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Details der Augsburger Maximilianstraße

Die einzelnen Abschnitte der Maxstraße Augsburg.

Die untere Maxstraße

Mit "unterer" Maximilianstraße ist die nördliche Maxstraße gemeint, also der Teil zwischen Moritzplatz und Rathausplatz. Hier verkauften früher die Augsburger Bäcker ihre Waren, entweder aus vorgeklappten Ladentischen ihrer Geschäfte oder aber aus einem Verkaufswagen. Daher hieß dieser Straßenteil früher Brotmarkt?.

Auf Bildern, die vor der gründerzeitlichen Umstrukturierung der Straße und dem Ausbau der Geschäftstätigkeit entstanden, sieht man, dass die Schaufenster der Geschäfte vor 1890 noch keine große Bedeutung bei der Fassadengestaltung der Häuser hatten. Meist waren sie auf das Erdgeschoß begrenzt.

Dort, wo sich heute das Verwaltungsgebäude I erhebt, stand ab 1900 ein Polizeigebäude. Noch früher erhoben sich hier in der westlichen Häuserzeile der Straße hinter der Börse drei Bürgerhäuser. Diese Gebäude gingn auf das 16. und 17. Jahrhundert zurück und hatten ein stattliches Aussehen.

Geprägt wird die untere Maxstraße durch die Denkmale der aufstrebenden Reichsstadt? aus dem 17. Jahrhundert: Perlachturm und Rathaus. Sie stehen an der Stelle, an der sich die untere Maximilianstraße zum Rathausplatz hin öffnet.

Maximilianstraße 21: Auf einem Planfilm-Negativ aus der Zeit um 1930, das im Bildarchiv des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufbewahrt wird, ist der reich mit Terrakotta-Reliefs geschmückte dreigeschossige Flacherker des Gebäudes zu studieren. Er wirkt im Vergleich zu der sonstigen Fassade, die nur durch die Stockwerksgesimse gegliedert ist, fast etwas beziehungslos an das Haus „geklebt“. Bei der Ausschmückung des Erkers handelt es sich um ein frühes Werk von Elias Holls. Als er hier arbeitete, war er noch Baumeister-Lehrling bei seinem Vater Hans Holl? (1512 – 1594). Der Grund dafür ist darin zu sehen, dass das Haus gegenüber dem Weberhaus von Hans Holl?, der Werkmeister der Fugger und später auch Stadtwerkmeister? war, das Bürgerhaus im Jahr 1590 für den Buchhalter Jakob Fuggers Hanns Mehrer erbaute. Dieser hat, um seinen Arbeitgeber zu ehren, an den einzelnen Medaillons am Erker die Fuggerschen Lilien gruppieren lassen. Leider wurde dieses Gebäude bei den Luftangriffen im Februar 1944 zerstört.

Die Maxstraße auf Höhe des Moritzplatzes

Hier ist die Maxstraße ein stark frequentiertes Geschäftszentrum, von wo aus viele wichtige Augsburger Geschäfte erreichbar sind und Straßenbahn- und Buslinien? halten. Entstanden ist dieses City-Zentrum ab dem Jahr 1900. Damals hat man nämlich die auf den Moritzplatz führende Bürgermeister-Fischer-Straße durch die Innenstadt? gebrochen, um das neue Bahnhofsviertel? im Westen mit der Maximilianstraße als Hauptader der Altstadt? zu verbinden.

Die Kreuzung der Straßen, die zur Fußgängerzone gehören, wird durch den Moritzplatz markiert. Platzbeherrschend ist der Merkurbrunnen, einer der Augsburger Prachtbrunnen. Schon 1414 ist an dieser Stelle eine Brunnenanlage bezeugt, die der Augsburger Wasserversorgung diente. 1599 wurde der heutige Brunnen errichtet. Modelliert wurde er von Adriaen de Vries?, einem Giambologna-Schüler, gegossen von Wolfgang Neidhart?. Seit damals blickt der Handelsgott, dem ein kleiner Eros die Flügelschuhe löst, von exponierter Höhe auf das städtische Treiben.

