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Cobres, Joseph Paul von

Ritter; Privatgelehrter, der sich mit Geologie und Mineralogie beschäftigte, Sammler und Bankier in Augsburg

Leben und Wirken

Joseph Paul von Cobres wurde wahrscheinlich 1737 in Venedig geboren.

In Augsburg heiratete Joseph Paul von Cobres 1769 die Schwester der Bankiers Johann Anton und Peter Paul Obwexer, Maria Anna. Sie hatte schon eine erste Ehe hinter sich und war zuvor mit J. M. Tonella verheiratet.

Von Cobres stieg bis Ende des 18. Jahrhunderts neben den Obwexer und Carli zu einem der größten katholischen Bankiers in Augsburg auf. Er war Ritter des Malteserordens und baute ein großes Naturalienkabinett auf. Besonders bekannt ist seine bedeutende naturwissenschaftliche Bibliothek. In ihr konnte er die wichtigsten alten und neuen Werke der Naturgeschichte studieren, von denen einige der kostbarsten überhaupt nur in wenigen Exemplaren vorlagen. Die Sammlungen von Cobres suchten ihresgleichen in Deutschland und galten für Besucher der Reichsstadt als touristisches Muss. In den "Deliciae Cobresianae", einer zweibändigen Schrift von 1781/82 beschrieb er sie. Von Cobres war Mitglied der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Mit seinen Schwägern Obwexer und den Bankiers Schwarz, Carli und Pedroni beteiligte sich Joseph Paul von Cobres in den 1780er Jahren an der so genannten "venezianischen Ochsen- und Lichterpachthandlung". Dabei handelte es sich um ein Konsortium, das Ochsen und Talg über Trient nach Venedig liefern sollte. Ab 1790 kaufte sich von Cobres großen Grundbesitz in Göggingen.

Wie andere Augsburger Bankiers musste er in der Zeit der Napoleonischen Kriege und der Eingliederung Augsburgs nach Bayern Konkurs anmelden. In der Folge trat er 1820 ein als Schuldpfand eingesetztes Anwesen in Göggingen an die Erben seines Bruders Peter Zacharias Cobres ab. Eine weitere Hypothek transferierten seine Erben auf sein Naturalienkabinett und seine Bibliothek. Das scheint zum Ausverkauf der Sammlungen geführt zu haben. Sein Sohn Alois erbte nach dem Tod seines Halbbruders F. A. Tonella das Haus zur Himmelsleiter (Roeck-Haus). Doch 1822 musstes es ebenfalls verkauft werden und ging in den Besitz des Bankiers Johann Jakob Obermayer? über. Übrigens verfasste der Sohn Alois "Charaden, Wort-, Sylben- und Buchstaben-Räthsel", die er in Augsburger und Landsberger? Verlagen zum Teil auf eigene Kosten drucken ließ.

Joseph Paul von Cobres starb vor 1825 in Göggingen.

Deliciae Cobresianae

Das Sammeln von Naturalien war ein populäres Hobby des 18. Jahrhunderts. Auch in der Reichsstadt? Augsburg bestand diese Tradition, die bis in die Renaissance zurückreichte. War das Sammeln von Naturalien in der Renaissance noch eine Nebenerscheinung in Raritätenkammern von Begüterten, so wurden Naturaliensammlungen zu einem Gegenstand bürgerlicher Sammelleidenschaft. So auch bei dem Augsburger Bankier Ritter Joseph Paul von Cobres. Er baute seine Naturalien- und Büchersammlung anfangs der 1770er Jahre auf der Basis von zwei älteren reichsstädtischen Kabinetten. Nach zehn Jahren war seine naturgeschichtliche Bibliothek so bedeutend, dass sie in Deutschland ihresgleichen suchte und als Königin unter den Privatbibliotheken auf dem Kontinent galt.

Joseph Paul von Cobres war ein überzeugter Aufklärer, weshalb er jedem Naturinteressierten Zutritt zu seinem Naturalienkabinett und zu seiner Bibliothek gewährte. Unter anderem förderte er so Augsburger Naturforscher wie die Lepidopterologen Jacob Hübner (1761–1826) und Heinrich Gottlob Lang? (1739–1809), den Chemiker Carl Christian Wilhelm Juch? (1772–1821) und den Naturhistoriker Gottlieb Tobias Wilhelm (1758–1811).

