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Einzelhandel

Allgemeines

Augsburg als Oberzentrum

Von der Landesplanung wird Augsburg als Oberzentrum eingestuft. Das bedeutet eine gehobene zentralörtliche Funktion und speziell für den Einzelhandel eine wesentliche regionale Versorgungsbedeutung. Besonders wichtig ist dabei die Positionierung der Augsburger Innenstadt im Wettbewerb, aber auch die Sicherung der Nahversorgung in den Stadtteilen. Hier wie anderswo sind in den letzten Jahren viele Veränderungen zu konstatieren.

  • Während z. B. Ausgaben für Miete oder Freizeit stiegen, gingen die privaten Konsumausgaben tendenziell zurück.
  • Gestiegene Mobilität hat zu Einkaufszentren außerhalb der Stadt oder an Ausfallstraßen geführt.
  • Die Nachfrage geht entweder in Richtung Günstiges oder Exklusives, das mittlere Preissegment geht zurück.
  • Die Zusammensetzung der Bevölkerung sorgt für immer mehr Marktnischen.
  • Die Kundenbindung lässt nach und das Anspruchsniveau wird höher.
  • Die Einzelhandelsflächen wachsen – allerdings meist außerhalb des Zentrums, was zu starkem Verdrängungswettbewerb führt; dieser geht zu Lasten der Innenstadt und der Stadtteile.
  • Im Einzelhandel setzt sich der Konzentrationsprozess weiter fort. Folge davon ist der Trend zu Filialisierung und Franchising.
  • Immer größere Verkaufsflächen werden von immer weniger Beschäftigten im Einzelhandel „bespielt“.
  • Internet- und Mobil-Handel umgehen den klassischen Einzelhandel immer stärker.

Diese Entwicklungen führt zu starken städtischen Veränderungen. Etwa, dass sich der Handel aus Wohngebieten zurückzieht, Nebengeschäftslagen an Bedeutung verlieren, autokundenorientierte Geschäftslagen entstehen etc. Die Augsburger Innenstadt kann nur punkten, wenn sie starke Haupteinkaufslagen entwickelt, die Anbieter räumlich konzentriert, das Einkaufen attraktiv ist, Parkplätze gut erreichbar sind, der ÖPNV gut ist … Dazu muss eine Standortpolitik kommen, die Einzelhandelsstandorte außerhalb der Innenstadt oder den Stadtteilen etwa durch Mittel des Bauplanungsrechts begrenzt.

Planungsraum Innenstadt

Im August 2009 gab es etwa 800 Betriebe des Ladeneinzelhandels und Ladenhandwerks in der Innenstadt. Die Betriebe hatten eine Gesamtverkaufsfläche von etwa 157.000 Quadratmeter. Das bedeutete 42 Prozent aller Betriebe in Augsburg mit 28 Prozent der Verkaufsfläche Augsburgs. Etwa 9 Prozent der Verkaufsfläche bzw. 21 Prozent der Betriebe fallen auf die Lebensmittelbranche, der Rest auf den Nichtlebensmittelbereich. Die Einzelhandelsschwerpunkte in der Innenstadt sind

Die Innenstadt von Augsburg lässt sich in drei Teilbereiche gliedern, wenn es um das Thema Einkaufen geht:

Wichtige Einzelhandelssegmente für die Innenstadt sind Bekleidung, Schuhe und Sport, da sie eine prägende Funktion für die Attraktivität der Innenstadt besitzen.

Die meisten Geschäfte der Augsburger Innenstadt konzentrieren ihr Angebot im mittleren Preissegment.

Eine Besonderheit in der Augsburger Innenstadt sind die vielen Passagen, die sich vor allem im nördlichen Teil im Bereich Annastraße, Steingasse, Karolinenstraße und im Bereich des Hauptbahnhofs konzentrieren. Die einzelnen Passagen sind:

Alle Augsburger Passagen liegen im Hauptgeschäftsbereich der Stadt. Nicht alle Passagen Augsburgs können empfohlen werden, manche sind durch Leerstände oder unattraktive Gestaltungen gekennzeichnet, während z. B. die Max-Passage? oder der Antoniushof einladend gestaltet sind oder sich das Bohus-Center? als Standort für Gesundheitsdienstleistungen einen Namen gemacht hat.

