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Brechtfestival Augsburg

ein Kultur-Festival in Augsburg, das die frühere Veranstaltung abc-Festival ersetzt und sich dem Augsburger Schriftsteller? Bertolt Brecht widmet; gilt als eines der wichtigsten kulturellen Ereignisse der Stadt Augsburg

Logo des Brechtfestivals
Offizielles Logo des Brechtfestivals Augsburg; von Brechtfestival Augsburg (Brechtfestival Augsburg) [Für die Lizenz, siehe], via Wikimedia Commons

Allgemeines

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Die in Augsburg 2008 an die Macht gekommene konservative Stadtregierung von CSU und PRO Augsburg stellte noch im Jahr der Machtübernahme das ehemalige abc-Festival zu Ehren Bert Brechts mit Verweis auf die Kosten ein. An seine Stelle trat das Brechtfestival Augsburg, das 2010 zum ersten Mal durchgeführt wurde und sich vom Konzept her von dem früheren abc-Festival unterscheidet. Man will mit dem neuen Brechtfestival ein breites Publikum ansprechen, keine "Szene", die von Veranstaltung zu Veranstaltung zieht.

Das Brechtfestival verbindet Film, Theater, Musik, Lyrik und Medien, bietet Filme, Theateraufführungen, multimediale Inszenierungen, Poetry Slams, Konzerte, Vorträge und Diskussionsrunden mit einer Vielzahl an renommierten und prominenten Gästen. Zu den Höhepunkten zählt die Brechtgala im Theater Augsburg. Einen Ausklang findet das Festival mit der Verleihung des Bertolt-Brecht-Preises.

Als Ziel des Festivals wird formuliert, dass bisher vernachlässigte Seiten des Künstlers Bertolt Brecht in den Vordergrund gestellt werden sollen, etwa seine Universalität und Modernität als Künstler und Musiker. Auch soll die politisch-ideologische Einordnung Brechts, die nach dem Ende des Kalten Krieges noch nicht korrigiert wurde, auf den Stand der heutigen Forschungslage gebracht werden.

Daneben sollen auf jedem Brechtfestival aktuelle Brechtinszenierungen und -interpretationen vorgestellt werden. Ganz in der Tradition Brechts sollen auch experimentelle Veranstaltungsarten und verschiedene Formen der Publikumsbeteiligung integriert werden, um so die Grenze zwischen Konsumenten und Produzenten zu verwischen.

In den dreizehn Festivaltagen soll Brecht in all seinem Facettenreichtum, seiner Aktualität, aber auch in seiner Unbequemlichkeit und Widersprüchlichkeit wieder in seiner Heimatstadt lebendig werden. Brecht verlangt, die Kunst müsse vor allem Spaß machen und gleichzeitig beitragen zur größten aller Künste, zur Lebenskunst. Das Festival versucht, diesem Ziel gerecht zu werden. Dabei wird Brecht nicht auf einen Sockel gestellt, sondern das Werk in seiner widersprüchlichen Wirkung dargestellt, mitsamt den Irrtümern Brechts.

Geschichte

2010

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Im Jahr 2009 fand weder ein abc-Festival noch ein Brechtfestival, sondern nur eine Rumpfveranstaltung mit dem Thema Brecht statt, die so genannte Brechtnacht. Das erste Brechtfestival neuen Zuschnitts fand im Januar 2010 statt. Das Team bestand aus Dr. Joachim Lang, dem Leiter, seiner Assistentin Barbara Eschlberger? und anderen. Das 13-tägige Festival musste 2010 mit einer städtischen Fördersumme von 120.000 Euro auskommen - gegenüber 150.000 Euro für das viertägige abc-Festival zuvor. Insgesamt besuchten etwa 8.000 Menschen die Veranstaltungen des Festivals, etwa doppelt so viel wie in früheren Jahren das abc-Festival.

