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Das römische Augsburg

Augusta Vindelicum oder Augusta Vindelicorum

Allgemeines

Der Augsburger Militärstützpunkt der Römer entstand um die Zeitenwende auf dem Gelände des heutigen Oberhausen in der Nähe der Wertach -Mündung in den Lech. Wahrscheinlich hatte dieses Kastell zwei Funktionen: Von hier aus kontrollierte man das römisch besetzte Alpenvorland?, eine anscheindend einfache Aufgabe, weil es keine Quellen über Kämpfe gibt; die zweite Aufgabe bestand in der Versorgung von Truppen, die im heutigen Bayern operierten. Zu diesem ersten Kastell kam um 15/20 n. Chr. ein weiteres Kastell dazu. Die Römer legten es auf der vor Hochwasser? geschützten Augsburger Hochterrasse? an. Hier entwickelte sich ein Lagerdorf, in dem die Anfänge der späteren Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum? zu suchen sind, die nach dem keltischen Stamm der Vindeliker? benannt wurde. Damals hatten die Römer gerade das Voralpenland? besetzt und die Kelten? besiegt. Nachgewiesen wurde das römische Militärlager Oberhausen 1910/13. Damals wurden in einer Kiesgrube über 10.000 Einzelfunde, etwa Waffen, Werkzeuge und andere Ausrüstungsgegenstände sowie viele für die Datierung wichtige Münzen geborgen. Das Truppenlager für eine Legion mit Nachschublager war durch Türme und Mauern gesichert. Die Wachen benutzten Trompete (tuba) und Horn (cornu) als Signalinstrumente bei Gefahr.

Nach der eventuellen Aufgabe des römischen Militärlagers in Oberhausen entstand, wie schon angedeutet, im heutigen Domviertel ein circa zehn Hektar großes zweites Militärlager. In seinem Umfeld entstand die Zivilsiedlung Augusta Vindelicum? mit Handwerkern und Händlern.

Wie man sich die Provinzhauptstadt Augsburg genau vorstellen muss, ist unsicher. Wahrscheinlich hatte sie wie andere Städte dieser Art ein Forum, Tempelanlagen, Theater, Thermen und repräsentative Verwaltungsbauten. Gefunden hat man davon in Augsburg aber so gut wie nichts, denn zum einen wurden Monumentalbauten der Blütezeit schon in der Spätantike überbaut. Zum anderen haben die Augsburger im Mittelalter die Steine der römischen Ruinen als billiges Baumaterial für Neubauten verwandt. Die römischen Bauten wurden meist bis auf das Fundament abgetragen und sind deshalb nur schwer zu rekonstruieren. In Augsburg kommen noch Überbauungen aus einer 2000-jährigen Geschichte hinzu.

Geschichte

1985 feierte die Stadt Augsburg ihr 2000-jähriges Bestehen, indem sie ihre Gründung auf das Jahr 15 v. Chr. zurückführte, also auf die Gründung des ersten römischen Kastells in Oberhausen. Die Römersiedlung Augsburg, also das Lagerdorf, wurde auf der sicheren Hochterrasse entstand zwischen 8 v. Chr. und 37 n. Chr. Sprich, es könnte auch erst in der Regierungszeit von Kaiser Tiberius (14 n. Chr. bis 37 n. Chr.), nicht schon unter Augustus gegründet worden sein.

Sicher ist, dass im Zeitraum von 8/5 v. Chr. bis 15/16. n. Chr. am Zusammenfluss von Lech und Wertach im heutigen Augsburger Stadtteil Oberhausen ein Militärlager bestand. Vermutlich wurde es aber wegen eines Hochwassers aufgegeben.

Ab 46/47 n. Chr. war der bedeutende Militärplatz Augusta Vindelicum? durch die römische Staatsstraße Via Claudia Augusta mit Oberitalien verbunden. Spätestens um 70 n. Chr. ist das Militärlager Oberhausen auf jeden Fall aufgegeben worden. Die Zivilsiedlung entwickelte sich dennoch weiter und löste Cambonunum (Kempten) als Hauptstadt der unter Kaiser Tiberius gebildeten Provinz Rätien ab.

Schon um 121 war diese Siedlung so groß geworden, dass Augusta Vindelicum? von Kaiser Hadrian das munizipale Stadtrecht erhielt und sich offiziell "Municipium Aelium Augustum" nannte. Mehr als 150 Jahre lang residierte hier ein Procurator als Statthalter des römischen Kaisers. Bald nach der Stadterhebung folgten unruhige Zeiten. Im Zug der Markomannenkriege wurde zum einen 179 eine Legion nach Regensburg? (Castra Regina) verlegt, zum anderen die Stellung des nördliche Alpenvorlands? aufgewertet. Die Menschen hier bekamen einen Legaten aus dem senatorischen Adel, der zugleich Befehlshaber der Legion war. In dieser Zeit wurde um Augsburg herum auch eine Stadtmauer errichtet, was auf eine Gefährdung auch des Gebietes tief im Hinterland des Limes hinweist.

