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Betteln

auch Bettelverhalten, durch das eine andere Person zur Übergabe eines Objektes bewegt werden soll; mit dem Betteln bestreiten manche Menschen ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise; in Augsburg seltener als in anderen deutschen Großstädten

Allgemeines

Bei vielen Tierarten ist das Bettelverhalten angeboren und bestimmte Bettellaute, -bewegungen und andere Anteile des komplexen Verhaltens wirken als Schlüsselreiz auf einen ebenfalls angeborenen Füttermechanismus der Eltern. Zootiere oder anderen in Gefangenschaft gehaltene Tiere lernen das Bettelverhalten über Belohnungen.

Menschen betteln wegen Arbeitslosigkeit, Invalidisierung, Alter oder weil sie keine Sozialhilfe bekommen, also aus Armut.

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Bettler-Skulptur, Santo Spirito Hospital, Rom am 24. September 2005. By milena (Flickr) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Geschichte

So lange es in Europa noch keine Sozialversicherungen gab, wurde viel gebettelt. Private Wohlfahrt und die Kirche kümmerten sich um Bettler. Schon im Mittelalter gab es polizeiliche Anordnungen, um den "unberechtigten Bettel" auszumerzen. Zum Betteln Berechtigte bekamen behördliche Bettelbriefe, die ihnen ermöglichten öffentlich um mildtätige Gaben zu bitten. Die erste umfassende Bettlerordnung im deutschsprachigen Raum gab es 1478 in Nürnberg.

Im Lauf der folgenden Jahrhunderte versuchte die Obrigkeit immer wieder der Bettelei entgegenwirken. Meistens war es Ziel, die öffentliche Bettelei zu unterbinden und stadtfremde Bettler von der Stadt fernzuhalten. Regelmäßige Armenspeisungen wirkten in dieser Richtung.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg versuchte man der Bettler und Landstreicher sogar durch Auspeitschungen und Brandmarkungen Herr zu werden und seit dem 17./18. Jahrhundert wurden Bettler auch in Arbeitshäusern untergebracht, um sie aus der Öffentlichkeit zu entfernen und ihre Arbeitskraft zu nutzen. Während der Industrialisierung versuchte man sie zu einer Fabrikdisziplin zu erziehen. Dass die Nazis Armut und Bedürftigkeit kriminalisierten, wundert nicht. Nach dem Krieg wurde erst mit der Abschaffung des § 361 Abs. 1 Nr. 4 des Strafgesetzbuchs mit Wirkung zum 2. April 1974 Betteln in der Bundesrepublik Deutschland grundsätzlich straffrei gestellt.

Im Allgemeinen Ausschuss? des Augsburger Stadtrats wurde am Montag den 13. April 14 die Beschlussvorlage 15/02899 "Erlass einer sicherheitsrechtlichen Allgemeinverfügung über die Untersagung bestimmter Formen des Bettelns in Teilen des Stadtgebietes Augsburg" vorgestellt. Dieser Erlass sah die Vertreibung der organisierten Bettler, die der unlauteren Geschäftemacherei nachgehen, aus Augsburg vor.

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Geldnarr-1568“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons
.

Aus: Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden, hoher und nidriger, geistlicher und weltlicher, aller Künsten, Handwercken und Händeln ..." von Jost Amman and Hans Sachs /Frankfurt am Main

Details

Betteln in Augsburg

In Deutschland - und damit auch in Augsburg - ist das Betteln grundsätzlich erlaubt. Allerdings wird als Bettelbetrug das Vortäuschen falscher Tatsachen gesehen und aufdringliches Betteln kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die Einkünfte aus Bettelei unterliegen nicht der Einkommenssteuer, wobei "gewerbsmäßiges" Betteln als Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 EStG aufgefasst werden. Allerdings ist Betteln als Gewerbebetrieb schwer nachzuweisen.

Auf dem Augsburger Stadtmarkt und in Augsburger Grünanlagen darf grundsätzlich nicht gebettelt werden. Die Polizei und der Ordnungsdienst? haben Anweisung, in Augsburg nicht gegen notleidende Menschen vorzugehen, die still um Almosen bitten.

Bettler, die aus Augsburg selbst stammen, sind selten geworden.