Das Schwerpunktthema 2010 war: Brecht und Film - Die Kunst braucht den Film. Der Film braucht die Kunst. Dabei ging es um die Filmarbeit Brechts. Ab 1920 entwarf er Filmstoffe, arbeitete Drehbücher aus und beschäftigte sich mit Filmregie. In der Presseerklärung zum ersten Jahr des Festivals hieß es: "Mit Karl Valentin schuf er einen Stummfilmklassiker, "Kuhle Wampe" ist der Prototyp des Arbeiterfilms, "Hangmen Also Die" zählt heute zu den bedeutendsten amerikanischen antifaschistischen Filmen. Viele seiner Filmideen wurden von anderen aufgegriffen, in Hollywood war er als Skriptwriter erfolgreicher, als bisher angenommen. Nicht zuletzt aus seinen Theaterstücken entstanden immer wieder Meilensteine des Films. Damit ist Brecht der meistverfilmte Autor überhaupt. Aber nicht nur seine Stoffe, auch seine theoretischen Überlegungen prägen bis heute Regisseure wie Lars von Trier oder Volker Schlöndorff. Brecht öffnete sich auch anderen Massenmedien, die in seiner Zeit noch in den Kinderschuhen steckten. In der Auseinandersetzung mit dem Radio forderte er, das Publikum aus der rein rezipierenden Haltung zu befreien. Kunst soll nach Brecht Spaß, den Einzelnen aber auch zum aktiven Teilnehmer machen. Im Zeitalter des Web 2.0 sind Brechts Medientheorien aktuell wie nie: Der „User“ hat den passiven Konsumenten abgelöst."

Unterhaltende Veranstaltungen und Diskussionen sollten diese Aktualität greifbar machen; in experimentellen und interaktiven Formaten wurde Brechts Werk gattungsübergreifend auf dem Festival fortgeschrieben. Passend zum Schwerpunktthema des Jahres rief das Kulturamt? der Stadt einen Kurzfilmwettbewerb aus, der mit 1.000 Euro für den 1. Platz dotiert wurde.

Es kamen renommierte Gäste wie die Regisseure Erich Breloer, Larry Weinstein, Andres Veiel, Brecht-Experten wie James K. Lyon oder Jürgen Hillesheim, die Schauspielerin Regine Lutz, die Sängerin Annett Louisan, die Brecht-Enkelin Johanna Schall, Heino Ferch u. v. m. Daneben kamen aber auch Augsburger Akteure zum Zug: das Theater Augsburg, die Universität Augsburg, das S’ensemble Theater, Lydia Daher und Tom Schulz, Franz Fischer? und Kurt Idrizovic ...

Insgesamt gab es knapp 40 Veranstaltungen auf dem ersten knapp zwei Wochen dauernden Augsburger Brechtfestival: Videowettbewerb, Schreib- und Filmworkshops, ein Kurs für Kurzfilmmusik, Slams, Konzerte, Lesungen etc.

2011

Übergreifendes Thema ist "Brecht und die Musik". Die Texte von Bertolt Brecht haben viele Komponisten, Sänger und Liedermacher inspiriert. Sie haben seine Worte wie der Bernstein die Fliege eingeschlossen, so ein Wort von Bertolt Brecht selbst zu den vielen Vertonungen seiner Werke. Ein Grund dafür, in den verschiedensten Kulturkreisen nachzuforschen und die Interpretation der brechtschen Werke in der Musik zu ergründen. Es kam 2011 auch die Zusammenarbeit Brechts mit Komponisten wie Kurt Weill, Paul Hindemith oder Hanns Eisler zur Sprache.

Eröffnet wurde das Brechtfestival Augsburg 2011 durch Ute Lemper. Der Komponist Franz Wittenbrink stellte seine Vertonungen von Brecht-Texten vor, Dominique Horwitz interpretierte die Dreigroschenoper und das Theater Augsburg führte die Brecht-Weill-Oper Mahagonny auf.

