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Dom Unserer Lieben Frau

Hauptkirche der Diözese Augsburg, die vor allem durch die Romanik und Gotik geprägt ist, sie bewahrt den ältesten Glasfensterzyklus der Welt; gleichzeitig Stadtpfarrkirche der Dompfarrei Zum Heiligsten Herzen Jesu

Dom Unserer Lieben Frau © Eva Stuhlmüller

Allgemeines

Der Augsburger Dom wird auch als Hohe Domkirche Mariä Heimsuchung bezeichnet. Er dient als Kathedrale des Bistums Augsburg. Der Dom weist eine große Vielfalt an Baustilen auf. Die ältesten Teile des Domes wurden im 11. Jahrhundert erbaut. Viele seiner Kunstschätze sind im benachbarten Diözesanmuseum Sankt Afra untergebracht. Nicht versäumen sollte man folgende Kunstwerke: an der Südseite des Langhauses die berühmte Bronzetür, die Glasmalereien im Mittelschiff, das Grabmal des Bischofs Wolfhart von Rot? und den marmornen Bischofsthron. Die Glasfenster im Mittelschiff sind die ältesten erhaltenen figürlichen Glasmalereien der Welt und stammen aus der Zeit um 1140. Der Bischofsthron aus Marmor ist sogar noch älter und um 1100 gefertigt. Der Bronzeguss des Grabmals des 1302 gestorbenen Bischofs Wolfhart von Rot? ist ebenfalls kunsthistorisch bedeutsam. Sehenswert ist auch der spätgotische Kreuzgang, der viele hundert Epitaphe zeigt.

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Das Patrozinium des Augsburger Doms wird am 2. Juli, also an Mariä Heimsuchung, gefeiert.

Geschichte

Erste Bauten

In den Jahren 1978/79 gruben Archäologen unter dem romanisch-gotischen Dom Fundamente aus dem 4. Jahrhundert aus. Man geht seither davon aus, dass an der Stelle des heutigen Doms eine frühe christliche Kirche, eventuell schon ein Bischofssitz bestand. Schließlich war Augusta Vindelicorum? Provinzhauptstadt des römischen Rätien. In solchen bedeutenden römischen Städten siedelten sich christliche Verwaltungszentren mit ihren Bischöfen gerne an. Allerdings deutet nur eine Grabinschrift, die man an der Stelle der ehemaligen Johanneskirche? neben dem Dom fand, darauf hin, dass hier schon in dieser frühen Zeit des Christentums eine christliche Gemeinde ihre Gottesdienste feierte. Sonstige Quellen oder Nachweise fehlen bislang.

Im 8. Jahrhundert beginnt sich die Quellenlage zu verbessern. So wissen wir, dass der Bischof Wikterp?, der um 772 starb, sich schon mit dem Bau eines Doms befasste.

An der Stelle des Domes baute schon Simpert um 800 eine Kirche (nach manchen Quellen soll das im Jahr 807 geschehen sein; die deutschspr. Wikipedia geht davon aus, dass die Bischofskirche von Simpert - dort Sintpert geschrieben - 805 geweiht wurde). Schon in dieser vor- bzw. karolingischen Zeit handelte es sich dabei um eine größere Kirche. Erstmals in einer Urkunde erwähnt wurde der Augsburger Mariendom 822.

Zur Zeit der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert muss diese Kirche stark beschädigt worden sein, denn der damalige Bischof Ulrich? ließ sie wieder in Stand setzen und er war es wohl auch, der die Krypta unter dem Westchor des Domes baute, das wohl älteste Kernstück des heutigen Augsburger Domes. Bischof Ulrich ließ die Schäden durch die Ungarn bereits 923 beseitigen - also noch vor der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955. Das wird dadurch erklärbar, dass es schon vor 955 Ungarneinfälle in das Reich gab.

Im Jahr 994 stürzte die Westmauer des Kirchenbaus ein, weshalb der damalige Bischof Liutold? das Gotteshaus wieder neu aufbauen musste. Das geschah im Jahr 996. Dabei erhielt er von Kaiserin Adelheid, der Frau von Otto I. großzügige Hilfe. Eine Legende erzählt, die Kaiserin habe den Einsturz des Augsburger Westchors in einer Vision vorausgesehen. Damals wurde der heutige Dom auch zur Bischofsgrablege. Zuvor waren die Augsburger Bischöfe in der Kirche Sankt Ulrich und Afra begraben worden. Der mit dem Westchor und dem nördlichen Querhaus begonnene Wiederaufbau endete etwa 1006. Vor allem der Domkern, das Mittelschiff, stammt aus dieser Zeit.

Romanischer Neubau?

Um 1060 begann Bischof Heinrich II.? mit einem romanischen Neubau, der ebenfalls in seinem Kern noch heute erhalten ist. Vor allem die beiden mächtigen Domtürme gehen auf diese Zeit zurück, auch wenn sie im Jahr 1150 aufgestockt wurden. Auch der steinerne Bischofsthron im Westchor des Domes stammt aus dieser Zeit, genau wie der älteste Glasfensterzyklus der Welt, die fünf Prophetenfenster im südlichen Mittelschiff, die Daniel, Hosea, David, Jonas und Moses darstellen.

Dehio 50 Augsburg Dom
Diese Abbildung stammt aus Georg Dehio/Gustav von Bezold: Kirchliche Baukunst des Abendlandes. Stuttgart: Verlag der Cotta'schen Buchhandlung 1887-1901, Tafel 50. Aufgrund ihres Alters ist sie mit Vorsicht zu benutzen. Sie entspricht nicht notwendigerweise dem neuesten Wissensstand oder dem aktuellen Zustand des abgebildeten Gebäudes. By Georg Dehio/Gustav von Bezold [Public domain], via Wikimedia Commons

Der romanische Dombau in Augsburg war eine dreischiffige Basilika, die im Kern bis heute erhalten ist. Welchen Umfang dieser romanische Neubau genau hatte, ist unklar. Vielleicht sollte man auch nicht von einem Neubau, sondern einem Umbau sprechen, denn es handelte sich überwiegend um Veränderungen an einem bestehenden Bauwerk und nicht etwa um die Fertigstellung eines unterbrochenen Baus. Erst der Nachfolger von Bischof Heinrich II.? namens Embriko? konnte 1065 einen Hauptaltar im Westchor weihen.

