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Bernauer, Agnes

Eine der bekanntesten Frauengestalten der bayerischen Geschichte. Geliebte und möglicherweise nicht standesgemäße Ehefrau des bayerischen Herzogs Albrecht III., der deshalb mit seinem Vater in Konflikt kam, der sie 1435 in der Donau? ertränken ließ. Hauptperson vieler künstlerischer Werke (z. B. Friedrich Hebbel, Agnes Bernauer oder Carl Orff, Die Bernauerin).

Leben

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Weder der Geburtsort noch das Geburtsdatum noch die soziale Herkunft der Agnes Bernauer sind gesichert. Allgemein geht man davon aus, dass sie wohl um 1410 in Augsburg geboren ist. Angeblich hat sie in einer Augsburger Badstube gearbeitet, die entweder ihrem Vater gehörte oder in der auch ihr Vater arbeitete. Das aber ist so wenig zu belegen, wie die Aussage Aventins in seiner Bairischen Chronik von 1566, diese Badstube habe "zwischen den Schlachten" am Roten Tor gelegen.

Über die Kindheit oder Jugend von Agnes Bernauer ist nur bekannt, dass sie die Tochter von Kaspar Bernauer, einem Bader oder Badergehilfen, gewesen sein soll, doch konnte man das bisher nicht nachweisen. Ansonsten gibt es viele Legenden zu ihrer Person. Sie soll z. B. sehr schön gewesen sein (kein Wunder, hat sich doch ein Fürst in sie verliebt), ihre Statur wird als "zart" beschrieben, dazu soll sie prachtvolles blondes Haar gehabt haben. Der Chronist Veit Arnpeck (1435/1440-1495) schrieb 1493 bewundernd: "Man sagt, das sy so hubsch gewesen sey, wann sy roten wein getrunken hett, so hett man ir den wein in der kel hinab sechen gen" (Sämtliche Chroniken, 668/69). Albrecht III. selbst beschreibt sie als ehrsam und ehrbar.

Sicher ist nur, dass Albrecht III. sie bei einem Turnier (damals redete man von "stechhof") in Augsburg auf dem Domplatz kennengelernt hat und da er nachweislich im Februar 1428 an einem solchen Augsburger Turnier teilgenommen hat, geht man davon aus, dass er Agnes Bernauer auf diesem Turnier kennen lernte. Veit Arnpeck: "Des jars was ein stechhof hie. Und stach darinn hertzog Albrecht von München und ander edelleut und burger." Kurz darauf muss er sie nach München geholt haben, wenn mit der "pernawin" in einer von 1428 stammenden Münchner Steuerliste der Mitglieder des Hofstaats Agnes Bernauer gemeint gewesen sein soll. Es gibt aber auch Quellen, die das Augsburger Turnier im Jahr 1429 ansetzen. Aber egal, wann man das Augsburger Turnier ansetzt: Ein Bader namens Bernauer ist in den Augsburger Handwerks- und Steuerregister weder für das Jahr 1429 noch 1428 belegt, weshalb manche Historiker davon ausgehen, dass der Vater von Agnes Bernauer nur ein Baderknecht war.

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Anscheinend war für die beiden die Beziehung die große Liebe. Der Schock für die Eltern Albrechts III., vor allem für seinen Vater Ernst I., wird als sehr groß beschrieben. Kein Wunder, denn die Bader gehörten zur untersten Bürgerschicht. Zwar ließ Kaiser Wenzel († 1419), dem man einen besonderen Hang zu Badern und Henkern nachsagte, das Baderhandwerk in einem Freibrief von 1406 in allen Erb- und Reichslanden den anderen Handwerken gleichstellen und "verbot jedermänniglich, die ehrlichen Bader zu schmähen und von ihren Diensten verkleinerlich zu reden..." (in: Max Bauer: Das Geschlechtsleben in der Deutschen Vergangenheit, Leipzig 1902, S. 230-231), aber das Vorurteil gegenüber der Baderzunft war mit einem solchen Papier natürlich nicht so leicht aus der Welt zu schaffen.

Gesichert ist, dass Herzog Albrecht III. Agnes mit nach Straubing? und München nahm. Das Verhältnis soll insgesamt sechs Jahre gedauert haben. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass das Paar kinderlos war, einige aber meinen, dass zumindest eine Tochter namens Sibylla aus der Beziehung hervorging, die später einen Münchener Bürger geheiratet haben soll. Auch von einem Sohn Albert, der 1508 gestorben sein soll, ist die Rede. Sicher ist auch, dass die Verbindung nicht nur vor dem Vater Albrechts keine Gnade fand, sondern auch die Schwester Beatrix, die mit dem Pfalzgrafen Johann von Neuburg verheiratet war, mit ihrem Bruder wegen der Geliebten stritt.