2012

"Brecht und Politik". So das Thema 2012. Der Hintergrund ist der ideologische Missbrauch, den man mit Bertolt Brecht getrieben hat. Er wird als politischer Autor und Ideologe gesehen, doch hat er sich immer gegen die Verhärtung in bestimmten Sichtweisen gewendet und meinte, dass der Irrtum die Grundvoraussetzung für Erkenntnis sei. Zwar war er politisch gesprochen eindeutig ein Linker, aber von sozialistischen Paradiesen hielt er nichts, war gegen feste Weltanschauungen.

Im März 2012 kritisierten die GRÜNEN, dass der Ansatz von Joachim Lang nach drei von ihm verantworteten Brechtfestivals ausgereizt sei. Beim Thema Brecht und Politik seien weniger Zuschauer gekommen und die überregionale Medienpräsenz sei sehr gering gewesen. Dies hänge damit zusammen, dass der Fokus mehr darauf gerichtet gewesen sei, das damalige Verständnis von Brecht zu beleuchten als danach zu forschen, was Brecht heute zur Bankenkrise, zu Armut, zu Leiharbeit etc. zu sagen hätte.

Am 26. März 2012 tagte der Kulturausschuss? in Sachen Brechtfestival und erhöhte den Etat der Veranstaltung.

Im Juni 2012 stellte die Grüne Stadtratsfraktion nach einer Sitzung des Kulturausschusses? den Antrag, dass der Rechnungsabschluss zum Brechtfestival offengelegt werden solle, denn es bestünde der Eindruck, dass es beim Brechtfestival etwas zu vertuschen gäbe. Man wolle wissen, ob die Gerüchte über ein Defizit in fünfstelliger Höhe zuträfen. Zu ihrem Antrag schrieben die GRÜNEN: „Sollte es zutreffen, dass das Brechtfestival ein signifikantes Defizit eingespielt hätte, wäre dies der Augsburger Kulturszene kaum vermittelbar. Reiner Erben: `Soeben haben CSU und Pro Augsburg? bei ehrenamtlich getragenen kleinen Festivals Beträge von 10.000 Euro gestrichen. Würde jetzt ausgerechnet ein nicht von der Sparrunde betroffenes Festival weit höhere Beträge verschlingen, wäre dies ein weiterer Schlag gegen die kleineren Festivals, die in Schwierigkeiten geraten sind.´ “ Inhaltlich sähe man ein Defizit als Beleg für die nachlassende Attraktivität des Festivals. Verena von Mutius: „Offensichtlich hat die Resonanz im dritten Jahr unter der Leitung von Herrn Lang weiter nachgelassen. Wir hätten uns von einem anderen Festivalleiter frische Impulse versprochen. Deshalb ist es angesichts der jetzigen Lage noch unverständlicher, warum CSU und Pro Augsburg den Vertrag mit Herrn Lang verlängert haben, ohne dass dieser eine stimmiges Konzept vorgelegt hat.“

