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Bezirkskrankenhaus

eine Augsburger Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Allgemeines

Viele Menschen sprechen auch heute noch von „Irrenanstalt“ oder „Irrenhaus“. Ihr Bild von psychiatrischen Einrichtungen scheint von Anstalten des 19. Jahrhunderts geprägt zu sein. Im Kopf überschneiden sich vor einer dunklen Kulisse Wahnsinn, Verbrechen und Perversionen. Solche düster-romantischen Bilder haben aber nichts mehr mit der heutigen Wirklichkeit in der Psychiatrie zu tun.

Ernsthaft an die Heilung von Geisteskranken oder psychisch kranken Menschen dachte man erst ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals begann man in fortschrittlichen Anstalten die damals als unheilbar geltenden Fälle von den als heilbar eingeordneten zu trennen. Immer mehr erblickte man in den so genannten „Irren“ Kranke und damit verloren die Anstalten auch nach und nach ihren Gefängnischarakter und wurden Krankenhäusern immer ähnlicher. Man richtete Sportstätten, Gärten, Räume zur Geselligkeit ein, denn die Kranken waren oft lange in den Anstalten untergebracht.

Heute umfasst eine psychiatrische Klinik wie das Bezirkskrankenhaus in Augsburg Einrichtungen zur stationären Behandlung, offene und geschlossene Abteilungen, für leichter Erkrankte stationäre Tages- oder Nachtkliniken. Die Behandlung ist heute gestuft und fallbezogen.

Wenn die Augsburger vom Bezirkskrankenhaus sprechen, dann meist nur in der abgekürzten Form BKH. Es trug im Lauf seiner Geschichte dazu bei, dass psychische Krankheiten in Augsburg kein Tabu mehr sind und eine psychische Erkrankung heute "angenommen" wird. Allerdings: Nicht immer wird das BKH positiv gesehen. Bei manchem Augsburger hält sich das Vorurteil, dort würden die "Verrückten" behandelt, das BKH sei eine "Klapse". Psychische Krankheiten sind in unserer Gesellschaft im Vormarsch. Deshalb schwinden mit der Zeit auch diese Vorurteile, denn in der Zwischenzeit kennt fast jeder einen Freund, Bekannten oder gar ein Familienmitglied, das schon einmal mit dem BKH oder mit einem Psychiater oder Psychologen Berührung hatte.

Das Bezirkskrankenhaus Augsburg wird vom Bezirk Schwaben getragen und ist eine Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Es dient der Ludwig-Maximilians-Universität München als Akademisches Lehrkrankenhaus. Angelegt ist das BKH wie eine moderne Dorfgemeinschaft. Es liegt im Westen Augsburgs in einer grünen Umgebung direkt am Kobelberg. Dreizehn Stationen sowie eine allgemeinpsychiatrische und eine Drogen-Tagesklinik widmen sich der Behandlung psychisch Kranker. Außerdem gibt es eine eigene Institutsambulanz. Etwa 400 MitarbeiterInnen sind im BKH Augsburg beschäftigt.

Das BKH Augsburg liegt direkt neben dem Zentralklinikum, was sich als große Chance erweist, denn so können hier alle medizinischen Fachdisziplinen Hand in Hand arbeiten. Die Zusammenarbeit der beiden Krankenhäuser ist vertraglich geregelt und dient der Integration der psychiatrischen Versorgung in den Gesamtbereich der Medizin.

In den letzten Jahren hat die Versorgung und Behandlung psychisch kranker Menschen einen großen Wandel vollzogen, dem auch das BKH Augsburg gefolgt ist. Das veränderte Wissen über psychische Krankheiten hat zur Veränderung inhaltlicher Schwerpunkte der Behandlung geführt. Neben die biologisch-pharmakologische Therapie rückten psycho-, ergotherapeutische und rehabilitative Maßnahmen am BKH Augsburg. Neue psychosoziale und neurobiologische Erkenntnisse haben dazu geführt, dass jeder Patient individuell behandelt wird.