Daneben gibt es in den Stadtteilen Nahversorgungszentren und in dezentralen Standortlagen Einzelhandelsangebote im Fachmarktbereich.

Wettbewerbsdruck auf die Augsburger Innenstadt

Durch nicht-integrierte Lagen in Gewerbegebietslagen und dort ansässigen langfristigen Sortimenten sowie innenstadtrelevanten Sortimenten wie Bekleidung geht ein starker Wettbewerbsdruck auf die Innenstadt und die Stadtteilzentren aus.

Zwar kommt in Augsburg auf jeden Einwohner eine überdurchschnittliche Verkaufsfläche, aber die Einzelhandelsbetriebe haben überdurchschnittlich hohe Betriebsflächen. Es gibt in Gewerbegebieten und im Stadtgebiet viele großflächige Fachmarktsiedlungen. Die Tendenz, dass die Verkaufsflächen zunehmen und die Anzahl der Einzelhandelsbetriebe sinkt, hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Vor allem an dezentralen Standorten hat sich das Angebot vergrößert, während sich der Verkaufsflächenanteil der Innenstadt unterdurchschnittlich entwickelte. Das bezog sich nicht nur auf langfristige Sortimente wie Bau- und Heimwerkerbedarf, Einrichtung oder Möbel, sondern auch auf innenstadtrelevante Sortimente. Stadtteilzentren und die Innenstadt wurden geschwächt. Wollte man die Innenstadt wieder stärken, müsste man innenstadtrelevante Sortimente an dezentralen Standorten verhindern.

Ebenfalls negativ für den Einzelhandelsstandort Augsburg wirkt sich die Einzelhandelsentwicklung in umliegenden Mittelstädten wie z. B. Landsberg? aus, in denen sich in Gewerbegebietslagen Einzelhandelsagglomerationen entwickelt haben, die verkehrstechnisch gut erschlossen sind und ein großes Parkplatzangebot aufweisen. So sinkt die Umlandbedeutung Augsburgs.

Im direkten Umland haben Gersthofen, Friedberg und Königsbrunn den dichtesten Einzelhandelsbestand, dann folgen Mering, Stadtbergen und Neusäß. In bestimmten Angebotssegmenten hat Augsburg deshalb Marktanteile an das Umland verloren. Dezentrale Lagen in den genannten Umlandstandorten punkten mit Standortvorteilen beim Parken und in der Erreichbarkeit.

Geschichte

2009 hatte Augsburg mehr als 1.950 Arbeitsstätten des Ladeneinzelhandels und des Ladenhandwerks mit etwa 560.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Davon waren mehr als 30 % der Arbeitsstätten dem Bereich Nahrungs- und Genussmittel zuzuordnen mit etwa 23 % der Gesamtverkaufsfläche. Der Rest entfiel auf Nicht-Lebensmittel.

Von den fast 2.000 Betrieben lagen damals etwa 46 % im Planungsraum Innenstadt (mit 39 % der Verkaufsflächen). Daneben waren Haunstetten-Siebenbrunn, Lechhausen und Oberhausen wichtige Einzelhandelsstandorte. Damit ist der Einzelhandelsbesatz der Innenstadt gegenüber vergleichbaren Oberzentren unterdurchschnittlich. Dazu kommt, dass die Innenstadt in den letzten Jahren als Einkaufsstätte an Bedeutung verloren hat.

2013 veränderten sich die Ladenmieten für den Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr kaum. In Top-Lagen mussten bis zu 110 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden, für kleinere Flächen (60 bis 120 Quadratmeter) in 1a-Lagen der Innenstadt wurden etwa 81 Euro pro Quadratmeter gezahlt, für größere ungefähr 60 Euro pro Quadratmeter. 1b-Lagen kosteten zwischen 27,50 und 32 Euro pro Quadratmeter. In den Stadtteilen Augsburgs lag die durchschnittliche Ladenmiete bei 8 Euro pro Quadratmeter.

Im Sommer 2013 starteten Hitradio Rt1 und augsburg.tv in Zusammenarbeit mit der IHK Schwaben und den Stadtwerken Augsburg eine Kampagne mit Hunderten von Werbespots, um den stationären Einzelhandel in Augsburg und der Region zu unterstützen, da der Online-Handel ihm immer mehr zu schaffen machte. Unter dem Motto „Lass den Klick in deiner Stadt“ sollten Menschen zum Einkauf im stationären Einzelhandel der Region gebracht werden. Nur so glaubte man Arbeitsplätze in Augsburg erhalten zu können.

