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Die Fugger und die Musik

Eine regelmäßige Konzertreihe klassischer Musik an Stätten, die mit der Geschichte der Fugger zusammenhängen.

Allgemeines

Die Reihe soll an das Mäzenatentum der Fugger erinnern. Die Familie Fugger war nicht nur an der Entwicklung ihrer Firma, sondern immer auch an allen Entwicklungen in der Gesellschaft interessiert. Seit einem halben Jahrtausend engagieren sich die Fugger in der Kunstförderung - und das war für die Geschichte Schwabens und in der Frühen Neuzeit für die Geschichte Europas sehr wichtig. Neben der Malerei? und der Architektur widmeten sich die Fugger natürlich auch der Musik. Sie waren Mäzene von Komponisten wie Orlando di Lasso? oder Hans Leo Haßler.

Sabine Lutzenberger und Wolfram Oettl konzertierten zum Auftakt der Reihe „Die Fugger und die Musik“ 2012 in der Leonhardskapelle der Augsburger Fuggerei. (Bildnachweis: Martin Kluger)

Das Spektrum reicht von Kompositionen der Spätantike, der Renaissance, des Rokoko und der Klassik bis hin zur zeitgenössischen Musik. Mozart, Brahms, Caesar Franck, Mendelssohn, Schostakowitsch, mittelalterlicher Minnesang und Kammermusik. Es werden vor allem Kammerkonzerte veranstaltet, und zwar an Orten, die mit dem Handelsgeschlecht in Verbindung stehen, also in der Fuggerstadt Augsburg, in Fuggerschlössern, Fuggerkirchen und für die Fugger bedeutsamen Orten. Solche Orte sind zum Beispiel die Leonhardskapelle? der Fuggerei, der Zedernsaal im Schloss Kirchheim, die Theklakirche? von Welden, Weißenhorn?, Donauwörth oder der Marmorsaal in Nürnberg.

Manchmal wird auch auf historischen Instrumenten gespielt.

Beteiligt sind die Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg und das Philharmonische Orchester Augsburg?.

Veranstaltet wird die Konzertreihe von der Regio Augsburg Tourismus GmbH.

Geschichte

Die erste Konzertreihe "Die Fugger und die Musik" fand im Jahr 2003 statt.

Im Jahr 2006 fanden erstmals zwei Konzerte unter dem Motto "Fugger und Musik für Familien" unter Mitwirkung des Symphonieorchesters des Augsburger Gymnasiums Sankt Stephan statt.

2007 stellte man im Rahmen der Konzertreihe die kulturellen Kontakte zu Antwerpen wieder her, indem Musiker aus Antwerpen zu einem Konzert im Goldenen Saal? kamen. Die Fugger pflegten enge Beziehungen mit der flämischen Handelsstadt. Noch heute erinnert an diese Zeit ein von den Fuggern gestiftetes Fenster in der Liebfrauen-Kirche von Antwerpen, das Anton Fugger unter dem Schutz seines Namenspatrons Antonius darstellt. Besonders eingesetzt hat sich für diese Wiederaufnahme der traditionsreichen Beziehung Augsburgs zu Antwerpen Prof. Michael Scheck, der selbst Musiker ist und damals in Antwerpen lebte und arbeitete.

2008 feierte man zwei Jubiläen: 250 Jahre war es her, dass die von Joseph Maria Graf Fugger? gelobte Theklakirche? in Welden geweiht worden war. Und 400 Jahre waren vergangen, seit die Fuggerorgel in der katholischen Basilika Sankt Ulrich und Afra in Augsburg zum ersten Mal gespielt werden konnte. Das Instrument – das Original ist leider nicht mehr erhalten – wurde von Jakob Fugger-Babenhausen? gemeinsam mit der Michaelskapelle?, wo er seine letzte Ruhe fand, gestiftet. Auf dieser Orgel spielte schon Wolfgang Amadeus Mozart.

2011 kam es unter dem Titel "Ehrenbuch & Kupferwerk" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Die Fugger und die Musik" zu einem Fachgespräch, das musikalisch untermalt war. Franz Karg, M.A., damals der Archivar des Fugger-Archivs? in Dillingen a.d. Donau? und Dr. Helmut Zäh, der Kurator der damaligen Sonderausstellung "Bürgermacht und Bücherpracht" im Maximilianmuseum sprachen über "Ehrenbuch & Kupferwerk" sowie über die Bedeutung und Nachwirkung von Augsburger Prunkhandschriften, Wappen- und Familienbücher aus Renaissance und Frühbarock. Auch über das von Hans Jakob Fugger? beauftragte Geheime Ehrenbuch der Fugger?, das von 1545 bis 1549 von der Augsburger Werkstatt Hans Breu d. J.? illustriert wurde.

2012 feierte man das zehnte Jubiläum der Konzertreihe. Es startete mit Kompositionen von Hans Leo Hassler, dessen 400. Todestag man in diesem Jahr ebenfalls gedachte, sowie mit dem musikalischer Querdenker John Cage, dessen Geburtstag sich 2012 zum hundertsten Mal jährte. In der Leonhardskapelle? der Fuggerei begrüßte Albert Graf Fugger von Glött? als Vertreter des Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Familienseniorats die geladenen Gäste.

