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Bertolt Brecht im Exil

Europa

Das Engagement Brechts brachte ihm den Hass der Nazis ein, an der politischen Situation änderte es nichts. Am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, sah sich Brecht gezwungen in die Emigration zu gehen. 1933 wurden Bert Brechts Schriften in Deutschland verboten und verbrannt. Während er auf der Flucht war, nahmen ihm die Nazis die deutsche Staatsbürgerschaft.1933 wurden Bert Brechts Schriften in Deutschland verboten und verbrannt. Während er auf der Flucht war, nahmen ihm die Nazis die deutsche Staatsbürgerschaft.

Zunächst floh er nach Prag, dann über Wien und Paris nach Dänemark. Mit seiner Familie lebte er bis 1939 auf der dänischen Insel Fünen. In dieser Zeit drehte sich sein schriftstellerisches Schaffen fast ausschließlich um die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus?. So schrieb er z. B. in den ersten Jahren des Exils "Furcht und Elend des Dritten Reiches". Ab 1938 benutzte er Formen wie die historische Biographie, die Parabel oder das Volksstück, um seinen dramatischen Werken Ausdruck zu geben. Es entstanden nach und nach "Leben des Galilei", "Mutter Courage und ihre Kinder", "Der gute Mensch von Sezuan" und "Herr Puntila und sein Knecht Matti".

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, flüchtete Bertolt Brecht nach Schweden. Im 1940 setzte Bertolt Brecht seine Flucht fort und siedelte von Schweden nach Finnland über. Vier Bahnstunden von der Hauptstadt Helsinki entfernt, wohnte er auf dem Land, genauer gesagt: in einem Haus des Gutes von Hella Wuolijoki in Marlebäck. Verständlich, wenn im Werk von Bertolt Brecht in den Jahren 1940 und 1941 die "Finnischen Landschaften" auftauchen und er sich wieder mehr der Natur zuwendet - sowohl im Gedicht wie im Journal. So schreibt er z. B. am 8. Juli 1940: "es ist verständlich, daß die leute hierzulande ihre landschaft lieben. sie ist so sehr reich und zeigt großes gemischt. die fischreichen gewässer und schönbäumigen wälder mit ihrem beeren- und birkengeruch. die ungeheuren sommer, über nacht einbrechend nach unendlichen wintern ..."

Schon im Jahr 1978 hat Peter Paul Schwarz darauf hingewiesen, dass mit dem Exil in Finnland ein neuer Ton in die Gedichte von Bertolt Brecht einzieht, er von Wind in Bäumen, Vogelgezwitscher und Birkengeruch spricht. Dabei meinte er früher in "Schlechte Zeiten für Lyrik" noch, dass "ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist".

Auch das Sonett "Finnische Landschaft" wendet sich der Natur zu, lobt und preist sie in der direkten Anrede und fast wie gräzisierende Epitheta:

"Fischreiche Wasser! Schönbaumige Wälder! Birken- und Bärendurft!
Vieltoniger Wind, durchschaukelnd eine Luft
So mild, als stünden jene eisernen Milchbehälter,
Die dort vom weißen Gute rollen, offen!
Geruch und Ton und Bild und Sinn verschwimmt ..."

Diese Hinwendung zu einer neuen Poesie der Sinnlichkeit hat bei Bertolt Brecht wohl schon 1937 begonnen, doch ist jetzt erst die neue Achtsamkeit und Benedeiung der Dinge voll ausgeprägt. Sie bleibt nicht auf das Gedicht beschränkt, sondern schafft sich auch in Brechts Dramatik Ausdruck, etwa in seiner Arbeit am "Puntila"-Drama.

Frühere Verse Brechts waren begrifflich zugespitzt, pointiert, lapidar. Man lese die "Kriegsfibel". Jetzt wird alles anders. Etwa in den "Finnischen Epigrammen". Sie sind metrisch regelmäßig, sie entsagen einer lehrhaften Schlusspointe, sie stehen in der Tradition formstiftender griechischer Epigramme, sind von wunderbarer Gegenständlichkeit, feiern aber nicht einfach nur die reine, lautere, schöne Natur. Auch jetzt sind Brechts Schriften keine politikfreie Zone. Wie dichtet er doch in den Versen der "Finnischen Landschaft"? "Ist dies das Holz, ohn das kein Holzbein wäre?"

Auf den finnischen Aufenthalt folgte als weitere Exilstation zunächst die Sowjetunion. Von dort emigrierte er in die USA, wo er sein Stück Mutter Courage und ihre Kinder? begann und es im Jahr 1941 abschloss. Mit der Mutter Courage gab er den Opfern strategischer Weltkriegspolitik eine Bühne.

USA

1941 emigriert Bertolt Brecht in die USA nach Santa Monica in Kalifornien. Dort richtete er sich aber nur auf Zeit ein, denn für ihn war immer klar, nach dem Krieg nach Deutschland zurückzukehren. Er arbeitete hin und wieder für die Filmindustrie in Hollywood.

1944 entstand in Santa Monica Der kaukasische Kreidekreis?. Dabei benutzte er einen Stoff, den er schon 1940 in der Erzählung Der Augsburger Kreidekreis? gestaltet hatte.

Nach den Atombombenabwürfen der Amerikaner auf Japan überarbeitete Brecht noch in den Staaten seinen Galileo Galilei?, den er in Dänemark geschrieben hatte, und behandelte darin das Thema des Naturwissenschaftlers ohne Gewissen.

Wie andere Intellektuelle oder Künstler (Thomas Mann, Gary Cooper, Charlie Chaplin) stellte ihn die Amerikaner vor das "Komitee für unamerikanische Aktivitäten" und beschuldigten ihn der Spionage gegen die USA und der Unterstützung des Kommunismus. Brecht hatte kein Problem damit zuzugeben, revolutionäre Gedichte und Stücke geschrieben zu haben, verteidigte sich aber damit, sie gegen die Nationalsozialisten? geschrieben zu haben. Nach den Beschuldigungen und Verhören vor dem Komitee gab es für Bertolt Brecht kein Halten mehr. Wenn er sich auch über die amerikanische Inquisition lustig machte ("Sie waren nicht so schlimm wie die Nazis. Die Nazis hätten mich nie rauchen lassen."), traf sie ihn doch sehr und er kehrte nach dieser Erfahrung dem Land den Rücken, indem er über die Schweiz nach Deutschland zurückkehrte.

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