Trotz aller Widerstände konnte sich Agnes Bernauer am Münchener Hof etablieren. So sorgte sie z. B. im Jahr 1432 für die Festnahme des Raubritters Münnhauser. Laut einer Urkunde vom 7. Januar 1433 kaufte Albrecht III. einen Hof in Niedermenzing, eventuell als Morgengabe für Agnes Bernauer, weshalb manche Historiker davon ausgehen, dass die beiden zu diesem Zeitpunkt schon verheiratet gewesen waren, was aber nicht zu belegen ist. Die beiden Verliebten sollen um 1432/33 heimlich geheiratet haben. Kurz danach soll Agnes Bernauer die Blutenburg vor den Toren Münchens bewohnt haben. Hier in Menzing besaß sie die kurz zuvor gekaufte "Hube und Hofstatt", vermutlich ein Versorgungsgeschenk des Herzogs Albrecht. Herzog Ernst schätzte Agnes Bernauer zunächst wahrscheinlich als eine der vorübergehenden Gespielinnen seines Sohnes ein, der "ain liebhaber der zarten frawen" war, wie es später in der Chronik von Ulrich Füetrer hieß, die er im Auftrag Herzog Albrechts IV., der von 1465 bis 1508 regierte, verfasste (Bayerische Chronik, 208).

Am 23. November 1434 ist es bei einem Regensburger Turnier wohl zum Eklat gekommen: Man hat wohl Albrecht III. wegen seiner Bernauerin von dem Turnier unehrenhaft ausgeschlossen, wie spätere Quellen berichten. Das Verhältnis zwischen Albrecht und seinem Vater Ernst soll in dieser Zeit immer schlechter geworden sein, weil Herzog Ernst die Gefährdung der Erbfolge durch die unstandesgemäße Verbindung seines einzigen Sohnes wohl nicht akzeptieren wollte. Und so reiste er 1435 mit dem Münchener Bürgermeister Ligsalz nach Kehlheim?, wo er mit seinem Vetter Heinrich von Landshut über die Bernauerin verhandelte. Der hat dann am 3. Oktober 1435 seinen Neffen Albrecht III. zur Jagd eingeladen. Wenige Tage später, als Albrecht auf der Jagd war, hat man die Bernauerin auf Ernsts Befehl in der Donau ertränkt. Das war am 15. Oktober 1435. Albrecht III. schäumte und wandte sich wegen des Mordes seiner Geliebten an den Onkel Herzog Ludwig von Ingolstadt, der mit seinen beiden Brüdern in Fehde lag und schon bald lag ein Krieg zwischen den Brüdern in der Luft, der aber durch die Vermittlung des Kaisers, um die Herzog Ernst nachgesucht hatte, verhindert wurde. Schon im Dezember 1435 haben sich Herzog Ernst und der Sohn Albrecht - wohl nach des Kaisers Vermittlung - feierlich versöhnt.

Angeblich soll Herzog Ernst I. nach der Verhaftung von Agnes Bernauer lange und massiv auf sie eingeredet haben, ihr Eheverlöbnis zu widerrufen, was sie aber nicht getan haben soll. Deshalb soll sie in einem Schnellverfahren der Zauberei – und zwar des Liebes- und des Schadenzaubers – angeklagt worden sein. Gerechtfertigt wurde dieses Schnellverfahren angeblich damit, dass es sich bei Zauberei um ein außerordentliches Verbrechen handeln würde, dem man nur mit außerordentlichen Mitteln begegnen könnte. Zauber und Zauberinnen verurteilte man damals meistens zum Feuertod, während der Wassertod ein Gnadenerweis war. Agnes hat man zum Tod durch Ertränken verurteilt, wobei man angeblich ihre rechte Hand an den linken großen Zeh, ihre linke Hand an den rechten großen Zeh band, so dass sie sich nicht mehr bewegen konnte. Das Urteil lautete so: "Das weyb wardt so in Poshayt verhartet, daz sy den Herzog Ernst nit als iren Richter undt Herrn halten wollt, da sy selbst Herzogin zu seyn angab; undt daz erposte Herzog Ernsten wider sy, daz er das weyb nemmen last, undt ersauffen."

Die Leiche von Agnes Bernauer soll in der Nähe von St. Peter, einem Stadtteil von Straubing? angeschwemmt worden sein, wo sie wohl auch zuerst beerdigt wurde. Albrecht III. ließ ihre Leiche 1447 schließlich zu den Karmeliten-Mönchen überführen und dort bestatten, so wie sie es angeblich gewünscht hatte.

Quellen

Zeitgenössische Quellen

Kammerrechnungen

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Über Agnes Bernauer gibt es nicht viele Quellen aus ihrer Lebenszeit. Die früheste Quelle über Agnes Bernauer ist eine Münchener Steuerliste von 1428. Sie belegt, dass Agnes Bernauer damals schon zu Albrechts Gesinde gehörte.

Eine andere Quelle ist das Kammerrechnungsbuch des Münchener Stadtschreibers Hans Rosenbusch. Zwischen dem 10. August 1431 und dem 11. November 1436 erwähnt er die "Bernawerin" beiläufig neun Mal, immer eher negativ. Es wird die Geschichte mit dem Raubritter Münnhauser und die Verhaftung zweier Frauen geschildert, die wohl im März 1434 bei den städtischen Neubürgern Stimmung für Agnes Bernauer machten. Als Beatrix im Dezember 1434 wieder in München weilte, beklagte sie sich laut Rosenbusch, dass ihr Bruder Albrecht nicht wie sein Onkel Wilhelm "eine schöne Frau" hatte.

