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Details Gaswerk Oberhausen

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Das ehemalige städtische Gaswerk in Oberhausen ist einheitlich gestaltet. Man hat die verschiedenen Betriebseinrichtungen in Gebäudegruppen zusammengefasst, die hofartig angelegt sind. Bei den Bauwerken handelt es sich zum größten Teil um Eisenbetonbauten, die sparsam mit Putzgliederungen ausgestattet sind.

Geht man durch die Tordurchfahrt, so sieht man rechts und links zweigeschossige Verwaltungs- und Wohnbauten mit Walmdach. In der Eingangsachse steht der Wasserturm, der ursprünglich mit Ziegeln gedeckt war, heute aber eine Metallhaut aufweist. Nördlich davon steht das Generatorhaus, das einen Dieselmotor von MAN aus dem Jahr 1922 beherbergt. Im Osten schließen sich an den Wasserturm über einen Galeriebau das Saugerhaus und ein Apparate- und Reglerhaus mit einer Maschinenhalle auf einem ovalen Grundriss an. Auch nach Westen erstreckt sich ein Galeriebau. Daran schließt ein Ofenhaus an, in dem Koks in Gas gewandelt wurde.

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An den ersten Hof schließt sich der zweite Hof an, in dem in der Achse Haupteingang und Wasserturm eine Rotunde liegt, die mit Schiefer gedeckt ist. In der Rotunde ist ein Gasbehälter untergebracht, der früher zur Schwachgaserzeugung genutzt wurde. Westlich davon stehen Werkstätten und das Labor. Im Osten schließt sich der Gasreinigungsbau mit mehreren Geschossen an. Östlich der Gebäude stehen drei Gasbehälter.

Zunächst war die Putzgliederung der Gaswerksgebäude zweifarbig.

Die Anlage wurde durch den Abbruch der Kokerei und die Umstellung auf Erdgas um 1970 in ihrer Einheitlichkeit etwas gestört. Damals wurde die Mess- und Reglerstation für russisches Erdgas erbaut.

Werkseinfahrt

Früher sprach man vom Portalgebäude. Es hatte ein zweiflügeliges Tor, eine Autowaage, einen Pförtnerraum, Büroräume im 1. Stock und links wie rechts Wohnungen. Auch das Archiv befand sich bis 2004 hier, heute ist es im Stadtarchiv? untergebracht. Das ehemalige Direktorenbüro hat man ins tim gebracht. Über der Einfahrt befand sich bis 1960 ein Dachreiter, der leider abgerissen wurde. Die Wohngebäude im Westen sind etwas erweitert.

Angestelltenwohnungen

Links von der Werkseinfahrt sind die Wohnungen der Angestellten. Schon 1915 waren sie für die Belegschaft gebaut worden. 1927 ergänzte man noch zwei Arbeiterwohnhäuser. Während des Zweiten Weltkriegs baute man aufgrund der Wohnraumnot die Dachböden aus. Die Wohnungen werden noch heute genutzt. Im ehemaligen Beamtenwohnhaus wohnten früher der Gaswerksdirektor und sein Stellvertreter, im ehemaligen Bürogebäude befand sich eine Nachtwächterwohnung, die ehemaligen Arbeiterwohnungen befinden sich in der Auerstraße.

Garage

Nicht allzu weit von dem Eingangsbereich entfernt befindet sich die ehemalige Garage für LKW, PKW und Motorräder. Hier stand z. B. ein LKW, der städtische Gebäude und Institutionen mit Koks versorgte. Im Osten der Garage hatte man eine Gärtnerei angebaut, die Obst und Gemüse für die Werkskantine lieferte. Auf der Wiese bei der Garage stand früher eine Wetterstation und unter dem Boden befand sich im Zweiten Weltkrieg der Luftschutzkeller. Auch eine Tankstelle war hier vorhanden.

Koksseparation

Von der Garage aus links auf dem Gelände liegt die ehemalige Koksseparation. Es war ein lauter und vielleicht der dreckigste Arbeitsplatz im Gaswerk. Hier wurde der Koks aus der Verkokung der Kohle zerkleinert, größenmäßig sortiert und bis zum Verkauf gelagert. Früher wurden ja noch viele städtische Gebäude mit dem Koks aus dem Gaswerk beliefert. Erbaut wurde das Gebäude schon 1914, aber 1969/70 abgerissen. Früher konnte ein LKW zum Beladen unter das Gebäude und die Silos fahren. An die Koksseparation schloss sich bis 1969 die Kokslöschanlage an.