Die Grüne Stadtratsfraktion kritisierte im Juli 2012 eine mangelhafte Informationspolitik von Kulturreferent? Peter Grab beim Brechtfestival 2012. Reiner Erben meinte dazu: „In der Stadtratssitzung vom 29.03. wurde der Vertrag von Herrn Lang gegen unsere Stimmen um drei Jahre verlängert. Dafür haben dem Stadtrat aber wichtige Informationen gefehlt. Diese haben Herr Grab und Herr Lang entweder zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wahrhaben wollen oder es bestand anscheinend kein Interesse an der Weitergabe. Am 27.3 antwortete Herr Grab schriftlich auf eine Anfrage der Grünen Fraktion zur Evaluation des Festivals. In diesem Antwortschreiben steht fast exakt die gleiche Summe an Einnahmen bei Zuschauern und eingeworbenen Sponsorenmittel wie sie jetzt nochmals bekanntgegeben wurden. An diesen Zahlen hat sich nichts verändert. Somit war ein Teil des voraussichtlichen Fehlbetrags in Höhe von circa 20.000 Euro schon damals an Hand des Finanzplans des Festivals abschätzbar und hätte dem Stadtrat von Herrn Grab und Herrn Lang bekanntgegeben werden müssen. Ob der Stadtrat angesichts dieser Fakten einer Verlängerung des Vertrags von Herrn Lang zugestimmt hätte ohne dass dieser ein tatsächliches Konzept und eine verifizierbaren Finanzierungsplan für die zukünftigen Festivals vorgelegt hat, ist aus heutiger Sicht mehr als fraglich.“ Verena von Mutius ergänzte noch: „Festivals wie das lab 30 werden wegen 10.000 Euro Einsparung gefährdet und Herr Grab gibt kommentarlos bekannt, dass es beim Brechtfestival aufgrund von Mehrausgaben von Technik/Miete und Mehrausgaben bei Künstlerübernachtungen sowie weiteren „kleineren Kostenerhöhungen“ Mehrausgaben von über 22.000 Euro gab. Angesichts der Spardiskussion ist die Wirkung eines Defizits von insgesamt knapp 60.000 Euro katastrophal. Es kommt hinzu, dass das Brechtfestival durch die Verlagerung von Aufgaben an das Theater, wofür zusätzliche Kosten entstehen, die dem Theater erstattet werden, faktisch eine Erhöhung seines Budgets bekommen hat und darüber hinaus auch nicht vom Biennalekonzept betroffen ist.“

Auch Herr Dr. Lang habe durch dieses intransparente Vorgehen an Glaubwürdigkeit verloren. Einige Vorgänge, wie z.B. die Verabschiedung des „Konzepts“ wurden nichtöffentlich behandelt. Auch die Bekanntgabe der Besucherzahlen im März 2012 war kein offener Prozess. Dadurch sei der Eindruck entstanden, dass es etwas zu verheimlichen gäbe und eine öffentliche, inhaltliche Debatte über Sinn und Ziel des Festivals vermieden werden solle.

2013

Das Brechtfestival 2013 war der Dichtung und den Theaterstücken des „jungen Brecht“ gewidmet. Zum ersten Mal fand das Festival vorrangig im Theater Augsburg statt. Die Schauspielerin und Autorin Christine Kaufmann präsentierte im Foyer des Theaters einen exklusiven Brecht-Abend. Bei der Uraufführung von Brechts Erstlingsdrama „Die Bibel“ in der Barfüßerkirche führte die Enkelin von Brecht Johanna Schall hundert Jahre nach dessen Erstveröffentlichung Regie und der Bertolt-Brecht-Preis 2013 ging an Ingo Schulze. Erstmals zeigte die Staats- und Stadtbibliothek die Schätze der Augsburger Brecht-Sammlung: Originalmanuskripte, Erinnerungsstücke und Kuriositäten aus den jungen Jahren des Dichters. Im Rahmen des Brechtfestivals erschienen zudem die "Geschichten vom Herrn Keuner" reich illustriert als Leseheft. Die Illustrationen lieferten Studenten der Hochschule Augsburg.

2014

2014 fand das Brechtfestival im Theater Augsburg einen zentralen Veranstaltungsort, an dem sich ein bunt gemischtes Publikum einfand. Die Einbeziehung von internationalen Interpretationen etwa aus Ungarn oder Italien zeigte die Aktualität Brechts in sich wandelnden Gesellschaften. Programmpunkte für Kinder und Jugendliche waren deutlich ausgebaut worden, um auch ihnen Zugänge zu Brecht zu zeigen. Eingebunden waren auch lokale Akteure wie der Brechtkreis?, das Junge Vokalensemble? oder Bluespots Productions. Auch die Bespielung städtischer Brechtorte und die Einbeziehung der städtischen Brechtsammlung wurden gelobt.

