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Confessio Augustana

"Augsburger Bekenntnis". Eine evangelische Bekenntnisschrift, die auch heute noch eine Grundlage der Evangelischen Kirche ist.

Allgemeines

Niedergelegt wurde die Confessio Augustana von Philipp Melanchton?. Sie bringt Glaubenssätze, Ziele und Wünsche der im 16. Jahrhundert neuen christlichen Glaubenslehre zum Ausdruck. Gleichzeitig gilt die Confessio Augustana als Geburtsstunde der evangelischen Konfession.

Geschichte

Als Kaiser Karl V.? im Juni 1530 einen Reichstag? in Augsburg abhielt, um nach zahlreichen Konflikten die Glaubensspaltung zu überwinden, überreichten ihm am 25. Juni 1530 die evangelischen Reichsstände? in einem kleinen Raum der damaligen Bischofspfalz? zu Augsburg die Confessio Augustana. Angeblich wurden die Fenster der Bischofspfalz? geöffnet, damit das Volk den Text der Confessio Augustana mithören konnte. Als Reaktion auf die evangelische Bekenntnisschrift, die bis heute Gültigkeit hat, forderte der Kaiser die Augsburger Protestanten auf, bis spätestens 15. April 1531 ihren neuen Glauben aufzugeben und zur Katholischen Kirche? zurückzukehren. Stattdessen schafften die Augsburger aber am 17. Januar 1531 die Katholische Messe ab.

In der Folge schaukelten sich die Glaubenskämpfe so auf, dass sie zu blutigen kriegerischen Auseinandersetzungen führten. So beteiligten sich die evangelisch gewordenen Augsburger am Schmalkaldischen Krieg?, in dem aber 1546 die katholische Seite den Sieg davontrug. Die Folge war in den Jahren 1547/48 der so genannte "Geharnischte" Reichstag?, auf dem der Gegenreformation? die Tür zu Augsburg aufgebrochen wurde. Der Kaiser befahl den Augsburgern erneut, wieder den katholischen Glauben anzunehmen, gewährte den Evangelischen aber mit dem Augsburger Interim? eine Art Übergangszeit. Dieses Augsburger Interim? trat am 15. Mai 1548 in Kraft und bedeutete, dass sowohl die katholischen Riten wie die katholischen Lehren wieder eingeführt werden mussten, den Augsburgern nur noch der so genannte Laienkelch? und die Priesterehe? zugestanden wurde. Darüber kam es vier Jahre lang zu heftigem Religionsgezänk, bis 1552 im so genannten "Passauer Vertrag" den Evangelischen erst einmal freie Religionsausübung zugestanden wurde - allerdings nur bis zu dem nächsten Reichstag?.

Dieser Reichstag kam 1555 nach Augsburg, wo am 20. September 1555 der Augsburger Religionsfriede? zwischen Katholiken und Protestanten geschlossen wurde, was bedeutete, dass in den Reichsstädten? sowohl der alte Glaube als auch das neue "Augsburger Bekenntnis" ausgeübt werden durften. Allerdings bedeutete der Augsburger Religionsfriede? noch nicht das Ende der konfessionellen Auseinandersetzungen. Die Menschen mussten noch den Dreißigjährigen Krieg erdulden, bevor Fanatiker und Politiker einsahen, dass die konfessionelle Spaltung in Deutschland nicht mehr überwunden werden kann. Während dieses Krieges kam es auch in Augsburg zu schweren konfessionellen Kämpfen. Erst der Westfälische Friede des Jahres 1648 schauf die Basis für einen konfessionellen Ausgleich.

Details

Der Text der Confessio Augustana wurde leicht dem heutigen Sprachgebrauch angepasst durch Matthias Stöbener.