Der Münchner Stadtschreiber berichtet auch vom Tod der Bernauerin: Man habe "die Bernauerin gen Himmel gefertigt". Er ließ die Nachricht von ihrem "Untergang in der Donau" weitergeben. Die deutsche Wikipedia schreibt: "Sechs Tage später finanzierte er den Münchner Patriziern Peter Rudolf und Lorenz Schrenck die Reise zu Albrecht, der in Vohburg oder Ingolstadt vermutet wurde. Sie sollten ihn zur Rückkehr zu seinem Vater auffordern. Am 10. Dezember teilte Ernsts Kammerknecht einem zweifelnden Hans Rosenbusch mit, Ernst und Albrecht hätten sich versöhnt. Kurz vor Weihnachten ließen die Münchner sogar Kerzen anzünden, um Gott um Albrechts Unterwerfung zu bitten. Die 32.000 Ave Maria, die zu Ostern 1436 dem Land Bayern Frieden bringen sollten, waren aber wahrscheinlich schon durch neuerliche Auseinandersetzungen mit Ludwig von Ingolstadt motiviert. Eine Aufzählung der Geschenke zur Hochzeit zwischen Herzog Albrecht und Anna von Braunschweig im November 1436 verband der Stadtschreiber schließlich mit einer letzten Spitze gegen Agnes Bernauer: Alle sollten froh sein, "dass wir nicht wieder eine Bernauerin gewonnen haben".

Herzogskorrespondenz

Herzog Ernst schreibt im September 1433 an seinen kranken Sohn, er solle sich vor Frauen hüten, was Historiker gerne auf die Bernauerin beziehen. Dazu kommt ein Brief des Herzogs Heinrich von Landshut an den Herzog Albrecht III. vom 6. Oktober 1435. Erwähnenswert ist auch die schriftliche Instruktion des Herzogs Ernst, also des Vaters von Albrecht III., für Friedrich Eichstätter, den er als Gesandten zu Kaiser Sigismund befahl, um seinen Befehl, die Bernauerin zu töten, zu rechtfertigen. Die Instruktion wurde am 28. Oktober 1435 geschrieben und nennt Agnes Bernauer ein "poeses weyb". Sein Sohn sei wegen ihr schon drei oder vier Jahre bedrückt gewesen. Er habe zum Schluss Angst um Albrechts Leben bekommen, weil ihm zu Ohren gekommen sei, dass Agnes ihn selbst und seinen jungen Neffen Adolf, den Sohn seines Bruders Wilhelm, ermorden wollte. Nachdem kein Ende der Bedrohung seiner Familie durch diese Frau abzusehen gewesen sei, habe er sie ertränken lassen. Leider habe nun aber Ludwig von Bayern-Ingolstadt, den der Kaiser bereits als Unruhestifter kenne, Ernsts Sohn an seinen Hof gezogen. Sigismund solle Albrecht empfehlen, zu seinem Vater zurückzukehren und dessen Anweisungen Folge zu leisten. Ernst habe seinem Sohn, dessen Beziehung zu Agnes Bernauer den Ruf der bayerischen Fürsten im Ausland beschädigt habe, schließlich nur helfen wollen. Kein einziges Mal wird in der Instruktion der Name der Bernauerin genannt.

Von 1436 stammt die Stiftungsurkunde der Kapelle über dem Grab der Agnes Bernauer. Herzog Ernst hat sich schon mit seinem Sohn ausgesöhnt und stiftet eine ewige Messe für die Ermordete, die in der Urkunde übrigens nicht Agnes, sondern Anna genannt wird.

Möglicherweise hat man nach dem Tod der Bernauerin alle greifbaren Dokumente über sie vernichtet, um die Erinnerung an sie auszulöschen.

Augenzeugenberichte

Der erste Geschichtsschreiber, der Herzog Albrecht und die Bernauerin erwähnte, war der Historiker Andreas von Regensburg in seiner auf Anregung Herzog Ludwigs verfassten "Chronica de principibus terrae Bavarorum". Nach ihm wurde Albrecht am 23. November 1434 bei einem Turnier wegen seiner Geliebten angegriffen. Er berichtet auch von der Hinrichtung der Bernauerin, worauf sich spätere Darstellungen berufen. Er schrieb, am 12. Oktober 1435 sei auf Befehl Herzog Ernsts die schöne Geliebte seines Sohnes Albrecht, die Tochter eines Augsburger Baders, von der Straubinger Donaubrücke gestürzt worden. Sie habe noch versucht, ans Ufer zu schwimmen, sei aber vom Henker mit einer Stange wieder unter Wasser gedrückt worden. Der daraus erwachsende Konflikt zwischen Vater und Sohn sei schließlich durch die Stiftung einer Kapelle und einer ewigen Messe am Grab der Bernauerin bei St. Peter beigelegt worden. Spätere Autoren fügen dieser Schilderung nur noch wenige Details hinzu.

Ein zweiter Zeitzeuge, der spätere Papst Enea Silvio de Piccolomini, der wohl auf dem Konzil von Basel (1431–1449) von der Geschichte erfahren hatte, schrieb, Albrecht habe Agnes nur versprochen, sie zur Frau zu nehmen, dieses Versprechen aber nicht eingelöst. Er meint darüber hinaus, die stolze Agnes habe sich wegen der Liebe des jungen Herzogs zu ihr für besser gehalten als ihre Eltern und sei bei Straubing? in der Donau? ertränkt worden, als dessen Vater Ernst erkannt habe, dass Albrecht ihretwegen keine Adlige heiraten wolle. Ihren Herkunftsort und ihren Namen erwähnt Piccolomini nicht, sondern bezeichnet sie nur als "das Mädchen eines Badewärters".

