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Bunter Kreis

Allgemeines

Bunter Kreis bezeichnet ein Nachsorgemodell krebs-, chronisch- und schwerstkranke Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien. Das Besondere ist die Verzahnung zwischen der Behandlung im Krankenhaus und zu Hause (ambulant). Dabei werden die Leistungen der Nachsorge (Pflege, Psychologie, Diätetik, Sozialpädagogik) in einem Case-Management zentral koordiniert und evaluiert.

Normalerweise wird die Nachsorge des Bunten Kreises von einem Nachsorgezentrum aus organisiert, das als eine Art Plattform Leistungen in fünf Bereichen anbietet:

Sozialmedizinische Nachsorge

Sie wird im Anschluss an den stationären Krankenhausaufenthalt von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, weil sie den Krankenhausaufenthalt verkürzt bzw. vermeidet, Behandlungserfolge sichert und das kranke Kind wieder in sein Umfeld integriert.

Erste Stufe der Behindertenhilfe

Das ist eine Leistung, die in Bayern im Rahmen der Offenen Behindertenarbeit geleistet wird. Hier steht die psychosoziale Gesundheit im Vordergrund. Ziele sind die Förderung der Aktivitäten und die Integration in das alltägliche und soziale Leben sowie die Sicherstellung und Förderung der psychosozialen Gesundheit der betroffenen Familienmitglieder.

Patientenschulungen/trainings

Sie sind z. B. für Kinder und Jugendliche mit Asthma, Diabetes, Neurodermitis und Adipositas notwendig und können über die gesetzlichen Krankenkassen nach § 43 Abs. 1 Nr. 2 SGB V abgerechnet werden. Hier werden Wissen vermittelt, Fertigkeiten trainiert und Handlungskompetenzen aufgebaut. So sollen Behandlungserfolge sichergestellt und verbessert werden. Dazu kommt die Unterstützung der kindlichen Entwicklung und die Erhöhung der Lebensqualität der gesamten Familie. Neben den Kindern/Jugendlichen nehmen die Eltern an den Schulungen teil.

Optionale Angebote

Sie werden nur angeboten, wenn regional ein Bedarf besteht, der nicht durch andere Anbieter gedeckt wird. Solche Angebote sind z. B. Häusliche Kinderkrankenpflege, Psychotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Ernährungsberatung, Interaktionssprechstunde, Familienentlastender Dienst, Tiergestützte Therapie, Sozialfonds etc.

Seelsorge

Für alle Konfessionen und Religionen wird Seelsorge dann angeboten, wenn eine Familie in dieser Hinsicht Unterstützung sucht, was der Fall sein kann, wenn das Kind lebensbedrohlich erkrankt oder verstorben ist.

Geschichte

Gründungsjahre

Schon in den Jahren 1990 und 1991 machten sich Mitarbeiter der Kinderklinik Augsburg? Gedanken darüber, wie es möglich wäre, Kinder früher zu entlassen und sie trotzdem kontinuierlich zu begleiten und eine notwendige Pflege zu Hause zu sichern. Dazu bildete sich 1991 ein Runder Tisch aus Kinderklinikpersonal, Klinikseelsorge und Selbsthilfegruppen, der das Thema weiter verfolgte. Es wurde ein Konzept erarbeitet und Ende 1991 Geld für das Nachsorgekonzept gesammelt.

Im Mai 1992 wurde der erste Bunte Kreis gegründet. Damals hieß er noch „Förderkreis Kinderklinik Augsburg“. Es handelte sich um eine Arbeitsgemeinschaft, die ein praxisfähiges Nachsorgekonzept für Familien mit chronisch, krebs- und schwerstkranken Kindern entwickelte und die erste Familie finanziell unterstützte. Erst Ende des Jahres wird der Name „Der Bunte Kreis“ geprägt.

1993 wird das Konzept „Augsburger Nachsorgemodell – Der Bunte Kreis“ ausformuliert.

In den Jahren zwischen 1994 und 1998 wächst die Zahl der vom Bunten Kreis Betreuten nach und nach. Zu Beginn wurde die Nachsorge vorrangig noch von Kinderkrankenschwestern durchgeführt. Man sammelte Erfahrungen, diskutierte mit Wissenschaftlern und entwickelte das Konzept weiter zu einem ganzheitlichen patientenzentrierten Fall-Management-Modell.