1. Teil

Erster Artikel: Von Gott

Zweiter Artikel: Von der Erbsünde

Dritter Artikel: Von dem Sohne Gottes

Vierter Artikel: Von der Rechtfertigung

Fünfter Artikel: Vom Predigtamt

Sechster Artikel: Vom neuen Gehorsam

Siebter Artikel: Von der Kirche

Achter Artikel: Was die Kirche ist

Neunter Artikel: Über die Taufe

Zehnter Artikel: Vom heiligen Abendmahl

Elfter Artikel: Über die Beichte

Zwölfter Artikel: Von der Buße

Dreizehnter Artikel: Über den Gebrauch der Sakramente

Vierzehnter Artikel: Über den Gebrauch der Sakramente

Fünfzehnter Artikel: Von Kirchenordnungen

Sechzehnter Artikel: Von der Polizei und weltlichem Regiment

Siebzehnter Artikel: Von der Wiederkunft Christi zum Gericht

Achtzehnter Artikel: Vom freien Willen

Neunzehnter Artikel: Über die Ursache der Sünde

Zwanzigster Artikel: Über die guten Werke

Einundzwanzigster Artikel: Vom Kult der Heiligen

Schluss des 1. Teils

Dies ist fast die Summe der Lehre, die in unseren Kirchen zu rechtem christlichem Unterricht und Trost der Gewissen, auch zur Besserung der Gläubigen gepredigt und gelehrt wird; wie wir denn unsere eigene Seele und Gewissen je nicht gern vor Gott mit Missbrauch des göttlichen Namens oder Wortes in die höchste größte Gefahr bringen oder auf unsere Kinder und Nachkommen eine andere Lehre als die, die dem reinen göttlichen Wort und christlicher Wahrheit gemäß ist, fallen lassen oder vererben wollten. Dieselbe ist in der heiligen Schrift klar gegründet und dazu der allgemeinen christlichen, ja auch der römischen Kirche, so viel aus der Väter Schriften zu vermerken ist, nicht zuwider noch entgegen ist, so achten wir auch, unsere Widersacher können in den oben angezeigten Artikeln nicht uneinig mit uns sein.

Deshalb handeln diejenigen ganz unfreundlich, vorschnell und gegen alle christliche Einigkeit und Liebe, die die Unseren deshalb als Ketzer abzusondern, sie verwerfen und meiden, selbst ohne beständigen Grund göttlicher Gebote oder Schrift. Denn Irrung und Zank gibt es vornehmlich über etlichen Traditionen und Missbräuche. Weil nun an den Hauptartikeln kein befindlicher Ungrund oder Mangel, und dies unser Bekenntnis göttlich und christlich ist, sollten sich billig die Bischöfe, wenn schon bei uns der Tradition halben ein Mangel wäre, gelinder erzeigen, wiewohl wir hoffen, beständigen Grund und Ursache darzutun, warum bei uns etliche Traditionen und Missbräuche geändert sind.

Finis

Haec fere summa est doctrinae apud nos, in qua cerni potest nihil inesse, quod discrepet a scripturis, vel ab ecclesia catholica, vel ab ecclesia Romana, quatenus ex scriptoribus nobis nota est. Quod cum ita sit, inclementer iudicant isti, qui nostros pro haereticis haberi postulant. Tota dissensio est de quibusdam abusibus, qui sine certa auctoritate in ecclesias irrepserunt, in quibus etiam, si qua esset dissimilitudo, tamen decebat haec lenitas episcopos, ut propter confessionem, quam modo recensuimus, tolerarent nostros, quia ne canones quidem tam duri sunt, ut eosdem ritus ubique esse postulent, neque similes unquam omnium ecclesiarum ritus fuerunt. Quamquam apud nos magna ex parte veteres ritus diligenter servantur. Falsa enim calumnia est, quod omnes ceremoniae, omnia vetera instituta in ecclesiis nostris aboleantur. Verum publica querela fuit abusus quosdam in vulgaribus ritibus haerere. Hi quia non potereant bona conscientia probari, aliqua ex parte correcti sunt.

2. Teil

Artikel, bei denen Uneinigkeit herrscht und Missbräuche, die geändert worden sind

Weil von den Artikeln des Glaubens in unseren Kirchen nicht gelehrt wird gegen die heilige Schrift oder allgemeine christliche Kirchen, sondern allein etliche Missbräuche geändert sind, die zum Teil mit der Zeit selbst eingerissen, zum Teil mit Gewalt aufgerichtet worden sind, erfordert es unsere Not, diese zu benennen und die Ursache anzuzeigen, warum hierin Änderungen geduldet sind, damit die Kaiserliche Majestät erkennen mögen, dass wir hierin nicht unchristlich oder freventlich gehandelt haben, sondern dass wir durch Gottes Gebot, welches billig höher zu achten als alle Gewohnheit, gedrungen sind, um solche Änderung zu gestatten.

Pars II: Articuli, In Quibus Recensentur Abusus Mutati.

Cum ecclesiae apud nos de nullo articulo fidei dissentiant ab ecclesia catholica, tantum paucos quosdam abusus omittant, qui novi sunt et contra voluntatem canonum vitio temporum recepti, rogamus, ut Caesarea Maiestas clementer audiat, et quid sit mutatum et quae fuerint causae, quominus coactus sit populus illos abusus contra conscientiam observare. Nec habeat fidem Caesarea Maiestas istis, qui ut inflamment odia hominum adversus nostros, miras calumnias spargunt in populum. Hoc modo irritatis animis bonorum virorum initio praebuerunt occasionem huic dissidio, et eadem arte nunc conantur augere discordias. Nam Caesarea Maiestas haud dubie comperiet tolerabiliorem esse formam et doctrinae et ceremoniarum apud nos, quam qualem homines iniqui et malevoli decribunt. Neque veritas ex vulgi rumoribus aut maledictis inimicorum colligi non potest. Facile autem hoc iudicari potest, nihil magis prodesse ad dignitatem caerimoniarum conservandam et alendam reverentiam ac pietatem in populo, quam si caerimoniae rite fiant in ecclesiis.