259/260 kam es zum Einfall der Juthungen und Semnonen. Auch Augsburg wurde überfallen. Wie stark die Stadt damals zerstört wurde, ist allerdings bis heute nicht geklärt. Trotz allem entwickelte sich während des 2. und 3. Jahrhunderts ein blühendes Gemeinwesen mit Forum, Tempeln, Bädern und einer Markthalle. Außerhalb der Stadtmauer der Römerstadt erstreckten sich entlang aller Ausfallstraßen weite Gräberfelder. 1998/99 hat man das fast sieben Meter hohe, um 180/200 n. Chr. errichtete Pfeilergrab des Rechtsgelehrten M. Aurelius Carus und seiner Familie im Stadtteil Oberhausen gefunden.

Im 3. und 4. Jahrhundert führten die Kaiser Diokletian und Konstantin Reformen im römischen Imperium durch, die zur Teilung der Provinz Raetien führten (294 n. Chr.). Augusta Vindelicum blieb die Hauptstadt der "Raetia Secunda", die jetzt nur noch das Gebiet der nichtalpinen Teile Raetiens umfasste (Flachlandrätien). Die Hauptstadt der alpinen "Raetia prima" wurde das schweizerische Chur. Im 4. und 5. Jahrhundert blieb Aelia Augusta als Hauptstadt der Provinz Raetia secunda in unveränderter Größe bestehen. Die römische Verwaltung endete in Aelia Augusta erst um die Mitte des 5. Jahrhunderts. 450 n. Chr. eroberten die Alemannen? die Stadt ohne sie zu zerstören.

Für den Übergang von der spätrömischen Epoche zum frühen Mittelalter konnte eine durchgängige Besiedlung Augsburgs nachgewiesen werden. Man hat zahlreiche Relikte gefunden, die die Pracht und den Reichtum der Stadt bezeugen. Sogar die Reste eines Hafens am Lech wurden entdeckt.

Details

Wer etwas über Augsburg in der Römerzeit erfahren möchte, der sollte zunächst das Römische Museum besuchen.

Römische Stätten in Augsburg

Sankt Ulrich und Afra

In der Basilika Sankt Ulrich und Afra ist aus römischer Zeit der Sarkophag der heiligen Afra zu sehen. Schon um 565 beschreibt der Reisende Venantius Fortunatus den Kult um die frühchristliche Märtyrerin Afra. Sie soll im Jahr 304 auf einer Insel am Lech verbrannt worden sein. Damals war es die einzige Märtyrerin, die in Deutschland verehrt wurde. Ob es die heilige Afra wirklich gegeben hat, ist heute umstritten. Historisch gesichert ist, dass die 1064 gehobenen Gebeine in jenem römischen Sarkophag bestattet wurde, der in der 1962/63 neu gestalteten Unterkirche der katholischen Basilika Sankt Ulrich und Afra zu sehen ist. Er birgt einen gläsernen Schrein, in dem die Gebeine ruhen.

Bei den Sieben Kindeln

In dem Haus Bei den Sieben Kindeln 3 in der nördlichen Jakobervorstadt entdeckte man ein Sarkophagrelief aus dem 3. Jahrhundert. Es war in die Fassade eingemauert. Wahrscheinlich handelt es sich um die Längsseite eines Sarkophag, wahrscheinlich den eines Kindes. Auf dem Steindenkmal sind sechs spielende Kinder abgebildet. Laut einer Volkssage soll das siebte Kindlein in einem Lechkanal ertrunken sein. Der Humanist Markus Welser? behandelte den Stein 1594/95 in seiner Chronik und war sicher, dass das siebte Kind in dem Sarkophag lag. Er ist öffentlich zugänglich, doch wird er seit einigen Jahren durch eine Glasscheibe geschützt.

Diözesanmuseum Sankt Afra

Das Augsburger Diözesanmuseum Sankt Afra ist in historischen und neu erbauten Räumen um den Domkreuzgang untergebracht. Nur ein paar Schritte nördlich des romanisch-gotischen Doms? erlaubt ein archäologisches Fenster den Blick in den Untergrund. Er reicht bis zu den römischen Fundamenten, die unter späteren Bebauungsschichten vergraben lagen. In Vitrinen darum herum sieht man einige der Fundstücke. Zu sehen sind zum Beispiel Fragmente eines römischen Wandfreskos in leuchtenden mediterranen Farben. Siehe Diözesanmuseum Sankt Afra.

Weitere Stätten


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