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Birkenhof

eine quadratische Augsburger Wohnanlage in der Schillstraße (Lechhausen), die unter Denkmalschutz? steht

Allgemeines

Der Birkenhof in Augsburg ist eine historische Wohnanlage, die als Notunterkunft nach dem Ersten Weltkrieg erbaut wurde. Er hat vier Geschoße. Die Pultdächer sind zum quadratischen Innenhof geneigt. In den Mittelachsen des West- und des Ostflügels befinden sich Durchgänge, die man durch die Erhöhung auf fünf Stockwerke und Flacherker akzentuierte und so heraushob. An den Ecken des Birkenhofs sind zwei Ladeneinbauten zu sehen.

Der Birkenhof strahlt den Stil der Neuen Sachlichkeit aus und ist ein besonders schützenswertes Baudenkmal und Wohnquartier. Zur Zeit seiner Errichtung befand sich der Birkenhof am Stadtrand. Heute liegt er zentrumsnah und seine Lage hat einen hohen Freizeitwert. Vor dem Birkenhof liegt eine Bushaltestelle, zur Innenstadt sind es nur wenige Autominuten. Andererseits liegt die A 8 ebenfalls nur wenige Autominuten entfernt. In der Nähe des Birkenhofs befinden sich im Gewerbegebiet Lechhausen viele Einkaufsmöglichkeiten. Nur über die Straße liegt das Grießle?, ein Park mit Spazierwegen. Durchquert man den Park nach Südwesten, kommt man schnell an den Lech, wo man Spaziergänge unternehmen oder joggen kann.

Der Birkenhof hat ein charakteristisches Gesicht, da über Jahrzehnte weder seine äußere noch seine innere Gestalt verändert wurde. Das macht ihn einzigartig und zu einem Denkmal der Zeit- und Architekturgeschichte in Augsburg.

Heute reichen die Wohnungsgrößen nach einer Sanierung und Renovierung ab 2012 von 29 bis 100 Quadratmeter. Insgesamt sind 127 Wohnungen in dem Wohnblock vorhanden, vom Studentenappartement bis zu Dachterrassenwohnung. Der grüne Innenhof ist von allen Seiten durch die Bebauung geschützt und entgegen früherer Sanierungskonzepte erhalten. Unter dem von Landschaftsarchitekten angelegten Garten, wo früher Teppichstangen und Wäscheleinen das Bild prägten, befindet sich eine nachträglich eingebaute Tiefgarage mit über 100 Stellplätzen.

Werbefilm eines Immobilienmaklers zum Birkenhof in der Umbauphase ab 2012

Geschichte

Der Entwurf zum Birkenhof stammt von Otto Holzer und ist auf das Jahr 1928 datiert. Der Bau des Birkenhofs muss im Zusammenhang mit der Industrialisierung Augsburgs und den schwierigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen der damaligen Weimarer Republik gesehen werden, die 1923 eine noch nie zuvor gesehene Hyperinflation bestand. In Augsburg herrschte damals Armut und ein massives Bevölkerungswachstum, was vor allem bei Arbeiterfamilien zu einer starken Wohnungsnot führte. Ende der 1920er Jahre z. B. lagen der Stadt Augsburg etwa 10.000 Wohnungsgesuche mit der höchsten Dringlichkeitsstufe vor. Aber auch schon in den Jahren vorher lebten Tausende Augsburger in überbelegten Wohnungen oder dunklen und feuchten Kellerräumen. Heute würde man dies als menschenunwürdig bezeichnen.

Weil die Wohnungssuchenden in München und Nürnberg schon Wohnungsämter kurz und klein geschlagen hatten, fürchtete man auch in Augsburg Ausbrüche von Verzweiflung. Denn 1926 wurden die durch Gesetz fixierten Mieten aufgehoben. Dadurch stiegen die Mietpreise auch in Augsburg extrem an. Das führte zur Gefahr von Obdachlosigkeit, weshalb sich die Stadt Augsburg gezwungen sah einzugreifen und die Wohnungsnot zu bekämpfen. Augsburg hatte damals 363 Familien, die unmittelbar vor der Obdachlosigkeit standen. Andere deutsche Städte hatten auf die Wohnungssituation mit Barackensiedlungen für die Unterschichten reagiert, doch der Augsburger Stadtbaudirektor? Otto Holzer legte Konzepte für die "Hilfswohnanlagen" Birkenhof und Eschenhof vor. Sie sollten die angespannte Wohnsituation der Arbeiterfamilien übergangsweise verbessern. Wenn sich die Verhältnisse wieder gebessert hätten, plante er die beiden Wohnanlagen als Lehrlingsheime oder Verwaltungsgebäude zu verwenden. Sowohl der Birkenhof wie der Eschenhof boten jeweils 272 Einzelräume, die sich zu 113 Wohneinheiten gruppieren ließen, aber auch wieder als Einzelräume verwendbar waren. Für seine Planungen in Augsburg stand ein Vorbild aus Wien Pate: der Karl-Marx-Hof als gelobter Prototyp des sozialen Wohnungsbaus der damaligen Zeit.