Zu einem weiteren romanischen Eingriff in das Bauwerk kam es im Jahr 1178, als man das komplette Quer- und Langhausdachwerk ersetzte.

Gotischer Umbau

1320 begann der gotische Umbau des Augsburger Doms unter dem Domkustos Konrad von Randeck. Prägend wurde dabei die Einwölbung des Langhauses und die Erweiterung des Gotteshauses auf fünf Schiffe.

Ab 1331 kamen weitere gotische Stilformen in den romanischen Dom. 1356 legte Bischof Markward?, der später Patriarch von Aquileia wurde, den Grundstein für den Ostchor des Augsburger Doms. Erst 1431 konnte der Ostchor vollendet werden. Den neuen Ostchor hatte man mitten auf die römische Via Claudia Augusta gesetzt, was die Augsburger Bürger? sehr ärgerte. Deshalb forderte der Magistrat? eine Durchfahrt durch den Dom. Die Geistlichkeit musste sich fügen, was zum Bau des Süd- und Nordportals führte. Durch diese Tore durften Rosse und Wagen den Dom hindurch fahren, um nicht einen Umweg wie heute um den Ostchor nehmen zu müssen. Man nimmt an, dass Heinrich Parler aus Schwäbisch Gmünd die Pläne für den Dom-Ostchor vorlegte.

Reformationszeit

In den Jahren 1537 bis 1548 verwüsteten immer wieder protestantische Bilderstürmer das katholische Gotteshaus. Erst in der Zeit der Gegenreformation gingen die Katholiken daran, die zerstörte Ausstattung des Doms allmählich zu ersetzen. Im Jahre 1565 erhöhte man den Nordturm.

Barockisierung

Arolsen Klebeband 15 351 1
Einzug Kaiser Leopolds I., seiner Frau und des röm. Königs Leopold I. in den Augsburger Dom, wohl 1689 von Unbekannt (http://digi.ub.uni-heidelberg.de/fwhb/klebeband15) [Public domain], via Wikimedia Commons

Zwischen 1655 und 1658 gestaltete die Kirche das Dominnere in barocken Formen um- und aus. Später kamen noch einige Kapellenanbauten hinzu. Erhalten hat sich hiervon jedoch nur der Zentralbau der Marienkapelle am Kreuzgang. Sie wird heute gerne für Hochzeitsfeiern genutzt.

19. Jahrhundert

1808/09 brach man die Bebauung südlich der Kathedrale ab und legte einen Parade- und Exerzierplatz an.

Zwischen 1852 und 1863 wurde der Augsburger Dom im Inneren neu gestaltet. Man wollte den mittelalterlichen Zustand der Bischofskirche wieder herstellen (Regotisierung). Deshalb entfernte man barocke Gemälde aus dem Dom und ersetzte sie durch Kunstwerke aus der Spätgotik, die man eigens dafür neu erwarb. Darunter kaufte man auch vier Bilder des älteren Holbein an, die heute an den östlichen Langhauspfeilern angebracht sind.

Dom zu Augsburg Prozession 19 Jh
Dom zu Augsburg mit Prozession 1844. Text: München 1844 Signature: inverso: von C... Otter... München 1844. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Barocke Altäre verkaufte man in Dorfkirchen der Diözese?:

  • Bachern?: Nach Bachern gelangten drei Ältäre. Zwei davon zierten im Dom-Mittelschiff rechts und links die dritten Lanhauspfeiler von Westen. Der eine zeigt das „Martyrium der heiligen Apollonia“, der andere das „Wolfswunder des heiligen Simpert“. Das Apollonia-Bild stiftete der Chorvikar Thomas Miller und bezahlte bei dem Augsburger Maler Jonas Umbach 250 Gulden, das Simpert-Bild stammt aus Konstanz und wurde für 280 Gilden von Johann Christoph Storer gemalt; gestiftet hat es der Domkapitular Johann Franz von Herpstein? 1658. Der dritte Altar aus dem Augsburger Dom dient heute als Hochaltar in Bachern. Er wurde um 1694 am südlichen Seitenschiff der Josephskapelle?, die damals gerade gebaut wurde, angebracht. Das Hochaltarblatt zeigt die „Geburt Christi“, ein Gemälde von Johann Georg Knappich?.

Federführend bei dieser Regotisierung waren die damaligen Bischöfe Petrus von Richarz?, der die Maßnahme am Ostchor beginnen ließ, und Pankraz von Dinkel? (1811 - 1894). Zunächst fing man an, die alten Ostchorfenster zu musealisieren, dann ersetzte man sie durch neue figürliche Fenster, die von der Münchener Glasmalereianstalt Max Emanuel Ainmiller geliefert wurden. Danach trat ein neugotischer Altar von Anselm Sickinger mit Figuren von Joseph Knabl an die Stelle des barocken Altars. Es lag im Trend der Zeit und auch das damalige Domkapitel? war von der späthistorischen Geschichtsauffassung ergriffen, in deren Geist man aus dem Kunsthandel neue Ausstattungsstücke ankaufte, die den für ursprünglich gehaltenen Zustand wieder schaffen sollten.

1860 schuf Kaspar von Zumbusch eine neugotische Kanzel, die man an einem nördlichen Langhauspfeiler anbrachte. Um eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen, strich man den Dom mit einem bräunlich-gelben Galerieton, weil man die Ausstattungsstücke "zusammenhalten" wollte.

20. Jahrhundert

Toni Roth? (1899 - 1971), ein verbeamteter Konservator, zeichnet für die gründliche Renovierung der Domkirche verantwortlich, die ab 1934 durchgeführt wurde. Der akademische Kunstmaler entdeckte unter sieben Farbschichten eine Farbfassung mit gemalten roten Quaderfugen auf hellem Grund und legte sie frei, um sie komplett zu rekonstruieren. Unter anderem setzte er mit anderen Verantwortlichen den Rückbau vieler neugotischer Raumelemente und nachbarocker Zutaten etwa an der Kanzel und im Chorgestühl durch. Schon damals plante man die Entfernung des neugotischen Hochaltars, doch scheiterte dies an Zeit- und Kostengründen.

