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Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina

auch Katharinenkloster oder Kloster Sankt Katharina genannt; ein ehemaliges Kloster der Dominikanerinnen in Augsburg, dessen Klosterkirche heute als Ausstellungsort für die Staatsgalerie Alte Meister genutzt wird

Allgemeines

Das Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina in Augsburg gehörte ehemals zur Diözese Augsburg. Dadurch, dass 1251 der Pfarrbezirk von Sankt Moritz verlegt wurde, die Stadt 1349 die Schirmherrschaft über das Kloster übernahm, es 1381 in das Augsburger Bürgerrecht? aufgenommen wurde und die Stadt die Klosterpflegschaft übernahm, wurden die Bande zwischen dem Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina und Augsburg immer fester.

Augsburg-Holbein.Gymnasium-Altbau.Eingang

Gebäude des ehemaligen Klosters Sankt Katharina 2006, heute Teil des Holbein-Gymnasiums. By User:jodo (received from User:jodo via e-mail) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Zur Zeit der Säkularisation war das Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina nicht nur eines der reichsten Augsburger Frauenklöster, sondern auch flächenmäßig eines der größten: Der gesamte Klosterkomplex reichte im Süden bis zu den Rückgebäuden der Kapuzinergasse (hier noch Blendbogenmauer am ehemaligen Zollamtsbau), im Westen bis zur Gögginger Mauer?, im Osten bis zu den Grundstücken der Sulzerschen, Castellschen und Pfeffelschen Gärten (Maximilianstraße 46, 48 und 50) und im Norden bis zur Katharinengasse.

Geschichte

Schon im 13. Jahrhundert sind die Dominikanerinnen in Augsburg nachweisbar. Zunächst lebten um 1230 Beghinen? in der Augsburger Vorstadt auf dem Gries?. 1239 gestattete der damalige Augsburger Bischof Siboto? diesen Beghinen? den Grunderwerb in Augsburg. Möglicherweise stiftete Christina von Wellenburg? 1243 das Geld für den Grunderwerb.

Sicher ist, dass die Dominikanerinnenpriorin Diemundis von Maria Mödingen? bei Dillingen? das Grundstück in Augsburg für die Beghinen? erwarb und diese 1245 von Papst Innozenz IV. die Augustinerregel vorgeschrieben bekamen, die auch die Dominikanerinnen beachten mussten. Das hatte zur Folge, dass die Beghinen? 1246, also nur ein Jahr später, dem Orden des hl. Dominikus beitraten. Fortan betreuten die Dominikaner? von Sankt Magdalena den Dominikanerinnen -Konvent.

In den Jahren 1251 bis 1259 errichteten die Schwestern die Klosterkirche Sankt Katharina und ein geräumiges Kloster. Eine Priorin des Klosters wird urkundlich zum ersten Mal im Jahr 1273 erwähnt.

In den folgenden Jahrzehnten unterstützte zunächst vor allem der schwäbische Adel? den jungen Dominikanerinnenkonvent. Doch lösten im Spätmittelalter bürgerlich-patrizische Kreise den Adel? ab, was die Unterstützung des Klosters anging. Das hatte auch zur Folge, dass viele Töchter angesehener Augsburger Patrizier -Familien in das Kloster eintraten, z. B. aus den Familien Dachs?, Egen?, Harscher?, Ilsung?, Langenmantel?, Portner?, Riederer?, Walter? und Welser.

1498/1503 ließen die Dominikaner-Nonnen die Konventsgebäude von Burkhart Engelberg, nachdem dieser 1496 die Pläne dazu geliefert hatte, überarbeiten. Vor Beginn der Bauarbeiten hat man alle Grabsteine auf dem Gelände in den "vorderen Kreuzgang" verlegt - außer dem Grabstein der Gründerin Christina von Wellenburg?, den man vor dem Kapitelsaal beließ. Aus dem 15. Jahrhundert ist uns ein Nekrologium des Klosters erhalten. Möglicherweise fertigten es die Nonnen in diesem Zusammenhang an, um einen Überblick über die Verstorbenen zu behalten. Der Grundstein zum neuen, nun erhöhten Kreuzgang mit Ausbauten wurde 1498 gelegt. Der Augsburger Holzbildhauer und Baumeister Ulrich Glier (eventuell auch Glurer) führte den Bau aus. 1499 konnte man den Flügel mit Refektorium und Kapitelsaal einweihen. 1500 und 1503 eröffneten die restlichen Kreuzgangflügel.

Als 1516/17 die Kirche Sankt Katharina nach Plänen von Hans Engelberg? errichtet wurde, überarbeitete man ein zweites Mal die Konventsgebäude des zugehörigen Klosters.