Geschichtliche Darstellungen

Frühe Chronisten

In der breiten Masse der Bevölkerung hat der gewaltsame Tod von Agnes Bernauer zu einer starken Solidarisierung mit ihr geführt. Schon bald hat sich die Legende des Schicksals der Augsburger Baderstochter angenommen. Bayerische und schwäbische Chronisten des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit haben bald über sie berichtet, manchmal etwas anders als die zeitgenössischen Quellen. Zu ihnen gehören der Augsburger Johannes Frank, der die Hinrichtung von "Engel Bernauerin" – "Engel" ist hier eine Koseform des Vornamens Agnes – um 1467 auf den 13. Oktober 1434 datiert, während ein anonymer Mitbürger Franks angab, ihr Vater sei "Leichtlin, ain barbierer" gewesen. Hans Ebran von Wildenberg berichtete, die Bernauerin sei "ein schlafweib" des jungen Herzogs gewesen. Weitere Berichterstatter sind Veit Arnpeck, ein anonymer Regensburger Chronist, der Augsburger Hektor Mülich, der Ebersberger Mönch Vitus, Angelus Rumpler, der Geschichtsschreiber Ladislaus Sunthaym und der Abt Johannes Trithemius. Alle diese Chronisten schmücken die Geschichte von Agnes Bernauer auf ihre je eigene Weise aus.

Besonders zu erwähnen ist noch der Augsburger Stadtschreiber Konrad Peutinger. Er verzichtet auf eine moralische Bewertung in seiner um 1515 verfassten "Chronica von vil namhafftigen Geschichten". Er hält die Bernauerin für die schöne Tochter des Augsburger Barbiers Leichtlin. Obwohl sie angeboten habe, in ein Kloster zu gehen, sei sie aber trotzdem ertränkt worden. Konrad Peutinger scheint Mitleid mit ihr empfunden zu haben; er schloss mit der Bitte, Gott solle ihr gnädig sein.

Völlig von den zeitgenössischen Quellen entfernt sich 1521 Johannes Aventinus, der die traurige Geschichte der Agnes Bernauer mit einer von ihm als lustig empfundenen Geschichte von sechs (in einer späteren Fassung fünf) Mönchen verknüpft. Er beschreibt zum ersten Mal den später oft dargestellten angeblichen Prozess vor dem herzoglichen Gericht. Als sie sich vor Gericht "allzu dreist mit weiblicher Unbesonnenheit" verteidigt habe, sei die Bernauerin in einen Sack genäht und in der Donau ertränkt worden.

Mitte des 16. Jahrhunderts beschreibt der Augsburger Benediktiner Clemens Sender den Tod Agnes Bernauers, ebenso der ebenfalls aus Augsburg stammende Gelehrte Hieronymus Ziegler, der die Ermordung der Bernauerin durch Fürstenwillkür kritisiert. Weitere Chronisten um die Mitte des 16. Jahrhunderts sind der Regensburger Chronist Lorenz Hochwart und der Augsburger Geschichtsforscher Pirmin Gasser. Etwas später nimmt sich der Straubinger Georg Sigersreiter der Ereignisse in Versform an.

Chronisten und Historiker ab dem 16. Jahrhundert

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts widmet sich die Gottfried´sche Chronik der Hinrichtung der Bernauerin. 1662 schreibt der Jesuit Johannes Vervaux unter dem Namen des bayerischen Kanzlers Johann Adlzreiter von Tettenweis die "Annales Boicae gentis", die sich auch Agnes Bernauer widmen, an der Herzog Ernst habe ein Exempel gegen die Unzucht statuieren müssen.

In den meisten geschichtlichen Werken über Bayern aus dem 18. und 19. Jahrhundert wird Agnes Bernauer behandelt, wobei die einen die Hinrichtung verurteilen, die anderen deren Notwendigkeit verteidigen. Die erste wissenschaftliche Betrachtung des Falles versuchte Felix Joseph Lipowsky.

Im 19. Jahrhundert gehen die Historiker daran, die viele Legenden, die sich um die Bernauerin ranken zusammenzufassen und zu interpretieren, oft auch durch eigene Spekulationen zu ergänzen. Historiker, die sich mit ihr auseinandersetzen, sind Heinrich Zschokke, Konrad Mannert, Andreas Buchner, Wolfgang Menzel, Joseph von Hormayr, Joseph Heinrich Wolf, Johann Michael von Söltl, Franz Maria Brug, Johann Sporschil, Ernst Förster und Christian Meyer.

1880 legt Otto Brahm seinen Aufsatz "Das deutsche Ritterdrama des achtzehnten Jahrhunderts" vor und eröffnet damit die streng wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Legendenbildung um Agnes Bernauer. Weitere wissenschaftliche Werke von Julius Petri, Julius Sahr, Albert Geßler, August Prehn etc. folgten um die Jahrhundertwende und bis in die 1930er Jahre.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ersuchten einige Autoren, ihren Lesern einen Überblick über das Leben und die literarische Behandlung Agnes Bernauers zu vermitteln: Karl Pörnbacher, Dietz-Rüdiger Moser, Karin Springer, Eberhard Dünninger, Werner Schäfer, Herbert Rosendorfer, Claudia Märtl und andere. Nach ihrer Wiederaufnahme 1952 gerieten auch die Straubinger Agnes-Bernauer-Festspiele in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Vor allem die Professoren der Universität Regensburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München vergaben immer wieder Zulassungs-, Diplom- und Magisterarbeiten zu diesem Thema. Zudem werden seit 1995 jeweils in den Festspieljahren Bücher veröffentlicht, die Agnes Bernauer oder die Straubinger Festspiele behandeln.