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Den Zweiten Weltkrieg überstand der Augsburger Dom fast unbeschadet. Und das, obwohl die Nationalsozialisten? verboten hatten, für kirchliche Bauten Feuerlöschzüge zur Verfügung zu stellen. Nur die Marienkapelle wurde getroffen, auch der Kreuzgang erlitt Schäden. Dass der Dom nicht weitergehend zerstört oder niedergebrannt wurde, ist dem damaligen Domkaplan Johann Aichele zu verdanken, der mit Jugendlichen den Brandschutz für den Augsburger Dom organisierte. Wenn man alte Bilder betrachtet, die nach den Februarbombenangriffen auf Augsburg im Jahr 1944 gemacht wurden, sieht man den praktisch unzerstörten Dom zwischen Bergen von Trümmern hervorragen. Trotz etwa 70 in den Dachstuhl des Doms eingeschlagenen Brandbomben gelang es der jugendlichen Brandschutztruppe, das Ausbrechen von Feuer zu bekämpfen und auch ein Feuer im Dachstuhl der Marienkapelle konnte rechtzeitig gelöscht werden, bevor es weitere Zerstörungen anrichtete.

1946 entfernte man den 1934 geschaffenen Kanzel-Torso ganz. Und 1962 folgte die Entfernung des neugotischen Hochaltars.

Grundriss Dom St. Maria
Grundriss Dom St. Maria 1954. Aus: Georg Dehio, Ernst Gall; Deutscher Kunstverlag (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler – Östliches Schwaben. München Berlin 1954. Digitalisiert von Mogadir [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

In den Jahren 1983/84 erfolgte eine einheitliche Gesamtrestaurierung des Augsburger Doms.

1987 besuchte der damalige Papst Johannes Paul II. Augsburg und den Dom Unserer Lieben Frau. Aus diesem Anlass schuf Klaus Backmund eine Gedenktafel an diesen Papstbesuch, die den Papst, sein Wappen und eine Szene aus dem Leben Jesu zeigt. Die Gedenktafel ist im Dom angebracht.

21. Jahrhundert

Am Außenbau des Augsburger Doms ersetzte man kontinuierlich Bauteile aus Sandstein in den letzten Jahrzehnten. Das neue Bronzeportal am Chor konnte 2001 geweiht werden.

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Das St.-Ursula-Fenster, das am 31. Juli 2013 beschädigt wurde © 2012 by Jörgens.mi / , via Wikimedia Commons

Ende Juli 2013 randalierte ein junger Obdachloser im Augsburger Dom und richtete einen Sachschaden von etwa 60.000 Euro an, indem er unter anderem wertvolle Glasfenster aus dem 14. Jahrhundert einwarf. Darunter auch ein Fenster mit dem Abbild der Heiligen Ursula, dessen Entwürfe wohl aus der Werkstatt von Hans Holbein dem Älteren stammten. Weiter wurden eine spätgotische Jesusfigur zerkratzt, ein Marienbild beschädigt und die Kopie eines Schweißtuchs von Jesus zerstört.

Der Hohe Dom zu AugsburgDSC 2136
Blick auf den Augsburger Dom von Süd-Osten. März 2011 by Otto Schemmel (Selbst fotografiert Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Details

Das Äußere der Domkirche

Aus vielen Teilen der Augsburger Innenstadt kann der Besucher die beiden Glockentürme des Hohen Domes erblicken. Sie sind 62 Meter hoch und damit neben der Basilika Sankt Ulrich und Afra und dem Perlachturm die höchsten Gebäude in der historischen Altstadt von Augsburg. Das Gebäude des Doms ist 113,25 Meter lang, das Langhaus hat eine Breite von 38,70 Metern und die Höhe des Mittelschiffs beträgt 17,80 Meter, die des Presbyteriums des Ostchors 28 Meter.

Heute ist der Augsburger Dom eine fünfschiffige Basilika mit einem im Osten liegenden Umgangschor und einem Westchor, der nur ein Schiff hat. Der westlichen Apsis hat man ein Querhaus vorgelagert. Vor dem Ostchor stehen die beiden romanischen Türme. Sie sind aus Bruchsteinen gemauert und durch Bogenfriese und Lisenen gegliedert. Hoche Spitzhelme mit Dreiecksgiebeln schließen die Türme nach oben ab. Von der südlichen Seite betrachtet, wirkt der Dom Unserer Lieben Frau recht lang gestreckt, während man von der nördlichen Seite seine Dimensionen nicht erkennen kann, das das Diözesanmuseum Sankt Afra vorgelagert ist.

Die doppelten Seitenschiffe der Langhaussüdseite sind aus unverputztem Ziegelmauerwerk geschaffen. Einfache Strebepfeiler stützen sie von außen. Die Satteldächer über den Gewölben sind quergestellt und verbergen sich hinter dreieckigen Zinnengiebeln. Das offene Strebesystem ist in der Dachzone versteckt. Früher hatte die schmucklose Hochschiffwand Fensteröffnungen, doch hat man sie vermauert.

Der Chor im Osten der Kirche ist weiß verputzt. Er weist eine reiche Architekturgliederung auf, die man zwar größtenteils erneuert, doch nicht verputzt hat, so dass die Steine zu sehen sind. Weil es durch den Einspruch der Augsburger Bürger? beim Bau des Ostchors zu einigen Planungsänderungen kam, erscheint der Ostchor heute "unfertig".

Die Architektur des Augsburger Doms lehnt sich im Grundriss an das "französisch-kathedrale" Grundmuster an, doch basilikale romanische Mittelraum wirkt etwas plump und wie eine Notlösung. Die Dachflächen über den Kapellen haben die Baumeister weit nach oben gezogen. Statt offener Strebebogen stützen geschlossene Strebemauern den Obergaden.

In den Bauplanungen war ursprünglich für den Chor ein offenes Strebesystem vorgesehen, so dass es sich hier um einen klassischen Kathedralchor nach französischem Schema gehandelt hätte. An seine Stelle ist aber eine etwas "unbeholfene" Chorgestaltung ohne eine organische Verbindung von Umgang und Chorschluss getreten. Besonders auffällig dabei ist, dass die kahlen Wandflächen entweder nur durch kleine Fensteröffnungen belichtet werden oder aber gar keine Fenster vorhanden sind.