Ende des 19. Jahrhunderts begann mit der Gründerzeit ein sukzessiver Umbau der Wohnhäuser zu Geschäftshäusern. Ein Beispiel dafür ist z. B. die Untermayer-Passage?. Eeine weitere Tendenz war die Vergrößerung von Gebäuden. Dadurch dass man Häuser abriss und die kleinteilige Stadtstruktur durch große Baukörper ersetzte, bekam die Maximilianstraße hier im Lauf der folgenden Jahrzehnte ein neues Gesicht. Typisch für diesen Vorgang ist das Verwaltungsgebäude I, das als vierflügeliges Polizeigebäude mehrere kleinere Gebäude ersetzte, allerdings noch zur unteren Maximilianstraße gehört. Sein Mittelgiebel schließt als Pendant zum Rathaus heute die Maximilianstraße auf der Westseite ab.

Maximilianstraße 27: Ein Bürgerhaus mit vier Geschossen. Auffällig ist die neubarocke Schweifgiebel-Fassade aus der Zeit um 1900. Das Haus ist im Kern viel älter. Zum Judenberg hin hat die Rückfront sechs Geschosse und einen Stufengiebel. Das Haus schließt im Südosten an das Gebäude Judenberg 2 ein, das zwar die Maximilianstraße hier mitprägt, aber von der Straßenbezeichnung nicht dazu gehört. Erst mit Maximilianstraße 27 beginnt an dieser Stelle die Maximilianstraße mit einer reizvollen Giebelhäuserzeile. Das Erdgeschoss ist genutet. Darüber erheben sich Pilastergliederungen, die oben mit einem dorischen Triglyphengebälk abgeschlossen sind. Die Oberlichtgitter mit ihren Rocaillen und anderem Blattwerk stammen aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts. In dem Haus ist die Stern-Apotheke untergebracht, Augsburgs älteste noch bestehende Apotheke.

Die mittlere Maximilianstraße

Die mittlere Maximilianstraße öffnet sich breit. Auf Bildern um 1890 sieht man die Schienen einer Pferdebahn, einer Vorläuferin der späteren Straßenbahn. In das Straßenpflaster sind Abflussrinnen eingesenkt, rechts und links begrenzen Fußwege die Straße, die auf ihrer westlichen Seite mit dem Palasthotel "Drei Mohren" glänzt, einem Hotel, das weit über Deutschland hinaus bekannt ist.

Nach Norden schließen sich die imposanten Fuggerhäuser am ehemaligen Weinmarkt? an.

Die obere Maximilianstraße

Heute beherrscht der Herkulesbrunnen den weiten Straßenraum der oberen Maxstraße. Geplant wurde das spätbarocke Juwel von Adriaen de Vries?, entstanden ist es in den Jahren 1596 bis 1600. Es ist als eine in Bronze gegossene Allegorie auf die Bedeutung des Wassers für die Augsburger Wirtschaft zu verstehen. Allerdings war die Platzsituation früher eine andere.

Bis ins Jahr 1809 wurde nämlich die Blickachse zwischen dem Herkulesbrunnen und dem Dom? durch eine schmale langgestreckte Häuserzeile unterbrochen, die neben dem Salz-? und dem Weinstadel? auch das so genannte Siegelhaus? umfasste. Das 1604 von Elias Holl errichtete Siegelhaus war sozusagen die amtliche Kontrolleinrichtung für den Augsburger Weinhandel. Es war der repräsentative südliche Abschluss des damals hier bestehenden Weinmarktes?. Stellt man sich die damalige Situation an dieser Stelle der heutigen Maxstraße vor, wird deutlich, dass der Herkulesbrunnen damals von folgenden Gebäuden umrahmt war: dem Siegelhaus?, dem Schaezlerpalais und dem Reichsstädtischen Kaufhaus, erbaut 1611 durch Elias Holl. So war ein würdiger Rahmen für die Brunnenanlage hergestellt.

Bis 1809 änderten sich die ökonomischen Bedingungen und die Vorstellungen darüber, was als repräsentativ angesehen wurde. Man setzte im Stadtbild Augsburgs klassizistische Vorstellungen um und das führte dazu, dass man die Häuserzeile bestehend aus Salz-? und Weinstadel? sowie Siegelhaus? abriss, um ein prospektartiges Aussehen des Straßenbildes herzustellen.