Etablierung des Modells

1996 wurde die sozialpädagogische Arbeit durch die Finanzierung über die Erste Stufe der Behindertenhilfe, ein Teil der offenen Behindertenhilfe in Bayern, ausgebaut.

1998 bringt die gesicherte Abrechnung bestimmter Nachsorgeleistungen über die Krankenkassen. Außerdem wird in diesem Jahr die „Offene Stiftergemeinschaft BUNTER KREIS – Kreissparkasse“ errichtet.

Anfang des Jahres 1999 kann ein Nachsorgezentrum bezogen werden und im Oktober 1999 wird das gemeinnützige „beta Institut für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung“ gegründet, das Nachsorgemitarbeiter ausbildet, die Nachsorge des Bunten Kreises wissenschaftlich untersucht und deutschlandweit Kliniken bei der Einrichtung von Bunten Kreisen berät.

Im Herbst 2000 führt der Bunte Kreis die wissenschaftliche Versorgungsforschung und ein Qualitätsmanagement ein.

Im November 2002 wurde der Qualitätsverbund Bunter Kreis als Forum für die zunehmende Zahl an Nachsorgeeinrichtungen in Deutschland gegründet.

2003 erscheint eine sozioökonomische Studie zum Bunten Kreis. Sie zeigt, dass Nachsorge nicht nur den Familien hilft, sondern auch Kosten spart, weil sich die Klinikliegezeiten reduzieren. Im November des Jahres gewinnt der Bunte Kreis den Gesundheitspreis „Rufzeichen Gesundheit!“

2004 wird der Anbau an das Nachsorgezentrum fertig. Er ist für Schulungen von Kindern mit chronischen Erkrankungen und deren Eltern gedacht. Ebenfalls 2004 wurde im Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) der § 43 Abs. 2 SGB V Sozialmedizinische Nachsorge aufgenommen. Das bedeutete, dass die sozialmedizinische Nachsorge für Kinder als Angebot der Regelversorgung gesetzlich verankert wurde.

2007 hat der Bunte Kreis Augsburg 100 Mitarbeiter, davon ca. 50 Vollzeitkräfte. Jährlich werden in der Region über 1.300 Familien betreut. Ein Jahr später gibt es in Deutschland 50 Nachsorgeeinrichtungen, die nach dem Modell des Bunten Kreises arbeiten.

Im Dezember 2009 zählte der Qualitätsverbund Bunter Kreis 58 Mitglieder.

Im Oktober 2011 stellte der Familiennachsorgeverein zwei neue Begleitangebote vor. Zum einen die SAPPV. Das bedeutet „Spezialisierte Ambulante Pädiatrische Palliativversorgung“. Dahinter steht eine Betreuung von Kinder-Palliativmedizinern, spezialisierten Kinderkrankenpflegern und Sozialarbeitern, wenn Kinder von der Klinik nach Hause kommen und dort sterben müssen. Zum zweiten wurde der „Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst“ vorgestellt.

2012 feiert der Bunte Kreis sein 20-jähriges Bestehen. Die Bunten Kreise Deutschlands sind im Qualitätsverbund Bunter Kreis zusammengeschlossen. Im Jubiläumsjahr betreute der Bunte Kreis im Raum Augsburg/Schwaben jährlich rund 1600 Familien. Darüber war er mit seiner Nachsorgearbeit Vorbild für mehr als 70 Nachsorgeeinrichtungen in Deutschland, die nach dem Augsburger Modell arbeiten.

Im Mai 2015 konnte der Bunte Kreis in Stadtbergen das Therapiezentrum Ziegelhof eröffnen.

Die Stiftung Bunter Kreis aus Augsburg wurde am 29. November 2016 im Bayerischen Sozialministerium in München mit dem "Ehrenamtsnachweis Bayern" ausgezeichnet. Der Ehrenamtsnachweis ist eine öffentliche Anerkennung für jahrzehntelanges bürgerschaftliches Engagement.

Details

Von den Kosten der Nachsorge durch den Bunten Kreis wird nur knapp die Hälfte aller Hilfeleistungen für Familien von der öffentlichen Hand bzw. Krankenkassen getragen, den überwiegenden Teil muss der Bunte Kreis durch Spenden und Sponsorengelder abdecken. Viele Förderer und Stiftungen tragen dazu bei, dass der Bunte Kreis immer wieder neue Nachsorgeprojekte initiieren kann.