Wie ist es zu dieser eigenartigen Augsburger Ostchorlösung gekommen? Darüber gibt es unter den Kunsthistorikern verschiedene Meinungen. Einige meinen, hier hätten traditionelle Kräfte mit Vertretern modernerer spätgotischer Raumlösungen gerungen. Andere glauben, dass die Augsburger Tradition aufwendiger Musikzüge mit zahlreichen Singchören hier eine Rolle spielte. Ein Triforium wie in der klassischen französischen Chorschematik hätte die Akustik negativ beieinflusst. Wie dem auch sei: Es handelt sich hier um eine originelle und einmalige Chorlösung, die sich anderen Chorbauten der Zeit deutlich unterscheidet.

Auch die Frage der Baumeister des Ostchors lässt sich mangels Quellen nicht entscheiden. Allerdings spricht die Qualität der Architektur des Chorumganges mit seinen reichen Kapitellformen für die Beteiligung hochrangiger Künstler, die im Westen geschult wurden. Weil der Kölner Domchor in letzter Zeit als Vorbild für den Augsburger Ostchor gesehen wird, spekulieren einige Forscher, Heinrich Parler, der ehemalige Parlier des Kölner Domes, habe an dem Augsburger Chor gewirkt.

Portale

In den Augsburger Dom führen mehrere Eingänge:

Nordportal

Das Nordportal ist durch eine Inschrift am Mittelpfeiler auf 1343 datiert und im Stil der frühen Parlerzeit mit Skulpturen ausggestattet. Allerdings sind die Gewändestatuen und die Originale des Tympanons im Inneren der Augsburger Domkirche geborgen. Gegenüber dem Südportal des Doms wirkt das Nordportal viel einfacher. Es ist heute vollständig erneuert. Wenn man den Wert des künstlerischen Orginals schätzen will, muss man das Original-Typanon im Inneren betrachten. Dort sieht man die Anbetung der Könige, die Verkündigung und Geburt Christi sowie den Tod und die Krönung Mariens. Im Norden des Doms liegt auch der Klausurbezirk mit dem Kreuzgang am Langhaus an. Ebenfalls vom nördlichen Seitenschiff aus ist kann man die barocke Marienkapelle im Winkel zwischen Kreuzgang und Kirche besuchen.

Südportal
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Südportal des Augsburger Doms 2012 © Jörgens.mi / , via Wikimedia Commons

Das Südportal ist auch unter dem Namen "Marienportal" bekannt. Man geht heute davon aus, dass es 1356 von einer Bildhauergruppe der Parler ausgestaltet wurde. An seinem Gewände stehen die Apostel als Torwächter. Am Sockel des heiligen Andreas ist das Profilbrett des Paliers mit dem Parlerwappen angebracht. Im Bogenfeld sind Reliefreihen zu sehen, die das Leben Mariens illustrieren. Oben als Abschluss sieht der Betrachter das "Jüngste Gericht". Am Mittelpfeiler des Südportals steht die "Madonna mit dem Jesusknaben", die recht majestätisch wirkt. Das Tympanon lässt sich also in drei Bereiche gliedern.

Das Augsburger Südportal wirkt prachtvoll und wurde am Ostchor angebaut. Als Schaufassade des Doms wendet es sich der bürgerlichen? Reichsstadt? zu. Zwischen zwei Strebepfeilern liegt die Vorhalle, die durch Maßwerkblenden und -friese gegliedert ist. Der Skulpturenschmuck ist z. T. verwittert oder erneuert. Dieses Südportal des Augsburger Doms ist die aufwendigste Portalanlage des 14. Jahrhunderts in Süddeutschland?. Die Kunsthistorie will in Konzeption und Ausführung Parallelen zum Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd? erkennen.

Brautportal

Das Brautportal stammt von 1863.

"Schlupf"

Der "Schlupf" ist nur ein bescheidener Eingang in den Augsburger Dom.

Bronzeportal

Zu unterscheiden ist das alte Bronzeportal von dem neuen. Die alte Bronzetür des Doms in Augsburg gehört zu den zwölf bedeutendsten romanischen Bronzeportalen Europas und ist das bedeutendste Bronzekunstwerk des frühen Mittelalters in Süddeutschland?.

Altes Bronzeportal

Das alte Bronzeportal hat zwei ungleich große Türflügel. Möglicherweise ist das alte Bronzeportal nur noch ein Rest eines ursprünglich wohl vierflügeligen Hauptportals des romanischen Doms. Die zwei verbliebenen Türflügel sind mit 35 gegossenen Bronzereliefs geschmückt. Die Relieftafeln wurden aus verlorenen Wachsformen gegossen. Das alte Bronzetor ist nach der Bernwardstüre von 1015 im Hildesheimer Dom das zweitälteste Bronzeportal mit figürlichen Darstellungen. Man geht davon aus, dass das Augsburger Bronzeportal für den 1065 geweihten ottonischen Dom geschaffen wurde. Ursprünglicher Standort war vermutlich die Ostseite, da sich hier ein großer Vorhof befand. Gegenüber der Hildesheimer Bernwardstür, die aus einem Guss gearbeitet ist, weist die Augsburger Bronzetür Einzelreliefs auf.

Bronzetür Augsburger Dom Gesamtansicht
Das 1065 geschaffene alte Augsburger Bronzeportal des Doms Unserer Lieben Frau in der Gesamtansicht von 2006. By Augsburgerle (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Das Augsburger Bronzeportal ähnelt italienischen und byzantinischen Bronzetüren. Die Relieftafeln haben alttestamentliche Themen und Themen aus der antiken Mythologie. Weil wahrscheinlich zwei Tore verloren gingen, ist kein geschlossenes ikonographische Programm zu erkennen. Und so ist die inhaltliche Bedeutung nur schwer deutbar.

Eine Deutung geht von der christlichen Symbolik aus und sieht die Kirchentür als Grenze zwischen irdischer Welt und himmlischem Paradies. Nur die Gerechten bekommen Eintritt gewährt; die Unwürdigen werden von der Tür abgewiesen. Christus selbst führt die Gläubigen und reuigen Sünder zum ewigen Leben. Dabei wird er von bösen Mächten umgeben, die diese Grenze zu überwinden suchen, es aber nicht schaffen und so als Warnung für die Gläubigen dienen. So gesehen stellt das verbleibende typologisch-heilsgeschichtlich gedeutete Programm der antikisch anmutenden Platten den Kampf zwischen Sünde und Erlösung dar.