Ein rotes Cembalo stand im Mittelpunkt des Auftaktkonzerts der Reihe „Die Fugger und die Musik“ in der Leonhardskapelle der Augsburger Fuggerei 2012: Albert Graf Fugger von Glött (auf dem Foto mit Gattin Elisabeth und Tochter Theresia) begrüßte die geladenen Gäste. Rechts: Wolf-Dietrich Graf von Hundt, Administrator der Fuggerschen Stiftungen und Tourismusdirektor Götz Beck. (Bildnachweis: Martin Kluger)

2016 fand die Reihe "Die Fugger und die Musik" unter dem Motto "Die Fugger und Italien" statt.

Details

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Unterstützt wird die Konzertreihe von der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungs-Administration, was erst die einzigartige Einbindung in das historische Umfeld des führenden und weltweit operierenden Finanz- und Handelshauses der Renaissance ermöglicht. Und genau das ist das Besondere an dieser Konzertreihe: Die Schauplätze sind jeweils für die Geschichte der Familie Fugger bedeutsame Orte – vor allem Kirchen, Schlösser, Stadtpaläste und Rathäuser. Schon ein Bild von 1520 zeigt Jakob Fugger und seinen Hauptbuchhalter in der Schreibstube mit der Registratur, auf der die Namen vieler bedeutender Städte des 16. Jahrhunderts zu lesen sind, was zeigt, dass hier ein grenzüberschreitendes Handelshaus arbeitete. Und das brachte nicht nur den Austausch von Waren mit sich, sondern auch den Austausch neuer Ideen und - Musik.

Was die Familie Fugger für die Musik – und damit auch für Augsburg als Musikstadt – getan hat, ist einmalig. Es gibt wohl in ganz Deutschland kein anderes bürgerliches Geschlecht des 16. und 17. Jahrhunderts, das in dieser Hinsicht mit dem der Fugger vergleichbar wäre. Schon Jakob Fugger der Reiche zeigte durch die Stiftung der Orgel und einer Organistenstelle bei Sankt Anna, wie außerordentlich aufgeschlossen er für die Musik war. Später stifteten Angehörige seines Hauses auch für Sankt Ulrich und Afra und für Sankt Moritz Orgeln und bezahlten die Organisten. Die Freude an der Musik und ihre Förderung „vererbten“ sich im Hause Fugger über viele Generationen weiter - bis heute, was die Konzertreihe belegt.

Brüder Gabrieli und Hassler

Die Beziehungen der Fugger zu den venezianischen Komponisten Andrea Gabrieli und Giovanni Gabrieli sind durch die Widmung mehrerer Musikdrucke und Kompositionen an Mitglieder der Familie belegt. Hans Leo Hassler, der von Andrea Gabrieli 1584/85 in Venedig in Komposition und Orgelspiel unterwiesen worden und seither mit Giovanni Gabrieli befreundet war, diente nach seinem Italienaufenthalt 15 Jahre lang Octavian Secundus Fugger? als Kammerorganist. Hassler war einer der ersten deutschen Musiker, die zum Studium nach Italien reisten. Bei der Verbreitung italienischer Musikstile und -gattungen im deutschen Raum spielte der gebürtige Nürnberger eine zentrale Rolle.

Gregor Aichinger und Christian Erbach

Auch das Schaffen von Gregor Aichinger, der den Fuggern zwölf Musikdrucke widmete, war von Italien beeinflusst. Nachdem ihn der 1542 geborene Jakob Fugger III.? als Organist an der Fuggerorgel Sankt Ulrich und Afra angestellt hatte, schickte ihn dieser zum Studium nach Venedig. Dort war er Schüler von Giovanni Gabrieli. Mit Christian Erbach?, der Organist des Markus Fugger? an Augsburger Kirchen, führte Aichinger am Dom die venezianische Chorpraxis ein.

Melchior Neusidler

Einer der bei den Fuggern bediensteten Lautenisten war Melchior Neusidler: Er gehörte ab 1583 dem Haushalt von Octavian Secundus Fugger? an. Neusidler wirkte bei den Hochzeitsfeierlichkeiten von dessen Schwester Ursula mit und komponierte sogar einen "Fuggerin Dantz". In den Jahren 1565/66 hatte Neusidler eine Italienreise unternommen und in Venedig zwei Lautenbücher veröffentlicht. Nicht nur mit seinen Instrumentalstücken, sondern auch mit der Musik seiner italienischen Kollegen waren die Fugger durch ihre geschäftlichen wie privaten Beziehungen nach Italien vertraut.

Die Fugger betätigten sich immer wieder als Gönner oder Dienstherrn von musikalisch bedeutsamen Persönlichkeiten.

  • Hans Jakob Fugger? vermittelte Orlando di Lasso? nach München, wo er schließlich mit besonderen Vollmachten Herzog Albrechts ausgestattet, 1565 die Hofmusikintendanz übernahm und einen intensiven Musikeraustausch mit dem bayerischen Hof einleitete. Die reiche Bibliothek von Hans Jakob Fugger? mit kostbaren musikalischen Kodizes bildet den Grundbestand der Bayerischen Staatsbibliothek.
  • Raimund Fugger d. J.?, ein Bruder Hans Fuggers?, hat ein Verzeichnis seiner Musikalien- und Instrumentensammlung geschaffen, was ein aufschlussreiches Dokument für das musikalische Können und das Mäzenatentum der Fugger darstellt. Teile seiner wertvollen Bibliothek gelangten später nach Heidelberg, Rom und Wien.
  • Octavian Secundus Fugger? engagiert 1586 Hans Leo Haßler als Kammerorganisten.

Viele hervorragende Musiker, die um 1600 in Augsburg gewirkt haben, brachten Mitglieder der Familie Fugger in die Stadt. Deshalb tragen die Widmungen zahlreicher Musikwerke der Renaissance den Namen der Fugger.

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