Die GRÜNEN forderten in einer Pressemitteilung am 9. Dezember 2014 eine inhaltliche Neuaufstellung des Brechtfestivals. So könne der Februartermin in wärmere Jahreszeiten verlagert werden, um „Outdoor-Formate“ zu ermöglichen. Auch das Brechthaus solle als Literaturhaus neu aufgestellt werden und eine Rolle im Festivalkonzept bekommen. Darüber hinaus sollten vermehrt junge DramatikerInnen beim Brechtfestival ein Forum erhalten, denn Bertolt Brecht habe als junger Dramatiker seine Wurzeln in Augsburg. Deshalb könne eine zeitgemäße Reflexion seines Werkes durch eine stärkere Beteiligung junger GegenwartsdramatikerInnen erreicht werden.

2015

2015 wurde zwischen CSU, SPD und GRÜNEN gemeinsam vereinbart, Joachim Lang einmalig und zum letzten Mal für ein weiteres Jahr als Leiter zu verlängern.

2016

2016 kam es zu einer großen politischen Diskusssion über das Brechtfestival. Die Grüne Fraktion wollte das Brechtfestival der Stadt Augsburg neu aufstellen, ihm vor allem einen neuen inhaltlichen Impuls geben und einen turnusmäßigen Wechsel in der Leitung des Festivals einbauen. Auch junge Gegenwartsdramatiker sollten ein Forum im Brechtfestival haben und die Rezeption Brechts als Dramatiker auf der internationalen Bühne z.B. durch Gastspiele anderer Länder und Kontinente sollte in Augsburg gewürdigt werden. Sie wollten eine stärkere Vernetzung mit anderen bestehenden Brechtaktivitäten in Augsburg bzw. mit anderen Augsburger Festivals. Auch mehr partizipatorische Elemente sollten ins Programm aufgenommen werden. Die Spielorte sollten nach Möglichkeit besser über das gesamte Stadtgebiet verteilt werden. Die lokale Szene sei ein selbstverständlicher und unabdingbarer Bestandteil des Brechtfestivals. Entscheidend sei der künstlerische Diskurs zwischen Augsburger Szene und Impulsen von außen. Um dies zu gewährleisten hielt die Partei einen fest im Festivaletat verankerten finanziellen Topf für die lokale Szene für unabdingbar, der nach Konzepteinreichung jährlich neu vergeben wird.

Im März 2016 zog sich Dr. Lang vom Brechtfestival zurück, so dass es einen personellen und inhaltlichen Wechsel beim Brechtfestival geben konnte.

2017

2017 fand das erste Brechtfestival unter der Ägide von Patrick Wengenroth? statt. Patrick Wengenroth?, der neu bestimmte Festivalsleiter, legte ein Konzept für dieses Interimsjahr vor, das eine Auseinandersetzung mit der politischen Gedankenwelt Brechts in den Vordergrund rückte. Wengenroth ist ein Theaterpraktiker, der mit Eigenproduktionen Brecht in Augsburg machen und ihn idealerweise auch exportieren wollte, statt in erster Linie auswärtige Produktionen nach Augsburg einzuladen. Junge GegenwartsdramatikerInnen sollten genauso eine Bühne im Brechtfestival bekommen wie Autoren, die sich nach Brechts Tod auf ähnliche Weise kritisch mit der Gesellschaft beschäftigt haben.

Das Motto des Festivals lautete: "Verändere die Welt, sie braucht es". Man wollte sich auf einen völlig neuen Ansatz mit dem Werk Brechts auseinandersetzen und setzte die Schwerpunkte Feminismus und das Verhältnis Brecht - Benjamin. Ein forderndes Programm, das an vielen Orten quer durch die Stadt Augsburg stattfand. Erstmals stand das Große Haus des Theaters Augsburg nicht für das Brechtfestival zur Verfügung. Das Programm setzte auf eine starke Zusammenarbeit mit der Augsburger Szene?, aber auch auf Elemente der kulturellen Bildung wie die Schülerschreibwerkstatt. Auch niederschwellige und kostenlose Angebote fanden 2017 im Programm Platz und die Beteiligung der Jugend wurde ausgebaut.

