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Ballonfabrik Augsburg

auch bfa - See- unf Luftausrüstung GmbH & Co. KG; ein ehemaliges Augsburger Traditionsunternehmen, das 2009 geschlossen wurde; die letzten Fabrikationsräume lagen in der Wolfzahnau und gehörten der Familie Haßold; heute eine Dependence des Kulturpark Wests

Allgemeines

Die Ballonfabrik in Augsburg war bis zur Schließung ein Traditionsunternehmen, die keine Endverbraucher-Güter herstellte.

Geschichte

Die Gründung der Fabrik geht auf Kommerzienrat August Riedinger zurück (1897).

1931 stellt Auguste Piccard vom Firmengelände aus einen Ballonhöhenrekord auf, indem er mit einem Ballon 16 Kilometer hoch steigt.

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Befüllen des Stratosphärenballons von Piccard auf dem Gelände der Ballonfabrik Augsburg an der Austraße?; zur Verfügung gestellt von Thomas Werthefrongel, Stadtbergen.

Wie der Firmenname schon sagt, fertigt man bis in die 1950er Jahre vor allem Freiluftballone. Danach wendet man sich immer mehr der Fertigung von Industrie-Gasballonen sowie von Rettungs- und Sicherheitsausrüstung zu, denn die Zeit der gasgetriebenen Luftfahrzeuge war zu Ende gegangen. Die Rettungs- und Sicherungsausrüstung der Ballonfabrik Augsburg war für Luft- und Wasserfahrzeuge gedacht, man rüstete Rettungsdienste mit Sicherheitskleidung und Schutzkleidung aus, auch Gasspeicherballone für die Industrie stellte man vereinzelt her.

Immer stärker geriet die Ballonfabrik im Lauf der nachfolgenden Jahre in die Abhängigkeit von Armee-Aufträgen, sowohl von der Bundeswehr wie von ausländischen Armeen. Kurz vor Schließung der Ballonfabrik betrug der Umsatz mit zivilen Kunden nur noch etwa ein Fünftel des Gesamtumsatzes.

Zum 100-jährigen Firmenjubiläum bekam die Ballonfabrik ein neues Logo mit zwei Halbkreisen. Der obere symbolisierte einen Luft-Schutzschild, der unter eine Wanne, die Flüssigkeit auffängt oder als Rettungsinsel für Schiffbrüchige dienen kann.

2004 übernahm der Enkel des früheren technischen Leiters der Firma, Haßold, die Geschäftsführung von den Eltern, nachdem er schon 2002 den Betrieb umstrukturiert hatte.

Im April 2008 kaufte die Deutsche Schlauchboot GmbH & Co. KG (Eschershausen/Niedersachsen) die Ballonfabrik. Der Käufer gehörte zur nordirischen Survitec Group Limited in Belfast. Damals hatte die Ballonfabrik mit etwa 100 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 10 Millionen. Im Sommer des gleichen Jahres gewinnt die Firma den Bayerischen Gründerpreis? (Kategorie „Nachfolge“), weil sie ein vorbildliches Mitbestimmungs- und Erfolgsbeteiligungsmodell hat. Damals besaß die Ballonfabrik Augsburg noch ein Zweigwerk mit zwölf Mitarbeitern in Ortrand bei Dresden.

Im Oktober 2008 wurde etwa 100 Mitarbeitern der Firma gekündigt. Laut Augsburger Allgemeine vom 2. Oktober 2008 plante man die Fertigung im Rahmen einer Umstrukturierung der Survitec nach China zu verlegen.

Nach der Schließung der Fabrik im Oktober 2008 suchten die Eigentümer der Gebäude, Gerhard Endras und seine Geschwister, nach neuen Nutzern für die noch im Jahr 2008 sanierten Räume. Ab Juni 2009 bahnten sich zwischen ihm, der SPD, Kulturschaffenden und der Stadt Kontakte und Beratungen an, die darauf hinaus liefen, Teile des Geländes der ehemaligen Ballonfabrik Augsburg zu einer Dependence des Kulturparks West zu machen.

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Anfang 2010 stand fest, dass ein dreistöckiges Fabrikgebäude mit etwa 2.000 Quadratmetern Nutzfläche dem Kulturpark West für kulturelle und kreativwirtschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden soll. Die neue Dependence kam den Betreibern des Kulturparks West gelegen, waren doch die Räumlichkeiten dort schon wieder zu eng geworden. So wollte das Konservatorium Augsburg? seine Trommlerausbildung in der Ballonfabrik unterbringen.