Agnes Bernauer in der Kunst

Aus dem 15. Jahrhundert ist eine Volksballade über den Bernauer-Stoff überliefert. Bis 1833 sind 13 dramatische Bearbeitungen des Stoffes bekannt, wobei hier Hebbels Werk noch nicht mitgezählt ist. Ladislaus Sunthaym erwähnt um 1510 ein "schönes Lied" über die Bernauerin, überliefert aber keinen Text. Möglicherweise meint er das "Lied von der schönen Bernauerin", das jedoch erst ab dem 18. Jahrhundert sicher nachgewiesen ist:

Lied von der schönen Bernauerin

J. G. Büsching wöchentl. Nachrichten III., 409. Dazu Ergänzung von Nagel in Teutoburg II., 144 und Cos 1825, Nr. 117.

Es reiten drei Ritter zu München hinaus,
Sie reiten wohl vor der Bernauerin ihr Haus:
Bernauerin bist du drinnen, ja drinnen?

Bist du darinnen, so tritt du heraus,
Der Herzog ist draußen vor ihrem Haus
Mit allem seinem Hofgesinde, ja Gesinde.

Sobald die Bernauerin die Stimme vernahm,
Ein schneeweißes Hemd zog sie gar bald an,
Wohl vor den Herzog zu treten, ja treten.

Sobald die Bernauerin vors Thor naus kam,
Drei Herren gleich die Bernauerin vernahm:
Bernauerin was willst du machen, ja machen.

Ei willst du lassen den Herzog entweg’n,
Oder willst du lassen dein jung frisches Leb’n
Ertrinken im Donauwasser, ja Wasser?

Und als ich will lassen mein’n Herzog entweg’n,
So will ich lassen mein jung frisches Leb’n
Ertrinken im Donauwasser, ja Wasser.

Der Herzog ist mein,
Und ich bin sein;
Sind wir gar treu versprochen, ja versprochen.

Bernauerin auf dem Wasser schwamm,
Maria Mutter Gottes hat sie gerufet an,
Sollt’ ihr aus dieser Noth helfen, ja helfen.

Hilf mir Maria aus dem Wasser heraus,
Mein Herzog lässt dir bauen ein neu’s Gotteshaus,
Von Marmelstein ein’n Altar, ja Altar!

Sobald sie dieses hat gesprochen aus,
Maria Mutter Gottes hat geholfen aus
und von dem Tod sie errettet, ja errettet.

Sobald die Bernauerin auf die Brucken kam,
Ein Henkersknecht zur Bernauerin kam:
Bernauerin, was willst machen, ja machen?

Ei willst du werden ein Henkersweib,
Oder willst du lassen dein’n jung stolzen Leib
Ertrinken im Donauwasser, ja Wasser.

Es stund kaum an den dritten Tag,
Dem Herzog kam eine traurige Klag:
Bernauerin ist ertrunken, ja ertrunken.

Auf rufet mir alle Fischer daher,
Sie sollen fischen bis in das Rote Meer,
Dass sie mein feines Lieb suchen, ja suchen.

Es kommen gleich alle Fischer daher,
Sie haben gefischt bis in das Rote Meer,
Bernauerin haben sie gefunden, ja gefunden.

Sie legen’s dem Herzog wohl auf die Schoß,
Der Herzog wohl viel tausend Thränen vergoss,
Er tät gar herzlich weinen, ja weinen.

So rufet mir her fünftausend Mann,
Einen neuen Krieg will ich nun fangen an
Mit meinem Herrn Vatern eben, ja eben.

Und wär mein Herr Vater mir nicht so lieb,
so ließ ich ihn aufhenken als wie einen Dieb,
Wär aber mir eine große Schande, ja Schande.

Es stund kaum an den dritten Tag,
Dem Herzog kam eine traurige Klag,
Sein Herr Vater ist gestorben, ja gestorben.

Die mir helfen meinen Herrn Vater begrab’n,
Rote Manteln müssen sie hab’n,
Rot müssen sie sich tragen, ja tragen.

Und die mir helfen mein fein’s Lieb begrab’n,
Schwarze Manteln müssen sie hab’n,
Und schwarz müssen sie sich tragen, ja tragen.

So wollen wir stiften eine ewige Mess,
Dass man der Bernauerin nicht vergess,
Man wolle für sie beten, ja beten.

Von Hans Sachs stammt der Titel "Die ertrenkt Jungfrau" (1546) und es gibt die bayerische Bearbeitung eines 1604 in Danzig entstandenen Meisterliedes. Um 1680 stellt Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau die Liebe des Herzogs und der Bernauerin als Briefwechsel dar. Erst etwa hundert Jahre später hat der Augsburger Paul von Stetten? das Thema in der Verserzählung "Siegfried und Agnes" wieder entdeckt.

