Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Umwelt und Umgebung | Gewässer | Branntweinbach


Branntweinbach

ein Augsburger Bach, der trockenfiel und in Abschnitten durch Wasser vom Lech wieder bewässert wird

Allgemeines

Ursprünglich war der Branntweinbach etwa acht Kilometer lang. Er entsprang in einem Gebiet, auf dem sich heute die Hammerschmiede ausbreitet, war also ein Quellbach. Von der heutigen Hammerschmiede lief er nach Norden durch Felder. Andere behaupten der Branntweinbach floss ehemals von Lechhausen aus über die Lechfeldmühle? in den Lechauwald?. Gegenüber von Stettenhofen? mündete er in den Lech. Er verläuft zum größten Teil parallel zum Höhgraben und führt am Europaweiher und an der Mülldeponie Augsburg-Nord mit ihrem hohen Schuttberg vorbei.

Heute kann man Teile des ehemaligen Bachbetts daran erkennen, dass es von Bäumen und Sträuchern gesäumt ist. Allerdings wurde es zu großen Teilen verfüllt und überpflügt. Durch die Wiederbewässerung eines Teiles des Branntweinbachs während der letzten Jahrzehnte haben sich in den ehemals trockengefallenen Lechauen ökologisch wertvolle Feuchtlebensräume entwickelt.

Geschichte

Wie alt der Branntweinbach ist, weiß man nicht. Wann er genau trockenfiel, ist ebenfalls unbekannt, wahrscheinlich aber schon im 19. Jahrhundert. Möglicherweise verlor er sein Wasser, als man im Norden von Augsburg 1852 mit der Regulierung des Lechs begann. In der Folge tiefte sich der Lech ein und der Grundwasserspiegel sank. Damals versiegten wohl die Branntweinbach-Quellen.

Die "Wiedererweckung" des Branntweinbachs hing mit der Konzessionsverlängerung des Lechseitenkanals? Mitte der 1990er Jahre zusammen, den die Lechwerke AG nutzen durfte. Ab 1996 leitete man Wasser aus dem Lech in den Unterlauf des Branntweinbachs. Das tat man, weil auf der Ostseite des Lechs? zu wenig Wasser vorhanden war. Das zugeführte Wasser musste von vom Lechseitenkanal? abgeführt werden, der im Westen des Lechs liegt. Die Ausleitung befindet sich etwa eineinhalb Kilometer unterhalb des Gersthofer Wehrs?. Vom Westen kommt das Wasser unter dem Lechmutterbett per Zwillingsrohrleitung („Düker“) in den Osten des Lechs in den Bachlauf des Branntweinbachs. Der Wasserdruck führt dazu, dass pro Sekunde etwa ein Kubikmeter Wasser in einen künstlichen Quelltopf etwa 150 Meter östlich des Lechs im Lechauwald? fließt. Von dort sucht sich das Wasser zunächst nach Norden seinen Weg, wobei es zum Teil eine von Natur aus vorhandene Rinne benutzt, die bei früheren Überschwemmungen entstand, zum Teil einen neu angelegten Lauf. Man gab dem Bachlauf den Namen Chardonnaybach?. Er bringt das Wasser über eine Strecke von etwa 750 Meter in den Branntweinbach.

Einige Bereiche des Branntweinbach-Betts wurden für landwirtschaftliche Nutzung verfüllt oder eingeebnet. Jedoch blieb ein Teil des natürlichen, jedoch ausgetrockneten Laufs mit seinen uferbegleitenden Gehölzen erhalten. Um dieses 1,2 Kilometer lange Teilstück wieder zu bewässern, wurde 2001 vom Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V.? vom neuen Quelltopf, der 1996 durch einen Düker aus dem Lech-Seitenkanal geschaffen worden war, ein 0,6 Kilometer langer offener Überleiter gebaut. Durch dieses naturnah gestaltete Gerinne werden rund 200 Liter Wasser in der Sekunde ins Bett des Branntweinbachs geleitet. Damit sind wieder Lebensräume für auentypische Tiere und Pflanzen entstanden, die auch das Landschaftsbild beleben. Danach versickerte das Wasser erst nach vier Kilometern und trat unterirdisch wieder in den Lech ein. Das ging so lange gut, bis der Biber in das künstliche Bewässerungssystem einwanderte und Dämme baute, durch die Fußgängerwege überschwemmt wurden und der Branntweinbach nicht mehr wie geplant floss.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th113---ffffff--libelle_2016.jpg.jpg

Möglicherweise hatte die Biber –Einwanderung jedoch auch eine gute Seite: Es gibt heute in dem Gelände viele Amphibien, Libellen, Reptilien und Sumpfpflanzen, die es zuvor hier nicht gab. Dennoch versucht man die Biber in ihrem Dammbau so zu leiten, dass der Branntweinbach wieder auf eine Länge von vier Kilometer Wasser führt.

Im April 2002 pflanzten die Schüler der Pestalozzi Schule in Gersthofen zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Augsburg am Branntweinbach fünf Kopfweiden. Solche Kopfweiden prägten noch vor wenigen Jahrzehnten die Lechauen entlang von Bächen und Gräben. Außerdem markierten die Kopfweiden Grenzen zwischen landwirtschaftlich genutzten Grundstücken. In den Jahren darauf übernahmen sie im Rahmen des Schulunterrichts den Schnitt der Weiden.

Details

Es ist in Europa selten, dass wie hier am Augsburger Branntweinbach in unmittelbarer Stadtnähe Feuchtbiotope liegen, die eine sehr schützenswerte Natur bewahren. Hier leben z. B. Helm-Azurjungfer?, Schlingnatter? und Buntes Laichkraut?. Die Helm-Azurjungfer? ist eine Libellenart, die europaweit vom Aussterben bedroht ist.

Der Schutz des Branntweinbachs und seines Ökosystems erfordert besondere Maßnahmen, etwa dass Pufferflächen ausgewiesen werden, um das Biotop auch in Zukunft zu sichern. Die Stadt Augsburg hat die im Auwald befindlichen bachbegleitenden Heideflächen als FFH-Gebiete an die EU gemeldet. FFH-Gebiete sind Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen werden.

Sonstiges

Der Dasinger Verein 1 FC Branntweinbach?, der 1990 aus einer Bierlaune heraus in Augsburg gegründet wurde, geht in der Benamung auf den Branntweinbach zurück.

Lage


Weblinks


Hauptseite | Umwelt und Umgebung | Gewässer | Branntweinbach


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis