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Energiewald

Eine Kurzumtriebsfläche, auf der man schnell nachwachsendes Holz (Bäume oder Sträucher) anpflanzt, um es zur energetischen und stofflichen Verwertung zu nutzen, also als nachwachsenden Rohstoff. Auch Kurzumtriebsplantage oder Schnellwuchsplantage genannt. Als Energiewald wird streng genommen nur ein Wald bezeichnet, der allein für die Energieerzeugung verwendet wird.

Allgemeines

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Üblicherweise werden auf landwirtschaftlichen Flächen schnellwachsende Baumarten etwa 20 bis 30 Jahre als Dauerkulturen genutzt. In so genannten Energiewäldern werden sie alle drei bis zehn Jahre geerntet, wobei Bäume genutzt werden, die in sehr kurzen Erntezyklen eine hohe Holzernte erbringen (etwa 10 Tonnen pro Hektar Trockenmasse jährlich bei fünf Jahren Wachstum).

In Deutschland werden dabei vor allem Pappeln (Balsampappeln, deren Hybride und Kreuzungen zwischen Balsam- und Schwarzpappeln) bzw. Weiden (Korbweiden, Küblerweiden, Kätzchenweiden) benutzt, die durch Züchtungen zu immer mehr Ertrag gebracht wurden. Man kann auch Robinien, Birken, Aspen und Erlen nutzen, doch haben sie höhere Standortansprüche und einen geringeren Ertrag.

Geschichte

Energiewälder werden in manchen europäischen Ländern schon seit vielen Jahrzehnten erfolgreich angelegt. In Deutschland allerdings sind sie immer noch im Versuchsstadium, obwohl schon 1974 in Hessen das erste Forschungszentrum für schnell wachsende Baumarten gegründet wurde. Möglicherweise liegt das Zurückbleiben Deutschlands in der Entwicklung daran, dass hier noch kein großer Absatzmarkt für Holzhackschnitzel festzustellen ist und andererseits die Deutschen selbst steigende Ölpreise immer noch tragen konnten.

Erst in den letzten Jahren ändert sich die Situation und Plantagen auf Feldern, Ruderalflächen oder sogar auf Industriebrachen werden immer häufiger angelegt. Die meisten Arbeiten dabei können, Land- und Forstwirte mit vorhandenen Maschinen durchführen. Nur für die Pflanzung und die Ernte braucht man Spezialmaschinen, die man von Dienstleistern leihen kann.

Bei Augsburg wurde der erste Energiewald im Frühjahr 2009 angelegt. Dabei arbeiteten die Forstverwaltung der Stadt Augsburg? und die Stadtwerke Augsburg zusammen und pflanzten auf einem drei Hektar großen Gebiet bei Königsbrunn (Hennenmahd? südlich der Königsbrunner Heide) versuchsweise etwa 20.000 Pappeln und Weiden an, die in späteren Jahren im Holzhackschnitzel-Kraftwerk von Lechhausen verfeuert werden sollten. Man hoffte, in ein paar Jahren etwa 30 Tonnen Holz zur Energiegewinnung ernten zu können. Da die genutzte Fläche im Trinkwasserschutzgebiet liegt, kann nicht gedüngt werden, was zu einem verlangsamten Wachstum führt und die Schädlingsbekämpfung aufwendig macht. Berechnungen des Jahres 2009 gingen davon aus, dass mit der späteren Holzausbeute etwa ein Jahr lang elf Haushalte mit Strom und 30 mit Wärme versorgt werden könnten - und das bei klimapolitischer Neutralität des Projekts, sprich, die Pflanzen verbrauchen das Kohlendioxid, das später im Kraftwerk freigesetzt wird, während ihrer Wachstumsphase.

Details

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Da die Nutzung fossiler Energieträger immer teurer wird, gewinnt die Energieerzeugung aus Holz wieder an Bedeutung. Aber auch die Papier- und Plattenindustrie brauchen die Sägenebenprodukte wie Späne, Hackgut usw. als Rohstoffe. Um den immer höher werdenden Holzbedarf zu decken, werden immer mehr Kurzumtriebsflächen angelegt.