1781 wird in Mannheim das Trauerspiel "Agnes Bernauerin" von Joseph August von Toerring uraufgeführt. Es war sehr erfolgreich und wurde in vielen anderen deutschen Städten aufgeführt. Dazu löste es eine Flut an weiteren Dramatisierungen des Stoffes aus. Selbst Franzosen widmen sich jetzt dem Dramenstoff, allerdings weniger erfolgreich. Genauso wie die englische Dichterin Mariana Starke, deren Drama 1803 unter dem Titel "The Tournament" in New York aufgeführt wird. Deutsche Dichter schreiben - allerdings auch mit wenig Erfolg - Singspiele, Ballette, Melodramen, Burlesken, Knittelverse etc.

1821 folgt eine eigenständige Bearbeitung des Stoffes durch Julius Körner, in den 1830er Jahren folgten von anderen Autoren drei Bernauer-Opern. Das 19. Jahrhundert glänzt aber auch mit Erzählungen über Agnes Bernauer. Friederike Lohmann schreibt etwa "Die Schwalben", August Werg "Der Engel von Augsburg". Dazu kommen Gedichte und Balladen. Aber auch Dramen entstehen in großer Fülle, zum Teil werden sie zu Themen von germanistischen Forschungsarbeiten.

Am erfolgreichsten bei der Umsetzung des Bernauerstoffes war Friedrich Hebbel, der 1852 ein Trauerspiel in fünf Akten schrieb. Die deutsche Wikipedia schreibt: "Hebbel zog für sein deutsches Trauerspiel in fünf Akten außer Toerring auch Lipowskys Biografie, Falckensteins "Vollständige Geschichten" und die Augsburger Stadtgeschichte des älteren Paul von Stetten? heran. Im ersten Akt zeigte er Agnes’ Augsburger Umfeld und ihre erste Begegnung mit Albrecht im städtischen Tanzhaus, am Ende des zweiten Aktes war die Hochzeit zwischen beiden bereits beschlossene Sache. Im dritten Akt sahen die Zuschauer Herzog Ernst bei der Arbeit, Albrecht und Agnes in Vohburg sowie als Höhepunkt die Zurückweisung des jungen Herzogs beim Turnier in Regensburg. Der vierte Akt brachte die Unterzeichnung des Todesurteils durch Ernst und die Festnahme der Bernauerin in Straubing. Ihre Hinrichtung stellte Hebbel im fünften Akt nicht explizit dar, wohl aber die darauffolgenden Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn, die er mit der Übergabe der Regierungsgewalt an Albrecht enden ließ."

Nach Friedrich Hebbels Stück folgten noch viele weitere Dramen, die aber keinen Erfolg hatten und schnell in der Versenkung verschwanden, während Hebbels Stück Schullektüre und noch im 20. Jahrhundert gelesen wurde. Auch epische oder lyrische Bearbeitungen im 19. Jahrhundert überlebten nicht die Jahrhundertwende und konnten sich nicht durchsetzen.

Nach der Jahrhundertwende entstehen die ersten vor allem unterhaltenden Romane zu Agnes Bernauer. 1924 z. B. erscheint von Julius Bernburg das Buch "Agnes Bernauer, das Opfer treuer Liebe", bei Autoren nach 1933 kommen Elemente nationalsozialistischer Ideologie ins Spiel. In den 1990er Jahren bringt Manfred Böckl sein Werk "Agnes Bernauer, Hexe, Hure, Herzogin" und Richard Wunderer veröffentlicht "Agnes Bernauer und ihr Herzog".

Das 20. Jahrhundert hat den Bernauerstoff vor allem aber für Laien- und Freilichtspiele verwendet. Meist griff man dabei auf Martin Greifs Stück "Agnes Bernauer, der Engel von Augsburg" (1894) zurück.

Besonders ragt "Die Bernauerin" von Carl Orff hervor, ein Werk, das er 1942 fertigstellte und es 1946 dem Andenken von Kurt Huber (Weiße Rose) widmete. Der Grund der Bearbeitung war, dass Carl Orff mit den bisherigen Bearbeitungen des Stoffes nicht zufrieden war. Das Stück wurde 1947 uraufgeführt, bediente sich einer bayerischen Kunstsprache und einer rhythmisch-impulsiven Orchesterbegleitung mit zahlreichen Schlaginstrumenten. Das Orff´sche Werk wurde 1958 verfilmt und 1980 als Hörspiel aufgenommen. Man spielte es in München, Straubing? und natürlich Augsburg und beim Carl-Orff-Festival auf Andechs gehört es immer wieder zum Spielplan. Bei der Uraufführung der "Bernauerin" am 15. Juni 1947 in Stuttgart spielte Godela Orff, die Tochter des Komponisten, die Titelrolle.

1961 spielt in dem Film "Galante Liebesgeschichten" Brigitte Bardot die Agnes Bernauer. Den Herzog Albrecht an ihrer Seite verkörpert Alain Delon.

1994 entstand nach Beauftragung durch die Straubinger Agnes-Bernauer-Festspiele ein neues Bernauer-Stück von Johannes Reitmeier und Thomas Stammberger. Die deutsche Wikipedia dazu: "Seit 1995 wird Agnes Bernauer. Ein Historienspiel in 15 Bildern wie zuvor Die Agnes Bernauerin zu Straubing alle vier Jahre im Innenhof des Straubinger Herzogsschlosses? aufgeführt, 2003 und 2007 übernahm Mitautor Johannes Reitmeier auch die Regie. Damit ist das Stück neben Orffs Bernauerin die einzige dramatische Bearbeitung des Agnes-Bernauer-Stoffs aus dem 20. Jahrhundert, die noch regelmäßig gespielt wird."