Die Einzeldarstellungen der Augsburger Bronzetür gehören zu drei thematischen Bereichen: einmal zur Genesis, die Erschaffung des Menschen und Sündenfall zum Thema hat, dann zu weiteren Büchern des Alten Testaments, die Personen vorstellen, die als Vorläufer Christi gelten (Mose, Aaron, Samson, David (Israel)), und drittens zur mittelalterlichen Tiersymbolik (Löwe, Bär, Kentaur, Vögel, Hühner). Auch Monats- und Jahreszeitdarstellungen sowie Sternbilder werden zur Deutung herangezogen.

Die Bänder der romanischen Bronzetür des Augsburger Doms tragen auf ihren Schnittpunkten so genannte Maskaronen. Das Wort "Maskaron" kommt aus dem Französischen, wo es "Fratzengesicht" oder "Fratzenkopf" bedeutet. Maskarone sind als Halbplastiken ausgeführte Zier- bzw. Schmuckelemente. Ein Maskaron stellt das grotesk oder schreckeinflößend gestaltete, menschenähnliche Antlitz eines Fabelwesens oder einer Gottheit dar. Das Maskaron ist als karikierende Form einer Maskendarstellung schon in der Antike bekannt und anders als eine Maske mit dem Gegenstand, den es ziert, fest verbunden. Diese Augsburger Maskenköpfe am Bronzeportal des Doms sind die ersten plastischen Maskaronen der mittelalterlichen Kunst in Europa.

Bis 2002 war das alte Bronzeportal des Augsburger Doms im nördlichen Seitenschiff des Westchores aufgestellt, um es vor Umweltschädigungen zu bewahren. 2002 hat man das berühmte romanische Bronzeportal des Vorgängerdomes im Diözesanmuseum Sankt Afra aufgestellt.

Neues Bronzeportal

Im Heiligen Jahr 2000 baute man auf der Domsüdseite anstatt der romanischen Bronzetür aus dem 11. Jahrhundert, die allerdings schon längere Zeit im Dominneren aufbewahrt wurde, eine neue Domtüre ein. Das Domkapitel? hatte dem Münchener Bildhauer Max Faller den Auftrag zu einem Portal mit 28 biblischen Bronzereliefs erteilt.

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Das neue Bronzeportal des Augsburger Doms von 2000, 2006 by Max Faller [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Max Faller gestaltete das Portal mit dem Thema Gottes Schöpfung. Kernaussage des Bronzezyklus ist: Durch die Leben spendende Wirkung des Hl. Geistes wird die Schöpfung Gottes vollendet (Joh 10,9 EU). Der Künstler schuf mit seinem Werk eine Bilderbibel in der Tradition der klassischen bibla pauperum (Armenbibel). Sein Bildzyklus spannt sich von den Weissagungen des Alten Testaments und seiner markantesten Gestalten wie dem Stammvater Abraham und Mose bis zur Erfüllung aller Prophetie in Christi Kreuzigung und Auferstehung.

Das Innere der Domkirche

Ostchor

Tritt man durch das Südportal in den Augsburger Dom, kommt man in eine zweischiffige Chorhalle. Rechts davon schließt sich der Umgang mit den Ostchor-Kapellen an. Hinter steinernen Chorschranken, die mit Maßwerkbrüstungen verziert sind, liegt das etwas erhöhte Presbyterium des Ostchores. Die Kreuzrippengewölbe des Hochchores ruhen auf dreifachen Diensten bzw. Blattkonsolen, die Gewölbe des Umganges auf einfachen Diensten. Besonderes ist im Norden des Umgangs zu sehen. Dort hat man zwei Kapellen auf halber Höhe abgemauert. Sie dienen als Sakristei. Auch der Abschluss des Hochchores ist ungewöhnlich: Er wird durch ein großes Ostfenster im Obergaden gebildet. Möglicherweise wurde es in seiner bildhaften Wirkung durch ähnliche Lösungen der zeitgenössischen Zisterzienserarchitektur angeregt.

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Dom Unserer Lieben Frau in Augsburg, Blick durch das Mittelschiff auf den Ostchor. 2009 by Johannes Böckh (Self-photographed) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons
Hochaltar

Die Hochaltargruppe schuf Professor Josef Henselmann 1962. Es handelt sich um eine Bronzegruppe, die Christus am Kreuz mit den zwölf Aposteln zeigt, die auf beiden Seiten aufgereiht sind. Unter dem Kreuz sind folgende Personen zu sehen: der Prophet Jesaja, der Prophet Ezechiel, König David, Moses, Abraham, der Prophet Daniel, die Königin Esther und Johannes der Täufer. Diese Figuren unterhalb des Kreuzes kamen 1985 zu der Kreuzigungsgruppe hinzu.

Hochwandfenster im Ostchor

In der Mitte der Hochwand im Ostchor befindet sich ein Fenster mit dem Titel "Der in Christus gipfelnde Gnadenbaum". Das Fenster stammt von dem Münchener Künstler Josef Oberberger, der es 1954 schuf.

Ostchor-Kapellen
  • Sankt-Wolfgang-Kapelle: Hier ist das ehemalige Hochaltarbild "Muttergottes als Patronin des Doms" untergebracht. Das bedeutende Werk wurde 1554 von Christoph Amberger geschaffen.
  • Sankt-Augustinus-Kapelle: Hier befindet sich das Grabmal des Bischofs und Kardinals Peter von Schaumburg? mit seiner Skelettdarstellung von 1469.
  • Sankt-Gertrud-Kapelle: Hier sind eine Glasmalerei im Mittelfenster aus der Zeit um 1400 sowie die seitlichen Fenster von Josef Oberberger aus dem Jahr 1962 zu besuchen. Außerdem sind hier die beiden um 1510 entstandenen Schnitzgruppen "Mariens Tod" und "Mariens Krönung" aufgestellt.
  • Sankt-Konrad-Kapelle: Zu besichtigen sind hier zum einen das Grabmal des Bischofs Wolfhard von Roth?. Der bedeutende Erzguss, der um 1302 entstand, zeigt eine stilisierte Liegefigur. Zum anderen ist sehenswert das Tafelgemälde "Heimsuchung", das der Freisinger Meister Sigmund Huetter um 1460 schuf.
  • Sankt-Anna-Kapelle: Hier steht das um 1500 entstandene Holzrelief der hl. Anna Selbdritt. Wohl deshalb wurde diese Kapelle 1597 zur Bruderschaftskapelle der Bäcker und Müller? erklärt.
  • Sankt-Antonius-Kapelle: Hier findet sich das Grabmal des Bischofs Alexander Sigismund von Pfalz-Neuburg? aus dem Jahr 1737. Daneben zeigt das Altartafelbild, das um 1500 entstand, die Muttergottes zwischen zwei Päpsten.
  • Sankt-Lukas-Kapelle: Ihr Altar von 1597 besteht aus Tridentiner Rotmarmor. Auch der Grabstein des Bischofs Otto von Gemmingen? ist aus Rotmarmor geschaffen. Daneben ist noch das Grabmal des Bischofs Hartmann Graf von Dillingen? von 1286 in dieser Kapelle untergebracht.