Anfang September 2010 wurde bekannt, dass dem zum 01. Oktober geplanten Start des Veranstaltungsprogramms im neuen Soziokulturellen Zentrum in der Ballonfabrik eine Verschiebung wegen noch ausstehender Genehmigungen droht. Dies teilte der gemeinnützige Verein AWAKA? mit, der für das Konzertprogramm verantwortlich ist. Die Abnahme der neu renovierten Räume durch die zuständigen Behörden war noch nicht erfolgt, weil einige Auflagen u. a. bezüglich des Brandschutzes noch umgesetzt werden mussten. Zudem waren einige Verantwortlichkeiten zwischen der Kulturpark West gGmbH?, die die Ballonfabrik betreibt, und deren Mieter AWAKA? noch ungeklärt. AWAKA? plädierte deshalb für einen Runden Tisch, um den Freigabeprozess zu beschleunigen und eine rechtzeitige Inbetriebnahme des Zentrums zu ermöglichen.

Ende April 2012 eröffnete die Indoor-Rollsporthalle „Bluebox“, neben ähnlichen Anlagen in Ulm und Pfaffenhofen? damals die einzige Sportanlage dieser Art in Süddeutschland?. Gefördert wurde die Anlage von ku.spo, benutzt wird sie von BMX-Fahrern und Skateboardern (z. B. vom Verein Razed?).

Ende 2012 wurde in der Ballonfabrik eine der damals fünf größten Boulder-Hallen der Welt eröffnet.

Details

Offiziell begründete man die Schließung der Ballonfabrik Augsburg damit, dass sich der Export ihrer Produkte nach Großbritannien wegen der Kursschwankungen des Pfunds nicht mehr rechnen. Der entsprechende Produktanteil betrug ein Drittel der Fertigung.

Boulderanlage

Die Boulder-Anlage der Ballonfabrik hat etwa 1.000 Quadratmeter Kletterfläche. Hier kann man ohne Seil an Wänden und Überhängen trainieren. Gebaut wurde die Anlage von den Betreibern eines Augsburger Bergsportgeschäfts und ihren Freunden, nachdem eine Firma die Kletterwände konzeptioniert hatte.

Um Langeweile zu vermeiden werden die Kletterpfade regelmäßig ummontiert. Absteigen kann man hinter den Kletterwänden. Bergsteiger können die Ausrüstung in der Ballonfabrik ausleihen oder kaufen. Neben kostenlosen Einführungskursen finden auch Kletterkurse statt, die bezahlt werden müssen. Kinder können sich in ihrer Kletterecke spielend mit dem Sport vertraut machen und Menschen mit Rückenschmerzen können therapeutische Kletterkurse wahrnehmen.

Soziokulturelles Zentrum

Heute vermietet die Kulturpark West gGmbH? in der ehemaligen Ballonfabrik neben Büros und Atelierräumen auch Veranstaltungsräume. Einer davon ist das Soziokulturelle Zentrum, in dem Konzerte weniger bekannter Bands in kleinerem Rahmen stattfinden. Der Veranstaltungsbereich im Soziokulturellen Zentrum umfasst eine Fläche von 76 Quadratmetern mit einer maximalen Besucherzahl von rund 150 Personen.

Die Idee eines sozio-kulturellen Zentrums – in anderen Städten wie München und Nürnberg ist so ein Zentrum schon vorhanden und wird von Seiten der Stadt gefördert - ist nicht neu. Konkret wurde der Bedarf an nichtkommerziellen Veranstaltungsräumen in Augsburg nach der Schließung des Provino-Live-Clubs im Jahr 2006, damals einer der wichtigsten Auftrittsorte für lokale und auch überregionale Bands. Danach schlossen sich verschiedene Initiativen und gemeinnützige Vereine zusammen, gingen auf intensive Raumsuche und traten mit diesem Vorhaben mittels mehrerer Demonstrationen und Presseartikel in die städtische Öffentlichkeit, um das Gelingen dieses Projekts zu forcieren. Durch das Zusammenwirken eines privaten Vermieters, der Kulturpark West gGmbH?, des vor allem von Musikern, Musikfans, Schülern und Studenten getragenen Vereins AWAKA? sowie mehrerer ehrenamtlich für das Projekt tätiger Augsburger Architekten rückte schließlich Anfang 2010 das Ziel in greifbare Nähe: eine Plattform, um die immer noch lebendige, aber mangels geeigneter Veranstaltungsorte zersplitterte Augsburger Popmusik- und Popkulturszene zusammenzuführen.

Weblinks


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