Zweiundzwanzigster Artikel: Von beider Gestalt des Sakraments

Dreiundzwanzigster Artikel: Vom Ehestand der Priester

Vierundzwanzigster Artikel: Von der Messe

Fünfundzwanzigster Artikel: Von der Beichte

Sechsundzwanzigster Artikel: Vom Unterschied der Speise

Siebenundzwanzigster Artikel: Von den Mönchsgelübden

Achtundzwanzigster Artikel: Von der Gewalt der Bischöfe

Beschluss

Dies sind die wichtigsten Artikel, die für streitig erachtet werden. Obwohl man viel mehr Missbräuche und Unrichtiges hätte anführen können, haben wir doch, um die Weitläufigkeit und Länge zu vermeiden, allein die wichtigsten aufgeführt, woraus die anderen leicht zu ermessen sind. Denn man hat früher sehr geklagt über den Ablass, über Wallfahrten, über Missbrauch des Banns. Es hatten die Pfarrer auch unendliche Zänkereien mit den Mönchen wegen des Beichthörens, des Begräbnisses, der Beipredigten und unzähliger anderer Punkte mehr. Das alles haben wir übergangen, damit man die wichtigsten Punkte in dieser Sache desto leichter vermerken kann.

Es geht auch nicht um Hass oder Verunglimpfung, sondern wir haben allein die Punkte aufgezählt, die wir für nötig geachtet haben anzuführen und zu vermelden, damit man daraus desto leichter entnehmen kann, dass bei uns nichts, weder mit Lehre noch mit Zeremonien, angenommen ist, das entweder der heiligen Schrift oder der allgemeinen christlichen Kirche entgegen wäre. Denn es ist offensichtlich, dass wir mit allem Fleiß, mit Gottes Hilfe (ohne uns zu rühmen) verhütet haben, dass keine neue und gottlose Lehre sich in unseren Kirchen einflöchte, einreihe und überhand nähme. Die oben angeführten Artikel haben wir dem Ausschreiben nach übergeben wollen, um unser Bekenntnisses und die Lehre der Unseren darzulegen. Und wenn einer meint, daran mangele es, dem geben wir weiteren Bericht aufgrund göttlicher heiliger Schrift.

Eurer Kaiserlichen Majestät untertänigste und gehorsame

Johannes, Herzog zu Sachsen, Kurfürst
Georg, Markgraf zu Brandenburg
Ernst, Herzog zu Lüneburg
Philipp, Landgraf zu Hessen
Hanns Friedrich, Herzog zu Sachsen
Franz, Herzog zu Lüneburg
Wolf, Fürst zu Anhalt
Bürgermeister und Räte zu Nürnberg
Bürgermeister und Räte zu Reutlingen

Epilogus

Recensuimus praecipuos articulos, qui videntur habere controversiam. Quamquam enim de pluribus abusibus dici poterat, tamen fugiendae prolixitatis causa praecipua complexi sumus. Magnae querelae fuerunt de indulgentiis, de peregrinationibus, de abusu excommunicationis; parochiae multipliciter vexabantur per stationarios; infinitae contentiones fuerunt pastoribus cum monachis de iure parochiali, de confessionibus, de sepulturis et aliis innumerabilibus rebus. Huiusmodi negotia praetermisimus, ut illa, quae sunt in hac causa praecipua, breviter proposita facilius cognosci possent.

Neque hic quidquam ad ullius contumeliam dictum aut collectum est.Tantum ea recitata sunt, quae videbantur necessario dicenda esse, ut intelligi posset, in doctrina ac caeremoniis apud nos nihil esse receptum contra scripturam aut ecclesiam catholicam, quia manifestum est, nos diligentissime cavisse, ne quae nova et impia dogmata in ecclesias nostras serperent. Hos articulos suprascriptos voluimus exhibere iuxta edictum Caesareae Maiestatis, in quibus confessio nostra exstaret et eorum, qui apud nos docent, doctrinae summa cerneretur. Si quid in hac confessione desiderabitur, parati sumus latiorem informationem, Deo volente, iuxta scripturas exhibere.

Caesareae maiestatis vestrae fideles et subditi:

Iohannes, Dux Saxoniae, Elector.
Georgius, Marchio Brandenburgensis.
Ernestus, Dux Lunenburgensis.
Philips, L. z. Hessen sst.
Ioannes Fridericus, Dux Saxoniae.
Franciscus, Dux Lunenburgensis.
Volfgangus, Princeps de Anhalt.
Senatus Magistratusque Nurnbergensis.
Senatus Reutlingensis.


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