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Brechthaus

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Das Geburtshaus von Bertolt Brecht in Augsburg im Stadtbezirk Jakobervorstadt Süd. Heute Bert-Brecht-Gedächtnisstätte und Museum.

Allgemeines

Bei dem Bert-Brecht-Haus handelt es sich um ein typisches einfaches Handwerkerhaus, wie es im 16. und 17. Jahrhundert in Augsburg gebaut wurde. Es liegt an einem Lech -Kanal nur wenige hundert Meter vom Rathaus entfernt. Früher war hier an den Lechkanälen das Handwerkerviertel? von Augsburg untergebracht. Das Bert-Brecht-Haus ist inselartig dem Verlauf der Lecharme Hinterer und Mittlerer Lech angepasst. Dort, wo sie sich vereinen, hat die Fassade einen Knick. Das Treppenhaus liegt im rückwärtigen Teil und war an die weniger ansehnliche Front eines Schlachthauses angelehnt.

Hier ist heute die Augsburger Bert-Brecht-Gedenkstätte untergebracht. In den Räumen kann der Besucher interessante Exponate und Dokumente zu Bertolt Brecht sehen, vor allem natürlich aus seiner Zeit in Augsburg. Viele dieser Exponate stammen aus dem Bestand des Bert-Brecht-Archivs der Akademie der Künste in der ehemaligen DDR. Dieses Archiv hat auch mitgeholfen, die Ausstellung in Augsburg zu gestalten.

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Die Austellung beginnt in den Räumen des Erdgeschosses, wo früher eine Feilenhauerei betrieben wurde, was sicherlich ein Grund dafür war, dass die junge Familie Brecht noch im Geburtsjahr Bertolts 1898 umzog. Hier zieht sich über die Länge einer Wand eine Einführung in Chronologie-Form hin, die einen ersten Eindruck vermittelt. Die Räume im ersten Stock sind nach Lebensabschnitten eingeteilt: Kindheit und Jugend, Studium, Bewährungszeit als Schriftsteller, Exil, Theaterarbeit nach seiner Rückkehr nach Europa bis zum Tod. Je ein lebensgroßes Bild von Bertolt Brecht markiert die jeweilige Phase seines Lebens. Von Fritz Cremer? ist ein riesengroßes Bronzeportrait von 1957 zu sehen, an den Wänden hängt zum einen aus dem Jahr 1926 das Portrait Bertolt Brechts, das Fritz Heinsheimer? schuf, zum anderen das im Jahr 1940 gemalte Brecht-Portrait von Hans Tombrock?. In einem letzten Raum steht die Rezeption des Augsburger Dichters in Kunst, Literatur, Theater und populärer Kunst im Vordergrund - und zwar national wie international.

Leitgedanke der Ausstellung ist, möglichst oft Bertolt Brecht selbst zu Wort kommen zu lassen. Bei über 50 Stücken, 2.000 Gedichten, drei Romanen, unzähligen Erzählungen und Schriften zu Themen der Kunst, Literatur und Politik konnte das natürlich nur in Auswahl geschehen.

Wertvolle Originale (das Schlafzimmer der Mutter, Erstausgaben von Brecht-Werken, ein Bühnenbild von 1949, eine Lebend- und eine Totenmaske, Kunstwerke von Caspar Neher und anderen sowie eine Präsenzbibliothek, eine Videoinstallation und Dokumentarfilme sind wichtige Bausteine im Museumskonzept, um Bertolt Brecht nahe zu kommen.

In dem Gebäude befinden sich neben der Bert-Brecht-Gedächtnisstätte auch noch Studentenwohnungen und Ausstellungsräume für Kunst.

Pro Jahr besuchen etwa 5.000 bis 7.000 Gäste das abseits und versteckt gelegene Haus. Wer Brecht außerhalb seines Geburtshauses erleben will, kann bei der Regio Augsburg Tourismus GmbH Stadtführungen auf den Spuren des Dichters und Dramatikers buchen oder sich mit Hilfe der Broschüre "Bertolt Brecht. Wege in seiner Geburtsstadt Augsburg" auf eigene Faust auf den Weg machen. Sie erhält man ebenso wie das vollständige Brechthausprogramm bei der Tourist-Info am Augsburger Rathausplatz sowie weiteren Verteilstellen in der Stadt.