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Postkarte von der Oberen Maxstraße Augsburg, ungelaufen, unbekanntes Datum; Sammlung Stöbener, Augsburg

Die Hallstraße, die hinter dem Herkulesbrunnen von der Maximilianstraße abzweigt, muss ebenfalls als Teil der Augsburger Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert betrachtet werden. Sie wurde erst 1880 als große Durchbruchstraße im Zug der Entfestigung Augsburgs geschaffen, weil man die Altstadt? damals unbedingt zu den neuen Stadtgebieten im Westen öffnen wollte.

Richtung Sankt Ulrich und Afra bzw. Evangelisch Sankt Ulrich kommt man an Bürgerhäusern mit reizvollen Innenhöfen vorbei, z. B. am Stiermannhaus, wo die Welser-Kuche untergebracht ist. Hier kann man ein historisches Kellergewölbe entdecken, wie es typisch ist für die Häuser in dieser Prachtstraße. Die beiden Ulrichskirchen der verschiedenen christlichen Konfessionen symbolisieren das Verhältnis der zwei Konfessionen, wie es sich in Augsburg entwickelt hat: Im Schatten des übermächtigen und prächtigen katholischen Gotteshauses steht die kleine und bescheidene evangelische Predigtkirche. Heute stehen die beiden Kirchen friedlich beeinander, doch die Harmonie täuscht, denn sie ist erst nach dem Westfälischen Frieden von 1648 gewachsen, nachdem Millionen Menschen in blutigen Kriegen ihr Leben für religiösen Fanatismus gelassen haben.

Maximilianstraße 51: Roeck-Haus
Maximilianstraße 58: Bosch-Haus
Maximilianstraße 59: Leopold-Mozart-Konservatorium bzw. Gebäude der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg; immer noch Postanschrift des Leopold-Mozart-Zentrums
* Maximilianstraße 65: Durch den Innenhof des Gossner-Hauses? gelangt man zur ehemaligen Dominikanerkirche, wo bis 2012 das Römische Museum von Augsburg untergebracht war.
Maximilianstraße 69: Standesamt Augsburg
Maximilianstraße 83: Stiermannhaus

Großbürgerhäuser

In der Maximilianstraße sind vor allem die Augsburger Großbürgerhäuser zu finden und zu studieren. Die großbürgerlichen Häuser sind funktional und wohnlich eingerichtet, denn sie dienten dem Wohnen und der Arbeit. Nach Außen gestaltete man diese Großbürgerhäuser aber repräsentativ, denn sie sollten eine Visitenkarte ihrer Bewohner sein. Zur Straße hin stand das Vorderhaus, an dem eine oder zwei Abseiten anschlossen, die einen Innenhof einfassten. Auch ein Garten oder ein Rückgebäude können zu einem solchen Großbürgerhaus gehören. Hallen, Durchfahrten, Treppenhäuser, Fletze (Dielen) erschließen die Großbürgerhäuser an der Augsburger Maximilianstraße.

An großbürgerlichen Fassaden sind Sprüche, Monogramme oder Hauszeichen angebracht. Früher waren viele der Häuser sogar vollständig bemalt. Besonders herausragend sind die Eingangsbereiche bei Häusern von Kaufleuten gestaltet. Große zweiflügelige Portale begrüßen den Besucher z. B. in der Maximilianstraße 48, 65, 79, 81 oder am Ulrichsplatz 12?. Meist sind in die Portale Haustüren eingebaut. Normalerweise betrat man durch diese Tür das Anwesen, doch konnten auch Kutschen und Wagen mit Waren einfahren. Ein schönes Beispiel für ein solches großbürgerliches Haus mit einer besonders gestalteten Fassade ist die Maximilianstraße 51. Dieses Stadtpalais ließ Joseph Tonella in den Jahren 1768-70 erbauen. Die Türflügel sind geschnitzt und zeigen Winkel, Anker, Merkurstab und Warenballen auf der linken Seite, auf der rechten Seite Fass, Waage, Geschäftsbuch, Brief und Kielfedern. So war der Beruf des Kaufmanns gleich erkennbar. Im Oberlichtgitter machen verschlungene Buchstaben klar, dass sich der Hausherr unter den Schutz Marias stellte.