Details

Auffällig ist, dass es in der Firnhaberau und im Antonsviertel im Nahrungs- und Genussmittelsektor zu wenig Angebote, in Göggingen dagegen zu viele Angebote gibt. Bei Nicht-Lebensmitteln ist die Firnhaberau ebenfalls schlecht bestückt – zusammen mit Bergheim und Inningen. Benachbarte Planungsräume versorgen die unterdurchschnittlich besetzten Stadtteile mit.

Marktgebiet

2009 umfasste das Marktgebiet des Augsburger Einzelhandels eine Bevölkerung von etwa 840.000 Personen. Dazu kommen noch etwa 140.000 Personen in einer „Potenzialgebiet“ genannten Region, in der keine primäre Orientierung zum Einkaufsort Augsburg mehr vorliegt. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass es Überschneidungen mit den Marktgebieten von Gersthofen, Friedberg oder Königsbrunn gibt. Das Kaufkraftpotenzial im Augsburger Marktgebiet war leicht überdurchschnittlich. Durch Touristen und Tagesbesucher kamen noch einmal etwa 127 Mio. € Umsatzpotenzial hinzu. Bis 2020 ging man von einem stagnativen bis leicht positiven Trend dieser beiden Faktoren aus.

Im Geschäftsjahr 2009/10 führte die geschilderte Situation zu einer Umsatzleistung des Augsburger Einzelhandels von etwa 1.880.000 Mio. €, wovon etwa 527 Mio. € auf Nahrungs- und Genussmittel (28 %) und etwa 1.353.000 Mio. € auf Nicht-Lebensmittel (72 %) entfielen. Etwa 68 % des Umsatzes generierte das Augsburger Stadtgebiete, den Rest das überörtliche Marktgebiet. Für ein Oberzentrum war der Wert des Marktgebietes unterdurchschnittlich. Gegenüber einer Untersuchung aus dem Jahr 2003/04 war der Wert der Augsburger Versorgungszentralität zurückgegangen, was eine rückläufige regionale Einzelhandelsbedeutung von Augsburg als Oberzentrum belegte. Bei genauerem Hinsehen ergab sich, dass vor allem bei Nicht-Lebensmitteln die Kaufkraftbindung Augsburgs zurückging. Im Vergleich mit Städten ähnlicher zentralörtlicher Wertigkeit erreichte der Augsburger Einzelhandel nur eine durchschnittliche Kaufkraftbindungsquote (ca. 88 % im Durchschnitt).

Stärken und Schwächen des Einzelhandelsstandortes Augsburg

2009 stellte man als Stärken des Einzelhandelsstandorts Augsburg folgende Punkte fest:

  • positive Bevölkerungsentwicklung und Beschäftigungsentwicklung im Marktgebiet
  • positive Entwicklung des Tourismus und der Tagesgäste
  • gute Verbindungen (A 8 und diverse Bundesstraßen), gutes Angebot im ÖPNV? und gutes P+R Angebot?
  • breit diversifiziertes Angebot gekoppelt mit Dienstleistungs-, Kultur- und Freizeitangeboten
  • Stadtmarkt, Altstadt? und viele Veranstaltungen als Alleinstellungsmerkmale

Die Schwächen Augsburgs als Einzelhandelsstandort sind

  • das durchschnittliche Kaufkraftniveau im Marktgebiet
  • die innerstädtische Verkehrsbelastung und die Schwächung der Einkaufsinnenstadt durch die Abwanderung innenstadtrelevanter Sortimente an dezentrale Standorte
  • zu viel Wettbewerb durch Einzelhandelsausbau im Umland und dadurch geringere Kundenbindung
  • keine Integration der City-Galerie an die Einkaufslagen der Innenstadt?, unausgeschöpfte Altstadt? –Potenziale, Defizite in der Aufenthaltsqualität, Funktionsverluste von Passagen
  • Zuständigkeitsüberschneidungen von nebeneinander arbeitenden Institutionen und Kommunikationsdefizite

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