Dabei haben sich im 20. Jahrhundert viele andere Dramatiker an dem Stoff versucht: Franz Servaes, Rosmarie Menschick, Eduard Reinacher, Agnes Miegel und Franz Xaver Kroetz.

Sonstiges

Kapellenbau kurz nach dem Tod der Bernauerin

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Schon im Dezember 1435 stiftete Albrecht III. im Straubinger Karmelitenkloster einen Jahrestag und eine ewige Messe. Herzog Ernst ließ 1436 im Friedhof von St. Peter in Straubing? eine Agnes-Bernauer-Kapelle errichten, wohl um seinen Sohn zu besänftigen. Dieser erweiterte 1447 die Straubinger Stiftung zu Ehren der „ersamen frauen Agnesen der Pernauerin“. In den Boden der Kapelle wurde ein Grabstein aus rotem Marmor eingelassen, der Agnes Bernauer fast in Lebensgröße zeigte. Die Tote liegt mit dem Kopf auf einem großen Kissen. Mit der rechten, von zwei Ringen geschmückten Hand hält sie einen Rosenkranz. Und zu ihren Füßen sollen ihr zwei kleine Hunde den Weg ins Jenseits weisen. Wohl aufgrund eines Versehens ist auf dem Stein der 12. Oktober 1436 als ihr Todestag angegeben.

In der deutschen Wikipedia ist vermerkt, dass es aus den folgenden drei Jahrhunderten nur spärliche Nachrichten über die Gedenkstiftungen für Agnes Bernauer gibt: "1508 war ein Johannes Haberlander als Kaplan für die Bernauer-Kapelle zuständig. Für deren Instandhaltung und die tägliche Lesung der Messe erhielt er aus der Kasse des Herzogs 17 Pfund Regensburger Pfennige. Bis 1526 war sein Amt an Leonhard Plattner übergegangen, der für seine Tätigkeit 48 Gulden und 4 Schilling Wiener Pfennige erhielt. Wie lang diese Kaplansstelle aufrechterhalten wurde, ist unklar. Bekannt ist nur, dass der Kirchenverwalter Franz von Paula Romayr den Grabstein 1785 mit Genehmigung des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor an der Wand der Kapelle anbringen ließ, um ihn vor weiterer Beschädigung „durch verwüstende Menschentritte“ zu schützen. Das Grab selbst konnte bei der Umbettung des Decksteins nicht gefunden werden.

Die Agnes-Bernauer-Kapelle entwickelte sich dennoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Touristenziel. Die Bayerische National-Zeitung sah in ihr sogar den einzigen Grund dafür, in Straubing Halt zu machen. Die Einheimischen gaben den Besuchern bereitwillig, aber nicht immer ganz zuverlässig Auskunft. Ein besorgter Leser schrieb 1813 an das Königlich-Bairische Intelligenzblatt, der Mesner habe ihm mitgeteilt, dass österreichische Truppen die Gebeine der Bernauerin mitgenommen hätten. Als der Dichter August von Platen den Grabstein 1822 in Augenschein nahm, erfuhr er von der Mesnerin, dass Agnes und Albrecht nach ihrer Geburt vertauscht worden und somit in Wirklichkeit Herzogstochter und Baderssohn gewesen seien. Ein Buch, das diese Vertauschung belege, hätten allerdings französische Soldaten mitgenommen. Der englische Dramatiker James Planché verließ sich bei seinem Besuch in Straubing 1827 lieber auf das Handbuch für Reisende auf der Donau von Joseph August Schultes.

Nachdem die Grabungen in der Kapelle bei St. Peter keine Ergebnisse zu Tage gefördert hatten, ließ Bernauer-Biograph Felix Joseph Lipowsky 1807 im Karmelitenkloster nach dem Grab Agnes Bernauers suchen. Er hatte im Archiv des Klosters eine Notiz entdeckt, der zufolge es sich in der ehemaligen Nikolauskapelle der Klosterkirche befand. Die unter der nach 1692 zur Sakristei umgebauten Kapelle vermutete Gruft war jedoch verschüttet und Lipowsky konnte nur mutmaßen, dass die Gebeine im Zuge des Umbaus umgebettet worden waren. Trotz weiterer Untersuchungen bleibt das Grab bis heute unentdeckt. Der bayerische König Ludwig I., der selbst 1812 als Kronprinz die Agnes-Bernauer-Kapelle besucht hatte und später der Bernauerin ein Gedicht widmete, sorgte 1831 dafür, dass zumindest die Messen für Agnes und Albrecht in der Karmelitenkirche wieder gelesen wurden. Seit 1922 wird aus finanziellen Gründen nur noch ein Jahrtag gefeiert, für den der Freistaat Bayern aufkommt. Für 2006 betrugen die Zahlungen 7,67 Euro."