Die Treppenhäuser dieser großbürgerlichen Häuser konnten aus Holz oder Stein sein. Geschmückt wurden sie durch Gitter, geschnitzte Baluster und Deckenfresken – das erwähnte Haus Maximilianstraße 51 zeigte z. B. Jakobs Traum von der Himmelsleiter. Das Bild schuf Vitus Felix Rigl (1717-79) im Jahr 1769. In Maximilianstraße 58 war Matthäus Günther (1705-88) am Werk und schuf „Die Göttliche Vorsehung“, während Joseph Mages (1728-69) in dem Treppenhaus von Ulrichplatz? 13 im Jahr 1762 die“Verehrung Mariens durch die vier Erdteile“ schuf (heute nach Umbauten in einem Zimmer). Neben Bildern, die als Fresken ausgeführt wurden, weisen andere großbürgerliche Bauten der Maximilianstraße sogar Stuckdecken in Treppenhäusern auf. So z. B. das Gebäude Maximilianstraße 83. In mehrläufigen Anlagen gab es so genannte Treppenaugen, die neugierige Ausblicke nach oben und unten ermöglichten. Ein Beispiel dafür mit ionischen Säulen findet sich in der Maximilianstraße 65. Übrigens ein klassisches "Durchhaus", durch dessen Anwesen man von einer Straße zur nächsten gelangt. Ein Brunnen mit ionischen Säulen, auf dem ein Balkon ruht, ist aus gusseisernen Platten gefertigt, die Neptun zeigen, wie er auf einem Fisch reitet. Ein solcher privater Hofbrunnen war der Stolz eines Großbürgers. Ein besonders prächtiger Privatbrunnen ist in der Maximilianstraße 81 gefasst. Möglicherweise hat Johann Heiss (1640-1704) das Kupferbild im Architekturrahmen des Brunnens geschaffen. Es zeigt Poseidon in Begleitung der Nymphe Thetis oder Galathea. Pilater, verkröpftes Gebälk und Volutengiebel schmücken desweiteren den Brunnen.

Die Höfe der Maximilianstraße besitzen meist einen repräsentativen Charakter, nachdem sie zunächst nur funktionale Gestaltungen aufwiesen. Besonders sehenswert ist der Innenhof von Maximilianstraße 48. Während die Hoffläche mit Lechkieseln gedeckt ist, trennt eine aufwändige Brunnenwand von Elias Holl den anschließenden Garten vom Hof ab, der durch seine schmalen Abseiten einen schönen Rahmen erhielt.

Auch der Hof von Maximilianstraße 58 macht etwas her. Hier öffnet sich von der Abseite her eine Arkadenwand zum Hof, die 1550 für Melchior Hainhofer gebaut und mit Gesimsen und Rundbildern geschmückt wurde, wie sie von Bruneleschis (1377-1446) Florentiner Findelhaus bekannt sind.

Auch Elias Holl hat Innenhöfe der Maximilianstraße gestaltet. So z. B. den des Garben-Hauses in der Maximilianstraße 79 (wohl 1599/1600). Auf die hier angebrachten Diamantquader war er wohl stolz, schreibt er doch über den Hof, dass er "gewaltig schön zuegericht und außgebaut" gewesen sei. Auch das Harter-Haus in der Maximilianstraße 36 bekam von Elias Holl den Innenhof gestaltet. Laut Ludwig Wiedemann, 2015 1. Vorsitzender des Vorstands des Gästeführervereins Augusta e. V.?, ist die Open-Street-Map-Karte, die das Harter-Haus? in die Maximilianstr. 36 verlegt nicht korrekt. Seiner Meinung nach richtig wäre Maximilianstraße 39, denn Maximilianstraße 36 ist das rechte Haus vom Fuggerstadtpalast, der die Hausnummern 36 und 38 trägt.

Lage


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