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Diesel, Rudolf

ein deutscher Erfinder, der am 28. Januar 1897 den ersten funktionsfähigen Dieselmotor in Augsburg vorstellte

Leben und Wirken

Die Augsburger Diesels besaßen eine Buchbinderei im Domviertel. Weil die Buchbinderwerkstatt zu wenig abwarf und in Deutschland die Revolution niedergeworfen wurde, wanderte Theodor, der älteste Sohn des Buchbinders Johann Christoph Diesel, 1848 nach Paris aus. Dort eröffnete Theodor Diesel eine Werkstatt für Saffian-Lederwaren und heiratete eine Nürnbergerin. An der Seine wurde 1858 sein ältester Sohn Rudolf geboren und auf den Namen Rodolphe Chrétien Charles getauft.

Als es die Familie 1870 kriegsbedingt nach London verschlug, schickten die Diesels ihren Sohn Rudolf zwölfjährig zur Verwandtschaft nach Augsburg und auf die dortige Königliche Kreis-Gewerbeschule?, wo Rudolf Diesel 1873 Jahrgangsbester war. Danach wechselte er auf die neu gegründete Augsburger Industrieschule?. Wieder hatte er in seinem Zeugnis zwölfmal die Note eins und nur eine einsame Zwei. Ein Stipendium machte es möglich, dass er am Polytechnikum in München das Maschinenbaustudium aufnahm. Nach Abschluss dieses Studiums arbeitete er am Institut des Kältetechnikers Carl von Linde.

Die MAN ermöglichte es Rudolf Diesel nach seinem Studium in München und beruflichen Anfängen in Paris und Berlin einen serienreifen Motor zu bauen, der später nach ihm benannt wurde. Diesel hatte die Unterstützung des Direktors der MAN, Heinrich von Buz? gefunden. In der Industriemetropole Augsburg – dem "deutschen Manchester" – entwickelte der Ingenieur und Erfinder Rudolf Diesel von 1893 bis 1897 gemeinsam mit der Maschinenfabrik Augsburg – der heutigen MAN – und unterstützt vom Unternehmen Friedrich Krupp in Essen den nach ihm benannten Motor.

Die Erfindung seines Motors hat Rudolf Diesel weltweit berühmt gemacht. Doch als der Dieselmotor auf den Markt kam, dauerte es noch etliche Jahre, bis die technischen Anfangsschwierigkeiten überwunden waren. Bisweilen bösartige Angriffe seiner Konkurrenten, Patentstreitigkeiten, Fehlschläge bei späteren Erfindungen und sein Scheitern als Sozialreformer verdüsterten neben wachsenden finanziellen Problemen Rudolf Diesels letzte Jahre. Aus dem genialen Ingenieur und Millionär, der sich eine schlossartige Villa im feinen Münchner Stadtteil Bogenhausen errichten ließ und mit Fürsten und Industriellen, Wissenschaftlern und Politikern verkehrte, war bis 1913 ein Mittelloser geworden. Sein allzu sorgloser Lebensstil, nachteilige Verträge, missglückte Firmenbeteiligungen und gewagte Spekulationen hatten den damals 55-Jährigen völlig verarmen lassen.

In der Nacht vom 29. auf den 30. September 1913 wählte Rudolf Diesel unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen den Freitod im Ärmelkanal.

Diesel wurde Multimillionär, scheiterte dann aber als Geschäftsmann wie als Sozialreformer. Der Dieselmotor trug zu Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich zum Aufstieg des Augsburger Unternehmens zum weltweit operierenden Konzern bei. Heute ist MAN Diesel & Turbo SE der weltweit führende Anbieter von Großdieselmotoren und Turbomaschinen für maritime und stationäre Anwendungen. In Augsburg waren 2012 4.000 von weltweit 15.000 Mitarbeitern tätig. Jedes zweite Automobil auf deutschen Straßen war damals ein Diesel, der Großteil der weltweiten Warenverkehrs wurde mit Dieselmotoren bewältigt. Im MAN-Museum Augsburg steht – direkt neben dem 1910 gemalten Porträt von Rudolf Diesel – der älteste erhaltene Dieselmotor der Welt.