Sammelleidenschaft und politische Verhältnisse (napoleonische Kriege) brachten Joseph Paul von Cobres Anfang des 19. Jahrhunderts in wirtschaftliche Schwierigkeiten und zwangen ihn, nach und nach seine Schätze zu verkaufen. Weil die Stadt Augsburg weder das Naturalienkabinett noch die Bibliothek kaufte, wurden beide zerstückelt und in alle Welt zerstreut.

Den Katalog zu seiner Büchersammlung erstellte Joseph Paul von Cobres 1782 unter dem Titel Deliciae Cobresianae. Das Titelkupfer schuf der Maler und Privatgelehrte Joseph Franz Freiherr von Goez (1754–1815). Darauf sah man die so genannte "Kette der Wesen". Sie verband nach den damaligen Vorstellungen alle Geschöpfe miteinander. Das Bücherverzeichnis umfasste zwei Bände mit insgesamt knapp tausend Seiten. Von Cobres ordnete die Bücher systematisch und kommentierte sie zum Teil ausführlich. So wurden die Deliciae Cobresianae zur wertvollen buchgeschichtlichen Quelle. Wahrscheinlich sind in ihr nur etwa ein Drittel des endgültigen Bibliotheksbestandes. Der Augsburger Antiquar und Publizist Georg Wilhelm Zapf? (1747–1810) schrieb: "Ein ganz herrlich und vortrefflich geordneter Katalog über eine Bibliothek der Naturgeschichte, welche bey einem Privatmann vielleicht die einzige ist, die je existiren kann. Hr. Cobres ist der gefällige Mann, der sie jedem Fremden mit dem größten Vergnügen zeigt, und von seinem prächtigen Naturalienkabinete außerordentliche Kenntnisse besitzt. Dieses schäzbare Verzeichniß habe ich ihm zu verdanken, da er mir ein freundschaftliches Andenken damit machte."

1809 verkaufte von Cobres einen Teil seiner Bücher an die Bayerische Akademie der Wissenschaften. Ein Verkaufskatalog von 1810 zeigte, über welche Schätze die Bibliothek und das Naturalienkabinett des Bankiers von Cobres auch danach noch verfügte. Unter den aufgeführten Titeln befanden sich auch die – erst nach dem Druck der Deliciae Cobresianae erschienenen – Werke der Augsburger Naturforscher Jacob Hübner und Heinrich Gottlob Lang? sowie Gottlieb Tobias Wilhelms "Unterhaltungen aus der Naturgeschichte".

In der Augsburgischen Ordinari Postzeitung? erschien als Annonce Nr. 269 am 9. November 1810 folgender Text: "Der Unterzeichnete steht im Begriffe, sein Naturalienkabinet und seine bloß naturhistorische Bibliothek zu vereinzeln, und hat bereits eine vorläufige Anzeige davon versendet. Ehe er aber das erste Stück derselben abgiebt, was vor Anfang des künftigen Jahres nicht geschehen kann, will er seinen Mitbürgern und Mitbürgerinnen von den gebildetsten Ständen, die sie noch nicht gesehen haben sollten, damit einen Beweis seiner Liebe und Achtung geben, daß er ihnen, in Gesellschaften von 4 bis 6 Personen und nicht mehr, (Kinder werden verbethen) diesen naturhistorischen Schatz in der Vereinigung zeigt, in welcher sie ihn wohl nie wieder sehen werden. Er widmet bis zu dem obgedachten Termin (große Kälte und unvorhergesehene Hindernisse ausgenommen) die Montage, Mittwoche und Freytage von 10 bis 12 Uhr Vor- und von 2 bis 4 Uhr Nachmittag dazu. Ist das geschehen, dann man das, was seit 40 Jahren mit seltnem Glücke und Beharrlichkeit aus allen Welttheilen und Meeren gesammelt war, was manchem arbeitsamen Mitbürger und benachbarten Gelehrten zu keinen geringen Nutzen gereichte, und was seiner Selten- und Berühmtheit wegen jeden Fremden von Geist fast immer zuerst anzog, wieder zerstreut werden. Augsburg, den 8. Nov. 1810. v. Cobres."