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Brechthaus Augsburg © Eva Stuhlmüller

Geschichte

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Das Bert-Brecht-Haus stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Im 19. Jahrhundert wurde vor allem das Dach verändert. Es ist durch einen Ingenieur neu konstruiert und aufgesetzt worden.

Zur Zeit, als die Brechts hier lebten, war im Haus eine Feilenhauerei untergebracht. Hier wurde am 10. Februar 1898 Eugen Bertolt Friedrich Brecht geboren, der "Stückeschreiber", Augsburgs bedeutendster Dichter. Er lebte hier allerdings nur während seiner ersten sieben Lebensmonate, denn die Eltern zogen wegen des unerträglichen Lärms der Feilenhauerei schnell um. Man kann sich heute, wenn man die Idylle um das Haus sieht, nicht mehr vorstellen, welch ein Lärm zur Zeit der Brechts dort herrschte und welcher Gestank von dem Kleingewerbe, das ringsum angesiedelt war, ausging.

Auf private Initiative hin wurde 1960 an diesem Haus eine Gedenktafel zu Ehren des Dichters angebracht, die der Bildhauer Sepp Mastaller? schuf. Heute hängt sie im Eingangsbereich des Hauses.

Die Zeit des Kalten Krieges war für die Rezeption Brechts in seiner Heimatstadt nicht förderlich. Es gab viele politische Auseinandersetzungen darüber, wie mit diesem großen Sohn der Stadt umgegangen werden sollte. Und es gab viele Verzerrungen in der Wahrnehmung des kommunistisch gesinnten Schriftstellers.

Erst Mitte der 1960er Jahre des vergangenen Jahrhunderts setzte sich im offiziellen Augsburg die Überzeugung durch, dass man - trotz anderer politischer Auffassungen - an ihn erinnern sollte.

Dafür kamen unter anderem zwei Häuser in Frage: das Haus Auf dem Rain 7 mitten in der Augsburger Altstadt?, also das heutige Brechthaus, in dem Brecht am 10. Februar 1898 geboren worden war, und das Haus in der Bleichgasse? 2 am Oblatterwall, wo die Familie seit 1900 lebte, wo Brecht seine gesamte Kindheit und Jugend verbrachte, und wo er sich auch nach der Übersiedelung nach Berlin 1924 bis zur Emigration jedes Jahr für mehrere Wochen oder Monate aufhielt. Im Rückblick kann man sagen, dass der Mythos der Geburtsstätte doch wirkungsmächtig genug war, um die offizielle Erinnerung an Brecht in Augsburg auf das Haus Auf dem Rain 7 zu konzentrieren.

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1976 schockierte die marxistische DKP? auf einer Brechtfeier, an der auch Franz Xaver Kroetz teilnahm, brave Augsburger Bürger mit der Forderung nach einem Brechthaus.

1981 erwarb dann die Stadt Augsburg das Gebäude Auf dem Rain 7. Man beschloss, bis zur 2000-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1985 eine Präsentation zu Leben und Wirken Brechts in dem Haus einzurichten.

Am 10. Februar 1985 wurde in dem Bürgerhaus zum 87. Geburtstag des Dichters die Bert-Brecht-Gedächtnisstätte eröffnet, nachdem im Jahr 1982 vom Kulturausschuss? der Stadt Augsburg der Beschluss gefasst wurde, eine Bert-Brecht-Gedenkstätte in diesem Haus einzurichten.

Im Jahr 1990 beschloss die Stadt Augsburg, der Gedenkstätte noch eine Bert-Brecht-Forschungsstelle? beizuordnen und das Brechtsche Geburtshaus neu zu gestalten. Die Arbeiten dazu wurden nach sechsjähriger Planungs- und zweijähriger Umbauzeit rechtzeitig zum 100. Geburtstag Bertolt Brechts abgeschlossen; seitdem präsentiert sich das Haus als kleines Literaturmuseum zu Leben, Denken und Schaffen des Augsburger Dichters.

Für den Umbau hat man etwa eine halbe Mio. DM ausgegeben, die z. T. durch die Städtebauförderung finanziert wurde. Das neu gestaltete Haus wurde zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht am 10. Februar 1998 vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber eröffnet. Die Dauerausstellung wurde von Professor Hans Peter Hoch neu gestaltet.