Katharinengasse 11 (Augsburg)

Teil des ehem. Dominikanerinnenklosters St. Katharina Augsburg 2014. By Gliwi (Own work) [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

In der Folge der Reformation sperrte der Stadtrat 1534 die Kirche Sankt Katharina und der Konvent spaltete sich. Die katholisch gebliebenen Nonnen mussten jedoch 1537 die Stadt nicht verlassen und überstanden so die Reformation in Augsburg. Seit der Reformation gehörte der Konvent zum Hochstift Augsburg? und hatte den jeweiligen Augsburger Bischof als Landesherren.

In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte der Dominikanerinnenkonvent Sankt Katharina seine Blütezeit.

1802 hob man das Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina im Zuge der Säkularisation auf. Damals lebten 35 Nonnen in dem Konvent, der neben dem Damenstift Sankt Stephan zu den reichsten Augsburger Frauenklöster gehörte. 1807 war das Kloster von allen Dominikanerinnen geräumt. In den Jahren nach der Aufhebung des Klosters dienten seine Räume als Warenlager.

1834 zog eine Schule ("Königliche Gewerbe- und Landwirtschaftsschule") in Teile der übrig gebliebenen Klostergebäude - das heutige Holbein-Gymnasium Augsburg in der Hallstraße.

Details

Der Kreuzgang des Klosters hat ein Kreuzrippengewölbe und blieb erhalten - bis auf die Toreinfahrten, die man im 19. Jahrhundert im Norden bei der Kirche Sankt Katharina und im Süden beim heutigen Schulgebäude des Holbein-Gymnasiums durchbrach. Auf beiden Seiten der Kreuzgangeinfahrt befinden sich je ein steinernes Allianzwappen. das der Familie Fugger-Arzt? aus der Zeit um 1500 und das der Fugger-Thurzo?, das aus der Zeit um 1530 stammt.

Im Westen des Kreuzgangs schließt sich der Kapitelsaal an. Vor seinem Eingang sieht man rechts eine Wandnische mit Eselsrücken. Sie ist auf 1517 datiert und wurde 1988 restauriert. Außerdem versah man sie damals mit den Reproduktionen der Basilikabilder an den spitzbogigen Schildwänden.

Mitten im Kapitelsaal steht ein runder Mittelpfeiler. Von dieser zentralen Stelle laufen die Rippen aus dem Schaft und gehen in die Kappen des Gewölbes über, von wo sie an den Wandkonsolen auslaufen. Der Raum ist kahl, wenn man von den Bildern, die in ihm hängen, absieht. Man vermutet, dass er ursprünglich mit Paneelen ausgekleidet war. Damals war es modern, auf diese Weise die Gemälde vollkommen in die Architektur zu integrieren. Der Trend kam aus dem Venedig Carpaccios und ging in die quattrocenteske Malerei ein.

Die so genannten Basilikatafeln gaben verschiedene Stifter in Auftrag, etwa die Geschwister Walter. Ihr Epitaph aus dem Jahr 1463 ist übrigens in Form zweier Patera-Büsten ausgeführt und ist heute im Ostflügel zu sehen. Die originalen Basilikatafeln kamen 1816 in den Besitz Bayerns. Der Staat stellte sie 1835 als Grundstock der Staatsgalerie Alte Meister zur Verfügung. Geschaffen sind sie von Hans Holbein dem Älteren (Basilica S. M. Maggiore, 1499; Basilica S. Paolo fuori le Mura, um 1504), Hans Burgkmair dem Älteren (Basiliken S. Pietro, S. Giovanni in Laterano, S. Croce) und dem Monogrammisten L. F. (S. Sebastiano und S. Lorenzo). Monogrammisten sind bildende Künstler, die nicht namentlich identifiziert werden konnten und daher hilfsweise mit einem Notnamen bezeichnet werden, der in der Regel das jeweilige Monogramm des Betreffenden enthält. Geschaffen wurden die sechs Tafelbilder in den Jahren 1499 bis 1504. Trotz unterschiedlicher Künstler sind sie als eine künstlerische Einheit gestaltet: Sie drehen sich um das Thema "Ablassprivileg der Wallfahrten" und haben als Inhalte die großen Hauptkirchen Roms mit der Passion Christi und der Marienkrönung.

Aus den Jahren 1752/53 ist eine originelle Klosterchronik von der Nonne Dominika Erhardt? erhalten.

Nach dem Dominikanerkloster Sankt Katharina sind zwei Augsburger Straßen benannt:

Lage der noch erhaltenen Klosterbauten

Hallstraße 10 und Katharinengasse 9


Weblinks


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