Benamungen

Nach Agnes Bernauer sind die Festspiele in Vohburg?, die 2009 ihr hundertjähriges Bestehen feierten, und Straubing? benannt. In Straubing? finden die Spiele alle vier Jahre am Herzogschloss, also einem Originalschauplatz, statt; gespielt wird von den Laiendarstellern des Agnes-Bernauer-Festspielvereins (weiteres siehe unten unter "Theateraufführungen").

In Augsburg erinnert die Agnes-Bernauer-Schule, eine Mädchen-Realschule, an die Ermordete. Außerdem ist in Augsburg die Agnes-Bernauer-Straße im Antonsviertel nach der Augsburger Geliebten Herzog Albrechts III. benannt, ebenso eine Straße in München, in der es auch eine Agnes-Bernauer-Apotheke und einen Agnes-Bernauer-Kindergarten gibt. Eine Agnes-Bernauer-Apotheke gibt es auch in Straubing? und das niederbayerische Wiesenfelden? hat einen Agnes-Bernauer-Weg.

Bekannt ist auch die Agnes-Bernauer-Torte, eine Mokkatorte, deren Original aus Straubing? stammt. Angeblich hat sie die Konditorei Krönner in Straubing? in den 1930er Jahren erfunden. In der Zwischenzeit wird die Torte im bayerischen Raum aber von vielen weiteren Konditoreien angeboten und im Netz finden sich Rezeptversionen der Torte. Selbst das Bayerische Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten? hat die Torte aus luftig leichter Mandel-Nuss-Baiser-Masse, Mokka-Buttercreme, gerösteten Mandeln und Nüssen geadelt und sie in die Datenbank der regionaltypischen Spezialitäten Bayerns aufgenommen.

In Laim?, einem Stadtteil von München hat sich ein Einkaufszentrum nach der glücklosen Augsburgerin benannt: die Agnes-Bernauer-Arkaden mit Juwelier, Geschenke-Shop, Frisör, Zahn- und Kinderarzt etc. In der Nähe laden auch die Agnes-Bernauer-Stuben Gäste ein.

Die Donau-Reederei Wurm + Köck hat ein ein 1965 in Deggendorf? gebautes Schiff auf die bekannte Augsburgerin getauft: die MS Agnes Bernauer, die ihren Heimathafen in Deggendorf? hat und bis zu 300 Passagiere befördern kann.

Denkmäler

An der Donaubrücke bei Straubing? erinnert ein Denkmal für Agnes Bernauer an ihren gewaltsamen Tod und die Mordlust ihrer Häscher.

Theateraufführungen

In Vohburg? existieren die Agnes-Bernauer-Festspiele, die alle vier Jahre durchgeführt werden. Ebenso dient das Herzogschloss in Straubing? als Spielort von Agnes-Bernauer-Festspielen. Gerade in Straubing? gibt es eine bis auf 1790 zurückzuführende Tradition von Bernauer-Aufführungen. So wurden die Trauerspiele von Toerring, Meyr, Graf und Paul Langenscheidt aufgeführt. Zum 500. Todestag der Bernauerin im Jahr 1935 hat der NSDAP-Kreiskulturwart Eugen Hubrich sogar eigens das Stück "Die Agnes Bernauerin zu Straubing" gedichtet. Das Stück wurde nach 1945 überarbeitet und von dem nationalsozialistischen Gedankengut befreit.

Bedeutung

Es gibt mehrere Aspekte bei der Figur von Agnes Bernauer. Zum einen kann man sie als ein Opfer der damaligen Zeit sehen, in der Standesunterschiede einfach nicht übersprungen werden konnten. Man kann sie aber auch als eine ehrgeizige Frau zeichnen, die eigentlich wissen musste, dass sie Unmögliches erwartete, erhoffte. Man kann in ihr eine Aufsteigerin vermuten, die versucht hat, die Schranken zu überspringen. Was für ein Charakter sie wirklich war, bleibt auch nach langem Quellenstudium unklar. Jedoch muss sie eine ausgesprochene Persönlichkeit gewesen sein, sonst hätte sich der Herzog wohl nicht in sie verliebt.

Agnes Bernauer erscheint uns als Beispiel des Schicksals einer Frau im "finsteren Mittelalter". An ihr zeigt sich, dass es damals keinen Rechtsstaat gab, dass das Leben der Menschen Fürstenwillkür ausgeliefert war und das Leben eines Menschen, einer Frau zumal, wenig galt.

Dass Herzog Ernst die Bernauerin töten ließ, muss politisch erklärt werden. Eine reine Maitressenschaft seines Sohnes hätte und hat er geduldet. Wahrscheinlich hat Albrecht III. die Bernauerin wirklich geheiratet und sie zur Herzogin gemacht (was eigentlich nicht möglich war). Nach dem germanisch-rechtlichen Erbe musste eine Ehe standesgemäß sein, wenn die aus ihr kommenden Kinder die Erbfolge antreten wollten. Kinder aus ungleichen Ehen ("morganatische Ehe") folgten der "ärgeren Hand", blieben also im niederen Stand und wurden von der Erbfolge ausgeschlossen. Dies bedeutete für die Münchener Linie der Wittelsbacher großes Ungemacht, denn die Söhne aus der Beziehung zwischen Albrecht III. und der Bernauerin wären nicht erbfolgeberechtigt gewesen. Und wenn Albrecht III. die Bernauerin wirklich als Herzogin ausgegeben hat, bedeutete das sogar eine Auflehnung gegen die Reichsgesetze.

Weblinks


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