Mittelschiff

Das romanische Mittelschiff des Langhauses geht noch auf den ottonischen Dom zurück. Ihm wurden erst später die gotischen Kreuzrippengewölbe aufgesetzt. Der Gewölbescheitel liegt unterhalb der einstigen Flachdecke. Die Schlusssteine zeigen die Propheten, ein Wappen, einen einbeinigen Meermann und den hl. Johannes. Links und rechts liegen die Hallenräume der doppelten Seitenschiffe. Ihre Gewölbe werden von Rundpfeilern getragen. Eine aufgemalte rote Quaderung gliedert die Wände. An der südlichen und der westlichen Hochwand findet sich je ein gemalter Fries. Beide Friese stammen aus dem 11. Jahrhundert.

Vor den Stufen des Ostchors ist auf einer romanischen Säule eine Holzplastik aus der Zeit um 1350 zu sehen, die den heiligen Ulrich von Augsburg darstellt. Am rechten Pfeiler wurde eine geschnitzte "Muttergottes mit einem handorgelspielenden Engel" angebracht, die 1490 geschaffen wurde.

Besonders schön sind die Gewölbeschlusssteine des Mittelschiffs. Sie wurden mit der sie umfassenden Malerei in der Zeit zwischen 1340 und 1420 geschaffen.

Östliche Freipfeiler

Die östlichen Freipfeiler des Langhauses tragen vier Tafelbilder, die von Hans Holbein d. Ä. stammen. Zunächst gehörten diese Bilder nicht zum Augsburger Dom. Der Augsburger Künstler hatte die Tafelbilder für das oberschwäbische Benediktinerstift Weingarten geschaffen, das 1493 errichtet worden war. Dort bildeten die Bilder die Flügel des dortigen Marienaltars. Dieser Marienaltar war von Holbein und dem Ulmer Bildhauer Michael Erhart geschaffen worden und stand bis 1715 in einer Kapelle, die man allerdings für einen barocken Neubau abriss. Wo der Altar nach 1715 stand, ist unbekannt, doch konnte der Augsburger Bischof Pankratius Dinkel? 1858 die beiden spätgotischen Altarflügel des ehemaligen Marienaltars von Weingarten für 7.500 Gulden in Bregenz erwerben. Sie waren in einem miserablen Zustand. Außerdem hatte man die Rückseiten mit brauner Farbe übermalt, die von dem damaligen Augsburger Generalkonservator Andreas Eigner erst einmal entfernt werden musste, damit die darunter liegenden Tafelbilder wieder in ihrer alten Pracht sichtbar wurden. Anschließend spaltete man die bemalten Holztafeln, um auf diese Weise vier Bilder für die Seitenaltäre des Augsburger Doms zu gewinnen. Heute sind die Holbeinbilder an den östlichen Freipfeilern angebracht:

  • Westlich rechts: "Joachims Opfer (mit der Nebenszene "Joachim bei der Herde")
  • Westlich links: "Mariens Geburt" (mit der Nebenszene "Heimsuchung")
  • Östlich rechts: "Beschneidung des Christkinds" (mit der Nebenszene "Mariens Krönung")
  • Östlich links: "Mariens Tempelgang" (mit der Nebenszene "Begegnung Joachims und Annas an der Goldenen Pforte")
Killer-Kanzel

Nach den östlichen Freipfeilern ist an einem der folgenden Pfeiler die Kanzel angebracht. Sie stammt von dem Münchener Karl Killer, der sie 1946 schuf.

Altar des hl. Petrus Canisius

Direkt gegenüber der Killer-Kanzel findet sich ein Altar zu Ehren des heiliggesprochenen Jesuiten? Petrus Canisius? (1521 - 1573). Von 1559 bis 1566 wirkte er in Augsburg als Domprediger und trieb die Gegenreformation? in Augsburg voran. Bevor Canisius in Augsburg wirkte, war die Bevölkerung der Stadt zu 90 Prozent evangelisch. Es war Otto Truchseß von Waldburg (1514 - 1573), der Petrus Canisius? nach Augsburg rief.

Der Altar stellt Petrus Canisius? überlebensgroß dar. Bedeutende Persönlichkeiten umgeben den katholischen Heiligen: Papst Pius V., Kaiser Ferdinand I., Jakobäa Maria (Herzogin von Bayern), Moritz von Hutten (Bischof von Eichstätt), Wilhelm IV. (Herzog von Bayern), Otto Truchseß von Waldburg (Bischof von Augsburg und Kardinal), Georg Graf Fugger? und Ursula Gräfin Fugger-Lichtenstein?.

Geschaffen hat den Canisius-Altar im Augsburger Dom der Münchener Professor Georg Busch im Jahr 1897. Von dem Altarbauer Port wurde er 1925 überarbeitet.

Westliche Freipfeiler

An den westlichen Freipfeilern sind vier Altartafeln angebracht. Der Ulmer Maler Jörg Stocker schuf sie um 1484. Dargestellt sind Szenen aus dem Marienleben: Die Geburt Jesu, die Anbetung der heiligen drei Könige, der Tod Mariens und ihre Krönung im Himmel. Ursprünglich gehörten die Tafeln zu dem Hochaltar der Parrkirche von Unterknörringen?, heute ein Ortsteil von Burgau?.

Prophetenfenster

Die Prophetenfenster im Augsburger Dom sind Buntglasfenster und stellen die Propheten Jona, Daniel, Hosea, David (mit Krone für seine Königswürde) und Moses dar. Möglicherweise nahm sich der Künstler die Augsburger Juden? zum Vorbild für die Darstellungen, denn die Propheten tragen die jüdische Kopfbedeckung der Entstehungszeit der Glasfenster zwischen 1100 und 1140. Die Prophetenfenster sind fünf der ältesten Buntglasfenster der Welt. Sie befinden sich in der südlichen Mittelschiff-Hochwand und stellen den ältesten erhaltenen figürlichen Glasgemälde-Zyklus der Welt dar.