Ofenhaus

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Blickte man früher von Südosten auf die Anlage, sah man rechts den Wasserturm mit einer Uhr, den Sozialgebäude-Eingang und links davon das Ofenhaus, dahinter Kohlensilo und Kokssepartaionsgebäude. Es hatte einen Verbindungsgang zum Kohlensilo. An der Front des Gebäudes befinden sich vier ovale Fenster mit fünf stilisierten Zirbelnüssen. Gebaut wurde das Ofenhaus mit seinem Tonnendach zwischen 1913 und 1915. Bis 1956 wurde hier in den Öfen Stadtgas erzeugt, schon 1939 riss man aber fünf Kamine ab, 1956, als man die Öfen entfernte, auch die restlichen fünf Kamine. Von 1956 bis 1969 brachte man hier Generatoren für so genanntes Generatorengas unter.

Eine Kuriosität am Rand: Während des Zweiten Weltkriegs soll hier das teuerste Gas der Welt erzeugt worden sein, indem man 15 Tonnen Aktien-Papiere im Nennwert von 8 Milliarden Reichsmark verbrannte und damit Gas erzeugte.

Kohlensilo

Dieses Gebäude aus dem Jahr 1915 wurde 1969 gesprengt. Es handelte sich um ein Ranksches Schrägtaschensilo, das sieben Bunker mit 40 Grad Neigung, eine wasserdichte Fundamentplatte und ein Fassungsvermögen von etwa 12.000 Tonnen Kohle hatte. Neben Steinkohle lagerte man ab 1933 auch Feinkohle. Zum Silo gehörten ein Waggonkipper, der elektrisch betrieben wurde, zwei Becherwerke zum Transport und eine elektrische Hängebahn, die Kohle ins Ofenhaus transportierte.

Behälterturm

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Auch der Behälterturm wurde 1915 gebaut - ähnlich wie der Turm am Glaspalast. Vom Eingang ragt er mit seiner Turmuhr direkt vor dem Blick 35 Meter hoch auf. Während die meisten anderen Gebäude aus Stahlbeton gebaut wurden, hat man den Behälterturm in Backstein ausgeführt. Das Dach des Hauptturms war bis 1960, die beiden Dächer der Nebentürme bis 1964 mit Ziegeln gedeckt, dann hat man Bleche aufgezogen, wodurch ein Fahnenmast auf der Dachspitze weichen musste. Südlich vor dem Behälterturm befindet sich das Sozialgebäude, nördlich dahinter die Elektrozentrale, westlich oder links befinden sich zwei Arkadenbrücken zum Ofenhaus, östlich oder rechts zwei Übergänge zum Sauger- und Kühlhaus. Der Behälterturm fasst vier Wasserbehälter, in denen Wasser aus dem eigenen Brunnen und Brauchwasser aufbewahrt wurde, um die Gasverdichter und das Notstromaggregat zu kühlen und für einen Notfall genügend Löschwasser zu haben. Weiter gab es einen Teerbehälter und einen Ammoniakwasserbehälter.

Elektrozentrale

Weil es bei Gewittern oft zu Spannungsschwankungen oder Stromausfällen kam, wurden zuvor die Notstromgeneratoren gestartet, um das Gaswerk mit eigenem Strom versorgen zu können, denn es hätte lange gedauert, um ausgefallene Öfen wieder in Betrieb zu bringen. Hier in der Elektrozentrale standen vier 10-Kilovolt-Transformatoren für den Notstrombetrieb. Erbaut wurde die Elektrozentrale 1914.