2017 sah man als Übergangsjahr für das Brechtfestival. Das Festival stand bis dahin sieben Jahre unter der Leitung und Konzeption des gleichen Leiters. Lang hat Brechts Biographie chronologisch abgearbeitet. Was nach „Brecht im Exil“ und „Brecht nach der Rückkehr aus dem Exil“ noch kommen sollte, war unklar.

Details

Das Erscheinungsbild des Brechtfestivals
Fahnen des Brechtfestivals vor dem Großen Haus des Theaters Augsburg im Februar 2013, © Diana Deniz [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Das Brechtfestival Augsburg in seiner neuen Konzeption zeichnet sich durch ein Jahres-Schwerpunktthema aus. Karoline Sprenger schrieb im Dreigroschenheft 4/2009, dass das Brechtfestival wenig mit einem klassischen Literaturfestival zu tun habe. Weil Bert Brecht ein Universalist war und sein Werk alle Medien, die Musik und die darstellenden Künste einschloss, ist das Brechtfestival als Kulturfestival konzipiert, das den enormen Umfang des brechtschen Werkes bekannt machen soll. Literatur, Musik und Film sollen gleichberechtigt zum Zug kommen, die Offenheit des Werkes soll dazu genutzt werden, es zu verheutigen und weiterzuentwickeln. Im brechtschen Sinn sollen verschiedene Kunstrichtungen und Ideen zusammengebracht werden, die BürgerInnen aller Bildungs- und Altersschichten ansprechen.

Künstlerischer Leiter des Augsburger Brechtfestivals ist Dr. Joachim Lang. Zu Beginn des Brechtfestivals erklärte er eine neue Brecht-Rezeption in Augsburg aufschlagen zu wollen. Er wolle ein neues Bild des Schriftstellers vermitteln und Brecht entideologisieren. Zu seinem Konzept gehört auch, Theater, Literatur, Wissenschaft und Jugendkultur in das Festival zu integrieren, wobei die Teilnehmer nicht nur konsumieren, sondern sich in Workshops, Wettbewerben oder Publikumsplattformen selbst einbringen sollen. Die verschiedenen Aspekte und Kunstformen des Brechtfestivals sollen durch ein Jahresthema zusammengefasst werden. Die Rezeption des großen Augsburger Dichters hält Lang für verengt und ideologisiert. Diese Art der Rezeption will Lang mit dem Augsburger Brechtfestival aufbrechen und den Dichter als Künstler zeigen, der die bisherigen Grenzen der Künste überschreiten und neue Ausdrucksformen ausprobieren wollte, indem er neue Genres und neue Medien in seine Kunst integrierte.

Zu den regelmäßigen Besucherinnen gehörte Regine Lutz, die zum Berliner Ensemble von Bertolt Brecht gehörte. Sie hat Brecht 1947 in Zürich kennengelernt.

Presse

Das Medienecho auf das Brechtfestival war zum Beginn des Festivals groß, sowohl in Bayern als auch überregional. Auch das Radio und das Fernsehen berichtete, außer augsburg tv der BR?, RTL und 3Sat.

Die großen Namen fürs arrivierte Publikum, Pop für die Jungen, das könnte eine zugkräftige Mischung sein. Aber Lang will mehr. Er will den modernen Brecht, jenseits von Drama, Lyrik, Prosa - und Pose. (WELT AM SONNTAG, 31. Januar 2010)

Glamour - oder was man in der Provinz dafür hält ... Aber auch was das "Event" angelangt, war die Festivaleröffnung am Freitag ernüchternd: Von Glamour war da wenig zu spüren, höchstens davon, was man in der Provinz dafür hält. Im Anschluss war das Kopfschütteln zumindest bei vielen Augsburger Kulturschaffenden groß, die Vorsichtigen sprachen von einer "inhaltsarmen" Veranstaltung, andere von "Peinlichkeiten ohne Ende". Ein Oberbürgermeister, der bei einem solchen Anlass von "Standortvorteilen" spricht und damit zeigt, dass er weder für Brecht noch für dessen Publikum das geringste Gespür hat, hilft auch nicht weiter." (Frank Heindl in der DAZ, 1. Februar 2010)