Geschichte

Schon in den 1950er Jahren gab es unter Leitung von Medizinaldirektor Dr. W. Albrecht im ehemaligen Westkrankenhaus? eine kleine Psychiatrie-Station. Erst 1971 aber beschloss der Bezirk Schwaben ein eigenständiges psychiatrisches Krankenhaus in der Nähe des Zentralklinikums zu bauen. Man schrieb einen Architekturwettbewerb aus, den 1974 ein dänischer Architekt gewann. Doch erst 1986 erfolgte der erste Spatenstich.

1982 wurde das Augsburger Zentralklinikum in Betrieb genommen, was zur Schließung des West-? und des Hauptkrankenhauses führte. Die damals 30 Betten in der Psychiatrie-Station des Westkrankenhauses? wurden übergangsweise im Zentralklinikum untergebracht.

Eine erste Teileröffnung des BKH Augsburg fand am 1. Oktober 1989 statt (erster Bauabschnitt mit den Stationen A und B). Insgesamt standen damals in zwei offenen und zwei Intensiv-Stationen 80 Betten zur Verfügung. Daneben nahm die allgemeinpsychiatrische Institutsambulanz ihren Betrieb auf. Ärztlicher Direktor des BKH wurde Prof. Dr. Max Schmauß, Verwaltungsleiter Winfried Eberhardinger, Pflegedienstleiter Alfred Lorenz, der 2002 in den Ruhestand ging. Mit 80 Betten war die Kapazität des BKH aber so gering, dass Patienten aus dem Großraum Augsburg weiterhin in den Bezirkskrankenhäusern Günzburg? und Kaufbeuren behandelt werden mussten.

Die Stationen C und D, ein arbeits- und beschäftigungstherapeutisches Angebot, eine Mehrzweckhalle, ein Schwimmbad, Außensportanlagen und eine allgemeinpsychiatrische Tagesklinik (20 Plätze) wurden mit Abschluss des zweiten Bauabschnittes am 1. Oktober 1995 eröffnet. Damit kamen 80 Betten zum Basisangebot hinzu, womit nun die Stadt Augsburg, der Landkreis Augsburg und Teile des Landkreises Aichach/Friedberg betreut werden konnten.

Der Aufbau ging weiter und am 1. April 1999 konnten die Stationen E und F (Krisenintervention und Gerontopsychiatrie) mit 80 weiteren Betten zur Verfügung gestellt werden. An diesen dritten Bauabschnitt schloss sich der vierte nahtlos an. Ihren Abschluss fand sie mit der Eröffnung der Drogenklinik am 1. Oktober 2000. Die Station selbst hat 20 Betten; 12 Plätze stehen in einer auf Drogenentwöhnung spezialisierten Tagesklinik zur Verfügung. Außerdem besitzt die Drogenambulanz in der Augsburger Innenstadt noch eine Außenstelle.

Ende 2006 beschloss der schwäbische Bezirkstag in Augsburg einstimmig, dass die Bezirkskrankenhäuser in Schwaben am 1. Januar 2008 in einem gemeinsamen Unternehmen mit 2.700 Beschäftigten zusammengelegt werden sollen. Es betrifft dies Kliniken an sieben Standorten mit den Zentren in Augsburg, Kaufbeuren und Günzburg?. Hintergrund dieser Entscheidung sind schwindende öffentliche Mittel und der harte Wettbewerb im Zuge der Gesundheitsreformen. Durch den Zusammenschluss verspricht man sich mehr Effizienz und eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Partnern wie den Krankenkassen. Darüber hinaus geht es um die bessere Vernetzung der einzelnen Bezirkskrankenhäuser, eine bessere Zusammenarbeit mit den kommunalen Krankenhäusern, den Abbau überflüssiger Parallelitäten und damit um mehr Wirtschaftlichkeit. Das bedeutet aber nicht unbedingt den Abbau von Personal, wie der beschlossene Ausbau des Standortes Donauwörth? beweist, der eine bessere Versorgung des schwäbischen Nordens gewährleisten soll.

2014 feierte das Bezirkskrankenhaus Augsburg 25-jähriges Bestehen. Damals hatte es 260 Betten, doch war eine Erweiterung auf 320 Betten schon geplant, weil die Belegungszahlen damals durchschnittlich über 100 Prozent lagen und pro Jahr etwa 12.000 Menschen ambulant durch das BKH behandelt wurden. 2014 hatte das BKH Augsburg etwa 500 Mitarbeiter.