Als die Wohnungen im Birkenhof im Mai 1928 an ihre Mieter übergeben wurden und in weiteren Anlagen wie dem Eschenhof noch mehr Wohnungen entstanden - insgesamt mehr als 400 in Augsburg - lobte auch die überregionale Presse das sozialpolitische Engagement der Stadt Augsburg für die Arbeiterschaft.

In den 1980er und 1990er Jahren brachte man im Birkenhof Aussiedler? unter. Damals sah der Birkenhof wenig einladend aus.

Etwa 2008 ging das architektonisch und städtebaulich herausragende Objekt an ein Immobilienunternehmen aus Kaufbeuren, das entgegen den Voten von Baukunstbeirat und Stadtheimatpfleger? im Innenhof einen sechsstöckigen Turm mit überwiegend Wohnnutzung wollte. Vom Bauausschuss? wurde die Möglichkeit eines auf sechs Stockwerke reduzierten Wohngebäudes im Inneren des Hofes befürwortet. Durch diese bauliche "Nachverdichtung" sollte der Birkenhof als Anlageobjekt mehr Rendite erwirtschaften. Da die Firma nichts an der Bausubstanz des dem Denkmalschutz? "eigentlichen" Birkenhofs ändern wollte, hätte das Projekt von der Denkmalpflege nur schwer verhindert werden können.

Im Februar 2012 wurde nach langer Leerstandszeit, nachdem die Immo-Consult GmbH? von der Stadt Augsburg den Birkenhof übernommen hatte, ein neuer Eigentümer für den Birkenhof gefunden: die Plusbau GmbH. Geplant war, 122 neue Wohnungen mit zeitgemäßen Grundrissen und zwei Geschäfte für den täglichen Bedarf im Birkenhof unterzubringen. Die Sanierungsarbeiten erfolgten in Abstimmung mit dem Denkmalschutz?. Eine "Nachverdichtung" mit Bebauung des Innenhofes wurde nicht umgesetzt, der Birkenhof als bauliches Dokument eines wichtigen Kapitels Augsburger Bau- und Sozialgeschichte weitgehend im Originalzustand erhalten. Schon im September 2012 waren angeblich 90 Prozent der geplanten Wohnungen im Birkenhof verkauft. Damals rechnete die Baufirma mit knapp 25 Millionen Euro Sanierungskosten.

Im Juli 2014 meldete die StadtZeitung, dass der Umbau des Birkenhofs an der Schillstraße größtenteils abgeschlossen werden konnte und schwärmte: "Hell und weit erscheint der Innenhof, anregend die Farben und die Gestaltung der Balkone und Fenster. So wurde aus dem hässlichen, fast verfallenen Gebäude eine Bereicherung für den Stadtteil."

2015 war die Sanierung von 122 Wohnungen abgeschlossen. Dort zogen viele Studenten, Pärchen und junge Familien ein. Sie genießen nachbarbarschaftlichen Zusammenhalt rund um einen Innenhof.

Details

Der Birkenhof in Lechhausen ist identisch mit der Wohnanlage Eschenhof in Oberhausen (Donauwörther Straße 155). Die Wohnanlage wirkt monumental und besitzt Türme, Tore und Mauerfronten, die den Eindruck eines Festungsbaus aufkommen lassen. Die begrünten, weiträumig angelegten Innenhöfe boten und bieten Mietern Nutz- und Erholungsflächen. In den 1920er Jahren legte man darauf großen Wert, weil die Avantgarde der damaligen Architekten "Licht und Luft" im Wohnungsbau forderten und diese Forderung in die damaligen Bauordnungen floss. Die Forderung war gegen den gefürchteten früheren "Mietskasernenstil" mit seinen engen Hinterhöfen und gesundheitsschädlichen Wohnungen gerichtet.

Um das Birkenhof-Wohngelände verlaufen die Schillstraße, Stralsunder Straße?, die Palmstraße und die Linke Brandstraße?.

Heute ist der "neue Birkenhof" technisch auf einen zeitgemäßen Stand gebracht, besitzt eine zentrale Heizungsanlage, die alle Gebäudeteile mit effizienter Energie versorgt, ein ausgebautes Dachgeschoss, Elektroräume, Fahrradräume, Kellerabteile, Trockenräume etc. Der "neue Birkenhof" präsentiert sich heute als Baudenkmal, das interessante Gegensätze vereint und in seiner Art einzigartig ist. Er ist ein Augsburger Wohnquartier, das historische Substanz mit zeitgemäßem Komfort verbindet und steht so für modernes Leben in einem Denkmal.

Das war früher völlig anders. In der Zeit der Weimarer Republik lief das Leben im Birkenhof weitgehend ohne Privatsphäre ab, denn die Wohnungen waren offen und wurden durch einen gemeinsamen Gang erschlossen, wobei links Wohnen und Schlafen und rechts die Küche war.

Lage


Weblinks


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