Augsburg muss das ABC noch lernen ... Die Auseinandersetzung mit Brecht findet nur insofern statt, als dass jetzt mehr Menschen als zuvor wissen, dass er auch witzige und ernste Filme gemacht hat. (Süddeutsche Zeitung, 11. Februar 2010)

Es ist gelungen, Brecht als modernen, unabhängigen Universalkünstler verständlich zu machen und ins Zentrum zu rücken. (spielfilm.de, 11. Februar 2010)

Alles in allem war das natürlich eine Veranstaltung für Fans, für Leute, die ihren Dichter auf dem Sockel sehen wollen. Brechtkritik, auch von Festivalleiter Joachim Lang als unabdingbar gewertet, kam nicht vor, ist doch Augsburg voll und ganz damit beschäftigt, den verlorenen Sohn wieder heimzuholen - und damit nicht nur ihn, sondern auch sich selbst zu feiern. (Frank Heindl in der DAZ, 13. Februar 2010)

Der Versuch, Augsburg als die deutsche Brecht-Stadt darzustellen, kommt nicht recht voran, obschon dort jedes Jahr ein Brecht-Festival stattfindet. (Südwestpresse, 13. Februar 2010)

Am 10.02.2010 ging das BRECHT FESTIVAL AUGSBURG 2010 mit einer großen Gala zu Ende und kann eine überaus erfolgreiche Bilanz ziehen. Viele Künstler, Interpreten, Regisseure und Gäste begleiteten 13 Tage lang das Festival unter dem diesjährigen Motto "Brecht und Film". Mit klassischen Brecht-Aufführungen, Filmen und Diskussionen bis hin zu Programmen aus der aktuellen Kunst- und Kulturszene - mit Performances von Annett Louisan, Gustav, Kitty Kat und verschiedenen Slam Poeten - zeigte das Festival die immense Bandbreite des Brechtschen Schaffens und seine nachhaltige Wirkung auf Künstler der heutigen Zeit. Es ist gelungen, Brecht als modernen, unabhängigen Universalkünstler verständlich zu machen und ins Zentrum zu rücken. (digitalvd.de, 15. Februar 2010)

Insgesamt eine gelungene, heitere Veranstaltung, die jedem Laien eine Vorstellung von der Person Bertolt Brecht gab. (Diana Deniz im Dreigroschenheft 2/2010 zur Sonntagsmatinee "Brecht für Kinder")

Der Erkenntnisgewinn blieb meistens aus, oftmals nahm man nur die Feststellung mit, dass Brecht ein (filmbegeisterter) Frauenheld war und nicht gut roch. Auflockerung sollten dann wohl die großen Termine wie Eröffnung und Gala bringen, die aber alles in allem als verunglückt gelten müssen. Erstere erinnerte eher an den ZDF-Fernsehgarten, letztere erwies sich als hastige Nummernrevue mit peinlichen Aussetzern … Und setzt man den Zuschauerzuspruch (8.000 gegenüber 3.500 beim abc ins richtige Verhältnis (13 Tage gegenüber vier), ist auch das kein Grund für die übermäßig freudige Genugtuung, wie sie Peter Grab aus den Zahlen zog. (Neue Szene 03/10)

Lieber Herr Lang, lassen sie Augsburg nicht allein, so einsam mit BB, das ist (noch) nichts für den Fuggerstädter. Der braucht eine starke Hand, sonst büxt er aus, vergibt Brecht-Preise an Verschmähte und wundert sich über verwunderte Gesichter, wie Kulturreferent Peter Grab, der Langs Vorgänger Albert Ostermaier absägte und heute auszeichnet. Sie kommen bald wieder? Schön. (Wilma Sedelmeier im Augsburg Journal 03/10)

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