Sozialgebäude

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Die Augsburger Gaswerker bezeichneten die Sozialgebäude früher als "Wohlfahrtsgebäude". Es steht vor dem Behälterturm und hält Umkleide-, Wasch- und Büroräume sowie eine Kantine vor. Hier konnte man sich umziehen und duschen, wenn man auf dem werkseigenen Fußballplatz westlich des Still-Ofens gebolzt hatte. Das erste Sozialgebäude wurde 1915 mit 20 Waschbecken, 12 Brausen, vier Fußwaschbecken, drei Wannenbädern und einem Speiseraum für 40 Beschäftigte errichtet. Daneben hatten Angestellte und Beamte noch einen eigenen Sozialraum. Dieses erste Sozialgebäude wurde aber 1958 abgerissen. An seine Stelle trat ein Flachdach-Neubau für 250 Beschäftigte.

Sauger- und Kühlerhaus

Gebaut 1914 ist es durch Arkadengänge mit dem Behälterturm im Westen und dem Apparatehaus im Osten verbunden. Hier wurde das Gas aus den Öfen gesaugt und dann abgekühlt ins Apparatehaus geleitet. Das Dach besitzt einen Dachreiter, die Südseite eine Atelier-Fensterfront. Die Nordseite besitzt keine Fenster, weil hier bis 1955 die Wassergasanlage stand. Der Dachstuhl mit seinen eisernen Rahmenbindern und Zugstangen ist innen mit Holz ausgekleidet.

Die Speicherung von Gas unter Druck in einem Stahlbehälter war zu Beginn dieser Technik eine gefährliche Aufgabe. Daher wurde die Wassergasanlage mit einem Rundbau aus Stahlbeton ummauert. Das Stahlgefäß ist längst verschwunden. Der runde Raum mit kleiner Kuppel, einer Kapelle ähnlich, ist geblieben. Heute kann der Raum für die Präsentation von edlen Produkten oder für Empfänge genutzt werden.

Kesselhaus

Im Kesselhaus, das 1915 gebaut und 1984 abgerissen wurde, erzeugte man Dampf für das Gaswerk, etwa für die Dampfspeicherlok, die Beheizung der Gasbehälter, die Raumheizungen oder die Wassergasanlage. Das Kesselhaus schloss sich früher hinter dem Sauger- und Kühlerhaus an. Zunächste waren hier drei gemauerte Zweiflammrohr-Doppelkessel eingebaut, die aber 1962 durch moderne Dampfkessel ersetzt wurden. In diesem Jahr fiel auch der 30 Meter hohe Kamin weg und wurde durch drei Dachkamine ersetzt.

Apparatehaus

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Das 1915 erbaute ovale Apparatehaus liegt rechts neben dem Sauger- und Kühlerhaus und ist 600 Quadratmeter groß. Früher bezeichnete man es als Apparate-, Uhren- und Regleranlage. Mit "Uhren" waren Gaszähler gemeint. Getragen wird das Gebäude von Außenpfeilern. Große Arkadenfenster durchbrechen die Mauern. Von hier wurden früher die Gasbehälter, die von der Ostseite des Gebäudes zu sehen sind, befüllt oder geleert, weshalb man ihre Inhaltsanzeige gut sehen kann. Im Erdgeschoss des Gebäudes stehen Verdichtermaschinen, Umfüllgeblöse, Schiebersteuerräder und Zähler, im Keller sind die großen Gasrohre zu sehen, die von hier ausgehen. Vom Apparatehaus aus wurde früher durch die Erhöhung des Gasdrucks die Augsburger Gasbeleuchtung eingeschaltet oder durch Erniedrigung gelöscht.

Die Architekten haben dieser Steuerungszentrale eine grandiose Halle gebaut. Zwei Reihen von Pumpen und Kompressoren werden von einer höher gestellten Kommandobühne aus befehligt. Große Fenster fluten den Raum mit Licht. Eine flach gewölbte Decke macht aus der langgestreckten Maschinenhalle einen europaweit einmaligen Festsaal aus der Industriezeit. Der Raum wäre ein idealer Platz für ein Restaurant, das mit einem solchen Auftritt aus dem Rahmen fällt. Die wertvollen Apparate des Raums sind mit edlem Material überbaut und auf den Vitrinen entsteht eine Reihe von gut nutzbaren Podien.