Behandelte Krankheiten

Behandelt werden im BKH Augsburg:

Alkoholismus, Angststörungen, Belastungsreaktionen, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Demenz, Depressionen, Drogenabhängigkeit, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie, Schmerz und Zwangserkrankungen.

Die Bahandlung findet auf folgenden Stationen nach Fachbereichen gegliedert statt:

Station A1: Psychotherapeutische und pharmakologische Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Ess- und Schmerzstörungen, Persönlichkeitsstörungen

Station A2: Psychotherapeutische und pharmakologische Behandlung von Depressionen und bipolaren affektiven Störungen (Manisch-depressive Erkrankungen)

Station B1: Allgemeinpsychiatrische Behandlung aller psychischen Erkrankungen von Patienten zwischen 18 und 65 Jahren

Station B2: Soziotherapeutisch/psychotherapeutische Behandlung von schizophrenen Patienten

Station C1 und C2: Intensivmedizinische Behandlung aller psychischen Erkrankungen im geschlossenen Rahmen

Station D1 und D2: Entgiftungs- und Motivationsbehandlung von Patienten mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit

Station E1 und E2: Kriseninterventionsbehandlung

Station F1 und F2: Gerontopsychiatrische Behandlung (F1 geschlossen), F2 offen) aller psychischen Erkrankungen ab 65 Jahren aufwärts

Station S2: Entgiftungs- und Motivationsbehandlung von drogenabhängigen Patienten im geschlossenen Rahmen

Drogentagesklinik: Entgiftungs- und Motivationsbehandlung in der Drogentagesklinik

Allgemeinpsychiatrische Tagesklinik: Psychotherapeutische und pharmakologische Behandlung aller psychischen Erkrankungen außer Abhängigkeitserkrankungen

Institutsambulanz: Ambulante Behandlung von Patienten mit komplizierten Krankheitsverläufen (Allgemeinpsychiatrische Ambulanz, Gerontopsychiatrische Ambulanz, Suchtambulanz für alkohol- oder medikamentenabhängige Patienten und drogenabhängige Patienten

Im Bereich Borderline-Störungen arbeitet das Bezirkskrankenhaus seit vielen Jahren nach der Methode der Amerikanerin Marsha Linehan. Dabei lernen die Patientinnen und Patienten zunächst das eigene Verhalten zu kontrollieren und Krisen nicht zerstörerisch, sondern konstruktiv zu meistern. Dazu müssen sie oft erst ganz einfache Tätigkeiten lernen, die helfen, das Umlernen im Gehirn anzustoßen. Dieses Umlernen im Gehirn ist ein langwieriger Prozess, da die zerstörerischen Verhaltensweisen gehirnphysiologisch verankert sind. In der Phase 2 der Behandlung werden die Ursachen der Borderline-Störung behandelt. Die gesamte Therapie dieser Störung zieht sich über viele Jahre hin und Patientinnen, Patienten, Ärzte und Pfleger brauchen viel Geduld, da 10 oder mehr Klinikaufenthalte keine Seltenheit sind. Dennoch ist die Therapie in den meisten Fällen erfolgreich: Über zwei Drittel der Betroffenen können lernen, mit ihrem Störungsbild angemessen umzugehen.

Notaufnahme

Normalerweise werden psychisch Kranke vom Nervenarzt oder Psychiater ins BKH eingewiesen. In Krisenfällen (z. B. drängende Suizidgedanken) steht jedoch auch die psychiatrische Notaufnahme zur Verfügung. Zunächst wird ein Arzt den Patienten diagnostizieren, dann die Aufnahme organisieren oder eine sonstige weiterführende Behandlung in die Wege leiten. Die Notaufnahme des BKH ist werktags von 8:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Werktags von 17:00 bis 8:00 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen übernimmt das Zentralklinikum? die psychiatrische Notaufnahme.

Erreichbar ist die Notaufnahme des BKH unter:

Tel. 0821/4803-122 und -123

Anschrift

Bezirkskrankenhaus Augsburg
Dr.-Mack-Straße 1
D-86156 Augsburg

Telefon (Pforte): (08 21) 48 03-0
Fax (Zentral): (08 21) 48 03-133
E-Mail: info(@)bkh-augsburg.de

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