem Baugelände, das er von seiner Schwiegermutter geerbt hatte – am Ulrichsplatz 10. 1499 am Sankt-Simprechtstag konnten die neuen Gewölbe geschlossen werden. Wiedererrichtet war die Basilika im Jahr 1512. Zwar war die Blüte der Gotik damals schon vorbei, doch wirkt seine Leistung immer noch herausragend wegen seines Sinns für harmonische Baukörper, zierliche Schlichtheit und kühne Wölbungen. Es muss wohl vor allem der Neubau von Sankt Ulrich und Afra gewesen sein, der den Künstler in ihm heranreifen ließ. Von dem Kirchenbau des Reichsstiftes geht vor allem Mittelschiff mit dem reichen Nordportal (1497) und der Simpertus-Empore (1492 – 1496) auf Engelberg zurück. Besonders die Empore zeigt schon das Eindringen barockgotischer Tendenzen und eine virtuose Steinmetztechnik.

Ab 1483 war Engelberg auch an der Umgestaltung des Domes beteiligt. Die Westchorschranken (1501) und das Sakramentshaus stammen von ihm und 1486 war er Nordflügel des Kreuzgangs tätig.

Als sich 1492/1493 der Turm des Ulmer Münsters senkte, half er bei der Rettung und unterfuhr den Turm 1494. Seine Ratschläge setzten sich gegen die Meinung weiterer 28 herbeigerufener Baumeister durch und sie führten zur Sicherung des Turms; die Arbeiten an ihm konnten im Jahr 1500 eingestellt werden. Das brachte ihm neben der Ehre seitens der Stadt Ulm einen einmaligen Lohn von 400 fl. und ein jährliches „Gnadengeld“ von 50 fl. bis an sein Lebensende. Nebenbei hat er übrigens mit fünf seiner Augsburger Gesellen die Münsterkanzel, deren figürlichen Teile während eines Bildersturmes verstümmelt worden waren, mit spätgotischer Ornamentik ausgestattet. Und bis 1507 unterteilte er in konstruktiv sehr geschickter Weise die Seitenschiffe des Münsters durch die Einfügung einer Stützenreihe.

Nach 1494 war er dauerhaft von Augsburg als Werkmeister? und später als Stadtbaumeister angestellt – nur durch einige auswärtige Aufträge unterbrochen. So z. B. 1502 durch einen Ruf nach Wolfeck, wo er von dem Grafen Johann zu Sonnenberg bei dem Bau seines Schlosses zu Rat gezogen wurde. 1503 rief man ihn nach Geißlingen an die Burg Helfenstein, die er als Festungsbaumeister verstärkte. 1505 ließen sich die Nördlinger? beim Bau ihrer Georgskirche von ihm beraten. 1507 berief ihn der Herzog Philipp von Bayern zum Bauen nach Freising?, die Berner ließen sich im gleichen Jahr beim Bau ihres Münsters beraten, 1508 die Stadt Heilbronn, die ihn schon 1480 bei der Sankt Kilianskirche um Rat gefragt hatte. Auch im Ausland hat Engelberg gearbeitet, so ist eine Bozener Pfarrkirche von ihm entworfen. Den Turm der Bozener Pfarrkirche hat er 1499 geplant, ausgeführt hat ihn zwischen 1502 und 1519 sein Schüler Hans Lutz. Engelberg hat auch den Turm der Schwazer Kirche entworfen.

1496 lieferte Engelberg einen Entwurf für das Katharinenkloster in Augsburg. 1498/1503 wurde ihm die Ausführung der Umbauarbeiten im Kloster übertragen.