Reinigergebäude

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Hinter dem Apparatehaus steht das eindrucksvolle Reinigergebäude von 1915. Hier wurde das schwefelhaltige Gas durch eine Masse geleitet, die den Schwefel aufnahm und so das Gas vom Schwefel reinigte. Mit seinen sich nach oben verjüngenden Dachformen erinnert es an eine Stufenpyramide. Viele große Fenster bringen Licht in das Innere.

Das Obergeschoss ist ein eindrucksvoller Saal mit Arkaden entlang der beiden Fensterfronten, etwas höher gesetzt. Der große zentrale Raum ist durch eine Stützreihe in der Mitte geteilt. Darüber befindet sich dann noch ein großzügiges stützenfreies Dachgeschoss mit dem interessanten Dachstuhl.

Wie könnte dieser Raum in Zukunft genutzt werden? Eine Idee wäre, ihn zum Eventraum zu machen: Vom Konzert bis zur Ausstellung, von der Produktpräsentation bis zur Kunstinstallation könnte hier vieles stattfinden. Nach jeder Veranstaltung könnte man die Räume wieder so wie vorher, leer und schön, herrichten.

Werkstätten

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Links vom Reinigergebäude schließen sich Werkstätten an. Es handelt sich um eine Dreherei, ein Labor, eine Schlosserei, eine Schreinerei und ein Schlossereilager. Die Werkstätten wurden 1915 erbaut. In der Dreherei befanden sich eine Fräßmaschine und drei Drehmaschinen. Das Labor hatte verschiedene Aufgaben. Zum einen kontrollierte man die Gasqualität, zum anderen die Wasserqualität. Darüber hinaus machte man Versuche mit verschiedenen Kohlemischungen. Die Schlosserei kümmerte sich um die Eisenrohre im Werk. Dazu gehörte das Lager, wo Rohre und Eisen gelagert wurden. Die Schreinerei fertigte Türen, Möbel und Fenster.

In der Mitte zwischen den verschiedenen Werkstätten, deren Folge links durch einen Batterieladeraum abgeschlossen wird, stand der kleine Scheibengasbehälter mit 1.600 Kubikmetern Volumen. Es war der weltweit erste Scheibengasbehälter, den die MAN verkaufte. Gebaut wurde er 1915 im Werk Gustavsburg, renoviert hat man ihn 1953. Bis 1968 war er in Betrieb, 1970 baute man ihn innen ab, doch die Umhüllung steht noch heute. Hier wurde Schwachgas gespeichert.

Gasbehälter

Die großen Gasbehälter des Werkes stehen vom Eingang gesehen rechts. Wahrzeichen des Gaswerkes in Augsburg ist zwar der weithin sichtbare rund 100 Meter hohe Scheiben-Gasbehälter. Nur etwas mehr als ein Drittel so hoch, dafür aber technisch interessanter und historisch bedeutender sind die beiden in seinem Schatten stehenden Teleskop- oder Glockengasbehälter mit runden Wasserbecken, auch Wölbbassins genannt.

Teleskop-Gasbehälter 1 (25.000 Kubikmeter)

Dieser Gasbehälter wurde von Oktober 1910 bis Dezember 1911 durch die MAN Werk Gustavsburg errichtet und stand noch vor allem anderen. Wahrscheinlich ist es der älteste Teleskop-Gasbehälter, der noch existiert. Schon 1911 nahm man ihn in Betrieb. Sein Gerüst besteht aus 16 Pfosten, er hat drei Hubteile mit einer Oberglocke. Der Durchmesser erreicht fast 40 Meter, die Höhe etwas über 30 Meter. Der Gasbehälter ist genietet und das Besondere ist ein MAN Wölbbassin. Diesen Gasbehälter nutzte man bis 2001.

Teleskop-Gasbehälter 2 (50.000 Kubikmeter)

Im Prinzip ist dieser 1913 erbaute Teleskop-Gasbehälter baugleich mit dem Teleskop-Gasbehälter 1, nur dass er doppelt so groß dimensioniert wurde. Er wurde ebenfalls von der MAN im Werk Gustavsburg gebaut, hat ebenfalls ein Wölbbassin und ist genietet. Er hat ein Gerüst aus 20 Pfosten und drei Hubteile mit Oberglocke. Der Durchmesser überschreitet 53 Meter, die Höhe erreicht mehr als 34 Meter. Bei dem großen Bombenangriff auf Augsburg im Februar 1944 erlitt er eine leichte Beschädigung, die aber innerhalb von Tagen wieder beseitigt werden konnte. Die Sanierung erfolgte 1955. Auch dieser Gasbehälter war bis 2001 in Betrieb. Im Norden des Gerüstes grüßt eine Wetterfahne mit dem Text "Gas".

