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Basilikenbilder

auch Basilikabilder, Basilikazyklus, Zyklus römische Basiliken; sechs Bilder römischer Basiliken, die zum Teil von Hans Holbein d. Ä. und Hans Burgkmair d. Ä. für das Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina geschaffen wurden

Allgemeines

Die zwischen 1499 und 1504 entstandenen Tafeln wurden früher meist in Verbindung mit dem Werk der einzelnen Maler betrachtet, doch muss man den Zyklus und das ikonologische Programm unter Einbeziehung der Auftraggebersituation, des Zeitgeistes und der religiösen Praktiken an der Schwelle vom ausgehenden Mittelalter zur Neuzeit als eine Einheit betrachten. Die sechs heute in der Staatsgalerie Alte Meister in Augsburg ausgestellten großformatigen und spitzbogigen Tafeln geben die römischen Kirchen Santa Maria Maggiore, San Pietro, San Lorenzo, San Sebastiano, San Giovanni in Laterano, Santa Croce und San Paolo fuori le mura wieder und verbinden diese Darstellungen mit Szenen aus der Passion Christi und den Viten Heiliger.

Die Basilikenbilder hatten eine repräsentative und memoriale Funktion. Neben ihrer Verwendung als geistige Pilgerfahrt ermöglichten sie das Nacherleben der Passion, fungierten als Andachtsbilder der Leiden Christi und dienten aufgrund der Darstellung von Heiligen ebenso der Fürbitte.

Kommt bei den Tafeln von Holbein eine intensive Auseinandersetzung mit dem Kolorit deutlich zum Tragen, spricht Burgkmairs Malerei von einem Studium der Natur und menschlicher Bewegungen.

Geschichte

Papst Innozenz VIII. erteilte am 19. Oktober 1484 dem Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina ein Ablassprivileg, das Papst Julius II. bestätigte: Alle Ablässe der römischen Kirchen konnten innerhalb ihrer Klausur erworben werden. Hierzu waren nur je drei Ave Maria und Paternoster an drei verschiedenen Orten im Kloster zu sprechen. Das war der Anlass, dass fünf Nonnen des Klosters Darstellungen der Hauptkirchen Roms in Auftrag gaben und die oben genannten Augsburger Künstler und der Monogrammist L. F. den Auftrag in den Jahren 1499 bis 1504 abarbeiteten.

Details

Die Basilikenbilder waren für den Kapitelsaal des Klosters der Dominikanerinnen bestimmt, der heute noch im Holbein-Gymnasium Augsburg erhalten ist. Gläubige, die keine Wallfahrt nach Rom zu den katholischen Hauptkirchen unternehmen konnten, durften in das Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina kommen und konnten hier den Ablass erlangen, wenn sie vor dreien der Basilikenbilder die von der Klosteroberin vorgeschriebenen Gebete verrichteten.

Die sechs Basilikabilder waren jeweils spitzbogig in die oberen Wandfelder unter den Gewölben des Kapitelsaales eingepasst. So bezeugt es jedenfalls eine Chronik des Klosters von 1752, die auf ältere Quellen zurückgeht. Die jeweils aus drei einzelnen Brettern zusammengesetzten Monumentalbilder sind dementsprechend bis zu zweieinhalb Meter hoch und vier Meter breit ausgeführt.

Obwohl innerhalb von fünf Jahren nur sechs Bilder entstanden, werden doch die sieben Pilgerkirchen Roms gezeigt, denn eines der Bilder stellt zwei Pilgerkirchen dar. Die römischen Gotteshäuser sind unterschiedlich genau dargestellt. Es ging nicht um eine realistische Darstellung der Originale, sondern um "Ersatz-Pilgerorte", Sinnbilder der römischen Stätten.

Ablassprivilegien ähnlich dem der Augsburger Dominikanerinnen gab es auch in anderen Frauenklöstern. So ist uns ein Zyklus mit stilisierten Darstellungen der sieben römischen Hauptkirchen mit den zu ihnen gehörenden Schutzpatronen und den Kirchen zugeordneten Kreuzwegsdarstellungen erhalten, der dem Meister des Riedener Altars zugeschrieben wird. Er befindet sich heute in der Kirche „Coena Domini“ des Herzoglichen Georgianums in München, war aber wohl für das Franziskanerinnen-Kloster in Kaufbeuren vorgesehen.

Hans Burgkmair d. Ä.