1502 beauftragte ihn der Augsburger Probst Vitus Fackler? damit eine große Hallenkirche zu bauen. Sie wurde 1508 fertig. Heute steht an ihrer Stelle die Katholische Heilig-Kreuz-Kirche

In Augsburg wurde er 1506 zum Stadtbaumeister berufen (nach anderen Quellen 1495, doch wurde er 1495 zum Augsburger Werkmeister? bestellt). In seinem Vertrag bedingte er sich aus, auch im Umkreis von 20 Meilen tätig sein zu dürfen. In Augsburg hat er viele Bürgerhäuser entworfen, z. B. das Fuggersches Doppelanwesen der Brüder Ulrich?, Georg? und Jakob Fugger, auf dessen Grund später Kröll & Nill? stand. Aber auch einige gotische Zierbrunnen der Stadt, die im 17. Jahrhundert abgetragen wurden, stammten von Engelberg.

1507 bis 1509 (1502 nach anderen Angaben) schuf er zusammen mit Gregor Erhart? und Adolf Daucher? das Sakramentshaus von Sankt Moritz (eventuell noch mit Jörg Seld?). Die Rechnungen zu diesem steinernen Sakramentshaus waren hoch, so dass es ein beeindruckendes Werk gewesen sein muss. Leider ist es schon vor Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr erhalten gewesen. Auch das Sakramentshaus der Pfarrkirche von Donauwörth scheint von Engelberg geschaffen worden zu sein (1502 oder 1503)

Verstorben ist Engelberg am 12. Februar 1512 in Augsburg. Begraben hat man ihn am Eingang der Basilika Sankt Ulrich und Afra. Auf dem Grabstein ist zu lesen: „Zu Gedächtnuß des viel kunstreichen Architektoren, der Statt Augspurg Werke, und St. Ulrichs Gebäu Maiser, auch Pfarrthurms zu Ulm und anderer schadhaften Gezarken großen Widerbringer Burkarten Engelbergs Burgers allhie, der Tods verschieden ist auff XI. Februarii des XV. und XII. (1512) Jahrs, Seiner und aller Christen Seel Heil, Gott der Herr mitthail.“

Beurteilung

Burkhard Engelberg war ein bedeutender Vorläufer des späteren Stadtbaumeisters Elias Holl. Seine Spezialität war zum einen die Reparatur und Sicherung von Bauwerken, zum anderen auch die Beratung von Bauherren. Er hat viele Schüler hervorgebracht. Zu ihnen gehören neben dem Sohn Hans Engelberg? die Meister Hans Lutz?, Narziß Leutner?, Quirin Knoll? und Jakob Zwitzel?. Bekannt ist, dass Burkhart Engelberg 1493 insgesamt 117 Gesellen beschäftigte. Heute würde man sagen, dass er ein mittelständisches Unternehmen führte.

Im 20. Jahrhundert kam der spätgotische Augsburger Architekt, Baumeister und Steinmetz, der in seiner eigenen Zeit von allen Seiten geschätzt wurde, wie seine zahlreichen Aufträge beweisen, nicht gut bei Kunstkritikern weg. 1908 etwa urteilte Georg Dehio, der künstlerische Wert seiner Leistung sei überschätzt worden. So sei das von ihm gebaute Langhaus von Sankt Ulrich und Afra sehr hoch, aber eigentlich ohne inneren Schwung (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Bd. 3, S. 38). Andere hielten Engelberg für spießig oder akademisch, auch von „vergreisender Formgesinnung“ ist die Rede.

Sonstiges

In der Armenhausgasse 1, wo Engelberg in Augsburg wohnte, erinnert eine Gedenktafel an den bedeutenden Baumeister. Und im Wolfram- und Herrenbachviertel in Augsburg gibt es eine Engelbergerstraße?.

Die Kirche reservierte der verbliebenen Familie eigene Kirchenstühle in Sankt Ulrich und Afra, um seine Verdienste zu ehren. Anhand der Steuern, die der verstorbene Künstler zu Lebzeiten zahlen musste, kann man schließen, dass er einer der vermögendsten Künstler seiner Zeit war.

Hans Holbein d. Ä. hat sein Profil gezeichnet. Die Zeichnung soll sich im Kupferstichkabinett in Kopenhagen befinden.

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