Der Bunte Kreis will vorbeugen und rehabilitativ nach folgenden Prinzipien wirken:

  • Es gibt keine Pauschalrezepte. Die Betreuung orientiert sich am Einzelnen und seiner Lebensumwelt.
  • Ganzheitlichkeit: D. h. es werden alle Aspekte der Gesundheit einbezogen, der medizinisch-funktionale, der soziale, der psychische und spirituelle …
  • Es wird Hilfe zur Selbsthilfe gegeben. Dabei orientiert man sich an den Ressourcen, die eine Familie hat.
  • Die Bedürfnisse der Familie werden ebenso berücksichtigt wie die des Patienten.
  • Professionalität und Wissenschaftlichkeit gewährleisten Effektivität und Effizienz.
  • Qualitätssicherung führt zu laufender Dokumentation und Optimierung.

Fachleute der Spezialisierten Ambulanten Pädiatrischen Palliativversorgung koordinieren Hilfen, beraten andere Berufsgruppen und stehen den Eltern zur Seite, wenn Kinder zu Hause mit einer Begrenzung ihres Lebens zurechtkommen müssen. Finanziert werden die Leistungen des Kinderpalliativteams durch die Krankenkassen. Dieses Angebot gibt es im Regierungsbezirk Schwaben und im nordöstlichen Teil des Regierungsbezirk Oberbayerns.

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst unterstützt ehrenamtliche Familienbegleiter im Rahmen der ambulanten Kinderhospizarbeit. Die ehrenamtlichen Familienbegleiter entlasten Familien, die sich mit dem Thema Tod eines Kindes auseinandersetzen müssen und übernehmen z. B. die Betreuung von Geschwistern oder Einkäufe.

Handlungskonzept Case-Management

Das Case-Management bildet das Handlungskonzept im Bunten Kreis. Das bedeutet zunächst auf der Fallebene: Der Patient mit seinen Bezugspersonen steht im Mittelpunkt. Ein Case Manager erfasst die individuelle Problemsituation unter Berücksichtigung der jeweiligen Bedürfnisse, bevor gemeinsam mit der Familie ein Hilfeplan erstellt wird, der dann umgesetzt wird. In der Umsetzung wird kontrolliert und angepasst. Am Ende einer Maßnahme wird evaluiert, reflektiert und eventuell Maßnahmen der Qualitätsverbesserung in der Zukunft eingebracht.

Auf der Systemebene fördern Case Manager die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen, die für schwer und chronisch kranke Kinder und Jugendliche arbeiten - ambulant oder stationär. Hier werden die Hilfsangebote einer Region betrachtet sowie die Kontaktaufnahme und die Zusammenarbeit mit Kinder- oder Rehabilitationskliniken, Ärzten, Förder- und Beratungsstellen, Therapeuten, Krankenkassen, Ämtern, Selbsthilfegruppen und anderen relevanten Hilfseinrichtungen und Leistungsträgern gesteuert und vernetzt.

Der Handlungsansatz Case Management wurde in der Modellregion Augsburg übrigens erfolgreich auf Brustkrebs übertragen (mammaNetz?) und ebenfalls wissenschaftlich evaluiert.

Finanzielle Säulen

Der Bunte Kreis hat sieben finanzielle Säulen:

Die Nutzung dieser Finanzierungsquellen ist je nach Nachsorgezentrum unterschiedlich.

Bunte Kreise in Deutschland

Der Qualitätsverbund will helfen, dass die Bunten Kreise in Deutschland Erfahrungen austauschen und so voneinander lernen. Er sorgt für den gleichen Informationsstand der Mitglieder, ist eine Plattform für Inhalte, für Fortbildung und Qualifizierung. Er bietet die Zertifizierung einer Nachsorgeeinrichtung nach Qualitätsstandards auf Basis des Handbuchs pädiatrische Nachsorge und stellt damit eine überregionale qualitative Gleichwertigkeit und Effizienz der Nachsorgeleistungen sicher.

Mitglied im Qualitätsverbund können nur Nachsorgeeinrichtungen werden, die nach dem Modell Bunter Kreis arbeiten.

Adresse

Weblinks


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