Als Anbauflächen für schnellwüchsige Baumarten kommen praktisch fast alle landwirtschaftlich genutzten Böden in Frage. Selbst staunasse oder wechselfeuchte Böden, die landwirtschaftlich ohne Drainage genutzt werden können, können verwendet werden. Trockene Standorte kommen allerdings nicht in Frage. Der pH-Wert der genutzten Flächen muss zwischen 5,5 und 6,5 liegen. Sehr gut bewährt haben sich Lehmböden mit frischem Wasserhaushalt und mittlerem bis hohem Nährstoffangebot. Bei den ausgewählten Hölzern für Kurzumtriebsflächen kommt es auf ein rasches Jugendwachstum, eine Konkurrenzverträglichkeit im Dichtstand, ein gutes Stockausschlagvermögen und eine hohe Widerstandsfähigkeit an.

Studien belegen, dass es sich lohnt, Energiewälder anzulegen. Man hat berechnet, dass mit den Kurzumtriebshölzern Pappel und Weide Deckungsbeiträge von 50 - 500 € pro Hektar und Jahr erzielbar sind. Das heißt, solche Energiewälder erzielen höhere Deckungsbeiträge als herkömmliche Ackerfrucht-Flächen. Vor allem Landwirte, die eine eigene Hackschnitzelanlage und stillgelegte landwirtschaftliche Flächen besitzen, sollten den Anbau von Energiewäldern überlegen. Sinnvoll kann es auch sein, Energiewälder auf Flächen anzulegen, die weit vom Hof entfernt sind, da sie wenig angefahren werden müssen.

Je nachdem, für was der Pflanzverband eingesetzt werden soll (Industrie- oder Energieholz) und mit welchen Maschinen er bearbeitet wird, legt man ihn an. Üblich sind Anlagen von Doppelreihen mit 70 bis 75 Zentimeter Abstand, so dass die Erntemaschinen dazwischen mit ihren Rädern Platz haben. Übliche Pflanzdichten sind 5.000 bis 10.000 Pflanzen pro Hektar.

Rechtlich ist in Deutschland noch nicht endgültig geklärt, wie Kurzumtriebsplantagen zu werten sind. Die Wikipedia schreibt dazu: "In der Regel werden Kurzumtriebsplantagen in Deutschland bisher auf ehemals anderweitig landwirtschaftlich genutzten Flächen nach dem `Gesetz zur Gleichstellung stillgelegter und landwirtschaftlich genutzter Flächen´ angelegt. Dieses ermöglicht ausdrücklich, Flächen für den Anbau von Kurzumtriebswäldern im Rahmen der Flächenstilllegung auszuweisen. Hierbei kann eine öffentliche Förderung stattfinden, falls diese Flächen den Forderungen an die Flächenstilllegung entsprechen. Außerdem `bleibt das Recht, diese Flächen nach Beendigung der Stilllegungsperiode in derselben Art und demselben Umfang wie zum Zeitpunkt vor der Stilllegung nutzen zu können, unberührt´, allerdings nur für 20 Jahre. Erfolgt diese Ausweisung nach dem `Gesetz zur Gleichstellung stillgelegter und landwirtschaftlich genutzter Flächen´ nicht, unterliegen die Kurzumtriebsplantagen den Waldgesetzen. Dieses würde bedeuten, dass die Anlage als Erstaufforstung eine Genehmigung durch die zuständigen Behörden verlangen würde. Außerdem wäre die Bewirtschaftung unter anderem durch das in verschiedenen Landeswaldgesetzen behandelte Kahlschlagverbot eingeschränkt und auch eine Rückwandlung in landwirtschaftliche Nutzfläche kaum noch möglich. Ob die in Kurzumtriebsplantagen betriebene sehr spezielle Form der Niederwaldwirtschaft einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft entspricht, ist ebenfalls fraglich."

Natürlich haben Energiewälder nicht nur Vorteile, sondern auch gravierende Nachteile aus ökologischer Sicht. Der NABU? hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und führt in einer Studie aus, was beachtet werden muss, die Nachteile für die Pflanzen- und Tiervielfalt sowie die Landschaft im Rahmen zu halten. Klar muss sein, dass Energiewälder nicht dazu führen dürfen, dass landwirtschaftliche Flächen nicht mehr zur Nahrungserzeugung genutzt werden und damit die Nahrungspreise steigen und die Versorgung der Bevölkerung gefährdet ist, ein Phänomen, auf das man in den Jahren 2007 und 2008 aufmerksam wurde.

Weblinks


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