Doppelkrypta

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Das Gipsfenster in der Augsburger Dom-Doppelkrypta. 2012 © Jörgens.mi / , via Wikimedia Commons

Unter dem Westchor liegt eine Doppelkrypta. Sie wurde 1979 bis 1981 rekonstruiert und dient als Grablege der Augsburger Bischöfe. Geweiht ist sie den Aposteln Petrus und Paulus. Hier kann man Freskenfragmente aus dem 13. bis 16. Jahrhundert sehen.

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Die romanische Westkrypta des Augsburger Doms. 2007 by No machine-readable author provided. Dark Avenger~commonswiki assumed (based on copyright claims). [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Ältester Teil der Doppelkrypta ist der Westteil, in dem vier Säulen die Decke tragen. Diese Vierstützenanlage entstand schon mit dem 1065 geweihten Dom. Noch aus der karolingischen Zeit stammen die jetzt als Antependium dienende ehemalige Chorschrankenplatte sowie die Türumrahmung mit ihrer prächtigen Flechtbandornamentik im Süden.

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Romanische Ostkrypta im Augsburger Dom. 2012 © Jörgens.mi / , via Wikimedia Commons

Die vierschiffige Ostkrypta entstand Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Kreuzgratgewölbe werden von kurzen Säulen gestützt. In der Apsis der Ostkrypta steht das Gnadenbild des Augsburger Doms, eine romanisch alpenländische Madonna mit dem Jesuskind. Sie wird als "Thron der Weisheit" verehrt. Eine Öffnung im Krypta-Gewölbe lässt den Schlussstein des Westchors mit der Gottesmutter erscheinen. Am Grund der Ostkrypta liegt eine Bodenplatte. Als Gedächtnisplatte erinnert sie an den Augsburger Bischof Simpert. Auch eine moderne Pietá ist hier untergebracht. Geschaffen hat sie der Bildhauer und Maler Maximilian Rueß? (1925 - 1990), der Träger des Kunstpreises der Diözese Augsburg war. Der Gekreuzigte ist ausgezehrt dargstellt, sein Leichnam ist kahlgeschoren und liegt nicht im Schoß der Muttergottes, sondern auf einem einfachen Traggestell. Maskenhafte Züge zeichnen das Gesicht der Maria, die resignativ ihre Arme herabhängen lässt, was daraufhinweisen soll, dass Schmerz sprachlos macht.

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Gnadenbild des Augsburger Doms in der Ostkrypta. 2007 © Jörgens.mi / , via Wikimedia Commons

Westchor und Querhaus

Über der Doppelkrypta liegt der Westchor des Augsburger Doms. Gegenüber dem Langhaus hat man ihn um einige Stufen erhöht. Kreuzrippengewölbe sitzen hier auf Konsolen mit figürlichen Darstellungen, Masken und Blattwerk. 1501 errichtete Burkhard Engelberg? die seitlich angebrachten Chorschranken, die den Westchor von den beiden Quertrakten des Querhauses separieren. Unter Maßwerkbrüstungen liegen Blendfelder mit reichen Kompositionen aus Fischblasen über Spitzbogenarkaden. Der Zugang zum Westchor ist mit Kielbogenportalen besetzt. Um in den Westchor zu kommen, muss der Besucher etwas aufsteigen und ein schmiedeeisernes Gitter von 1656 durchschreiten. Im Chorhaupt des Westchors sieht er die "Cathedra", den Bischofsstuhl. Es handelt sich um einen Marmorsessel, der von zwei Löwen flankiert wird und antiken kurulischen Sitzen nachgebildet ist. Der Bischofsstuhl mit seinem halbrunden Sitz wurde um das Jahr 1000 geschaffen. Das Chorgestühl mit seinen bedeutenden Schnitzereien wurde 1495 gearbeitet. Die hintere Reihe des Chorgestühls trägt Heiligendarstellungen, vorne sind alttestamentliche Szenen zu erkennen. Das bronzene Altarretabel mit seinem Aufsatz aus Erzguss von 1447 ist der ehemalige Hochaltar des Ostchores. Auch der Hängeleuchter stammt aus der Zeit der Spätgotik.

Am Südpfeiler des westlichen Chors ist ein Wandfresko aufgebracht, das die "Drei frommen Frauen" erkennen lässt, wie sie mit ihren Salbgefäßen zum Grab Jesu wandeln. Das Fresko wird auf 1430 datiert. Unter ihm schimmert noch ein älteres Fresko hindurch, das den "Schmerzensmann" darstellt. Im Mittelalter stellte man an dieser Stelle zu den Auferstehungsspielen eine Jahrmarktsbude auf.

Im südlichen Querhaus ist eine riesige Darstellung des hl. Christophorus von 1491 kaum zu übersehen, denn es ist etwa 14,5 Meter hoch. Im Süden des Querhauses ist das große Glasfenster mit der Darstellung Mariens als "Thron Salomonis" zu sehen, das um 1330/40 geschaffen wurde ("Marienthron-Glasfenster"). Sinn des farbenprächtigen Fensters ist die Verherrlichung Mariens als Himmelskönigin. 2010 baute man hier weitere drei große farbige Glasfenster ein. Die Entwürfe stammten von dem Künstler Johannes Schreiter aus Langen, eingebaut wurden die Fenster durch die Firma Derix-Glasstudios aus Taunusstein-Wehen.

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Dom Unserer Lieben Frau, Fresko des Hl. Christophorus 2012 © Jörgens.mi / , via Wikimedia Commons

Im Westen des Querhauses öffnet sich der Zugang zur Andreas-(Gruft)kapelle, einem gotischen Gewölberaum, der als Andachtsstätte Verwendung findet.

Die Wände des nördlichen Querhauses sind mit einer stattlichen Galerie von Bischofsportraits behangen. Die Bischofsgalerie wurde 1488 begonnen und 1591 erneuert. Sie wird auch heute noch weitergeführt. Die Bischofsgalerie beginn mit dem legendären Bischof Dionys? im Jahr 304.