Und am 3. April 1811 meldete die Augsburgische Ordinari Postzeitung? Nr. 80: "München, den 1. April. In der öffentlichen Sitzung der königl. Akademie der Wissenschaften sagte der Herr Baron von Moll in seiner Vorlesung unter Anderm Folgendes: Das Vaterland war in Gefahr, Seltenheiten von großem Werthe in Naturalien und naturhistorischen Büchern zu verlieren. Während eines Zeitraums von 40 Jahren hatte sie ein Privatmann mit großem Aufwand, Sammlungseifer, und Glück zusammen gebracht. Die Sammlung des Ritters von Cobres in Augsburg – welcher Botanist kennt nicht die Cobresia? – war seit langer Zeit der Gegenstand der Bewunderung aller Reisenden von Bildung. Seine naturhistorische Bibliothek war die Königin unter den Privatbibliotheken auf dem Kontinent. Deutsche Naturforscher kannten sie mehr durch den Edelmuth, womit der Besitzer die kostbarsten und seltensten Werke in große Fernen mittheilte, als durch die Deliciae Cobresianae, in welchen gewiß nur der 3te Theil dieses naturhistorischen Bücherschatzes verzeichnet ist. Ohne diese Liberalität hätten wir schwerlich das einzige klassische Schmetterlings und Raupenwerk unsers jetzigen Landsmannes, des gelehrten und so wenig gekannten Hübners in Augsburg, schwerlich die trefflichen Unterhaltungen des würdigen Pfarrers Wilhelm eben daselbst. Herr von Cobres gab in einer gedruckten Uebersicht die Büchersammlung auf 6 500, die der Conchylien auf 6 000, jene der Crustaceen und Zoophyten auf 500, der Versteinerungen auf 2 000, der Mineralien auf mehr als 14 000, den botanischen Theil auf 1 438 an. Gehemmt in der Vermehrung dieser Schätze während der letzten 20 Jahre durch drückende Kriegslasten, und bis in sein 63stes Jahr vorgerückt, entschloß er sich, durch den Verkauf aller Bücher und Naturalien sein Kapital wieder herzustellen. Schon seit 2 Jahren beschäfftigte sich die königl. Akademie mit dem Erwerb dieser Sammlungen. Aber der Drang der Zeiten schien jede Hoffnung verschwinden zu machen. Der geliebte Thronerbe, die Lust der Väter, die Hoffnung der Söhne, seit lange gefeyert als geistreicher Freund der plostischen (sic) Künste, und jener treuen Gefährtin der Geschichte, der Numismatik, nun auch gesegnet als großmüthiger Beförderer der Naturkunde, und jener Strebepfeiler alles Wissens, zweckmäßig angelegter Büchersammlungen, wird für den naturhistorischen Theil der königl. Centralbibliothek, und für den mineralogischen der akademischen Naturaliensammlung ein zweyter Stifter. Fürst im ganzen Sinne des Worts, bestimmt Er in der Ueberzeugung – Worte seiner eigenhändigen Schenkungsurkunde – daß des Augenblicks Benützung Noth thut, und die Gelegenheit nie mehr sich darbieten wird, die Sume von 12 000 Gulden, um seltene, kostbare, und für die eigentliche Förderung der Wissenschaft wichtige Bücher, sofort Prachtstücke, und interessante Suiten aus dem Cobresischen Museum zu erkaufen, und giebt dann den ganzen von Ihm erworbenen Schatz der königl. Akademie der Wissenschaften zum Geschenk. Und so verdankt denn das Vaterland diesem Liebling der Nation über 2 000 Numern (sic) prächtiger, seltener, lehrreicher, oder sonst zur Ergänzung des Fachs dienender Bücher, und eine Suite von 350 Stücken der ausgezeichnetsten Naturalien. (M. Z.)"

Sonstiges

1973 benannte man die seit 1912 "Von-Stetten-Straße" benannte Straße in Von-Cobres-Straße um. Sie liegt in Göggingen-Nordwest?.

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