Scheiben-Gasbehälter 3 (100.000 Kubikmeter)

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Dieser Gasbehälter wurde zwischen November 1953 und November 1954 erbaut und ist baugleich mit dem in der Stadt Oberhausen stehenden. Unter dem eigentlichen Behälter befindet sich ein Lagerraum. Gebaut wurde der Scheiben-Gasbehälter von der MAN Werk Gustavsburg. Noch 1954 wurde er in Betrieb genommen. Seine Höhe beträgt mehr als 86 Meter, sein Durchmesser etwa 45 Meter. Er besteht aus genieteten Mantelblechen und es gibt vier Umgänge, einen Außenaufzug, einen Innenaufzug und eine Treppe mit fast 400 Stufen. Auch diesen Scheiben-Gasbehälter schickte man 2001 in Rente.

Bis dahin hat den Innenraum außer dem Wartungspersonal nie jemand gesehen. Dabei ist das Raumerlebnis unvergleichlich anders als das von Kirchen, Schlössern oder Opernhäusern. Jeder Ton wird von einem 14-fachen Echo begleitet. Und jeder Blick verliert sich in Höhe und Weite. So karg und endlos leer soll es auch in Zukunft im Scheiben-Gasbehälter bleiben. Aber es lassen sich auch zwölf nutzbare Geschosse mit 8000 Quadratmeter Fläche in Gestalt einer Stahlspindel in diesen Riesenraum hineinstellen. Der Innenraum verliert dadurch nicht die erhabene Größe.

2009 war dieser Scheibengasbehälter das vierthöchste Gebäude in Augsburg.

Still-Ofenanlage

Es handelte sich um eine Horizontalkammer-Ofenanlage des Herstellers Still (Recklinghausen) mit 40 Kammern. Mit dem Bau begann man 1950, Mitte des Jahres 1951 konnte man eine erste Ofenbatterie in Betrieb nehmen, die Kohle in Gas wandelte, 1954 eine zweite und 1957 eine dritte. In der Endausbaustufe konnte die Anlage 280.000 Nm³ Stadtgas erzeugen.

Zur Anlage gehörten Bandbrücken, ein Lösch- und ein Kohleturm, ein Kühlturm sowie eine Mahl- und Mischanlage.

Die Kohlen zum Betrieb der Anlage wurden mit der werkseigenen Dampfspeicherlok vom Bahnhof Oberhausen? abgeholt, im Kohlensilo oder im Freien gelagert, bevor sie in den Kohlenmahlturm kamen und dem Still-Ofen zugeführt wurden, wo sie vergast wurden. Der übrig gebliebene Koks wurde im Löschturm "gelöscht", in der Koksseparation sortiert und anschließend zum Verkauf abtransportiert.

1968 stellte man die Gasverkokung ein und in den beiden folgenden Jahren riss man die Anlage ab.

Reglerstation

In den 1962 erbauten Gebäude wurden Druckverhältnisse und Gasmengen kontrolliert und austariert, bevor das Gas ins Stadtnetz eingespeist wurde.

Erdgas-Spaltanlage

Die Erdgas-Spaltanlage wurde gebraucht, als man von Stadtgas auf Erdgas umstellte. Das Erdgas hatte nämlich einen mehr als doppelt so hohen Heizwert, weshalb in den Jahren von 1963 bis 1978 die Verbraucher auf dem Heizwert-Niveau des alten Stadtgases versorgt werden mussten, so lange sie noch nicht ihre Anlagen umgestellt hatten.

Messwarte

Sie wurde 1963 gebaut und war bis 2001 rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb besetzt, um die komplette Anlage kontrollieren zu könnnen.