In der Mitte des nördlichen Querhauses steht das Hochgrab bzw. die Tumba für Konrad und Afra Hirn, das bis zur Reformation in der Goldschmiedekapelle der Kirche Sankt Anna aufgestellt war. Das Hochgrab für das Bürgerpaar? wird Meister Ulrich zugeschrieben, der es 1425 gefertigt haben soll. Auf der Rotmarmorplatte sind die edlen Porträtreliefs der Wohltäter und Stifter der Goldschmiedekapelle zu sehen, außerdem die Pilgerpatrone Jakobus und Helena.

An den Wänden des nördlichen Querhauses stehen außerdem die Grabplatten der Bischöfe Walter von Hochschlitz (gestorben 1369) und Friedrich Spät von Faimingen (gestorben 1331).

Nördliches Seitenschiff

Marienkapelle
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Dom zu Augsburg. Der Hochaltar der barocken Marienkapelle März 2007. Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Dark Avenger~commonswiki als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Die Marienkapelle erreicht der Besucher des Augsburger Doms vom nördlichen Seitenschiff aus. Sie dient immer wieder als Trauungskapelle. Der runde Zentralraum wird durch kurze, nischenartige Kreuzarme erweitert und von einer Laternenkuppel überspannt.

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Kuppel und Laterne der Marienkapelle im Augsburger Dom. 2009 von Johannes Böckh (Selbst fotografiert) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Bei der Marienkapelle handelt es sich im Kern um einen spätbarocken Kuppelbau. Der Raum der Marienkapelle kontrastiert deutlich zur mittelalterlichen Architektur und Ausstattung der Augsburger Kathedrale. In der Innenstadt Augsburg finden sich sonst nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges nur noch wenige Zeugnisse barocker sakraler Dekorationskunst.

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Empore der Marienkapelle im Augsburger Dom. 2009 von Johannes Böckh (Selbst fotografiert) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Die Entwürfe zur Marienkapelle des Augsburger Doms stammen von dem Graubündner Baumeister Gabriel de Gabrieli, der im nahen Eichstätt Hofbaudirektor war. Erbaut wurde die Kapelle in den Jahren 1720 bis 1722. Der Bruder des Baumeisters, Franz Josef de Gabrieli, lieferte den Stuck, der Augsburger Johann Georg Bergmüller stattete die Kuppel und Laterne mit fünf Bildern aus. Sie illustrieren die wichtigen Marienfeste des katholischen Kirchenjahrs, können aber gleichzeitig als Allegorien der vier Jahreszeiten gedeutet werden. Feiner Bandelwerkstuck umrahmt die Gemälde. Von Johann Georg Bergmüller stammt auch das große Schutzengelbild an der Westwand der Kapelle, das auf 1714 datiert ist.

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Augsburg, Dom, Marienkapelle, Epitaph für Johann Franz Anton Graf Khevenhüller († 11. April 1762), Kustos des Augsburger Domstifts und Bischof von Wiener Neustadt; mit Bischofswappen Khevenhüllers und Ahnenprobe mit Wappen Falbenhaupt, Weltz, Rosenberg, Löwenstein. November 2015 von UliE1350 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Hauptattraktion und Mittelpunkt der Marienkapelle ist eine aus Sandstein geschaffene Madonna mit dem Kind, die zwischen 1330 und 1340 datiert wird. Sie wurde durch viele Jahrhunderte als Gnadenbild verehrt und steht in der Mittelnische des spätbarocken Säulenaltars, der auf die Erbauungszeit der Marienkapelle zurückgeht. Der Skulpturenschmuck von Ehrgott Bernhard Bendl? zeigt die Verwandtschaft Jesu, z. B. die hll. Josef, Joachim und Zacharias.

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Säulenaltar in der Marienkapelle des Augsburger Doms. 2009 von Johannes Böckh (Selbst fotografiert) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Der 1720 ausgearbeitete Entwurf Gabrielis zur Marienkapelle bezieht sich auf die böhmisch-schlesische Architekturtradition. Das erkennt der Betrachter an den kurvierten Grundrissen. Nachahmer fand der Entwurf in der Schönborn-Kapelle des Würzburger Domes, die Balthasar Neumann wenig später (1722/23) entwarf.

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Augsburg, Dom, Marienkapelle, Epitaph für Markus Albert von Freyberg († 28. September 1710), geschaffen von Füssener Steinmetzen um 1714; Relief mit dem Kampf des Erzengels Michael mit Luzifer, mit Stifterbild; umlaufend Ahnenprobe mit Wappen Freyberg, Stain, Hohenegg, Nothafft von Hohenberg sowie Rietheim, Closen, Gumppenberg, Weichs. Oben Wappen Freyberg. November 2015 by UliE1350 (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

Ein Bombentreffer beschädigte die Marienkapelle 1944. Glücklicherweise konnte man die noch erhaltene Originalmalerei restaurieren und Fehlendes ergänzen, indem man erhaltene Kupferstiche von Johann Georg Bergmüller zu Hilfe nahm. Die Nachkriegsrestauration übernehmen die Benediktbeurer Werkstätten Wiegerling. Auch 1987/88 nahm man Rekonstruierungen vor. Deshalb sind auch die Kuppelfresken weitgehend Nachschöpfungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der rekonstruierte Raum nach der Zerstörung ursprünglich als Kriegergedächtnisstätte.

Kreuzgang

Der Domkreuzgang ist öffentlich zugänglich. Hier sind viele Domherren begraben und gleich daneben grenzt das Diözesanmuseum Sankt Afra an. Er ist vom nördlichen Seitenschiff aus erreichbar und wurde von 1285 bis 1805 als Grablege bedeutender Kleriker und anderer wichtiger Personen benutzt. Insgesamt sind hier mehr als 400 Grabplatten und Epitaphien zu sehen, darunter Werke von Hans Peuerlin dem Älteren, Gregor Erhart, Loy Hering, Jakob Murmann, Hans Reichle und anderen.

Marienfenster

Auch das so genannte "Marienfenster" befindet sich im nördlichen Seitenschiff des Augsburger Domes. Marienfenster heißt es, weil es Stationen aus dem Leben der Muttergottes darstellt, so die Verkündigung, die Geburt Christi und die Krönung Mariens. Geschaffen wurde das Fenster im Jahr 1490 von Peter Hemmel von Andlau.

Lage


Weblinks


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