Sonstiges

Der Diesel-Experte Horst Köhler beschrieb 2012 anlässlich des Gedenkjahrs 2013 in der Biografie "Rudolf Diesel. Erfinderleben zwischen Triumph und Tragik" das Leben des Ingenieurs, dessen Motor die Welt veränderte. Der Autor arbeitete selbst bei der MAN in Augsburg und zeigte auf, dass Rudolf Diesels Erfindung auf einer ganzen Reihe von Vorläufern aufbaute, und dokumentierte den gemeinsam mit der Maschinenfabrik Augsburg und Krupp in Essen erarbeiteten Erfolg.

Horst Köhler verdeutlichte in der Beschreibung des von Irrwegen und Rückschlägen gekennzeichneten Wegs zum serienreifen Dieselmotor, dass diese Erfindung ohne die Weitsicht und Beharrlichkeit des langjährigen Generaldirektors der Augsburger Maschinenfabrik, Heinrich von Buz?, damals wohl kaum verwirklicht worden wäre.

Vor dem ältesten erhaltenen Dieselmotor der Welt im Augsburger MAN-Museum, (v.l.n.r.): Tourismusdirektor Götz Beck, Gerlinde Simon (Leiterin des MAN-Museums), Michael Melzer (Leiter der Unternehmenskommunikation MAN Diesel & Turbo), Autor Horst Köhler und Verleger Martin Kluger präsentierten die Rudolf-Diesel-Biografie. Im Hintergrund hängt das Porträt des genialen Erfinders des Dieselmotors. Bildnachweis: context verlag Augsburg/Manfred Lehnerl

Der Autor Horst Köhler, 1941 in Augsburg geboren, studierte Maschinenbau an der heutigen Hochschule Augsburg, wo ihn Vorlesungen zu Thermodynamik, Verbrennungsmotoren und Konstruktionslehre mit den Ideen Rudolf Diesels und seiner Erfindung bekannt machten. Fast 40 Jahre – also sein gesamtes Berufsleben – verbrachte Köhler bei der heutigen MAN Diesel & Turbo SE in Augsburg, ein Geschäftsbereich von MAN SE?. Zuletzt war er für Technical Promotion verantwortlich und arbeitete zahlreiche technische Veröffentlichungen und Vorträge sowie Vorlesungen über Dieselmotoren und Rudolf Diesel aus. Mehr als 20 Jahre lang hatte Köhler an der Hochschule Augsburg einen nebenberuflichen Lehrauftrag inne. Der Autor ist Verfasser einer Reihe von Fachbüchern zu Raketentechnik, Weltraumfahrt und Planetenforschung, zu Herpetologie und Ichthyologie sowie einiger hundert Zeitschriftenbeiträge, darunter auch mehrere im renommierten US-Journal of Geophysical Research. Für seine Diesel-Biografie hat Köhler auch die Geschichte der Vorfahren und Verwandten Rudolf Diesels in Memmingen und Augsburg recherchiert und beschrieben. Seine intensiven Forschungsarbeiten führten am Ende dazu, dass er sogar ein längst vergessenes und halb verfallenes Familiengrab der Familie Diesel auf dem Augsburger Protestantischen Friedhof ausfindig machen konnte, das im Gedenkjahr 2013 mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer Schwaben renoviert und in eine Gedenkstätte umgewandelt wurde.

Horst Köhler
Rudolf Diesel. Erfinderleben zwischen Triumph und Tragik
context verlag Augsburg
228 Seiten, 82 Abbildungen
EUR 16,90
ISBN 978-3-939645-57-3

Ebenfalls zum 100sten Todestag des Ingenieurs Rudolf Diesel entwickelte die Regio Augsburg Tourismus GmbH in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Florian Kreis eine spezielle Führung auf den Spuren Rudolf Diesels durch Augsburg.

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