Hochdruck-Röhrenspeicher

Nachdem man 1969 das Kohlensilo aus dem Jahr 1914 gesprengt hatte, baute man 1970 auf dem frei gewordenen Gelände vier Flüssiggasspeicher, in denen man ab 1971 Butan speicherte. Weitere vier Flüssiggasspeicher kamen 1981 hinzu, 1987 riss man die älteren vier Tanks ab und baute 1991 die jüngeren zur Erdgasspeicherung um. Weil die Tanks mit Erde bedeckt und bepflanzt sind, um Temperaturschwankungen auszugleichen, spricht man scherzhaft auch von Hühnengräbern.

Konditionierungsanlage

Diese Stickstoffabtrennungsanlage wurde 1972 von einer Pariser Firma geliefert und war bis 1976 in Betrieb, um holländisches Erdgas an den Heizwert des aus Russland gelieferten Erdgases anzupassen. 1976 riss man diese Anlage schon wieder ab.

Erdgas-Übernahmestation

Diese Station brauchte es seit 1962. Seit diesem Jahr wird Augsburg nämlich mit Pipeline-Erdgas versorgt. In der Pipeline besitzt das Gas einen anderen Druck als in den verschiedenen Augsburger Gasleitungen, weshalb in der Erd-Gasübernahmestation der Druck angepasst werden muss. Außerdem setzt man dem Gas noch das Odormittel, ein Geruchsmittel zu, um Lecks in Leitungen schnell lokalisieren zu können. Zur Sicherheit der Augsburger Gasversorgung steht in Kissing eine zweite Erdgas-Übernahmestation.

Fahrzeuge

Eisenbahn

Schon im Jahr 1913 wurden auf dem Gaswerkgelände Eisenbahnschienen verlegt: 1.350 Meter mit 11 Weichen. Man baute einen Lokschuppen, zwei Bahnübergänge und zwei Gleiswaagen. 1986 reduzierte man auf etwas über 530 Meter Gleis mit zwei Weichen und zwei Bahnübergängen. Zu den Schienen gehörte eine eigene Werkseisenbahn. Die Lok war eine Dampfspeicherlok, die mit Dampf befüllt wurde und im Werk "Dampfbügeleisen" genannt wurde. Sie stammte aus dem Jahr 1919 und kam aus der "Lokomotivfabrik Krauss + Comp. Aktiengesellschaft" in München-Sendling. Benutzt wurde sie bis 1968, verschrottet im Jahr darauf. Zwischen 1951 und 1968 verkehrte eine zweite Lokomotive auf dem Gelände. Es war eine Kokslösch-Lokomotive mit Drehstrom, die zwischen dem Still-Ofen und dem Löschturm verkehrte.

Nutzfahrzeuge

Man kann sich vorstellen, dass auf dem Gaswerk-Gelände verschiedenste interessante Nutzfahrzeuge verkehrten. Etwa ein MIAG-Fahrzeug (gefertigt von MIAG Mühlenbau u. Industrie Gmb H? Fahrzeugbau Braunschweig) aus dem Jahr 1956, das schwere Teile mit mehreren Tonnen Gewicht transportieren konnte. Oder die beiden Bleiakku-Fahrzeuge namens Eidechse, die wie Bahn-Koffertransportwagen aussahen und kleinere Teile transportieren konnten - immerhin auch noch ein zulässiges Gesamtgewicht von 1,8 Tonnen hatten. Eine Eidechse wurde 1961, die andere 1967 geliefert. Interessant ist auch der Deutz-Raupenschlepper von der Klöckner-Humboldt-Deutz AG Köln, gebaut 1955, und die Planierraupe der Augsburger Firma Eisenwerk Gebr. Frisch KG, ebenfalls aus dem Jahr 1955.

Freigelände

Zwischen den mächtigen Bauwerken der Gasproduktion in der Südzeile und den Labor- und Werkstattgebäuden in der Nordzeile ist ein großer öffentlicher Raum gefasst, der an normalen Tagen hauptsächlich den sich ansiedelnden Betrieben dienen soll. Aber zu bestimmten Zeiten lassen sich dort z. B. auch Märkte abhalten. Das können Präsentationen einzelner Unternehmen ebenso sein wie Feste für einen geschlossenen Kreis bis hin zu Open-Air-Konzerten.


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