2004 wurde das Bert-Brecht-Haus Teil eines neu angelegten Stadtführungsnetzes?.

Im Mai 2014 fand der lyrisch-musikalischer Abend "Wie oft du auch den Fluss ansiehst" im Augsburger Brechthaus statt. Die Schauspielerin Karla Andrä und der Komponist Josef Holzhauser (Gitarre) gestalteten als Duo „Text will Töne“ ein Programm über das Element des Wassers bei Brecht.

Ein kominiertes Musik- und Literaturprogramm bot die Regio Augsburg Tourismus GmbH am 14. August 2016, dem 60. Todestag Bert Brechts, an. Es fand die Matinee "Der Brecht des kleinen Mannes" statt. Sängerin Sieglinde Hahn und Pianistin Stephanie Knauer präsentierten Brecht’sche Schätze vom Pflaumenbaun, der „zu wenig Sonn’“ hat über den „Augsburger Kreidekreis“ bis hin zur „Ballade vom angenehmen Leben“.

Am Freitag, den 18. November 2016 präsentierte das Duo „Text will Töne" (Karla Andrä und Josef Holzhauser) zusammen mit Carmen Jaud, Walter Bittner und Eva Strittmatter einen lyrisch-musikalischen Abend im Augsburger Brechthaus. Eva Strittmatter war damals eine der meistgelesenen Lyrikerinnen in Deutschland. Sie gehörte zum Kreis um Bertolt Brecht?, als dessen Assistent ihr Mann Erwin Strittmatter am Berliner Ensemble tätig war. Mit Brecht verbanden das Ehepaar literarische und politische Interessen. Die Augsburger Dichterin Carmen Jaud gab mit ihrem Werk "Den Dingen die dauern und fliehen" lyrische Antworten auf Eva Strittmatters Gedichte.

Zwischen Februar und Mai 2017 waren im Augsburger Brechthaus Stücke aus dem Berliner Brecht-Nachlass zu sehen. Aus dem Nachlass von Barbara Brecht-Schall? konnte die Stadt Augsburg mit Unterstützung der Wilhelm-Carl-Nagel-Stiftung wertvolle Stücke für das Brechthaus erwerben. Sie wurden anlässlich des 119. Geburtstags Bertolt Brechts am 10. Februar erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Neben der von Gerhard Thieme angefertigten Totenmaske waren drei Lebendmasken Brechts von Paul Hamann zu sehen. Ergänzt wurde die Schau im Brechthaus durch eine Serie von Bühnenbildentwürfen Caspar Nehers (1897 – 1962) zu Brechts Fragment „Der Wagen des Ares“ und einen der seltenen Entwürfe Nehers auf Holz. Diese richteten den Blick auf die schöpferische Freundschaft und die kongeniale Zusammenarbeit zwischen dem ebenfalls in Augsburg geborenen Bühnenbildner Caspar Neher und dem Stückeschreiber Bertolt Brecht.

Details

Besucher des Brechthauses können jeden ersten Samstag im Monat an einer öffentlichen Führung durch das Geburtshaus und die Gedenkstätte teilnehmen. Dabei wird Wissenswertes über Brechts Kindheit und Jugend in Augsburg vermittelt, aber auch über seinen weiteren Lebenslauf und Werdegang - und die "schwierigen Zeiten" in welchen er lebte, "öfter als die Schuhe die Länder wechselnd".

Die Regio Augsburg Tourismus GmbH betreut das Brechthaus organisatorisch. Neben vielen Turnusführungen stehen dabei beispielsweise Vorträge von Brechtexperten, Lesungen sowie Musik-, Lyrik und Literaturveranstaltungen auf der Liste der Darbietungen. Dazu gibt die Regio Augsburg Tourismus GmbH einen regelmäßigen Veranstaltungsführer heraus.

Indem das Brechthaus auf Bertolt Brecht zurückgeht, verpflichtet es Augsburger und Touristen, die dieses Haus besuchen. Denn der Augsburger Dichter hat das Denken zu den größten Vergnügungen des Menschen gezählt. In diesem Sinne ist es ein Ort, der mit seiner Ausstellung zum Leben Brechts und mit seinen Veranstaltungen zum Denken über Literatur und Gesellschaft auffordert.

Adresse

Bert-Brecht-Haus
Auf dem Rain 7
86150 Augsburg

Tel. 0821/3242779


Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Weblinks


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