Andere deutsche Städte vertreiben ihre Bettler aus der Innenstadt. Bislang will man das in Augsburg nicht tun - auch wenn eine städtische Satzung seit 2002 Betteln "in jeglicher Form" offiziell in bestimmten Lagen der Innenstadt verbietet. Doch Betteln wird in Augsburg toleriert, wenn Passanten nicht belästigt werden. Augsburger Standpunkt ist es, dass das die Gesellschaft tolerieren muss. Auch das Bundesverfassungsgericht entschied, dass Bettelei grundsätzlich nicht verboten werden darf. Den juristischen Trick, Bettler als Gewerbetreibende einzustufen, wie das viele Städte machen, wodurch Betteln zu einer Sondernutzung wird, die man sich genehmigen lassen muss, will man in Augsburg nicht anwenden, denn das zöge eine juristisch heikle Klärung nach sich.

Trotz der offiziellen Haltung gegenüber Bettlern in Augsburg, zeigen sich in Augsburg weniger bettelnde Personen als in vielen anderen Städten. Der Augsburger ist Schwabe. Schwaben, auch bayerische Schwaben, gelten als die "Schotten Deutschlands". Ob es daran liegt, dass Bettelei in Augsburg wenig Boden hat, ist schwer zu klären. Liest man im Forum der Augsburger Allgemeinen einen Thread wie Bettelbanden in der Augsburger Innenstadt wird klar, dass Augsburg trotz aller Duldung und Toleranz kein angenehmes Pflaster für Bettler ist. Dort schreiben Forenmitglieder von rumänischen Bettlersippen mit Dackelblick, die mit ihren Kleinkindern herumlungern, von Menschen, die vor Kirchen betteln und denen ärgerlicherweise Geld gegeben wird, man ist der Meinung, dass Fotografieren diese Bettler "flügge" macht, dass sie arbeiten gehen sollen - und zwar in ihrem Land ... In diesem Forum wird gepostet: "Bettler raus!!!" und "Mir gäbet nix!"

Organisierte "Bettel-Mafia"

Die Presse berichtet auch für Augsburg immer wieder von "organisierten Banden" oder der so genannten "Bettel-Mafia" aus Osteuropa. Tag für Tag seien Bettler in der Augsburger Innenstadt unterwegs. Banden aus Osteuropa brächten Männer und Frauen mit Bussen und Autos nach Augsburg, um Geld zu sammeln, das sie an ihre Hintermänner abgeben müssten. Die Leidensgeschichten der Augsburger Bettler seien zumeist frei erfunden.

2013 schätzte man das tägliche Einkommen eines Bettlers in Augsburg auf etwa 40 Euro. Davon ging ein Teil an die Organisation der osteuropäischen Bettelbanden. Der Teil, der den Bettlern aus Osteuropa übrig bleibe, sei immer noch größer als das, was die Menschen in ihren Heimatländern zum Leben hätten. Wenn die Angehörigen der "Bettel-Mafia" zu dreist auf Passanten zugehen, verhängt der Ordnungsdienst? in Augsburg Platzverweise, stellt die Personalien fest und beschlagnahmt die Bettelerlöse. Gewerbliche Bettler kann die Augsburger Polizei kontrollieren und mit einigen Euro verwarnen. Weil aber viele osteuropäische Länder zur EU gehören und ihre BürgerInnen dadurch in Deutschland Freizügigkeit genießen, ist sonst kaum etwas gegen das Betteln dieser Personengruppen zu unternehmen.

Allerdings sind Osteuropäer, die in Augsburg betteln, nicht automatisch Mitglieder von "Bettelbanden", denn immer mehr Ost- und Südeuropäer treibt nackte Not zum Betteln in den reichen Ländern Mittel-, West- und Nordeuropas.

Wie soll man sich verhalten?

Da man nicht weiß, welche Art von Bettelei einem in Augsburg begegnet, man also die Frage, für wen genau gebettelt wird, nur schwer beantworten kann, sollte man besser Geld an Hilfsorganisationen spenden. Damit erhöht sich die Chance, dass gespendetes Geld wirklich die Bedürftigen erreicht.

Weblinks


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