Hans Burgkmair d. Ä. schuf die Tafel mit der Basilica di San Pietro (1501, Stifterin: Anna Riedler) sowie die Tafel der Basilica di San Giovanni in Laterano (1502, Stifterin: Barbara Riedler) und die Basilica di Santa Croce (1504, Stifterin: Veronica Welser).

Burgkmair – S. Pietro – Basilica Cycle 2

Basilica San Pietro von Hans Burgkmair d. Ä. [Public domain], via Wikimedia Commons

Burgkmair – S. Giovanni in Laterano – Basilica Cycle 4

Basilica di San Giovanni in Laterano. Von Hans Burgkmair d. Ä. [Public domain], via Wikimedia Commons

Burgkmair – S. Croce – Basilica Cycle 6

Basilica Santa Croce. Von Hans Burgkmair d. Ä. [Public domain], via Wikimedia Commons

Hans Holbein d. Ä.

Von Hans Holbein d. Ä. stammen die Tafeln der Basilica San Paolo fuori le Mura (1504, Stifterin: Veronica Welser) und der Basilika Santa Maria Maggiore (1499, Stifterin: Dorothea Rehlinger).

Das Bild der Basilika San Paolo ist nicht mehr vollständig erhalten. Im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig befindet sich eine flüchtige Nachzeichnung, die vielleicht von Hans Burgkmair dem Älteren. Darauf ist der Zustand mit vollem Spitzbogen dokumentiert. Wie auch andere Bilder des Zyklus ist das der Basilika San Paolo durch aufgemaltes Maßwerk in mehrere Bildfelder unterteilt. Die in der Zeichnung sichtbaren äußersten Bildfelder ganz links und ganz rechts wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt abgetrennt. Möglicherweise geschah das, als das Bild seinen ursprünglichen Anbringungsort verlassen hatte. Auf der Braunschweiger Nachzeichnung sind ganz links mit einigen Strichen ein oder auch zwei Wappen angedeutet und ganz rechts eine weibliche Gestalt. Vermutlich war eines der abgeschnittene Wappen das der Stifterin Veronica Welser. Das ursprünglich links senkrecht und rechts durch den ansteigenden Spitzbogen begrenzte Bildfeld ist zu einer symmetrischen rechteckigen Tafel mit abgeschrägten oberen Ecken beschnitten worden.

Die Tafel zeigt ein Bildnis der Stifterin. Sie gelangte vom Grafen Joseph von Rechberg vor 1817/18 in die Sammlung der Fürsten Oettingen-Wallerstein? und ist im "Grundbuch der Hochfürstlich Oettingen Wallersteinschen Gallerie altdeutscher Gemaehlde. 1817/18" als ein Werk des Augsburgers Hans Holbein d. Ä. aufgeführt.

Auf der Tafel sind Szenen aus der neutestamentlichen und legendären Geschichte des Apostels Paulus dargestellt. Die linke Tafelseite zeigt die Bekehrung und die Taufe des Heiligen Paulus, das Mittelfeld die Predigt in der Titelbasilika und die Vollstreckung des Todesurteils an Paulus, die rechte Tafel die Niederlegung des Hauptes zwischen die Füße des Leichnams.

Holbein – S. Paolo fuori le mura – Basilica Cycle 5

Basilica San Paolo fuori le mura. Von Hans Holbein dem Älteren [Public domain], via Wikimedia Commons

Holbein – S. Maria Maggiore – Basilica Cycle 1

Basilica Santa Maria Maggiore. Von Hans Holbein dem Älteren [Public domain], via Wikimedia Commons

Monogrammist L. F.

Der Monogrammist L. F. schuf die Tafel zu den Basiliken San Lorenzo und San Sebastiano (1502, Stifterin: Helena Rebhuhn).

Master L. F. – S. Lorenzo and S. Sebastiano - Basilica Cycle 3

Basiliken San Lorenzo und San Sebastiano. Vom Monogrammisten L. F. [Public domain], via Wikimedia Commons

Vom Monogrammisten L. F. spricht man, weil eine Inschrift auf der Fassade von San Lorenzo das Monogramm L. F. enthält. Wer der Monogrammist war, ist unklar, doch haben Kunstwissenschaftler folgende Vorschläge zur Identität dieses Monogrammisten L. F. gemacht: Lienhart Framer, Leonhardt Fenndt, Leo Fras oder Fraß oder Maurer, Laux Frö(h)lich oder Freilich, Leonhard Furchsbüchl(er) ...

Weblinks


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